Interdisziplinär und evidenzbasiert: Prinzipien der Fast-track Rehabilitation
Prof. Dr. Wolfgang Schwenk
Als Fast-track Rehabilitation bezeichnet man einen definierten, perioperativen
Behandlungspfad in der operativen klinischen Medizin, der aus fünf Phasen
besteht. Je nach Art des Eingriffs werden hierfür spezifische, evidenzbasierte,
interdisziplinäre Maßnahmen eingesetzt, die im Zusammenspiel eine
rasche und komplikationsarme postoperative Erholung ermöglichen.

Die Hauptbestandteile der Fast-track Rehabilitation sind
1. Patienteninformation, -schulung und -motivation
2. Stressprophylaxe und -therapie
3. Aufrechterhaltung der Homöostase (PONV-Prophylaxe, Temperaturerhalt,
adäquate Infusionstherapie, etc.)
4. Effektive Analgesie
5. Schonende operative Zugänge und atraumatische Operationstechnik
6. Frühe Mobilisation und orale Ernährung
Das Ziel der Fast-track Rehabilitation ist nicht die Verkürzung des stationären
Aufenthaltes nach operativen Eingriffen, sondern das schnelle Erreichen der
Entlassungsfähigkeit bei unveränderten Entlassungskriterien. Eine
optimale perioperative Therapie kann nur durch die enge Kooperation von Chirurgie,
Anästhesie und Pflege erreicht werden. Durch die interprofessionelle Kooperation
zwischen den Disziplinen in der perioperativen Phase kann die Pathophysiologie
beim Patienten optimal kontrolliert werden. Postoperative Komplikationen lassen
sich so vermeiden und die Rekonvaleszenz des Patienten wird beschleunigt.
Im Gegensatz zu „traditionellen“ Operationstechniken liegt das
Hauptaugenmerk der Fast-track-Maßnahmen auf dem Erhalt der Homöostase
und einer größtmöglichen Patientenautonomie. So gelingt es
beispielsweise, durch den Verzicht auf Magensonden und Wunddrainagen sowie
durch eine effektive PONV-Prophylaxe, den perioperativen Stress für den
Körper zu minimieren. Eine schonende Anästhesie im Verbund mit einer
effektiven Schmerztherapie, die es dem Patient bereits am Operationstag wieder
ermöglicht, sich schmerzfrei zu bewegen, fördert wiederum die frühe
Mobilität des Patienten.
Für das Funktionieren des Fast-track-Konzepts ist letztendlich das Zusammenspiel
verschiedener Einzelmaßnahmen entscheidend, die erst bei konsequenter
interdisziplinärer Anwendung synergistisch ineinander greifen. Ein gutes
Beispiel ist der Einsatz von laparoskopischen Kolonresektionen. Gerade bei
diesen Operationen ist eine enge und gut funktionierende Planung und Abstimmung
zwischen Anästhesist und Chirurg über den gesamten Operationszeitraum
hinweg wichtig, um auch bei notwendiger Konversion zur offenen Operationstechnik
ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Prof. Dr. Wolfgang Schwenk
Universitätsklinik für Allgemein-, Visceral-, Gefäß- und
Thoraxchirurgie
Universitätsmedizin Berlin
Charité Campus Mitte
Charitéplatz 1
10117 Berlin
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