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zwai Home : Anaesthesie : Journal : Anaesthesiepflege : PCA - die patientenkontrollierte Analgesie im Klinikalltag : Teil 2
 


Praktische und pflegerische Aspekte der PCA im Klinikalltag

Patientenkontrollierte Analgesie - Teil 2

Dietmar Herding

Patientenkontrollierte Analgesie - Teil 2

Inhalt
1. Einleitung
2. Schmerz

2.1 Definition Schmerz
2.2 Schmerzqualität
2.3 Klinische Zeichen

3. Die patientenkontrollierte Analgesie
3.1 Organisatorische Vorraussetzungen
3.1.1 Teamarbeit
3.1.2 Schmerztherapiedienst
3.2 Vorteile der PCA
3.3 Balancierte Schmerztherapie
3.4 PCA-Pumpensysteme

4. PCIA
4.1 Prinzip
4.2 Applikationswege
4.3 Medikamente
4.3.1 Piritramid (Dipidolor®)
4.3.2 Morphin
4.4 Pflegerische Aspekte

5. PCEA
5.1 Prinzip
5.2 Applikationswege
5.3 Medikamente
5.4 Pflegerische Aspekte
5.4.1 Pflegerichtlinien
5.4.2 Verbandwechsel
5.4.3 Diskonnektion des PCEA-Katheters
5.5 Beendigung der Schmerztherapie

6. Nicht steroidale Analgetika
6.1 Medikamentenprofile
6.1.1 Paracetamol (Ben-u-ron®)
6.1.2 Propacetamol (Pro Dafalgan®)
6.1.3 Diclofenac (Voltaren®, Ibuprofen® )
6.1.4 Metamizol (Novalgin®)


7. Zusammenfassung

8. Literatur

9. Abbildungen


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5. PCEA

5. PCEA

5.1 Prinzip
Man appliziert über einen Katheter, der im Periduralraum liegt ein Lokalanästhetikum sowie ein Opioid.
Der sogenannte Periduralraum liegt zwischen Dura mater (Rückenmarkshaut) und Knochen und Bänder des Spinalraums. Im Peridualraum werden die Spinalnerven durch ein Lokalanästhetikum betäubt. Dieses sorgt für eine Unterbrechung der nervalen Erregungsleitung. Da dieses örtlich begrenzt geschieht, spricht man auch von einer „segmentellen nervalen Ausschaltung“. Das Schmerzmittel vom Opiattyp besetzt dort vorhandene Rezeptoren, so dass es zu einer Reduktion der Schmerzwahrnehmung kommt. [7]

Die Reihenfolge der Ausschaltung der Wahrnehmung ist ein wichtiger Punkt für die Krankenbeobachtung!

1. Sympathische Nervenfasern werden blockiert → Vasodilatation der Gefäße mit der Gefahr des Blutdruckabfalls
2. Sensorische Blockade der Nervenfasern → Verlust des Wärme- und Kälteempfindens, ist der Schmerzwahrnehmung gleichzusetzen.
3. Motorische Blockade, → Verlust der willkürlichen Motorik, des Berührungs- und Druckempfindens

Diese Nervenblockade wird durch das Lokalanästhetikum hervorgerufen. [8]

Man hat die Möglichkeit, an diesen Katheter eine Schmerzpumpe anzuschließen. Diese sorgt mit einer fest eingestellten Flussrate für eine kontinuierliche Blockade der Nerven. Weiterhin hat der Patient die Möglichkeit, sich in einem fest eingestellten Zeitfenster eine bestimmte festgelegte Menge an Analgetikaboli zu applizieren.



Abb. 4.: anatomische Verhältnisse [A4] - (mit freundlicher Genehmigung des Georg Thieme Verlags)

Vorteile der PCEA-Pumpe:

1. Vorteile bei der Narkoseführung sind zum Beispiel der geringere Narkosegasbedarf sowie reduzierter oder kein Analgetikabedarf, so dass der Patient postoperativ eine kürzere Aufwachphase hat.

2. Der Patient fühlt sich sicherer, da er die Möglichkeit hat sich selbst Analgetikaboli zu zuführen.

3. Der Patient erholt sich postoperativ besser, da Schmerzspitzen nicht entstehen und somit Stress ausgeschlossen wird. Dadurch wird das Komplikationsrisiko gesenkt.

