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Praktische und pflegerische Aspekte der PCA im Klinikalltag

Patientenkontrollierte Analgesie - Teil 1

Dietmar Herding

Patientenkontrollierte Analgesie - Teil 1

Inhalt
1. Einleitung
2. Schmerz

2.1 Definition Schmerz
2.2 Schmerzqualität
2.3 Klinische Zeichen

3. Die patientenkontrollierte Analgesie
3.1 Organisatorische Vorraussetzungen
3.1.1 Teamarbeit
3.1.2 Schmerztherapiedienst
3.2 Vorteile der PCA
3.3 Balancierte Schmerztherapie
3.4 PCA-Pumpensysteme

4. PCIA
4.1 Prinzip
4.2 Applikationswege
4.3 Medikamente
4.3.1 Piritramid (Dipidolor®)
4.3.2 Morphin
4.4 Pflegerische Aspekte

5. PCEA
5.1 Prinzip
5.2 Applikationswege
5.3 Medikamente
5.4 Pflegerische Aspekte
5.4.1 Pflegerichtlinien
5.4.2 Verbandwechsel
5.4.3 Diskonnektion des PCEA-Katheters
5.5 Beendigung der Schmerztherapie

6. Nicht steroidale Analgetika
6.1 Medikamentenprofile
6.1.1 Paracetamol (Ben-u-ron®)
6.1.2 Propacetamol (Pro Dafalgan®)
6.1.3 Diclofenac (Voltaren®, Ibuprofen® )
6.1.4 Metamizol (Novalgin®)

7. Zusammenfassung

8. Literatur

9. Abbildungen


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Einleitung

Die patientenkontrollierte Analgesie (PCA) nimmt immer mehr Einzug in den Klinikalltag, denn diese Schmerztherapie bietet große Vorteile für den Patienten. Das trifft sowohl für die präoperative, postoperative als auch für die intraoperative Pflege des Patienten zu, wobei es die Schmerztherapie versteht, eine an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasste Schmerzlinderung durchzuführen.

Dabei treten nur sehr gering die gefürchteten Nebenwirkungen auf, die man von den herkömmlichen Analgesieverfahren kennt, also Ateminsuffizienz, Obstipation, kolikartige Schmerzen und Erbrechen, um nur einige zu nennen.

Durch diese suffiziente Analgesie wird dem Patienten eine Reihe von Vorteilen geboten. Man erreicht eine frühzeitige Verminderung des Stresses für den Patienten. Folglich kann er früher mobilisiert werden, hat eine verbesserte Peristaltik und somit mehr Appetit. Zusätzlich werden die kardiozirkulären, pulmonalen als auch gastrointestinalen Störungen stark reduziert.

Der Patient hat bei diesem elektrisch betriebenen Pumpensystem die Möglichkeit, sich das Schmerzmittel entweder intravenös (als Bolusgabe, PCIA) zu applizieren oder es wird kontinuierlich epidural (PCEA) verabreicht, wobei auch hier eine Bolusgabe durch den Patienten möglich ist.

Dieses spezielle Analgesieverfahren wird seit 1995 von der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Münster (UKM) praktiziert. Die Klinik unterhält einen Schmerztherapie-Dienst, der durch eine 24-stündige Betreuung der Patienten eine optimale Analgesie der Patienten gewährleistet.
Die PCA-Pumpen werden in nachfolgend beschriebenen unterschiedlichen Verfahren eingesetzt.



2. Schmerz

2. Schmerz

2.1. Definition
Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis in Verbindung mit einer tatsächlichen oder potentiellen Gewebeschädigung. Schmerz setzt Bewusstsein und ein intaktes peripheres und zentrales Nervensystem voraus, ist immer subjektiv und wird als körperliches Phänomen erlebt. Damit ist Schmerz nicht bloß ein Wahrnehmungsprozess der Sinnesorgane oder ein einfacher Reflex auf periphere Reize, sondern eine aktive Reaktion des Menschen auf diese Reize. [1]

2.2 Schmerzqualität
Für den Patienten ist es wichtig, dass das Pflegepersonal genau seinen Schmerz hinterfragt, um diesen zu dokumentieren und anschließend an die Schmerztherapie weiterzugeben. Diese kann dann genaue Rückschlüsse aus der vom Patienten angegebenen Schmerzform ziehen.

