Der Einfluss einer Anästhesie auf die Thermoregulation veranlasste Pickering bereits
1958 zu der Aussage: „The most effective means (of cooling a
man) is to give an anaesthetic.“
Die normale Temperaturregulation wird während der Narkose durch verschiedene
Faktoren gestört. Es kommt zur Aufhebung von üblichen Verhaltensreaktionen,
Dämpfung des Hypothalamus, Reduktion des Stoffwechsels und zu größerem
thermischen Stress.
5.1. Allgemeinanästhesie
Durch eine Allgemeinanästhesie werden die Bedingungen auf beiden Seiten
der Wärmebilanz verändert. Auf der Seite der Wärmeabgabe verursachen
wir je nach Art und Dauer der Operation einen erhöhten Wärmeverlust
aufgrund von Immobilität des Patienten, Klimatisierung des Operationssaales,
Infusion kalter Lösungen und Eröffnung großer Körperhöhlen
und das sind nur einige wenige Gründe.
Die aufgezählten Wärmeverluste allein würden nicht zum Absinken
der Körpertemperatur führen, wenn kompensatorisch die Wärmeproduktion
gesteigert werden könnte. Durch die Narkose wird aber auch die Wärmeproduktion
reduziert.
Die so genannte thermische Neutralzone, innerhalb derer keine spezifischen
thermoregulatorischen Reaktionen zur Erhaltung der Körpertemperatur eingesetzt
werden müssen, liegt in einem Bereich von ca. 0,4°C. Durch eine Allgemeinnarkose
wird dieser Bereich auf etwa 4°C erweitert.
Vasokonstriktion und zitterfreie Thermogenese sind die einzigen Reaktionsmöglichkeiten
des anästhesierten, relaxierten und hypothermen Patienten. Der intraoperativ
hypotherme Patient zeigt eine deutliche periphere Vasokonstriktion.
Die Vasokonstriktionsschwellen unterscheiden sich in Abhängigkeit von
den verwendeten Anästhetika und deren verabreichten Dosis oder Konzentration.
Siehe auch nachfolgende Tabelle:
Anästhetikum
Verschiebung der Vasokonstriktionsschwelle
in °C
Enfluran
- 2,0°C
Halothan
- 2,5°C
Lachgas/ Fentanyl
- 2,5°C
Isofluran
- 3,0°C ( bei 1% Isoflurankonzentration)
Lachgas (30%)
- 0,4°C – 1,0°C
Tabelle 3
Opiate verursachen in hohen Dosen eine Hypothermie. Opioide, Barbiturate und
Neuroleptika haben zentrale und periphere Wirkungen mit der Tendenz, die Körpertemperatur
zu senken. Aufgrund der Beeinträchtigung der zentralen Temperaturregulation
werden Neuroleptika u.a. zur Dämpfung des Kältezitterns bei mäßiger
Hypothermie eingesetzt.
Barbiturate bewirken über eine erhöhte Hautdurchblutung und daraus
resultierender erhöhter radiativer Wärmeverluste einen Abfall der
Temperatur. Die endogene Wärmeproduktion wird vermindert.
Durch Halothan wird die periphere Durchblutung infolge einer Ganglienblockade
gesteigert. Außerdem werden zentrale thermoregulierende Strukturen unspezifisch
unterdrückt.
Der typische zentrale Temperaturverlauf während einer Allgemeinanästhesie
zeigt einen raschen Abfall der Körperkerntemperatur um ca. 0,5-1,5°C,
der unmittelbar nach der Einleitung beginnt und in etwa eine Stunde anhält.
Dies resultiert aus der zentralen Umverteilung des kühleren peripheren
Blutes.
Im Anschluss an den ersten Temperatursturz stellt sich ein Plateau ein, während
desen die Auskühlung etwa 0,2-0,5°C/ Stunde beträgt. Diese geringen
Werte täuschen ein wenig, aber trotzdem wird auch in dieser Zeit kontinuierlich
Wärme abgegeben.
5.2. Rückenmarksnahe Regionalanästhesie
Die Temperaturregulation über den Hypothalamus bleibt während einer
Epidural- oder Spinalanästhesie erhalten. Der Temperaturabfall ist jedoch
nicht weniger ausgeprägt als nach Applikation der bereits oben erwähnten
Anästhetika; dieser Abfall der Temperatur kommt durch die ausgeprägte
Vasodilatation im anästhesierten Gebiet zustande.