4. Eine zusätzliche Analgetika-Therapie ist nicht erforderlich, wie zum Beispiel die Applikation von Opioiden die Müdigkeit, Übelkeit, Ateminsuffizienz, Obstipation zur Folge hätten. [9]


Abb. 5.: Prinzip der PCEA [A5]
(mit freundlicher Genehmigung des Georg Thieme Verlags)

Indikation für eine PCEA-Pumpe:

- große, ausgedehnte operative Eingriffe, wie in der Urologie, Herz- Thoraxchirurgie, Orthopädie, Unfallchirurgie oder Allgemeinchirurgie
- bei Ischämieschmerzen
- schmerzbedingte Bewegungseinschränkungen durch Operationen oder Therapieverfahren

Kontraindikationen für eine PCEA-Pumpe:

- Gerinnungsstörungen mit der Gefahr einer Einblutung in den Periduralraum
- Lokalanästhetikallergie
- Deformierung der Wirbelsäule zum Beispiel Skoliose, Wirbelsäulenmetastasen
- neurologische Ausfälle
- Hauterkrankungen im Punktionsgebiet
- Sepsis
- Hypovolämie / Schock
- Patienten die nicht kooperieren und das Verfahren ablehnen
- Zerebrale Verletzungen oder Wirbelsäulentraumen mit erhöhtem Hirndruck [10]

5.2 Applikation
Die unterschiedlichen operativen Eingriffe erfordern differenzierte Punktionsniveaus für eine Periduralanästhesie (PDA), um einen Periduralkatheter (PDK) anzulegen und zwar in dem Bereich, in dem man Schmerz zu erwarten ist.

Operativer Eingriff
Punktionshöhe
Kardiochirurgie C7 – Th2
Ösophagusresektion Th5 – Th7
Thorakotomie Th5 – Th7
Rippenserienfraktur, Thoraxtrauma ab Höhe betr. Dermatome Th6 –Th9
Gastrektomie Th8 – Th9
Whippel-OP Th8 – Th9
Abd. Aortenaneurysma, Y-Graft Th 10
Ausgedehnte Laparatomie Th 10
(Hemi-) Kolektomie Th 10
Tiefe anteriore Rektumresektion Th12 – L1
Kniemobilisation L3
OS-/US- Amputation Th12 – L3
Ischämieschmerz der unteren Extremitäten Th12 – L3

Tabelle 1. [10]


Abb. 6: Dermatome [A6]


5.3 Medikamente
5.3.1.Bupivacain (Carbostesin®) und Ropivacain (Naropin®)
Dieses sind Lokalanästhetika mit einer langen Halbwertszeit von ca.
4 Stunden.

Sie wirken durch die Ausschaltung der neuralen Erregungsleitung. Dadurch, dass sie niedrig dosiert werden, beschränkt sich ihre Wirkung auf die Schmerzausschaltung. Die dabei mögliche motorische Blockade soll dabei vermieden werden.

Das Lokalanästhetikum wird dabei nervennah appliziert, zum Beispiel bei einer Periduralanästhesie oder einer Plexusanästhesie.
Nebenwirkungen die dabei auftreten können:

- Blutdruckabfall durch Vasodilatation, bei thorakaler PDA durch Blockade des Sympathikus.
- Allergische Reaktionen
- Überdosierung: 1. Zentral Symptome wie Schwindel, Benommenheit bis Bewusstlosigkeit, verwaschene Sprache, Ohrklingen, Taubheitsgefühl, Sehstörungen, Muskelzuckungen bis hin zu Krämpfen, metallischer Geschmack auf der Zunge, Erbrechen, Atemstillstand
2. Kardiovaskuläre Symptome wie Frequenzanstieg, Bradykardie, Rhythmusstörungen, Asystolie

Cave: Es gibt keinen Antagonisten für Carbostesin! Das Abklingen der Wirkung muss abgewartet werden

Andererseits gilt:
Beim Abklingen der Wirkung eines Lokalanästhetikums geht zunächst die motorische Blockade zurück, es folgt dann das Wiederkehren des Warm-Kalt Empfindens. Erst dann kehrt die Schmerzempfindlichkeit zurück. Nach Absetzen des Lokalanästhetikums hält die Wirkung noch ca. 1-2 Stunden an.
Merke: Wenn die Schmerzpumpe ausgestellt wird, entsteht nicht sofort der Schmerz!

Laufgeschwindigkeit: Beeinflusst die Anästhesieausbreitung

Konzentration: Beeinflusst die Anästhesiequalität [12]

5.3.2. Sufentanil (Sufenta®)
Es ist ein Schmerzmittel vom Opiattyp. Es wird nicht im Körperfett gebunden.
Dieses Analgetikum wirkt an den Opiatrezeptoren der grauen Substanz des Rückenmarks. Wenn es in den Periduralraum appliziert wird, wird es innerhalb von ca. 30 - 60 Sekunden ins Plasma aufgenommen. Daher ist es nicht indiziert, zusätzlich Opioide zu applizieren.

