Heiße Tipps gegen coole Fälle
Gabriele Depenbusch
erschienen in der 'intensiv'
- Fachzeitschrift für Intensivpflege und Anästhesie, Georg Thieme
Verlag (intensiv 2002; 10; 48 - 59)
Einleitung
Durch eine verminderte Wärmebildung, die anästhetikainduzierte Störung
thermoregulatorischer Mechanismen und eine vermehrte Wärmeabgabe durch
die intraoperativen Bedingungen kommt es in ca. 60 % aller Allgemeinanästhesien
zur Hypothermie. Vor allem in der postoperativen Phase können sich daraus
erhebliche Auswirkungen auf den Organismus und den Heilungsverlauf ergeben (Abb.
[1] [3].
Auch nur milde Hypothermien führen zu einer nicht unerheblichen Beeinträchtigung
der Patientenbefindlichkeit, z. B. durch Shivering oder Zentralisation. Das
subjektive Erleben der prä- und postoperativen Phase trägt aber wesentlich
zur Gesamtbeurteilung des operativen Ereignisses von Seiten des Patienten bei.

Abb. 1 Die Komplikationen einer perioperativen Hypothermie zeigen sich vor allem
in der ersten postoperativen Phase.
Unter Narkosebedingungen wird die Wärmebilanz des Patienten durch die
reduzierte Eigenproduktion, gegebenenfalls durch eine externe Wärmezufuhr
sowie die v. a. umgebungsbedingt hohen konvektiven und radiativen Verluste bestimmt.
60 % des Wärmeverlustes entstehen durch Radiation, eine Wärmeabstrahlung,
die proportional zum Temperaturunterschied zwischen der Hautoberfläche
und den umgebenden Raumwänden ist.
Die Luftströmung im OP-Saal führt zum ständigen Austausch der
den Körper umgebenden warmen gegen kalte Luft. Auf diesen Mechanismus der
Konvektion lassen sich weitere 15 % Wärmeverlust zurückführen.
Neben den 12 % respiratorischer Wärmeabgabe machen direkte evaporative
Wärmeverluste über die Haut durchschnittlich nur 10 % vom Gesamtverlust
aus. Sie sind aber stark abhängig von der Größe der Operationswunde.
Der Anteil der Wärmeleitung durch direkten Kontakt mit Objekten (Konduktion)
ist mit 3 % zu vernachlässigen [4].
Für die Wärmetherapie stehen verschiedene passiv wärmebewahrende
und aktiv wärmeapplizierende Verfahren zur Verfügung. Der Wirkungsgrad
folgt physikalischen Gesetzmäßigkeiten: von der zur Wärmung
zur Verfügung stehenden Oberfläche, dem Zeitpunkt und der Zeitdauer
der Wärmezufuhr, den Wärmetransportmöglichkeiten im Körper
und vom Gesamtwärmeaustausch (Abb. [2]). Dieser setzt sich aus dem Wärmeaustauschkoeffizienten
und der Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Körperoberfläche
zusammen.
Der Austauschkoeffizient beschreibt den Wirkungsgrad des Wärmeaustausches.
Abhängig vom jeweiligen physikalischen Prinzip der Methode beträgt
er als eine materialabhängige Konstante bei konvektiven Decken 20-32 W/m2/°C,
bei konduktiven Elementen 40 W/m2/°C [5][6]. Das heißt, bei gleicher
Oberfläche und gleichem Temperaturgradienten ist das konduktive Verfahren
überlegen. Aus diesem Grund werden z. B. die Tauchanzüge für
extreme Tiefen nicht mit warmer Luft, sondern mit warmem Wasser betrieben.
Die treibende Kraft des Wärmetransportes ist die Differenz zwischen Wärmequelle
und Hauttemperatur. Alle Wärmequellen mit direktem Kontakt zur Haut dürfen
wegen möglicher thermischer Schädigung eine geregelte max. Arbeitstemperatur
von 42 °C nicht überschreiten. Auch beim Einsatz eines Radiators muss
die Einhaltung dieser maximalen Hauttemperatur gewährleistet sein.
Über eine hohe Temperaturdifferenz von 20-30 °C zwischen Strahlenquelle
und Körperoberfläche wird aber im Vergleich zu den anderen Verfahren
mit Wärmestrahlern der größere Wärmefluss erreicht. Für
eine optimale Wirkungsentfaltung sind ein senkrechtes Auftreffen der Strahlen
auf die Körperoberfläche und ein möglichst geringer Abstand zum
Patienten erforderlich. Wegen einer ungleichmäßigen Wärmeverteilung,
aufgetretenen Verbrennungen und erheblichen Einschränkungen in der Praktikabilität
werden die Strahler im intraoperativen Alltag allerdings nur selten verwendet.
Abb. 2 Die Gesamtwärmebilanz ergibt sich einerseits aus den Wärmeverlusten
in die Umgebung sowie der körpereigenen Wärmeproduktion und dem Wirkungsgrad
wärmeapplizierender Maßnahmen auf der anderen Seite.
Auf der Grundlage der genannten physikalischen Prinzipien des Wärmeflusses
lassen sich folgende Empfehlungen ableiten, um die unterschiedlichen Wärmetherapiegeräte
und Verfahrensweisen optimal einzusetzen.