Durch die Techniken der Regionalanästhesie wird die periphere thermische
Sensibilität zuerst der Wärme- und dann der Kälterezeptoren
blockiert. Der Abfall der Kerntemperatur wird im vorderen Hypothalamus registriert.
Im Ausbreitungsgebiet der Lokalanästhesie sind Zittern und Vasokonstriktion
aufgehoben.
Zusammenfassend kann man sagen, dass sowohl die Regionalanästhesie als
auch die Leitungsanästhesie die Reaktionen des Patienten auf eine Unterkühlung
durch Verhinderung der Vasokonstriktion, fehlendes Shivering und Einschränkung
der endogenen Wärmeproduktion beeinträchtigen. [6]
6. Folgen der perioperativen Hypothermie
Eine intra- und postoperative Hypothermie wird häufig trotz vorhandener Überwachungsmöglichkeiten
wegen unterlassener Plazierung einer Temperatursonde nicht erkannt.
Kritisch sind die Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System. Ab einer
Temperatur von 32°C nimmt trotz Verschiebung des zirkulierenden Volumens
in zentrale Kompartimente das HZV ab. Es ist bei einer Temperatur von 30°C
um 30-40% vermindert (siehe Einleitung).
Die Löslichkeit von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut ist während
einer Hypothermie erhöht, dadurch sind deren Partialdrücke erniedrigt
und der PH-Wert steigt. Blutgasanalysen werden üblicherweise im Labor
bei 37°C durchgeführt und müssen zur exakten Beurteilung des
Gasaustausches auf die aktuelle Temperatur des Patienten korrigiert werden.
Im ZNS führt der Abfall der Temperatur um 1°C zur Reduktion des zerebralen
Blutflusses um 7% infolge vermindertem HZV, erhöhter Blutviskosität
und erhöhtem zerebrovaskulären Widerstand.
Während experimenteller Hypothermie hat eine mäßige Hypothermie
von 34°C einen hirnprotektiven Effekt. Unterhalb dieser Temperatur stehen
jedoch die potentiellen kardiovaskulären Komplikationen dem möglichen
protektiven Nutzen für den Patienten mit grenzwertiger zerebraler Oxygenierung
entgegen. [12]
Ab 32°C ist eine Hyperglykämie infolge einer verminderten Insulinsekretion
und einer beeinträchtigten Glucoseutilisation möglich.
Die neuromuskuläre Blockade wird durch eine Hypothermie verlängert.
Die Muskelrelaxation mittels Pancuronium besteht länger wegen einer Reduktion
der Metabolisierungsleistung in der Leber sowie der Eliminationsrate von Leber
und Niere. Der Zerfall von Atracrium ist ebenfalls temperaturabhängig.
In der postoperativen Phase werden die Auswirkungen des Wärmeverlustes
deutlich sichtbar. Folgende Komplikationsmöglichkeiten sind zu beachten:
• Shivering
•
periphere Vasokonstriktion
•
veränderte Pharmakawirkung und –elimination
Das thermoregulatorische Zittern beginnt unmittelbar nach der Extubation und
bewirkt einen Anstieg der Sauerstoffzunahme auf etwa 400-600% der Ruheaufnahme.
Sowohl der Sauerstoffbedarf als auch die Kohlendioxidproduktion erfordern eine
erhöhte Atemarbeit zu einem Zeitpunkt des beeinträchtigen Gasaustausches
infolge von Medikamenten, partieller Obstruktion der oberen Luftwege, Schmerzen
oder einer vorbestehenden Lungenerkrankung. In der Phase der erhöhten
Wärmeproduktion kann eine periphere Vasokonstriktion als Mechanismus der
Isolation u.a. auch die Ursache einer nicht erklärbaren und therapierefraktären
Hypertension im Aufwachraum sein.
Dieser Zustand bleibt bis zum Erreichen der
postoperativen Normothermie bestehen. Danach ist durch eine Umverteilung von
Wärme das Auftreten einer relativen Hypovolämie möglich, die
ohne schnelle Volumensubstitution zu erheblichen Blutdruckabfällen führen
kann.
Besonders gefährdet sind Patienten mit eingeschränkter respiratorischer
und kardialer Kompensationsfähigkeit. [17]
7. Möglichkeiten zur Vermeidung der perioperativen Hypothermie
Mit der Übernahme der Verantwortung für die vitalen Funktionen des
Patienten sollten sowohl die Anästhesisten als auch die Operateure den
durch den operativen Eingriff verursachten Temperaturverlust nach Möglichkeit
gering halten.