Lokalisation:

• Wo wird der Schmerz vom Patienten empfunden?
• Welche Körperregion ist betroffen?
• Ist dieser Schmerz begrenzt, diffus oder ausstrahlend?

Zeitpunkt:

• Tritt der Schmerz in Ruhe oder bei der Mobilisation auf?
• Ist es eine bestimmte Tageszeit, zu der der Schmerz auftritt?

Empfinden:

• Was fühlt der Patient?
• Ist es ein pulsierender, stechender, zerreißender, dumpfer, ziehender, brennender, krampfender oder beklemmender Schmerz?

Intensität:

• Einordnung der Schmerzstärke auf einer Skala von 0-10


Abb. 1. : Schmerzskala [A1]

Dauer:

• tritt er dauernd auf?
• tritt er kurz auf?
• tritt er als Schmerzintervall auf?

klinische Zeichen:

• Hat der Patient Schmerzmimik?
• Verändert sich das Hautmilieu?
• Transpiriert der Patient?
• Ist eine Schonhaltung des Patienten zu beobachten?
• Atmet der Patient flacher, schneller oder tiefer?
• Wird der Patient tachykard?
• Ist ein Blutdruckanstieg zu beobachten?

• Patient am Respirator:
- steigt das Tidalvolumen?
- steigt die Atemfrequenz?
- steigt das Atemminutenvolumen?

• Ist der Patient unruhig oder schlaflos? [2]

Schmerz ist was der Patient als Schmerz empfindet!



3. Die patientenkontrollierte Analgesie

3.1 Organisatorische Voraussetzungen
Um eine professionelle Analgesie des Patienten zu erzielen, ist die Kommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen unabdingbar. So können durch die schnelle Einbindung aller an der Versorgung des Patienten Beteiligten wichtige Informationen nicht verloren gehen.
Dazu ist insbesondere die ständige Präsenz und Erreichbarkeit des schmerztherapeutischen Dienstes über Telefon und Funk erforderlich.

3.1.1 Teamarbeit
Alle an der Behandlung beteiligten Mitarbeiter von Pflegenden über Physiotherapeuten bis hin zu den Ärzten sollten eng mit einander kommunizieren und ins therapeutische Team mit eingebunden sein.

3.1.2 Schmerztherapiedienst
Die Schmerzbehandlung muss durch qualifiziertes Personal durchgeführt werden. Ein erfahrener Anästhesist wird daher in der Schmerztherapie am UKM von einem Pflegenden mit der Weiterbildung für Anästhesie und Intensivpflege begleitet. Nebenwirkungen und Komplikationen können so früh erkannt und behandelt werden.
Den Pflegenden auf den Stationen kommt dabei auch eine große Bedeutung zu, da sie als erste die Komplikationen erkennen und umgehend an die Schmerztherapie weitergeben müssen.

3.2 Vorteile der PCA
Die individuell angepasste Schmerztherapie geht für den Patienten mit den folgenden Vorteilen einher:

- Gefühl der Sicherheit und Fürsorge → Steigerung des Wohlbefindens

- schmerzfreies Durchatmen und besseres Abhusten → Senkung der Pneumoniegefahr

- frühzeitige Mobilisation → Reduktion der Thrombose- und Pneumoniegefahr

- Verringerung des Stresses → Stabilisation der Hämodynamik, des Herzinfarktrisikos, der Ileusgefahr und Wundheilungsstörungen des Darms

- Senkung der Immunreaktionen → geringeres Infektionsrisiko [3]

- Reduktion der Liegezeit → Beitrag zur Kostendämpfung durch den frühzeitigen Aufenthalt im häuslichen Bereich erreicht [4]

3.3 Balancierte Schmerztherapie
Durch die Kombination von verschiedenen Schmerzmedikamenten kann eine Analgesiequalität und eine verringerter Verbrauch der einzelnen Substanzgruppen, zum Beispiel Opioiden, erreicht werden.
Daher trägt dieses Konzept zur Verringerung von Komplikationen bei.[5]

3.4 PCA-Pumpensysteme
Auf den Intensiv- und Regelpflegestationen kommen zwei verschiedene Möglichkeiten der Schmerztherapie mit der PCA-Pumpe zum Einsatz:

1. PCIA: Patienten Kontrollierte Intravenöse Analgesie
2. PCEA: Patienten Kontrollierte Epidurale Analgesie

Welche Schmerztherapie nun angewendet wird, entscheiden der prämedizierende Anästhesist, der Patient und der Operateur.