Nebenwirkungen: - Atemdepressionen
- Übelkeit
- Juckreiz [13]

5.3.3 Beutellösungen wie sie für die Pumpen hergestellt werden:
Diese Beutellösungen werden ausschließlich am UKM verwendet. An anderen Kliniken können auch andere Lösungen verwendet werden.
Die unterschiedlichen Beutellösungen werden mit entsprechend farblich gestalteten Aufklebern versehen und genau zugeordnet.

Gelber Beutel: Bupivacain 0,175% und Sufentanil 0,75 µg/ml oder Ropivacain 0,2% und Sufentanil 0,75 µg/ml

Grüner Beutel: Bupivacain 0,175% oder Ropivacain 0,2%

Für Patienten mit einem Lebensalter von über 70 Jahren und Kinder unter 30 kg, sowie bei Patienten, bei denen Sufenta nicht erwünscht ist, wird kein Sufentanil zugesetzt.

Cave: Atemdepressionen oder Müdigkeit des Patienten können Folge der Therapie sein.

Blauer Beutel: Bupivacain 0,03% und Sufentanil 0,75 µg/ml

Für Patientinnen, die eine Sectio erhalten haben. Hier ist darauf zu achten, dass nach drei Tagen die Schmerztherapie eingestellt werden muss, um das zu stillende Kind nicht durch das Opiat zu gefährden.

Die Schmerztherapie der Wöchnerin, kann nur drei Tage fortgeführt werden, da es sonst zu einer Gefährdung des Säuglings kommen kann. [14]

5.3.4 Basiseinstellung der PCEA-Pumpe
Basiseinstellung der PCEA-Pumpe bei Erwachsenen:
Bolusrate: 5 ml/h
Bolusgabe: 2 ml alle 20 min

Basiseinstellung der PCEA- Pumpe, bei Kindern:
Bolusrate: unter 20kg 0,15ml/kg/h
Bolusgabe: 2 ml alle 20 Min.

Bolusrate: 20-50 kg 0,1 ml/kg/h
Bolusgabe: 1ml alle 30 Min.

5.4 Pflegerische Aspekte
Hier ist in einer tabellarischen Kurzform dargestellt, welche pflegerischen Aspekte bei der Versorgung eines Patienten mit PCEA-Pumpe berücksichtigt werden sollten.



5.4.1 Pflegerichtlinien

1. sich bewegen
1.1 Aufgrund anhaltender Schmerzen schlecht mobilisierbar

- Analgetikum bzw. Bolusgabe ca. 10 Minuten vor der Mobilisation

- gezielte Anleitung des Patienten, um Angst vor Schmerzen zu reduzieren

- schonende Mobilisation: Patient aus der Seitenlage aufrichten lassen

- Schmerzdienst rufen

1.2. Patient hat niedrigen RR (Sympathikolyse, relativer Volumenmangel)

- RR- und HF-Kontrolle vor der Mobilisation

- bei Tachykardie evtl. Volumenmangel

- Muskelpumpe vor allem der Beine vorher aktivieren

- bei starkem Schwindel: Mobilisation abbrechen und evtl. Kopftieflage

- Kompressionsstrümpfe vor der Mobilisation anlegen

1.3 Aufgrund motorischer Blockade schlecht oder nicht mobilisierbar

- Bettruhe einhalten

- Patient beruhigen und über den Zustand informieren

- Schmerzdienst informieren (Pumpe aus bis Motorik wieder vorhanden)

- auf evtl. andere Ursachen achten, z.B. Gips zu eng

2. Atmung
2.1 Patient atmet nicht tief genug (Schonatmung)

- für ausreichende Analgesie sorgen

- Bolusgabe bzw. Schmerzmedikation in ausreichendem Abstand vor den Atemübungen

- Atemfrequenz beurteilen

- zum langsamen, tiefen Durchatmen und Husten anhalten

- sitzende Lagerung

- Fichtennadeleinreibung bei thorakaler PDA nur bedingt wirksam, da evtl. kein Kältereiz vorhanden

2.2 Atemdepression aufgrund anhaltender Müdigkeit oder hohen Alters (Opiate bewirken Dämpfung des Atemzentrums)

- Schmerzdienst informieren

- AF überprüfen und beurteilen

- AF < 8: Naloxon (Narcanti) 1 Ampulle auf 10ml NaCl 0,9% vorbereiten

- zum Atmen anhalten / Kommandoatmung

3. Ausscheidung
3.1 Patient hat Miktionsstörungen (Blasenmuskel relaxiert, Sphinkter relaxiert)

- nach Entfernen des DK zum frühen Wasserlassen anhalten / spätestens nach 4 h

- Blasenstand überprüfen

- Schmerzdienst rufen (Pumpe für ca. 2 h aus)

