Qualitätssicherung bei der Maschinellen Autotransfusion
Andreas Uhl
Die Anfänge
Erste Autotransfusionsmaschinen zur Einsparung von Blut arbeiteten mit einfachen
Filterbehältern. Das aufgefangene Blut wurde über eine Rollerpumpe
direkt dem Patienten wieder zugeführt. Eine Aufbereitung oder Separation
fand nicht statt. Gleichzeitig wurden einfache Auffangflaschen verwendet, die
direkt zur Retransfusion eingesetzt werden konnten.
Die Qualität des Retransfundates war und ist mangelhaft.
1975 wurde der erste, manuell betriebene, Autotransfusionsapparat vorgestellt,
der eine Separation mittels einer Zentrifuge ermöglichte. 1980 folgte
der erste automatische Apparat. Nach dem Einzug der Glockensysteme wurde in
den 80iger Jahren als Alternative ein Gerät vorgestellt, das auf der Basis
eines Filtrationsgerätes arbeitete.
Verfahren und Ergebnisse sind in vielen Studien belegt.

Grundlagen
Ziel der maschinellen Autotransfusion (MAT) ist die Bereitstellung der eigenen Blutkomponenten im Rahmen einer Retransfusionsbehandlung des Patienten. Zum erreichen dieses Zieles wird perioperativ Wundblut in sterilen Behältnissen gesammelt und mittels einer Maschine zur Retransfusion aufbereitet. Das Produkt soll frei sein von Bestandteilen, die den Patienten schädigen können.
Das Konzept der maschinellen Autotransfusion sieht eine Vermeidung der homologen
Transfusion und eine Einsparung homologer Konserven vor. Die maschinelle Autotransfusion stellt somit einen aktiven Beitrag zur Einsparung
von homologen Blutkonserven dar. Damit verbunden ist die Reduktion von Transfusionsrisiken.
Das Wundblut soll maschinell so aufbereitet werden, dass bis zu 45
% der verlorenen Erythrocyten zur Retransfusion zur Verfügung stehen.
Der Aufbereitungsgang der Maschine soll das Wundblut von unerwünschten
Bestandteilen wie Plasma, freies Plasmahämoglobin, Heparin aus der Antikoagulanzlösung
und Medikamentenbestandteile aus Spüllösungen trennen. Ergebnis ist
dann ein gewaschenes Erythrocytenkonzentrat mit einem Hämatokrit von mindestens
55 % und einem Hämoglobin von mindestens 17g/dl.
Als gesetzliche Grundlage ist das Transfusionsgesetz und die Richtlinie zur
Hämotherapie zu beachten. Krankenhausintern soll ein Handbuch zur Anwendung
von Blutkomponenten erstellt sein.
Zur Qualitätssicherung ist zwischen Prozessqualität und Strukturqualität
zu unterscheiden.
Die Prozessqualität beinhaltet die Dokumentation, das Verständnis
für den Prozess, die Definition der Verfahrensparameter und die Qualitätskontrollen.
Die Strukturqualität umfasst die Verantwortlichkeit, die Qualifikation,
die Indikation und Verfahrensanweisungen.
Geräte
Es stehen Geräte verschiedener Hersteller zur Aufbereitung von Wundblut
zur Verfügung. Wesentliche Unterschiede sind in zwei Methoden der Aufbereitung
erkennbar. Traditionelle Maschinentypen arbeiten mit einer Zentrifugenglocke,
jüngere Maschinentypen mittels Filtrationstechnik.
Verfahrensablauf
Wundblutgewinnung
Wundblut ist die aus der Operationswunde abgesaugte Flüssigkeit aus
Blut und Spüllösungen. Das Wundblut wird in einem Sammelreservoir
aufgefangen und durch ein engmaschiges Netz grob vorgefiltert.
Nach Indikationsstellung erfolgt der Einsatz eines Sammelgefäßes.
Das Sammelgefäß ist ein steriles Behältnis, das über einen
Zuleitungsschlauch per Vakuum oder Druckluft als konventioneller Sauger eingesetzt
wird. Vom Sammelgefäß ausgehend wird mittels eines Saugschlauches,
der zwei Lumen aufweist, das Wundblut intraoperativ aus dem Operationsgebiet
abgesaugt. Das zweite Schlauchlumen dient zur Antikoagulation des Wundblutes.
Die Antikoagulation ist erforderlich da im Wundblut aktivierte Gerinnungsfaktoren
und aktivierte Thrombocyten enthalten sind.
Diese aktivierten Gerinnungsfaktoren
führen zu einer extravasalen Blutgerinnung. Geronnenes Blut, also Thromben,
können jedoch nicht aufbereitet werden. Dazu wird eine Antikoagulanzlösung,
meist NaCl 0,9% 1000 ml mit 30.000 IE Heparin oder gebrauchsfertige CPD- oder
ACD-Lösung, über das zweite Lumen zur Saugerspitze über eine
integrierte Infusionsleitung ( = zweites Lumen ) zugeführt. Die Antikoagulanzlösung
wird zusammen mit dem Wundblut in den Saugschlauch gesaugt und verhindert die
Koagulation des Wundblutes.