„Alte Zöpfe abschneiden”
In einer ersten Analyse sollten das vor Ort praktizierte Wärmemanagement
und das standardisierte Vorgehen auf Notwendigkeit, Effektivität und mögliche
Risiken kritisch überprüft werden, z. B.:
- Vollständiges Entkleiden der Patienten beim Einschleusen?
Beim Einschleusen in den OP-Trakt wird der Patient ganz entkleidet. Auch das
OP-Hemd, das der Patient erst direkt vor dem Transport von der Station in
den OP frisch angezogen hat, wird ausgezogen und entsorgt. Nicht nur wirtschaftlich
gesehen ist diese Maßnahme nicht nachvollziehbar.Würde abhängig
von der Art des operativen Eingriffs das vom Körper bereits angewärmte
OP-Hemd belassen, wäre eine erste, einfache Isolation vor Wärmeabstrahlung
schon erreicht. Neben der Wahrung des Intimschutzes erspart man dem Patienten
so auch das Gefühl, entblößt, schutzlos und ausgeliefert zu
sein.
- Keine Wärmemaßnahmen im Verlauf von Kurzzeiteingriffen?
Gerade bei kurz dauernden Eingriffen oder unvorhersehbaren OP-Zeitverlängerungen
kommt es zur Fehleinschätzung des Hypothermierisikos. Auch bereits bei
milden Hypothermien kann es zu erheblichen Befindlichkeitsstörungen kommen.
So führen schon geringgradige Abweichungen der Körpertemperatur
zum ausgeprägten Shivern. Bei stabiler Körpertemperatur wird allein
der Zustand der thermoregulativen Zentralisation von den Patienten subjektiv
als sehr unangenehm empfunden. Durch eine adaptierte Wärmetherapie kann
die Patientenverweilzeit im Aufwachraum deutlich verkürzt werden [1].
- Anwärmen der Betten mittels Radiatoren? Es ist gängige
Praxis, die Betten mittels Wärmestrahler für den ausgekühlten
Patienten vorzuwärmen. Das erspart eine zusätzliche Wärmeleistung
des Körpers, die sonst zum Aufwärmen des kalten Bettes aufgebracht
werden müsste. Der Hauptbestandteil der Klinikbettwäsche, die Baumwolle,
besitzt aber kaum Wärmespeicherfunktion. Bei einem ersten Kontakt fühlt
sich die Matratzenoberfläche zwar warm an, die Wärme verpufft aber
innerhalb kurzer Zeit (Abb. [3], [4]). In der Zeitspanne, die vergeht, bis
das Bett von der Wärmequelle entfernt, für den Patiententransfer
vorbereitet und der Patient umgelagert wird, ist die meiste Wärme wieder
verloren. So ist diese Maßnahme nur dann sinnvoll, wenn ein wacher Patient
z. B. nach Regionalanästhesie den ersten Wärmekontakt bewusst wahrnehmen
kann. Ein anhaltender Transfer einer messbaren Wärmemenge, wie er zum
Aufwärmen hypothermer Patienten gewünscht wird, ist jedoch nicht
gegeben, da die entnommene und verbrauchte Wärme nicht nachreguliert
wird. Die Wärmeentwicklung läuft ganz unkontrolliert. Aus brandschutztechnischen
Gesichtspunkten heraus erscheint diese Maßnahme sogar höchst bedenklich.
Unbeobachtet kann sich durch die starke Hitzeeinwirkung auf brennbare Materialien
eine erhebliche Brandgefahr entwickeln.

Abb. 3 Vorwärmen der Betten mittels Radiator - eine sinnvolle Maßnahme?
Abb. 4 Ein Theratherm®-Radiator mit 6 x 150 Watt Infrarotlampen erzeugt
bei einem 60-cm-Abstand zur Matratze rasch hohe Temperaturen von 70-80 °C.
Wegen der geringen Wärmespeicherkapazität der Baumwollmaterialien
fallen die gemessenen Temperaturen aber ebenso rasch nach Entfernen der Wärmequelle.
Silberfolie als Isolationsmaterial? Silberfolie besitzt einen
kaum höheren Isolationswert als ein einlagiges Baumwolltuch [5][7]. Kosten
und Nutzen teurer Silberfolien-OP-Abdeckungen stehen in keinem Verhältnis
dazu. Deutlich besser isoliert die herkömmliche Stationsbettdecke oder
z. B. die mehrlagige Thermcare®-OP-Decke (Fa. Barkey) (Tab. [1]).
Tab. 1 Relative Isolationswerte unterschiedlicher Abdeckungsmaterialien. Durch
konduktiven Wärmeentzug kühlt ein Messkörper allein durch das
Auflegen nicht vorgewärmter Materialien um 0,3-1 °K ab. Deshalb sollten
Isolationsmaterialien, die schwerer als 5 g/10 cm2 sind, nur vorgewärmt
angewendet werden.
| Isolationsmaterial |
Gewicht g/10 cm2 |
ohne Luftbewegung in °C |
mit Luftbewegung in °C |
| Baumwolltuch |
2,0 |
1,5 |
3,1 |
| Zeitung 1-lagig |
|
1,5 |
|
| Zeitung auf Abstand |
|
2,1 |
|
| Frotteetuch |
4,8 |
2,6 |
5,1 |
| Baumwolltuch+Frotteetuch |
|
2,9 |
5,7 |
| Moltontuch |
5,7 |
2,5 |
5,0 |
| Baumwolltuch+Moltontuch |
|
2,8 |
5,6 |
| thermcare |
4,5 |
3,6 |
5,7 |
| Baumwolltuch+thermcare |
|
3,7 |
5,6 |

Die Messung einer lokalen Körpertemperatur sagt noch nichts über die
Gesamtwärmemenge und die echte thermische Belastung des Körpers aus.