4. PCIA


Abb.2 PCIA- System zur patientenkontrollierten intravenösen Analgesie [A2]
(mit freundlicher Genehmigung des Georg Thieme Verlags)

4.1 Prinzip
Die PCIA-Therapie ist für Patienten gedacht, bei denen nicht die Möglichkeit besteht, einen Epiduralkatheter anzulegen.

Die PCIA-Pumpe fördert nicht mit einer Dauerrate (dieses gilt zumindest für das UKM). Hier hat der Patient die Möglichkeit, sich selbstständig eine fest eingestellte Menge in einem festgelegten Zeitfenster an Schmerzmittel zu injizieren. Das geschieht durch einen Handauslöser, den der Patient in erreichbarer Nähe haben soll. Außerdem soll der Patient in der Lage sein, diesen Auslöser zu betätigen.

Weiterhin muss er mit diesem System vor der Operation vertraut gemacht werden.

Dieses bietet dem Patienten folgende Vorteile:

- er verhindert individuell empfundene Schmerzspitzen
- er muss nicht auf eine Pfleger/in mit einer „Schmerzspritze“ warten
- er fühlt sich geborgener, sicherer
- darüber hinaus werden Überdosierungen durch zum Beispiel Opioide vermieden, diese hätten Übelkeit, Atemdepressionen, Obstipation, Müdigkeit zur Folge

4.2. Applikationswege
Prinzipiell ist die PCIA nur in Verbindung mit einer kontinuierlichen Infusion anzuwenden. Dabei dürfen nur Infusionssysteme mit Rückschlagventil verwendet werden. Der Einsatz von zusätzlichen Vier-Wege-Hähnen in diesem System ist nicht zulässig.

4.2.1 Peripherer Zugang
Hier können alle üblichen Venen punktiert werden. Zu beachten ist, dass man die optimale Punktionsstelle für den Patienten findet. Hier wählt man zum Beispiel den linken Unterarm, wenn der Patient Rechtshänder ist. Ebenfalls soll nicht die Vene der Ellenbeuge punktiert werden, da die Kanüle bei Bewegungen schmerzt. Das sind nur einige Punkte, die man beachten sollte.

4.2.2 Zentraler Venenkatheter
Die Wahl des Punktionsortes für den zentralen Venenkatheter ist dem Arzt überlassen. Besondere Einschränkungen hinsichtlich des Einsatzes des PCIA-Systems gibt es hier nicht.

4.3. Medikamente

4.3.1 Piritramid (Dipidolor®)
Analgetikum vom Opiattyp

PCIA-Cassette: 100 ml NaCl 0,9% (Gesamtmenge)

• 200 mg Piritramid (Dipidolor ®) ad 100 ml NaCl 0,9% = 2mg Piritramid pro 1ml
• der Patient bekommt maximal 8 mg pro Stunde, dieses ist ein eingestelltes Dosislimit
Graseby-Cassette:
Bolus 1ml = 2mg alle 10 Minuten
• PCA-Rate Einlaufzeit : 2 Minuten
• Dosis-Limitiert : 4ml pro Stunde = 8mg
• kontinuierliche Rate ausgestellt
Nebenwirkungen:
• Atemdepressionen
• Müdigkeit
• Übelkeit
• Obstipation
4.3.2 Morphin
- Analgetikum vom Opiattyp
- potenteres und günstigeres Opiat als Piritramid

PCIA-Cassette = 100ml NaCl 0,9% (Gesamtmenge)
• 100mg Morphin ad 100ml NaCl 0,9%
• das entspricht 1mg Morphin in 1ml NaCl 0,9%
• der Patient bekommt maximal 8mg pro Stunde, dieses ist ein eingestelltes Dosislimit
Graseby-Cassette:
Bolus: 1ml = 1mg alle 10 Minuten
• PCA-Rate (Einlaufzeit) 2 Minuten
• Dosislimitierung 8mg pro Stunde
• Die kontinuierliche Rate ist hier nicht in Betrieb.
Nebenwirkungen:
Entsprechen denen von Piritramid (Dipidolor), nur ausgeprägter
• obstruktive Lungenerkrankungen
• Gallenwegserkrankungen
• Ileus
• Schilddrüsenunterfunktion
• epileptisches Anfallsleiden
• Harnwegskoliken
• Prostatahypertrophie
Die PCIA-Pumpe sollte immer mit nicht steroidalen Analgetika kombiniert werden.