- warme Bauchwickeln

- Blase abklopfen

- Wasserhahn laufen lassen

3.2 Peristaltik wird durch Sympathikolyse angeregt

- Info an Patient geben

- starke Durchfälle möglich

3.2.1 Durch Schmerzfreiheit kann evtl. ein akutes Abdomen übersehen werden

- Bauchdeckenspannung überprüfen

- Stuhlgang / Darmgeräusche beurteilen

- bei hartem, angespannten Abdomen Info an den Stationsarzt

3.2.2 Patient hat Stuhl- und Harninkontinenz (frgl. Cauda equina Syndrom?)

- Schmerzdienst informieren

- bei Cauda equina Syndrom ist schnelles Handeln notwendig, da sonst irreversible Nervenschäden entstehen können

4. Haut
4.1 Schädigung der Durchblutung durch Druck mit Rötung / Blasenbildung und evtl. Nekrosen

- keine Gegenstände im Ausbreitungsgebiet liegen lassen, Patient hat dort kein Schmerzempfinden! (z.B. Filter, Stöpsel, Thermometer)

- Verbände auf Einschnürung oder Kompression kontrollieren

5. Für Sicherheit sorgen
5.1 Patient hat Angst vor Schmerzen, fühlt sich alleine gelassen

- beruhigend einwirken

- Patient informieren: soll frühzeitig Schmerzmittel abfordern

- Probleme des Patienten ernst nehmen, nach Schmerzen erkundigen

- gute Anleitung des Patienten, um sein Sicherheitsgefühl zu steigern

- auf Mitarbeit des Patienten Wert legen

5.2 Patient klagt über Schulterschmerzen (treten in den Vordergrund, da Operationsschmerz weitestgehend ausgeschaltet)

- Information des Patienten (Lagerungsschaden etc.)

- Info an Stationsarzt oder Schmerzdienst (Diclofenac- [Voltaren-] Gabe anregen)

6. Essen und Trinken
6.1 Patient klagt über anhaltende Übelkeit (evtl. durch Opiate)

- Stationsarzt informieren

- Schmerzdienst informieren

6.2 schneller, oraler Kostaufbau möglich, wenn keine Kontraindikationen bestehen

- Getränke anbieten

- Nahrung nach angeordneter Diät bereitstellen, evtl. Hilfestellungen


[16]

5.4.2 Der Verbandwechsel
Sollte generell vom Schmerzdienst durchgeführt werden, da dieser gleichzeitig die Einstichstelle beobachtet und dokumentiert.
Falls der Verband jedoch aufgrund von Mobilisation oder starker Transpiration nicht mehr ordnungsgemäß ist, sollte dieser erneuert werden.

Zur Minimierung der Infektionsgefahr und zur besseren Fixierung ist der Katheter ca. 3 - 4 cm unter der Haut getunnelt.



Abb. 7 PDK-Verband [A7] - (mit freundlicher Genehmigung des Georg Thieme Verlags)

Am ersten postoperativen Tag wird der Verbandwechsel nach festem Standard durch den Schmerzdienst durchgeführt. Es wird ein Folienverband angelegt. Dieser Folienverband ist atmungsaktiv und kann bis zu drei Liter Schweiß innerhalb von
24h abgeben.

Durch diesen Verband kann es zu Hautunverträglichkeiten kommen. Dann wird dieser entfernt und durch das herkömmliche Cutiplast® steril ersetzt.
Falls sich der Folienverband aufrollen sollte, muss dieser erneuert werden.
Es sollten weder Alkohol noch Lotion auf die Folie gelangen, da der Verband hierdurch seine Struktur verliert.

Zur Fixierung des Filters wird eine einfache Halterung („Pin-PAD®“ ähnlich einer EKG-Elektrode) in Brusthöhe aufgeklebt, auf die der Perifix®-Filter (Fa. Braun) sicher angebracht werden kann. Häufig sieht man, dass diese in Schulterhöhe angebracht werden - das ist nicht korrekt, denn während der Mobilisation kommt es so zum Abknicken des Katheters. [17]

5.4.3 Diskonnektion des PCEA-Katheters

Sollte der Katheter zwischen Patient und Filter diskonnektiert sein, gelten folgende Empfehlungen:

1. Ist die Diskonnektion durch das Pflegepersonal beobachtet worden, kann der Katheter desinfiziert und mittels steriler Schere gekürzt werden. Anschließend muss ein Filterwechsel vorgenommen werden.