Dazu müsste eine Registrierung der aktiven Wärmebildung (analog zur
CO2-Produktion) und des Maßes der Vasokonstriktion (Temperaturgradient
zentral-peripher) erfolgen. Aber die Erfassung der Körperkerntemperatur
lässt erkennen, wann die körpereigenen Regulationsmechanismen nicht
mehr greifen und spätestens mit externen Wärmemaßnahmen begonnen
werden sollte.
Auch dabei ist das Temperaturmonitoring unerlässlich, um
eine unbeabsichtigte Überwärmung auszuschließen. Entscheidend
ist es, den gesamten Temperaturverlauf zu erfassen, also bereits schon in der
Phase der Narkoseeinleitung, noch vor den ersten Temperaturverlusten, mit der
Messung zu beginnen.
Die Entscheidung, an welchem Messort gemessen wird, muss situationsangepasst
erfolgen. Stehen Hypothermierisiko, Aussagekraft des Messwertes, Invasivität,
Risiken im Zusammenhang? Als Referenz für die Körperkerntemperatur
gilt die Temperatur im gemischtvenösen Blut der A. pulmonalis. Die Möglichkeit
dieser invasiven Messung ergibt sich nur über den Thermistor des Pulmonaliskatheters.
Als kernnahes Äquivalent gilt die Tympanontemperatur, gemessen mittels
eines zuverlässigen Infrarotohrthermometers, z. B. First Temp Genius®
(Fa. tyco healthcare), für engmaschige Einzelmessungen oder mittels der
noninvasiven Tymapnonsonde, z. B. Mon-a-therm® (Mallinckrodt), zur kontinuierlichen
Überwachung.
Vor der Messung muss der Gehörgang inspiziert und gegebenenfalls von Zerumen
gesäubert werden. Die Tympanonsonde liefert recht verlässliche Temperaturwerte,
wenn der Gehörgang nach außen durch ein Wattepad isoliert wird. Beim
narkotisierten Patienten kann das blinde Einführen der Tympanonsonde in
den Gehörgang zu Verletzungen oder einer Trommelfellperforation führen.
Daher empfiehlt es sich, den wachen Patienten unter Anleitung die Sonde sich
selbst platzieren zu lassen und sie dann in korrekter Lage sicher zu fixieren.
Die Ösohagustemperatur ist sowohl durch ihre Lokalisation auch als kernnah
anzusehen. Die Messung ist relativ unempfindlich gegenüber äußeren
Störeinflüssen, allerdings ist eine Beeinflussung durch nicht klimatisierte,
kalte Atemgase zu berücksichtigen. Die vesikal gemessene Temperatur ist
nur bei ausreichender Urinproduktion und Blasenfüllung valide.
Die alternative Messung im Nasopharyngealraum ist störanfälliger
und damit weniger aussagekräftig. Die Verfälschung der Messwerte z.
B. durch Wärmeauflagen, kalte Narkosegase oder ungenaue Platzierung muss
ausgeschlossen bzw. zumindest berücksichtigt werden.
Insbesondere bei enger
oder veränderter Nasenanatomie, Adenoiden oder Gerinnungsstörung besteht
die Gefahr von Verletzungen und Epistaxis. Rektale Temperaturwerte eigenen sich
nur bedingt als Referenzwert. Faeces und ungünstige Positionierung können
die Werte um 1-1,5 °C von der Körperkerntemperatur abweichen lassen.
Die Entscheidung, in welchem Umfang welche Wärmemaßnahmen zum Einsatz
kommen, ist situationsgebunden. Ein risikogestaffeltes Wärmekonzept lässt
sich aus einem individuellen Profil der Arten operativer Eingriffe sowie den
gegebenen apparativen und logistischen Möglichkeiten erstellen (Abb. [5]).

Abb. 5 Kriterien zur Erstellung eines adaptierten Wärmekonzeptes.
Der an sich berechtigte Einsatz von Material und Geräten wird oft allein
durch die Verfügbarkeit limitiert. Forderungen und Argumente der Notwendigkeit
stoßen an betriebswirtschaftlich argumentierte Grenzen. Dabei werden aber
die Folgekosten der Hypothermie nicht berücksichtigt. Es besteht ein deutlicher
Zusammenhang zwischen der Körpertemperatur der Patienten bei Aufnahme auf
die Aufwachstation und der Aufenthaltsdauer bis zur Verlegung [8][9].
Ursächlich sind u. a. das Auftreten von Shivering und die dadurch notwendige
medikamentöse Therapie, die verlängerte Wirkdauer von Relaxanzien
und Opiaten sowie der erhöhte Muskeltonus und der konsekutiv erhöhte
Analgetikabedarf. Ein gewisser Komfort im operativen Umfeld ist auch im Rahmen
der „Kundenorientierung” sinnvoll und wünschenswert. Die Beurteilung,
wie eine Operation und Narkose vom Patienten erlebt wurden, wird zum Appell,
alle gegebenen Möglichkeiten der Einflussnahme durch das OP- und Anästhesieteam
auch wirklich auszuschöpfen.