Einige Möglichkeiten protektiver Maßnahmen zeigt
folgende Abbildung:
Raumtemperatur?
Isolation
elektrische Heizmatten
Wassermatten
ösophagealer Wärmer
Wärmung von Spüllösung
Intraoperative Wärmeprotektion
Atemgasanfeuchtung
Atemgaserwärmung
Infusionerwärmung
konvektive Lufterwärmung
Abbildung 1
Die Wärmeverluste der Patienten ergeben sich hauptsächlich aus der
Klimatisierung von Operationssälen, Größe der chirurgischen
Wundfläche, der Beatmung mit kalten, trockenen Narkosegasen sowie der
Applikation kalter Infusionen und Transfusionen.
Der rasche Temperaturabfall von 0,5-1,5°C, der unmittelbar nach der Einleitung
auftritt, ist schwer zu vermeiden, da er aus der zentralen Umverteilung von
kühlem peripherem Blut resultiert.
Obwohl man zwischen aktiver und passiver Wärmung unterscheidet, sind
die am meisten verbreiteten Methoden der Temperaturkonditionierung funktionell
passiv. Die Aufrechterhaltung der Körperkerntemperatur soll dabei primär
durch die Zurückhaltung metabolischer Wärme erreicht werden. Schwieriger
ist die aktive Wärmezufuhr zum Patienten mittels Wärmematten oder
anderen Hilfsmitteln, ohne z.B. thermische Schäden zu verursachen, da
zwischen Patient und Gerät ein deutlicher Temperaturgradient erforderlich
ist.
Die OP-Saal Temperatur ist ein bedeutender Faktor, der den Wärmeverlust
bestimmt, da der größte Teil der metabolischen Wärme durch
Radiation und Konvektion über die Haut und die chirurgische Wundfläche
verloren geht. Somit ist die Erhöhung der Raumtemperatur eine gute Möglichkeit
zur Reduktion des Wärmeverlustes.
Elektrische Heizmatten als OP-Tischunterlage werden seit längerer Zeit
zur Erhaltung der Normothermie verwendet. Außerdem ist die Anwendung
von Wärmedecken möglich.
Die Positionierung einer Wärmedecke über
dem Patienten ist in jedem Fall günstiger als eine Heizunterlage, denn
es geht mehr Wärme mittels Radiation und Konvektion über die Haut
verloren, als durch Konduktion über die Unterlage. Allerdings gibt es
bei der Positionierung einer Wärmedecke des öfteren Probleme mit
dem Operateur, da dieser sich durch die „aufgeplusterte“ Decke
gestört fühlt, man öfters im OP-Gebiet landet, die OP- Schwester
Angst um ihre Instrumente hat und man bei größeren Bauchoperationen
nur sehr wenig Körperoberfläche wärmen kann.
Die Wärmeverluste über den Respirationstrakt sind weniger ausgeprägt.
Die Erwärmung und Befeuchtung von Atemgasen erreicht man einerseits durch
Einschaltung aktiver Wärme- und Befeuchtungssysteme in das Narkosekreissystem,
andererseits durch die Verwendung von Klimatisierungsfiltern oder die Durchführung
von Low Flow Anästhesien. Durch die Atemgasklimatisierung kann ca. 20%
der metabolischen Wärme konserviert werden.
Temperaturverluste durch kalte Infusionslösungen sind bei Zufuhr großer
Flüssigkeitsmengen zu erwarten. Lösungen, bei Raumtemperatur gegeben,
müssen im Körper auf 37°C erwärmt werden. Bereits die Gabe
von 3500ml Infusionen, die eine Temperatur von 20°C haben, würde die
Temperatur eines 70 kg schweren Patienten um 1°C senken. Der Erfolg bei
der Verwendung vorgewärmter Infusionen und Transfusionen ist sehr unterschiedlich.
Die applizierte Lösung kühlt bei niedriger Raumtemperatur und Infusionsgeschwindigkeit
sowie mit zunehmender Länge des Infusions-/ Transfusionssystems wieder
ab. Deshalb können günstige Effekte nur durch den Einsatz von Blut-
und Infusionswärmern zu erreichen sein.
Schwierig wird es, wenn wenig Körperoberfläche isoliert werden kann
und zusätzlich größere Wärmweverluste durch Evaporation
auftreten. In solchen Situationen kann nur eine aktive Wärmezufuhr über
die verbliebene Oberfläche Erfolg bringen. Mit der Methode der konvektiven
Lufterwärmung wird dem Patienten intraoperativ ein angewärmter Luftstrom über
eine Oberkörper- oder Unterkörperdecke zugeführt. Dabei werden
ca. 30-40% der Körperoberfläche von der Warmluft umströmt.