Wichtig dabei ist, dass das Sammelgefäß zu Beginn mit ca.200ml Antikoagulanzlösung
aufgefüllt wird.
Das Mischungsverhältnis sollte im Verhältnis zu einem Teil Antikoagulanz
zu fünf Teilen Wundblut bei Heparin und einem Teil Antikoagulanz zu sieben
Teilen Wundblut bei Citrat-Lösungen stehen.
Die Antikoagulanzlösung wird zur Aufrechterhaltung eines kontinuierlichen
Flusses mit einer Tropfgeschwindigkeit von 70 – 100 Tropfen/min. zugeführt.
Zusätzlich zur intraoperativen Gewinnung von Wundblut kann postoperativ über
das gleiche System Wundblut, welches sonst in den Redonflaschen verloren geht,
weiter aufgefangen werden.
Filtrationssysteme
Bei der Filtrationstechnik wird das Blut über einen rotierenden Filter
aufbereitet.
Wundblut und Antikoagulanz werden kontinuierlich in das Filtersystem gepumpt.
Das aufbereitete Blut wird fortlaufend in den Retransfusionbeutel gepumpt.

Glockensysteme
Bei der zentrifugalen Zellseparation wird Blut einer Zentrifugalkraft ausgesetzt.
Dabei wandern die Bestandteile dichteabhängig nach außen, in unserem
Falle die Erythrocyten.
Die Umdrehung der Zentrifuge ist auf 5600U/min festgelegt. Die Erythrocyten
sammeln sich an der Außenwand der Glocke, unerwünschte Bestandteile
werden abzentrifugiert.
Um einen hohen HB/HK – Wert zu erreichen muss die Glocke maximal gefüllt werden. Die Glockenfüllung wird durch einen Sensor überwacht und
gesteuert. Nach ausreichender Füllung, die Glocke ist mit Erythrocyten
optimal gefüllt, erfolgt ein Waschgang um letzte, unerwünschte Bestandteile
zu entfernen.
Bei diesem Waschgang wird NaCl 0,9 % in einer definierten Menge zugeführt.
Unter fortlaufender Zentrifugation erfolgt nun ein weiterer Verdrängungsprozess
der unerwünschten Bestandteile die durch einströmendes NaCl vom Glockenboden
her entfernt werden.
Die Separationstechnik umfasst drei Vorgänge. Zunächst wird die Zentrifugenglocke
mit Wundblut gefüllt. Im zweiten Schritt erfolgt das Waschen. Im dritten
Schritt wird das Konzentrat aus der Glocke in den Retransfusionsbeutel gepumpt.
Retransfusion
Nach Aufbereitung, in der Glocke oder im Filtersystem, wird das gewonnene Erythrocytenkonzentrat
in einen Retransfusionsbeutel gepumpt und steht unmittelbar zur Transfusion
zur Verfügung. Die Transfusion erfolgt über einen Standard 200µ Filter.
Vorschlag zur Qualitätssicherung
Um die gegebene Möglichkeit der Autotransfusion auszuschöpfen sind
einfache Maßnahmen zur Qualitätssicherung möglich.
Die Geräte verfügen über optimal voreingestellte Programme.
Der Anwender ist gut beraten, wenn er diese Programme nutzt. Augenmerk ist
auf die Pumpgeschwindigkeiten zu richten. Hohe Pumpgeschwindigkeiten in der
Füllphase führen zu einer schnellen Glockenfüllung aber auch
zu einem niedrigen HK aufgrund der kürzeren Separationsdauer. Gleich ungünstige
Ergebnisse sind bei hohen Pumpgeschwindigkeiten in der Waschphase zu sehen.
- Unsere Empfehlung sind geringe Pumpgeschwindigkeiten .
- Die Geräte müssen im Originalzustand mit Originalzubehör
betrieben
werden.
- Sicherheitstechnische Kontrollen und Reparaturen sind vom Hersteller
regelhaft
durchzuführen.
- Der Ablauf einer maschinellen Autotransfusion in der Klinik ist zu planen
und zu standardisieren.
Dazu ist eine interne Transfusionsordnung unter Berücksichtigung von Richtlinien
und Gesetzen wertvoll.
Die Transfusionsordnung sollte inhaltlich auf die Indikation zur MAT, die Kompetenz
des Anwenders, die Standards und die Abläufe eingehen. Zu den Abläufen
gehören die Identitätssicherung, die Dokumentation, Kontrolle und
Auswertung.
Im Indikationskatalog ist verbindlich festgelegt bei welcher Operation eine
MAT eingesetzt wird.