Konkrete negative Vorerfahrungen und die bekannte Disposition zum Shivern müssen
Einfluss auf ein entsprechendes wärmebezogenes Vorgehen haben. Eine angespannte
präoperative Situation kann durch ein Wärmeangebot etwas abgemildert
werden. Auch im Rahmen der Regionalanästhesie kommt es durch die ausgeprägte,
lang andauernde Vasokonstriktion und die gestörte Temperaturwahrnehmung
und eingeschränkte Fähigkeit der Wärmeproduktion durch Muskelzittern
zum Auskühlen der Patienten. Im Vergleich zur Allgemeinanästhesie
wird die Normothermie erst später wieder erreicht.
Die dadurch begründeten Wärmemaßnahmen werden von den wachen
Patienten meist sehr dankbar aufgenommen. Eine ausreichende Motivation des verantwortlichen
Anästhesieteams für den Einsatz wärmebewahrender Maßnahmen
muss sich somit allein schon aus den zuvor genannten Argumenten ergeben.
„Der frühe Vogel pickt das Korn”
Die Vermeidung der Auskühlung ist wesentlich effektiver als die Zufuhr
einmal verloren gegangener Wärme [10][11]. Der relativ hohe Wassergehalt
des Körpers (Säuglinge 80 %, Erwachsene 60 %) bedingt eine thermische
Trägheit im Sinne einer verzögerten Wärmeaufnahme. Die Vasokonstriktion
als Gegenregulationsmechanismus des Körpers bei Auskühlung verhindert
nicht nur weitere Wärmeverluste, indem sie den Körperkern vor der
kalten Umgebung schützt. Vasokonstriktion wirkt aber auch gegen Wärmezufuhr
von außen isolierend.
Es ist entscheidend, früh genug, d. h., bevor die thermoprotektive Vasokonstriktion
greift, mit den Wärmemaßnahmen anzufangen, denn die Wärme gelangt
vor allem über eine offene Gefäßversorgung von der Peripherie
zum Körperkern. Sehr effektiv ist ein Prewarming, also eine präanästhesiologische,
großflächige Wärmezufuhr, über Luftwärmematten oder
aufgelegte Wärmeelemente bereits S-1 Stunde vor Narkoseeinleitung. Durch
ein Angleichen der Körperschalen- auf Körperkerntemperatur entfallen
dann die in Abb. [6] beschriebenen Wärmeumverteilungsverluste [7][12?14].
Zudem wird die Wärme in dieser Phase angespannten Wartens (hoher Sympatikotonus,
Angstschweiß, kalte Hände und Füße) als sehr angenehm,
wohltuend und entspannend empfunden. Aus logistischen Gründen wird dieses
Konzept des Prewarmings nicht immer umsetzbar sein.
Aber auch der frühzeitige Beginn der Wärmezufuhr mit Eintreffen des
Patienten im Einleitungsraum zeigt einen deutlich positiven, wärmebewahrendenen
Effekt.

Abb. 6
Der perioperative Verlauf der Körperkerntemperatur lässt sich in
3 Phasen einteilen:
1. Umverteilung, 2. externe Verluste, 3. Steady state.
Patient A: w, 82 J., 72 kg KG, 168 cm, OP: kompletter Wechsel der Hüftendoprothese,
OP-Dauer (Schnitt bis Naht) 75 min, ca. 500 ml Blutverlust, balancierte Allgemeinanästhesie,
Low-Flow-Beatmung, Anästhesiedauer (Beginn der Einleitungsmaßnahmen
bis Ende der Ausleitung) 124 min
Wärmemaßnahmen: vorgewärmte Infusionslösungen, konvektive
WarmTouch-Oberkörperdecke ab OP-Beginn Durch den Sympatikus hemmenden bzw.
direkt vasodilatierenden Einfluss der Induktionshypnotika kommt es bereits in
der Phase der Narkoseeinleitung zu einer Wärmeumverteilung vom Körperkern
in die Peripherie. Über die vasodilatierte, offene und im Rahmen weiterer
Vorbereitungs- und Lagerungsmaßnahmen entblößte, ungeschützte
Körperoberfläche ist dann ein ausgedehnter Wärmeverlust in die
Umgebung möglich. So fällt die Temperatur der Patientin noch vor eigentlichem
OP-Beginn bereits um 1 °C ab.
Die externe Wärmezufuhr kann einen weiteren Temperaturabfall nicht mehr
verhindern. Erst bei einer Temperatur von 35,2 °C kommt es zum Steady state
auf niedrigem Niveau.
Patient B: m, 79 J., 78 kg KG, 173 cm, OP: kompletter Wechsel der Knieendoprothese,
OP-Dauer 111 min, ca. 300 ml Blutverlust, balancierte Allgemeinanästhesie,
Low-Flow-Beatmung, Anästhesiedauer 175 min
Wärmemaßnahmen: vorgewärmte Infusionslösungen, Online-Infusionswärmer
autoline®, vorgewärmte thermcare®-OP-Ganzkörperdecke, Teilkörperdecke,
Kopfhaube, 4 konduktive paddytherm®-Wärmeelemente, Beginn der Wärmemaßnahmen
25 min vor NarkosebeginnDirekt nach Eintreffen des Patienten im Einleitungsraum
wird großflächig aktiv gewärmt. Erst 25 min später erfolgt
die Narkoseinduktion. Bei ununterbrochener Wärmezufuhr fällt die Körpertemperatur
im Gegensatz zu A sowohl vor OP-Beginn als auch in den folgenden 2 Stunden nicht
unter 36,5 °C ab. Das oben beschriebene Umverteilungsphänomen wird
hier sichtbar durch ein Abfallen der Körperkerntemperatur um 0,4 °C
alleine durch das Öffnen der Blutsperre und Freigeben der Zirkulation im
operierten Bein (128 min nach Start der Einleitung).
