Sicher schlafen mit PaSOS
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI)
Noch nie waren Narkosen so sicher wie heute. Die Deutsche Gesellschaft
für
Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) will die Patientensicherheit
jedoch weiter verbessern. Deshalb startet sie ein anonymes Meldesystem, das die
Zahl von Beinhahe-Fehlern im Krankenhaus reduzieren soll. In dem "Patienten-Sicherheits-Optimierungs-System" (PaSOS)
werden Beinahe-Unfälle erfasst und die zugrunde liegenden Ursachen von einem
Expertenteam analysiert. Die Ergebnisse samt Analyse stehen anschließend
allen beteiligten Kliniken zur Verfügung. Vorbild ist die Luftfahrt, die
mit der Analyse von Beinahe-Unfällen seit langem ihre Sicherheit erhöht.

Aus den Fehlern anderer lernen
"So kann jeder Teilnehmer aus den Fehlern anderer lernen", fasst
Dr. med. Alexander Schleppers, Ärztlicher Geschäftsführer der
DGAI, die Idee des Projekts zusammen. Denn kritische Ereignisse, die nicht
zu einer Schädigung von Patienten führen, sind im Krankenhaus an
der Tagesordnung. Heute weiß man: In den meisten Fällen ist es nicht
mangelndes Fachwissen, sondern eine unglückliche Verkettung von Ereignissen,
welche die Beinahe-Fehler hervorrufen: Müdigkeit, Ablenkung oder organisatorische
Mängel zum Beispiel. So ist denn auch die Hälfte aller Zwischenfälle
vermeidbar, schätzen Experten.
Mit Hilfe von PaSOS soll die Patientensicherheit nun weiter erhöht werden.
Das wichtigste Prinzip des Systems ist die Anonymität: Jeder Mitarbeiter
einer Abteilung - ob Arzt oder Pflegender - kann Vorkommnisse melden. Sie werden
geschützt ins zentrale System eingespeist und anonymisiert. "So kann
niemand später aufgrund seiner freiwilligen Angaben zur Rechenschaft gezogen
werden", erläutert Schleppers. Der anonymisierte Fallbericht steht
inklusive einer Expertenanalyse anderen Kliniken zur Verfügung. Die Mitarbeiter
der berichtenden Abteilung erhalten zudem ein Feedback, damit sie die Fehlerquelle
möglichst rasch beseitigen können.
Probleme ausräumen
Andererseits kann ein gutes "Patienten-Sicherheits-Optimierungs-System" mehr
als nur Ereignisse zu analysieren: Die konkreten Fallanalysen und die offiziellen
Rückmeldungen erhöhen auch den Druck auf Krankenhausleitung und Hersteller
medizinischer Geräte, bestehende Probleme auszuräumen, glaubt der ärztliche
Geschäftsführer: "Das bringt oft mehr, als eine vage mündliche
Mitteilung." Darüber hinaus kann es, wenn es systemische Fehler entdeckt,
auch in zielgerichteten Weiter- und Fortbildungsempfehlungen münden. "Damit
leistet PaSOS einen wichtigen Beitrag zur Prozessverbesserung in Kliniken",
so Schleppers weiter.

Zusammen wird was draus
PaSOS funktioniert nur dann, wenn viele Kliniken sich beteiligen. Das System
wird seit Februar dieses Jahres von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie
und Intensivmedizin (DGAI) und dem Berufsverband der Deutschen Anästhesisten
(BDA) bundesweit angeboten. Jede interessierte Klinik, die sich beteiligen
möchte, erhält auf Wunsch Informationsmaterial und eine Schulung
der Arbeitsgruppe von DGAI und BDA.
(09.03.2006)