8. Unterstützende Maßnahmen
Die Normothermie lässt sich in den meisten Fällen nur durch eine
Kombination verschiedener wärmeprotektiver und aktiv erwärmende Maßnahmen
erreichen.
33% der Körperoberfläche haben Kontakt mit dem OP Tisch, 66% sind
der Raumluft zugewandt. Daher ist eine gute Isolation vor äußerem
Wärmeabstrom durch Abdeckung der Haut die einfachste und auch kosteneffektivste
Methode, den Wärmeverlust zu verringern. Ein spezielles Patientenbekleidungssystem
für den OP („Intensivoverall“) bietet gegenüber dem konventionellem
Baumwoll-OP-Hemd deutliche Vorteile. Der Patient fühlt sich bedeutend
wohler in diesem Hemd. Da er sich nicht mehr ganz so entblößt vorkommt
und er gut darin gewärmt wird, fühlt er sich auch im Ganzen wohler.
Der durch Hypothermie induzierte Tremor ist nicht nur äußerst unangenehm
im subjektiven Erleben des Patienten, sondern auch eine extrem belastende und
auch unter Umständen vital bedrohliche Situation für den gesamten
Organismus. Eine aktive intraoperative Wärmezufuhr kann das Shivering
zwar nicht vermeiden, wohl aber deutlich verkürzen.
Unbestritten bleibt die subjektive Wahrnehmung jedes einzelnen Patienten; eine
Verbesserung des Wohlbefindens kann durch die Anwendung wärmeapplizierender
Systeme erreicht werden und sollte schon so früh wie möglich begonnen
werden.
Durch die Unterbrechung des thermogenetischen Kältezitterns wird aber
die Wiedererwärmungsphase verlängert, so dass gleichzeitig Maßnahmen
zur aktiven Erwärmung notwendig werden.
Subjektive Mißempfindungen wie Schmerz, Übelkeit, Durst, Kälte
und Zittern werden eher und intensiver wahrgenommen:
„Ich habe mich zu Tode gefroren“ oder „Am schlimmsten
war das Zittern, ich konnte nichts machen und es hörte
nicht auf!“ sind nur einige Beispiele von Patienten.
Die Einschätzung der Pflegequalität durch den Patienten orientiert
sich meist mehr an dem wahrgenommenen Ausschnitt der Pflegemaßnahmen
als an den tatsächlich geleisteten Pflegequalitäten. [21]
Das subjektive Temperaturempfinden wird vorrangig über die Hauttemperatur,
nicht so sehr über die Kerntemperatur definiert. Gerade die Fußsohlen
und Handinnenflächen sind durch die große Rezeptordichte besonders
sensibel. Wärme wird an diesen Stellen besonders intensiv wahrgenommen.
Warmluftdecken vermitteln über die peripheren Temperaturrezeptoren ein
höheres Temperaturgefühl, als die tatsächliche Kerntemperatur
ist. Sie werden deswegen vom aufwachenden Patienten mit sehr großer Akzeptanz
angenommen. Lokale Erwärmung führt über eine Erhöhung der
Haut- und Gewebstemperatur zu einer Analgesie und Sedierung, über Axonreflexe
zu einer Durchblutungssteigerung mit erhöhtem Gewebsstoffwechsel sowie
zu einer Tonusminderung der Muskulatur und zur allgemeinen Entspannung.
9. Maßnahmen zur Erwärmung
Es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten der Erwärmung, die
alle Vor- und Nachteile haben.
• OP-Saal Temperatur: Verschiedene Untersuchungen bestätigen den
Einfluss der Raumtemperatur auf die Temperatur des Patienten. Die Raumtemperatur
ist ein wichtiger Faktor, der die Temperatur während der Narkose beeinflusst.
Die Darstellung der Problematik ist wichtig, da man einerseits dem OP-Personal
eine angenehm „kühle“ Atmosphäre bieten möchte,
aber auch andererseits die Patienten schön wärmen möchte.
Unabhängig
vom Alter des Patienten und der Art der Operation und der ausgewählten
Anästhesieform, sollte der Patient bei einer Raumtemperatur von 24-26°C
normotherm bleiben. Holdcroft und Hall beobachteten während eines hüftchirurgischen
Eingriffes, dass die Körpertemperatur auf 35°C absank, bei einer OP-Saal
Temperatur von exakt 24°C. Morris zeigt einen Abfall der im Ösophagus gemessenen Temperatur unter
36°C bei anästhesierten Erwachsenen bei einer Raumtemperatur von 21°C.