Isolation ist die erste, einfachste und kostengünstigste Methode, um
Wärmeverluste zu verringern. Eine deutliche Reduktion des Wärmeflusses
erreicht die Isolation über das Maß der Fläche sowie den Isolationswert
des Materials. Eine zweite oder dritte Lage des gleichen Materials bewirkt nicht
die erhoffte Vervielfachung des Effektes. Adäquate Isolationswerte erzielen
nur bestimmte Materialien, z. B. die Thermcare®-Decken (Fa. Barkey), die
Thinsulate®-Produkte (Fa. 3M) oder eine Stationsbettdecke. Allein der gezielte
Einsatz von Isolationsdecken im OP könnte viel zur Vermeidung von Hypothermien
beitragen. Die Kombination von aktiver Wärme und Isolation verbessert natürlich
den Effekt der aktiven Verfahren [5].
„Wer rastet, der (f)rostet”
Die Vasokonstriktion wirkt protektiv auf die Aufrechterhaltung des Kern-Schale-Temperaturgefälles,
schützt damit vor einem Abfall der zentralen Körpertemperatur. Wird
über eine exogene Wärmezufuhr die Körperperipherie aufgewärmt
und vasodilatiert, entfällt dieser isolierende Effekt. Das Entfernen jeglicher
Abdeckung des Körpers z. B. im Rahmen ausgedehnter Lagerungsmaßnahmen
und Wartezeiten ermöglicht dann aber einen ungehinderten Wärmeabstrom
in die Umgebung. Bereits nach Narkoseinduktion noch vor Beginn der Operation
befindet sich der narkotisierte Patient in einer „thermovulnerablen Phase”,
in der auf eine optimale, großflächige Isolation und möglichst
ununterbrochene Wärmezufuhr geachtet werden muss.
Jedoch führen immer wieder hygienische Bedenken dazu, den Einsatz von
Warmluftgebläsen im OP so lange zu untersagen, bis der Patient gelagert
und die sterile Abdeckung des OP-Gebietes erfolgt ist. Die hygienische Notwendigkeit
wird kontrovers diskutiert. Eine erhöhte Hautkeimbesiedlung lässt
sich durch den Einsatz konvektiver Systeme nicht bestätigen [6][15]. Voraussetzung
ist allerdings der regelmäßige Austausch der Bakterienfilter im Gerät.
Konduktiv arbeitende Systeme (z. B. paddytherm® Fa. Barkey) (Abb. [7], [8])
stellen eine neue Möglichkeit der aktiven Wärmezufuhr dar. Die flexiblen
Wärmeauflagen können ohne Unterbrechung angewendet werden und den
Patienten bereits in dieser kritischen Phase wärmen.

Abb. 7 paddytherm® ist ein silikonummanteltes Heizelement, das sich über
eine ungefährliche Kleinspannung und durch ein Steuergerät temperaturreguliert
auf 37-42 °C erwärmt. Die isolierende, 3-schichtige thermcare®-Textildecke
garantiert eine großflächige Wärmeausbreitung

Abb. 8 Verschiedene Deckenzuschnitte und das handliche Format ermöglichen
für jede OP-Lagerung die optimale und sichere Versorgung. Im Gegensatz
zu den Warmluftsystemen arbeitet das paddytherm® mit den thermcare®-Decken
geräuschlos und ohne unerwünschte Abstrahlung der Wärme in die
Umgebung.
„Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen”
... heißt, Wärme da zuzuführen, wo sie auch verloren geht.
Die Gesamtwärmebilanz des Patienten ergibt sich aus Wärmeproduktion,
externer Zufuhr sowie den Verlusten (Abb. [9]). Wärmezuführende Maßnahmen
sind nur dann sinnvoll, wenn gleichzeitig die Verluste verringert werden. Ein
Großteil des Wärmeverlustes (ca. 60 %) geht auf Konvektion und Radiation
über die ungeschützte Körperoberfläche zurück. Eine
Wärmezufuhr über eine beheizbare OP-Tischauflage ist deshalb nur bedingt
effektiv. Durch ein rasches Angleichen der Temperaturen kann nur ein relativ
geringer Temperaturgradient wirken. Die auflagedruckbedingte Gefäßkompression
verschlechtert den inneren Wärmeabtransport.
Zusätzlich strömt der Großteil der Wärme weiter ungehindert
in die Umgebung. Aus diesem Grund ist eine Wärmezufuhr von oben auf den
Patienten immer überlegen. Neben einer effektiven Wärmung werden dabei
durch den isolierenden Effekt auch die Verluste stark verringert. Ein Vergleich
der auf dem Markt befindlichen Warmluftsysteme findet sich bei Giesbrecht [19].