Kompetenz
Zur Durchführung der MAT sollte nur Personal eingesetzt werden, das über
notwendige Schulung, Geräteeinweisung und interne Fortbildung, sowie fortlaufendes
Training und Anwendung verfügt.
Standards
Aufbau und Betrieb sowie Durchführung der Anwendung sollte nach Herstellervorgaben
erfolgen. Die vollautomatischen Geräte arbeiten alle mit Standardprogrammen
für verschiedene Indikationen.
Verfahrensabläufe und Fehlerbehebung sind übersichtlich und schriftlich
zu fixieren.
Abweichungen vom Standard sind zu begründen.
Identitätssicherung
Alle Patienten erhalten ein Identifikationsarmband. Auf dem Armband ist die
Patientenetikette aufgeklebt. Das Sammelreservoir und der Retransfusionsbeutel sind gleichfalls mit einem
Etikett zu versehen. Wird die Konserve räumlich vom Patienten getrennt so ist vor Retransfusion ein Bed-Side-Test durchzuführen.
Dokumentation
Wir verwenden ein Dokumentationsprotokoll (PDF, 11 kb) für alle durchgeführten
MAT.
Darauf sollten, neben Namen des Patienten und Anwender, die Chargennummern
der Verbrauchsmaterialien dokumentiert werden.
Geräte der neuesten Generation sind mit Druckern ausgestattet die die
Verfahrensdaten ausdrucken. Es empfiehlt sich diese Daten dokumentieren. Wir kleben den Ausdruck auf das
Protokoll.
Kontrolle
Neben einer Sichtkontrolle des Retransfundates im Beutel ist eine Qualitätskontrolle
des Blutes einfach durchführbar.
Wir entnehmen eine Probe aus dem Schlauch der Konserve, der als Zuleitung von
der Maschine dient. Alternativ kann die Probe auch aus dem Transfusionssystem
entnommen werden. Zur sicheren und hygienisch unbedenklichen Abnahme bringen
wir am Ende einen Drei-Wege-Hahn an. Die Blutprobe wird in eine heparinisierte
BGA-Spritze aufgezogen und eine Analyse im BGA-Gerät im OP durchgeführt.
Hier kann alternativ eine Kontrolle des Hämoglobin mit einem entsprechenden
Messgerät durchgeführt werden.
Als Grenzwerte haben wir einen HK von > 55 % und einen HB > 17g/dl festgelegt.
Das Kalium sollte 2,4 nicht übersteigen. Ein hoher Kaliumwert kann ein
Hinweis auf Hämolyse sein.
Bei Abweichungen von den Werten ist zunächst die Ursache zu suchen und
Rücksprache zu halten, ob das Blut retransfundiert werden kann. Bei Verdacht
auf Hämolyse ist eine Probe im Labor zu verifizieren.
Auswertung
Die Ergebnisse der Protokolle werden in Tabellen erfasst und ausgewertet.
Die Tabellen beinhalten die Verfahrensdaten, den Anwender, die durchgeführte
OP und Flüssigkeitsbilanzen. Die Tabellen gewähren einen schnellen Überblick darüber, welcher
Mitarbeiter wie oft MAT angewendet hat ( Fallzahlen pro Kopf). Aus den Tabellen lässt sich der Benefit für einzelne Operationsverfahren
ablesen.
Fazit
Die Qualitätssicherung der MAT ist mit einfachen Maßnahmen darzustellen.
Fallzahlen – Dokumentation - Kompetenz sind die Säulen der Qualität.
Eine Qualitätskontrolle des Blutes sollte mittels einer einfachen Blutprobe
und Bestimmung des HB/HK möglich sein.
Über den Autor:
Andreas Uhl, Jahrgang 1960, ist Fachkrankenpfleger
für Anästhesie- und Intensivpflege seit 1988 leitender Anästhesiepfleger
am BG-Unfallkrankenhaus Hamburg. In der Funktion der Abteilungsleitung
ist Andreas Uhl seit 1990 auch leitender Rettungsassistent der Hubschrauberstation
Christoph Hansa.
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Kurz-Vita
- 1977 Ausbildung zum Rettungssanitäter,
Berufsausbildung an
der Justus-Liebig-Universität Giessen
- 1978 - 1981
Krankenpflegeausbildung
- 1984 - 1986 Fachpflegeausbildung
- 1982 - 1987 Anästhesieabteilung der Justus - Liebig - Universität Giessen
- 1987 - 1988 Anästhesieabteilung Stadtkrankenhaus Cuxhaven
- Seit 1988 Leitender Anästhesiepfleger BG-Unfallkrankenhaus Hamburg
- seit 1990 in dieser Funktion auch leitender Rettungsassistent der Hubschrauberstation Christoph Hansa
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Anschrift
Andreas Uhl
Fachkrankenpfleger
Berufsgenossenschaftliches Unfallkrankenhaus Hamburg
Anästhesieabteilung
Bergedorfer Str. 10
21033 Hamburg
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