In einer Umgebung von 24°C und mehr bleiben Patienten doch meist normotherm.
Jedoch werden solche Temperaturen von den Chirurgen und dem OP-Personal nur
bei kinderchirurgischen Eingriffen toleriert. In OP-Sälen mit starker
Luftumwälzung (Sterilboxe, Laminar-Air-Flow) sind die Temperaturverluste
mindestens doppelt so hoch, wenn nicht sogar noch höher.
• Isolation mit Decken und Tüchern: Die Patienten werden in
manchen Operationssälen und Aufwachräumen mit angewärmten Baumwolltüchern
zugedeckt. Dadurch wird die Wärmeperzeption erhöht und die Wärmeabgabe über
die Haut reduziert. Jedoch ist die Wärmekapazität dieser Baumwolltücher
nur sehr gering und die Baumwolle ist ungeeignet, die Wärme auf den Patienten
zu übertragen. Zudem geht die Wärme innerhalb von 15 Minuten verloren,
so dass die Tücher eigentlich viertelstündlich gewechselt werden
müssten. Aber dafür ist keine Zeit und wenn der Patient erst einmal
steril abgedeckt ist, besteht auch gar nicht mehr die Möglichkeit, das
Tuch zu wechseln.
• Elektrische Heizmatten/Wassermatten: Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen
wird in der Literatur sehr stark diskutiert. Laut dieser Angaben sind sie besonders
gut geeignet für Operationen in der Peripherie oder in der „Kopfklinik“.
Allerdings bieten diese Arten von Systemen auch einige Risiken für den
Patienten, da z.B. das Gewebe durch das Gewicht komprimiert und dadurch geringer
perfundiert wird. Außerdem ist die Gefahr einer Verbrennung doch enorm
hoch, so dass man den Einsatz dieser Methode doch sehr genau überlegen
sollte.
• Aktive Anwärmung und Befeuchtung der Atemgase: Die Atemgaskonditionierung
während einer Anästhesie bietet außer dem Beitrag zur Aufrechterhaltung
der Normothermie noch einige andere Vorteile. Die Inhalation befeuchteter und
erwärmter Gase verhütet Schäden am tracheobronchialen Zilienepithel.
Der physiologische Mukusfluss wird erhalten, der Sekretfluss gefördert
und somit auch eine Verstopfung des Tubus durch Sekreteindickung und Borkenbildung
verhindert. [12] Die Erwärmung und Anfeuchtung des Inspirationsgases ist
auch bedeutsam für den Patienten mit bronchospastischen Atemwegserkrankungen.
Stone wies nach, dass die Körpertemperatur der meisten Patienten durch
Anwärmung und Befeuchtung der Atemgase auf 37°C und 100% relative
Luftfeuchtigkeit aufrechterhalten werden kann. Vorteil hierbei ist einfach,
dass es eine sehr effektive Möglichkeit ist, um den Patienten normotherm
zu halten, man behindert den Operateur in keinster Weise und diese Art der
Erwärmung ist auch zur Wiedererwärmung hypothermer Patienten einsetzbar.
• Anwärmung von Infusionen und Blutkonserven: Der Erfolg bei der Vermeidung intraoperativer Hypothermie durch die Gabe von vorgewärmten Infusionen
ist differenziert zu betrachten. Um für den Patienten einen Wärmegewinn
durch die Infusionsvorwärmung zu erzielen, muss die vorgewärmte Infusionslösung
mit maximaler Geschwindigkeit zugeführt werden. Bei niedriger Raumtemperatur
und niedriger Flussrate sowie mit zunehmender Länge des unisolierten Infusionssystems
kühlt die Infusionslösung wieder ab.
• Ösophagus-Wärmetauscher: Mit dem Ziel Wärme in eine
gut durchbluteten Raum zu bringen, wurde ein wasserdurchströmter Ösophagus-Wärmetauscher
entwickelt. Diese Methode ist aber recht invasiv und die Anwendbarkeit ist
auf die Allgemeinanästhesie beschränkt. Kulkarni (1993) konnte nur
eine geringe Effektivität bei der intraoperativen Wärmekonservierung
durch Anwendung dieses Wärmetauschers feststellen. Zudem wurde auch noch
ein bedeutendes Risiko beschrieben, nämlich die Gefahr, dass Wasser aus
dem Wärmetauscher auslaufen und somit thermische Schäden im Ösophagus
verursachen kann.