Die Leistungsfähigkeit der Geräte, die Schlauchbeschaffenheit und
die Eigenschaften und Perforationen der Decke spielen dabei eine Rolle. Neue
konduktive Auflagen sind wegen der größeren Kontaktfläche zur
Haut und dem besseren Wärmeaustauschwert noch überlegen (Abb. [7],
[8] und [10]). Durch die anschmiegsame Materialbeschaffenheit wird der entscheidende
großflächige Hautkontakt ermöglicht.

Abb. 9
Die Wärmebilanz eines Patienten (80 kg KG, 180 cm) vor, während und
nach Allgemeinnarkose mit 5,5 l/min FG-Flow bei OP-Saalbedingungen von 22 °C
Raumtemperatur und 0,2 l/min Luftströmung und 50 % rel. Luftfeuchte (mod.
nach Weyland [7]). Bei dem abdominalchirurgischen Eingriff entspricht eine angenommene
Wundfläche von 15 cm Durchmesser und einer Halbkugelform 2 % der Körperoberfläche.
Über Evaporation gehen hier 20 Watt Wärme pro Stunde verloren. Die
Stoffwechselgrundproduktion beträgt ca. 60 kcal = 90 Watt/h. Der Wärmeverlust
von 90 Watt/h entspricht einem Temperaturabfall von 1 °C. Entscheidend ist,
dass eine aktive Wärmezufuhr erst dann zu einer positiven Gesamtbilanz
führt, wenn gleichzeitig die hohen radiativen/konvektiven Verluste über
die Körperoberfläche reduziert werden (e, f). Durch den Einsatz eines
Wärmestrahlers würde eine Gesamtbilanz von bis zu + 195 Watt erreicht.

Abb. 10 Das Patientenwärmesystem thermamed® (Fa. Medeqco) basiert auf
der ganzflächigen Erwärmung einer in einen waschbaren, flüssigkeitsdichten
Wechselbezug eingelassenen Karbonfaser. Verschiedene, anschmiegsame Deckenzuschnitte
ermöglichen eine großflächige Erwärmung. Über ein
Steuergerät und Temperatursensoren im Inneren der Decke wird die Erwärmung
auf eine Solltemperatur von 37-42 °C geregelt. Es besteht aber die Gefahr
einer lokalen Überhitzung und thermischen Schädigung der Haut, wenn
die Decken teilweise dislozieren oder ein punktueller Druck von oben auf die
Decke einwirkt.
Nur 8-10 % des Wärmeverlustes gehen auf kalte, trockene Atemgase zurück.
Durch die Reduktion des Frischgasflusses auf Low- oder Minimalflow sowie den
Einsatz von HME-(Heat-and-Moisture-Exchange-)Filter lassen sich diese Verluste
reduzieren. Aktive Befeuchtungssysteme bieten neben effektiverer Anfeuchtung
in bestimmten Indikationsstellungen z. B. der Kinderanästhesie keine weiteren
thermodynamischen Vorteile [16]. Eine Aufrechterhaltung der Körpertemperatur
bei lang andauernden operativen Eingriffen oder die aktive Erwärmung der
Patienten ist alleine durch diese Maßnahmen nicht zu erreichen, lediglich
die Vermeidung weiterer Temperaturverluste.
Die Applikation von körperwarmen Infusionslösungen ist im Gesamtkonzept
der Wärmetherapie umso wichtiger, je größer das Infusionsvolumen
ist. Der Patient wird vor infusionsbedingten Wärmeverlusten bewahrt, die
großen Wärmeverluste bleiben aber weiterhin bestehen. Mit einer maximalen
Infusionstemperatur von 37 °C kann kein Wärmedefizit ausgeglichen werden.
Die einzelnen Systeme sind abhängig vom Flussbereich unterschiedlich effektiv
[16][17]. Die besten Ergebnisse im niedrigen und mittleren Flussbereich erzielen
die Geräte, die auch die Schlauchleitung hinter dem Wärmetauscher
isolieren.
„Die Menge macht’s!”
Mit der nicht isolierten Körperoberfläche steigt auch proportional
der Wärmeverlust, d. h., wird durch effektive Isolation die Hälfte
der Körperoberfläche abgedeckt, verringern sich auch die konvektiven
und radiativen Wärmeverluste um die Hälfte. Eine BairHugger®-Unterkörperdecke
verbessert die Wärmebilanz um 35 Watt/h, eine Oberkörperdecke um 35
Watt/h und eine Ganzkörperdecke um 70 Watt/h [7]. Auf den Kopf entfallen
9 % der Körperoberfläche, beim Säugling sogar 20 %. So ist eine
Kopfabdeckung mit isolierendem Material in allen Situationen erhöhten Hypothermierisikos
sinnvoll.
Ungefähr ein Drittel der Körperoberfläche ist dem OP-Tisch zugewandt,
zwei Drittel der Raumluft. Heizbare OP-Tischauflagen sind daher nur begrenzt
effektiv. Sie erreichen mit direktem Kontakt nur ca. 15 % der Körperoberfläche.
An diesen Stellen sind zusätzlich durch die auflagedruckbedingte Minderperfusion
eine Aufnahme und der Abtransport der Wärme erschwert.
Wirksamer sind aus diesem Grund Auflagen, die von oben auf dem Patienten liegen.