1. Opiatverbrauch wird reduziert
2. Nebenwirkungen werden reduziert
3. Zufriedenheit des Patienten gesteigert [6]

4.4 Pflegerische Aspekte

1. Es sind immer spezielle PCIA-Infusionssysteme zu verwenden, die ein Rückschlagventil besitzen müssen.

2. Die gleichmäßige Applikation von Infusionslösungen ist mittels Infusomat oder Dosimeter zu gewährleisten.

3. Der Bolusmodus ist zu überprüfen um eine kontinuierliche Applikation auszuschließen.

4. die entsprechende Kassette ist zu überprüfen, ob sie auch das entsprechende Analgetikum mit Trägerlösung beinhaltet.

5. Die Punkte 3. und 4. sind auf der Tageskurve zu dokumentieren, sowie die Applikationsart (peripher oder zentrale Applikation) und in die „blaue Bilanz“ mit einzurechnen.

6. Rechtzeitige Information an den Patienten vor pflegerischen Maßnahmen, so dass dieser die Möglichkeit hat sich einen oder mehrere Analgetikaboli zu applizieren.

7. Wenn Nebenwirkungen durch die Opioide auftreten sollten, muss der Stationsarzt als auch der Schmerzdienst informiert werden.

8. Falls der Patient unter der PCIA- Therapie und auch unter Hinzunahme von peripher wirksamen Medikamenten nicht schmerzfrei sein sollte, immer den Schmerzdienst hinzuziehen.

9. Es ist von Vorteil, wenn man bereits während der Schmerzdienstvisite abklärt, welche peripher wirkenden Medikamente man zusätzlich geben kann oder nach einem festen Schema verordnet werden sollten. Damit spart man Zeit und vermeidet Schmerzspitzen für den Patienten.

10. Nach OPs ist der Patient häufig noch zu somnolent, um die PCIA-Pumpe auszulösen. Dieses muss man dann für den Patienten übernehmen, oder - wenn man dieses nicht gewährleisten kann - den Schmerzdienst informieren.

11. Es ist darauf zu achten, dass der Auslöser für die PCIA-Pumpe für den Patienten erreichbar ist!



8. Literatur
[1] Larsen, Anästhesie und Intensivmedizin, Springer-Verlag, 4. Auflage, S. 457

[2], [3] Hayn M, Facharbeit "Postoperative Schmerztherapie mit mechanischen PCA Pumpen", 1999, S.9

[4] Zu- und ableitende Systeme, Lothar Ulrich, Thieme Verlag, Auflage 2000, S. 236, Tabelle 6.1.

[5] Zu- und ableitende Systeme, Lothar Ulrich, Thieme Verlag, Auflage 2000, S. 236

[6], [7], [8] Buddenberg E, Pflegeleitfaden für Patienten mit patientenkontrollierter Schmerztherapie, Version 08.11.2001 UKM

[9] Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 238

[10] - [22] Buddenberg E, Pflegeleitfaden für Patienten mit patientenkontrollierter Schmerztherapie, Version 08.11.2001 UKM

Nähere bibliografische Angaben beim Autor


9. Abbildungen
Abb. 1: Pressematerial DGAI / DAC 2002 via medizin-texte.de (05.04.2006)

Abb. 2: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 247

Abb. 3: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 246

Abb. 4: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 237

Abb. 5: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000

Abb. 6 http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Dermatoms.svg (05.04.2006)

Abb. 7: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 240

Für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Abbildungen 2, 3, 4, 5, und 7 bedanken wir uns herzlich beim Georg Thieme Verlag, Stuttgart.

(18.04.2006)

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Letzte Aktualisierung: 01.10.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0148

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