•
Prämedikation mit Nifedipin: Nifedipin ist eigentlich als Calcium-Antagonist
und arterieller Vasodilatator bekannt. Vassilieff untersuchte 1994 den Effekt
der Nifedipin Behandlung auf die intraoperative Abnahme der Körpertemperatur: „Ausgangspunkt
der Überlegung war, daß Nifedipininduzierte Vasodilatation vor einer
Narkoseeinleitung zur Abnahme des Temperaturgradienten zwischen Körperkern
und Peripherie führen würde und somit ein Ausmaß der Redistributionshypothermie
eingeschränkt werden könnte. Die Patienten der Nifedipin Gruppe bekamen
20mg Nifedipin oral 12 Stunden präoperativ und 10mg Nifedipin sublingual
1,5 Stunden vor der Operation. In der Behandlungsgruppe trat in der ersten
Stunde nach Narkoseinduktion ein Temperaturabfall um 0,8°C auf. Im Gegensatz
dazu fiel in einer unbehandelten Kontrollgruppe die Temperatur um 1,7°C
ab. Außerdem wurde nachgewiesen, daß Nifedipin unmittelbar vor
Narkoseeinleitung gegeben, die Redistributionshypothermie eher noch verschlimmert.
Diese Patienten zeigten in der ersten Stunde der Narkose einen Temperaturabfall
um 2°C.“
• Warmluftmatten: Hierbei wird erwärmte Luft über eine sehr
dünne Decke dem Patienten zugeführt. Die Wärme ist regulierbar
und die Decken gibt es in verschiedenen Formaten. Einmal für den ganzen
Körper und auch als halbe Decke für die obere Körperhälfte.
Dieses scheint die gängigste Methode der Patientenerwärmung im OP
zu sein, da sie einfach anzuwenden ist und auch noch im Aufwachraum, auf der
Intensivstation oder aber auch auf der peripheren Station weitergeführt
werden kann.
Demzufolge ist es für den Erfolg aller wärmeprotektiver Maßnahmen
wichtig, die medikamentöse Vorbehandlung der Patienten sowie die zur Anästhesie
verabreichten Medikamente in der Gesamtheit der Betrachtungen einzubeziehen.
Früher mussten viele Patienten aufgrund einer Hypothermie nachbeatmet
werden. Da es mittlerweile so viele verschiedene Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung
einer Normothermie gibt, muss ein Patient nur noch äußerst selten
wegen der Hypothermie nachbeatmet werden.
Die oben aufgeführten Möglichkeiten zur Erwärmung und Vermeidung
einer Hypothermie sind nur einige. Die Vielzahl der Möglichkeiten ist
enorm und jedes Jahr kommen wieder verschiedene Möglichkeiten hinzu. Allerdings
gibt es bis heute keine Patentlösung, da alle Möglichkeiten ihre
Vorteile aber auch Nachteile haben. Die einen sind billig, aber nicht so effektiv,
die anderen sind dagegen sehr gut, dafür dann aber nicht bezahlbar.
10. Resümee
Am Anfang hatte ich doch etwas Respekt vor diesem Thema und wusste nicht so
recht, wie und wo ich anfangen sollte. Nachdem ich dann aber von meiner Kollegin
so manche Unterlagen bekommen hatte, wurde mir die Komplexität dieses
Themas erst so richtig bewusst.
Mir ist mit dieser Arbeit erst so richtig klar geworden, welche große
Folgen eine Hypothermie mit sich bringt.
Außerdem glaube ich, dass in jeder Anästhesieabteilung an diesem
Thema noch gearbeitet werden muss, weil dort vieles als gegeben hingenommen
oder einfach als unvermeidbar hingestellt wird.
Dass eine Hypothermie nicht immer vermieden werden kann, ist auch mir bewusst,
aber dennoch muss nicht jeder Patient hypotherm werden.
Bei uns in der Anästhesie bekommt jeder Patient angewärmte Infusionslösungen.
Ebenso erhalten die Patienten ein Baumwolltuch und im OP-Saal eine Wärmedecke.
Literaturnachweis
de Gyter; Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 256 Auflage, S.754 ff.
Dies ist ein Ausdruck des Online-Journals zwai PORTAL - JOURNAL - FORUM - WEITERBILDUNG
für Anästhesie- & Intensivpflege.
Das Dokument ist unter folgender Adresse zu finden:
http://www.zwai.net/ZW0166