In bestimmten operativen Situationen, bei besonderer Lagerung des Patienten
und eingeschränkten Zugangsmöglichkeiten ist die mit einer Warmluftdecke
erreichte Oberfläche sehr begrenzt, da pro Gerät nur eine Decke angeschlossen
werden kann. Ein Beispiel für eine solche problematische Lagerung ist in
Abb. [11] aufgezeigt. Systeme mit der Option, mehrere Decken gleichzeitig anzuschließen,
z. B. paddytherm® (Fa. Barkey) oder Thermamed® (Fa. Medeqco), sind in
diesen Situationen deutlich effektiver (Abb. [12]).

Abb. 11 Die Lagerung zur Implantation einer Hüftendo- prothese ermöglicht
nur einen sehr begrenzten Zugang zum Patienten. Die Körperoberfläche,
die mit dem konvektiven Wärmer versorgt werden kann, ist zu gering für
eine ausreichende aktive Wärmung des Patienten. Das Warmluftgebläse,
hier der WarmTouch® (Fa. Mallinckrodt), hat nur einen Luftauslassschlauch,
es kann nur eine Decke angeschlossen werden. Die Oberkörperdecke erreicht
so aber nur das obere Drittel des Thorax sowie den einen, ausgelagerten Arm.
Zudem ist die Decke im aufgeblasenen Zustand nur mäßig gut anformbar.

Abb. 12 Die Wärmeaustauschoberflächen, die mit unterschiedlichen Systemen
zur aktiven Wärmezufuhr erreicht werden, lassen sich über die Aufteilung
der Körperoberfläche exemplarisch errechnen, zum Beispiel für
a, b eine Hüftprothesenimplantation c eine tiefe Rektumresektion in Steinschnittlage,
d, e eine Osteosynthese des rechten Femurs, f - h eine Thorakotomie in Linksseitenlage
„Was kostet die Wärme?”
Durch den Einsatz von Systemen, die ohne Disposables, d. h. mit wiederverwendbaren
Materialien arbeiten, lassen sich die Kosten der Wärmetherapie erheblich
senken. Der Zeitaufwand für die Aufbereitung muss dabei vertretbar sein.
Denn oft entscheidet dann allein das Kriterium Praktikabilität/Handling,
ob die zur Verfügung stehenden Geräte auch großzügig zum
Einsatz kommen. So ist das thermamed®-Wärmesystem durch die Großflächigkeit
zwar sehr effektiv, aber entsprechend zeitaufwändiger und umständlicher
in der Aufbereitung.
Hier überzeugt das Barkey-Konzept: kleine, handliche Wärmeelemente
kombiniert mit einer textilen Isolationsdecke, die auch postoperativ noch beim
Patienten verbleiben kann. Beim Einsatz von Warmluftdecken oder dem Thermamed®-System
sind Material- und Kostenaufwand höher, weil der Patient beim Einschleusen
in den OP-Trakt zunächst zusätzlich mit einer konventionellen Decke
versorgt werden muss. Das entfällt beim Barkey-Konzept: Die thermcare®-Decke
wirkt als Standardpatientendecke eingesetzt schon optimal isolierend. Je nach
Hypothermierisiko wird sie dann durch die paddytherm®-Wärmeelemente
zum aktiven Wärmesystem ergänzt. In einem Kostenvergleich sind die
Positionen Anschaffungskosten, laufende Kosten durch Einmalmaterial und Wäscheaufbereitung
gegenüberzustellen.
Geht man von einem durchschnittlichen Einsatz der Geräte von 3 Patienten
am Tag und einer Laufzeit von 3 Jahren aus, ergeben sich für den konvektiven
Wärmer BaiHugger® und WarmTouch® ca. 14-18 Euro Kosten für
die Wärmetherapie je Patient. Konduktive Systeme mit ausschließlich
mehrfach verwendbaren Materialien sind mit ca. 3,56 Euro (thermamed®) oder
ca. 4,25 Euro (Barkey-Wärmekonzept) deutlich günstiger.
„Sicherheit geht vor”
Es besteht potenziell das Risiko einer exogenen Hyperthermie, wenn eine gut
gemeinte, unkontrollierte Wärmezufuhr über den tatsächlichen
Bedarf des Patienten hinaus durchgeführt wird. Daher ist bei jeder Form
von Wärmezufuhr eine Temperaturkontrolle unerlässlich.
Das Problem, einen Radiator optimal nah, aber ohne Verbrennungsgefahr zu positionieren,
sowie die nicht unerhebliche thermische Belastung der Umgebung sind Gründe,
warum der intraoperative Einsatz nur bestimmten, sonst nicht zu beherrschenden
Situationen zum Beispiel in der Kinderanästhesie vorbehalten bleibt.
Im Zusammenhang mit dem Einsatz von beheizbaren OP-Tischauflagen wird immer
wieder auch von thermischen Schädigungen der Haut berichtet. Es kommt zum
Hitzestau, wenn Wärme, Feuchtigkeit und ein hoher Auflagedruck zusammenwirken.
Bei den konduktiven Wärmeauflagen garantieren integrierte Thermosensoren
durch die unmittelbare Nähe zur Hautoberfläche für eine permanente
Kontrolle der Hauttemperatur und exakte, sichere Steuerung der Wärmezufuhr.
Warmluftdecken dürfen nicht mit gerätefremden Decken verwendet werden.
