Fast-track: Einzelmaßnahmen individuell und optimal kombinieren
Baxter Deutschland GmbH
Die Fast-track Rehabilitation ist ein neues, in den 1990er Jahren in Dänemark entwickeltes und inzwischen weltweit praktiziertes Behandlungskonzept der operativen Medizin. Ziel ist, Patienten einer möglichst komplikationslosen und raschen postoperativen Erholung zuzuführen. Dies wird durch das Zusammenwirken hocheffektiver chirurgischer, anästhesiologischer und pflegerischer Einzelmaßnahmen
erreicht.
Ein Schlüssel zum Erfolg des Konzepts liegt vor allem in der
Reduktion perioperativen Stresses durch innovative Operations- und Anästhesietechniken.
Dazu gehört minimalinvasives (laparoskopisches) Operieren ebenso wie eine
Kombination aus thorakaler Epiduralanalgesie und Intubationsnarkose unter Verwendung
kurzwirksamer Substanzen (z.B. Desfluran). Wichtig ist aber auch der Verzicht
auf lange präoperative Nahrungs- und Flüssigkeitskarenzen, postoperativ
eine schnelle Rückkehr zur oralen Versorgung und frühe Mobilisation
der Patienten. Diese Maßnahmen erfordern – stärker als unter
traditionellen Behandlungsregimen – eine aktive Beteiligung des Patienten.
Die meisten Erfahrungen in der Anwendung des Fast-track Konzepts liegen derzeit
für die elektive Kolonchirurgie vor; es kann aber auch bei anderen Operationen
eingesetzt werden.

Operationstechnik: Im Idealfall laparoskopisch
Je kleiner die Schnitte, desto geringer die postoperativen Schmerzen, und desto
schneller auch die Erholung: Bei minimalinvasiven Zugängen werden Haut
und Weichteile kaum verletzt. Daher ist laparoskopisches Operieren bei Fast-track
die bevorzugte Methode und besonders bei Eingriffen am aufsteigenden Dickdarm
(Colon ascendens), Sigma (Colon sigmoideum), oberen Enddarm (Rektum) und Blinddarm
(Zöcum) geeignet. Dabei werden mit Hilfe von Trokaren ein optisches Gerät
und zwei bis vier OP-Werkzeuge durch die Bauchdecke eingeführt.
Ist eine Laparotomie unvermeidbar – etwa bei Operationen im transversalen
Kolonbereich –, sollte die Baudecke mit queren Schnitten geöffnet
werden. Dies schont nicht nur die Bauchdeckennerven und reduziert die Schmerzintensität,
sondern kommt auch dem Erhalt der Lungenfunktion zu gute. Idealerweise wird
sowohl für die Trokarinzision als auch für die Laparotomie ein Elektroskalpell
verwendet. Bei dieser so genannten Elektronomie wird hochfrequenter Wechselstrom
durch das Gewebe geleitet. Dadurch entsteht ein thermischer Effekt, der es
ermöglicht, das Gewebe zu schneiden und gleichzeitig Blutungen zu stillen.
Belastende Magensonden und Wunddrainagen sind obsolet. Der Blasenkatheter sollte
unmittelbar nach der Operation entfernt werden.
Anästhesie und Schmerztherapie: Effektiv und schonend
Für die Allgemeinanästhesie empfiehlt sich bei Fast-track Patienten
aller Alters- und ASA-Stufen eine Kombination des volatilen Anästhetikums
Desfluran und des Opioids Remifentanil. Über eine präzise Narkosesteuerung hinaus ermöglicht die gemeinsame Gabe beider Substanzen eine genaue Berechnung der Aufwachzeiten. Die Aufwachqualität, gemessen u.a. an der Geschwindigkeit der Wiedererlangung körperlicher und geistiger Autonomie sowie der Fähigkeit zur Kommunikation und Interaktion, ist sowohl bei einer Gas- als auch bei einer opiodbetonten Anästhesie hoch.
Für die postoperative Schmerztherapie ist die thorakale Epiduralanalgesie (TEA) das Mittel der Wahl. Der Epiduralkatheter wird im Rahmen der Narkoseeinleitung
im Brustwirbelsäulenbereich angelegt. Optimalerweise wird er bereits während
der Operation mit einem Lokalanästhetikum und einem Opioid – z.B.
Ropivacain und Sufentanil – beschickt, spätestens aber bei Narkose-
und Operationsausleitung. Postoperativ wird die TEA als kontinuierliche (CEA)
oder Patienten kontrollierte (PCEA) Epiduralanalgesie fortgesetzt. In beiden
Fällen wird eine Basisrate an Schmerzmedikamenten gegeben. Bei der PCEA
ist diese geringer als bei der CEA, und der Patient hat die Möglichkeit,
alle 20 Minuten über eine Pumpe einen Bolus von 3 – 4 ml zu applizieren.
Die postoperative Schmerztherapie mit Hilfe des Epiduralkatheters wird durch
den Anästhesisten und / oder einen Akutschmerzdienst überwacht und
kann zwischen dem dritten und fünften postoperativen Tag beendet werden.

Orale Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr: Selbst isst der Patient
Einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Hämostase leistet eine
präoperativ möglichst lange und postoperativ möglichst frühe orale Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr: Gegenüber konventionellen
Behandlungsmethoden sollen Fast-track Patienten bis zwei Stunden vor Operationsbeginn
klare, kohlenhydratreiche Flüssigkeiten - auch Kaffee und Tee - trinken.
Dieses „Glucose-Loading“ reduziert die Inzidenz perioperativer
Stressreaktionen sowie postoperativer Insulinresistenzen und PONV (postoperative nausea and vomiting). Ein guter Hydratationsszustand ermöglicht überdies eine zurückhaltende intraoperative Flüssigkeitstherapie. Am Operationstag sind auf der Pflegestation dann noch maximal 500 ml einer Vollelektrolytlösung zu infundieren und weitere 1.000 ml Flüssigkeit oral zuzuführen.
Die präoperative Nahrungskarenz ist auf sechs Stunden verkürzt. Am Vortag nehmen die Patienten flüssige Kost zu sich und am OP-Tag (nach dem Eingriff) 300 g Joghurt oder 400 g Proteindrinks. Ab dem ersten postoperativen Tag bekommen sie normale Krankenhauskost.
Frühe Mobilisation: Ungewohnt, aber unverzichtbar
Dem weitgehenden Verzicht auf künstliche Ernährung und infusionale Flüssigkeitszufuhr entspricht die Vermeidung vollständiger Bettruhe sowohl vor als auch nach der Operation. Das Mobilisationsprogramm beginnt bereits am OP-Tag damit, dass die Patienten nach dem Eingriff zwei Stunden im Pflegestuhl sitzen und einmal den Stationsflur auf und ab gehen. Am ersten postoperativen
Tag sollen sie sich insgesamt acht Stunden im Pflegestuhl aufhalten (mit Unterbrechungen)
und zwei Mal über den Flur laufen. Ab dem zweiten Tag werden tagsüber
nur noch zwei Stunden nach dem Mittagessen im Bett verbracht. Insbesondere
dieser Aspekt der Fast-track Rehabilitation fordert nicht nur bei Pflegenden,
die die Patienten motivieren und Mobilisation überwachen, sondern auch
bei den meisten Patienten ein Umdenken. Hilfreich ist es, wenn sie – nach
Möglichkeit bereits vor der Krankenhausaufnahme – ausführlich über
das Behandlungskonzept informiert werden.
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