Die Heiz- und Gebläseleistung sind genau auf die Beschaffenheit der zugeordneten
Decken abgestimmt. Dabei ist ein Abkühlen der Luft in der zuführenden
Schlauchleitung und angeschlossenen Decke berücksichtigt. Ein direkter
Warmluftstrom aus dem Schlauch kann beim Einsatz ohne Decke zu Verbrennungen
führen.
Zur Sicherheit bei der Anwendung von Wärmesystemen gehört auch die
Einhaltung hygienischer Richtlinien. So ist die Mehrfachverwendung von Einmaldecken
nicht zulässig. Eine korrekte Aufbereitung wieder verwendbarer Materialien
ist zwingend erforderlich, ebenso z. B. der regelmäßige Austausch
der Bakterienfilter in den Warmluftgebläsen.
„Etwas Warmes braucht der Mensch”
Wärme ist ein elementares, existenzielles Bedürfnis des Menschen.
Wärme ist nicht nur ein physikalischer Ausdruck für Energie, sondern
auch eine Möglichkeit, dem Patienten ein Gefühl von Geborgenheit und
Umsorgtsein zu vermitteln. Wärme hemmt Angstgefühle, wirkt entspannend
und tonusmindernd. Das subjektive Wärmeempfinden entsteht v. a. aus der
Rezeption peripherer Hauttemperaturfühler.
Schon allein die Frage nach der Befindlichkeit vermittelt eine einfühlende
und fürsorgende Grundhaltung der Pflegekraft. Oft zeigt sich, dass die
Patienten ihr Bedürfnis nach mehr Wärme erst nach gezielter Fragestellung
äußern. Vorgewärmte OP-Decken aus dem Wärmeschrank vermitteln
dem wachen Patienten beim Einschleusen in den OP-Trakt ein wohliges, umsorgtes
Gefühl. Postoperativ können bereits intraoperativ eingesetzte und
aufgewärmte Decken zusätzlich zur Stationsbettdecke weiterbenutzt
werden.
Der Einsatz des Wärmestrahlers ist interessant für die Dauer ausgedehnter
Pflegemaßnahmen, wenn der Patient großflächig aufgedeckt ist
und deshalb die Positionierung anderer Wärmeauflagen nicht möglich
ist. Wärmeelemente sind sinnvoll da zu platzieren, wo eine hohe Rezeptordichte
für eine intensive Wahrnehmung und ein Wärmegefühl sorgt, an
der Ventralseite der Hände und Unterarme, der Füße, der Waden,
im Bereich der Leiste, an Flanken und Bauch. Allein durch die Stimulation peripherer
Thermorezeptoren kann es gelingen, ein postoperatives Shivern auch ohne weitere
medikamentöse Intervention zu unterbrechen [20].
Für viele Patienten ist die erste unmittelbare postoperative Phase des
Erwachens geprägt durch ein Abfallen von Anspannung, Unsicherheit und Angst.
In dieser Zeit der neuen Orientierung sind es die kleinen Gesten, die oft sehr
hilfreich sein können: etwas in der Hand zu halten, etwas zum Festhalten
zu haben (Abb. [13]).

Abb. 13 Die kontinuierlich aufgeheizte Wärmflasche (hwb warmer care®
(Fa. Barkey)) erzielt über die besondere haptische Qualität von warmem
Wasser einen hohen Wahrnehmungswert. Die ergonomisch geformten, ummantelten
Alustäbe des handytherm® erwärmen sich, vom Steuerelement autocontrol®
geregelt, auf eine Temperatur von 37-42 °C. Diese auf den ersten Blick vielleicht
unscheinbar wirkenden Handgriffe erfahren bei den Patienten eine erstaunlich
hohe Akzeptanz und sind einmal eingesetzt im Alltag der Aufwachstation unentbehrlich.
Fazit
Akzidentelle perioperative Hypothermien dürfen nicht als unvermeidliche
Begleiterscheinung des operativen Geschehens gewertet werden. Während bei
großen operativen Eingriffen eher entsprechende Maßnahmen ergriffen
werden, sind es gerade die kürzeren Operationen oder die mit unvorhersehbaren
OP-Zeitverlängerungen, bei denen Risiko und Bedeutung der Hypothermie falsch
eingeschätzt werden. Durch den sinnvollen Einsatz effektiver Wärmemaßnahmen
können die Aufwachphase, der weitere postoperative Genesungsprozess sowie
die Patientenzufriedenheit deutlich positiv beeinflusst werden. Physikalische
Gesetzmäßigkeiten des Wärmeaustausches sowie physiologische
Grundlagen erklären, wann und welche Wärmemaßnahmen einen größtmöglichen
Effekt erzielen.

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Anschrift der Autorin
Gabriele Depenbusch
Kinderkrankenschwester u. Fachkrankenschwester für Anästhesie u. op.
Intensivpflege,
Klinik für Anästhesie u. Intensivmedizin, Städt. Kliniken Bielefeld
Ärztl. Direktor Prof. Dr. Dr. P. M. Lauren, Pflegedienstleitung Chr. Lübbert
Teutoburger Str. 50
33604 Bielefeld
erschienen in der 'intensiv'
- Fachzeitschrift für Intensivpflege und Anästhesie, Georg Thieme
Verlag (intensiv 2002; 10; 48 - 59)
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