2. Ist der Zeitraum der Diskonnektion durch das Pflegepersonal nicht mehr nachvollziehbar, muss die Schmerztherapie informiert werden. Dieser wird nach Abwägung des Nutzens und des Risikos, sowie nach Abklärung der Gerinnungssituation den PCEA-Katheter ggf. entfernen.

3. Wenn man den PCEA-Katheter diskonnektiert vorfindet, sollte man diesen mit einem sterilen Stöpsel verschließen.

4. Um einer Diskonnektion vorzubeugen, sollte man die Konnektionsstelle täglich auf sicheren Halt und Dichtigkeit überprüfen.

5. Ist ein Filterwechsel notwendig, so kann dieser von den Pflegenden der Station durchgeführt werden. Es befindet sich ein Ersatzfilter im Beutel der PCEA-Pumpe. Das System wird vom Patienten mit Filter gelöst und der Filter ausgetauscht. Der neue Filter wird durch Drücken des Handauslösers gefüllt. Sollte das nicht möglich sein, kann dieser auch mit NaCl 0,9% gefüllt werden. Anschließend wird der Patient wieder an das System angeschlossen. Die Katheterkupplung wird dabei gewechselt. Sind die Pflegenden der Station sich zu unsicher im Wechsel des Katheterfilters und der Katheterkupplung, können sie die Schmerztherapie informieren, dass diese den Wechsel vornimmt.

6. Wenn das Pflegepersonal sich in der Durchführung unsicher ist oder Probleme auftauchen, muss die Schmerztherapie informiert werden. [18]

5.4.4 Stenosierter PCEA-Katheter
Erscheint der sogenannte HIP-Alarm (High-Pressure = Druckalarm) ist in der Regel ein zwischen zwei Wirbelkörpern eingeklemmter Katheter oder ein defekter Filter die Ursache.

Dieses kann zu mehrmaligem Alarm führen und sowohl das Pflegepersonal als auch den Patienten stark verunsichern. Man sollte einmal das System vor dem Filter diskonnektieren und den Patienten auffordern, soweit möglich einen Rundrücken zu machen. Wenn diese Maßnahmen nicht helfen, muss die Schmerztherapie informiert werden. [19]

5.5 Beendigung der Schmerztherapie
Die Schmerztherapie geht in der Regel über 4-7 Tage, wird aber von der individuellen Situation des Patienten abhängig gemacht. Ist die Einstichstelle ohne Befund, kann die Therapie fortgeführt werden. Ist dagegen die Einstichstelle lokal infiziert, muss der PCEA-Katheter entfernt und die Katheterspitze zur mikrobiologischen Untersuchung eingeschickt werden.
Um nun den PCEA-Katheter ohne Komplikationen, wie zum Beispiel Hämatom oder Blutung entfernen zu können, sind bestimmte Gerinnungsparameter vorauszusetzen.

Bei einem unkomplizierten Verlauf reicht ein postoperativer Gerinnungswert, der innerhalb der festgelegten Grenzen liegt.
Im Zusammenhang mit dem Entfernen eines Periduralkatheters gelten für die Thromboseprophylaxe folgende Regeln:

Empfohlene Zeitintervalle zwischen Antikoagulantiengabe

- und epiduraler bzw. spinaler Punktion

- oder dem Entfernen eines Katheters

Nach Entfernen des Katheters sollten sowohl das Pflegepersonal, als auch der Patient auf motorische und sensorische Defizite achten (z.B. Kribbeln / Parästhesien, Taubheitsgefühle, unwillkürlicher Harn- und Stuhlabgang). Treten Defizite auf, ist die Schmerztherapie sofort zu informieren.

Nach Beendigung der Schmerztherapie sollte der Patient darüber informiert werden, dass nach einigen Stunden Schmerzen auftreten können. Aus diesem Grund sollte nach 2-3 Stunden ein leichtes Opioid verabreicht werden.

Zu empfehlen sind:

Tramadol:

- 20 Tropfen enthalten 50 mg Tramadol (Tramal®)
- Cave: Nicht mehr als 20 Tropfen verabreichen, es kann sonst zu Übelkeit und Kreislaufproblemen kommen

Valoron®:

- ein Kombinationspräparat aus Tilidin und Naloxon
- 20 Tropfen entsprechen 50 mg Tilidin
- Cave: erhöhtes Suchtpotential durch euphorische Wirkung bei den Tropfen, daher bei längerer Gabe auf retard Tabletten umstellen

Sollte keine ausreichende Analgesie mit diesen Präparaten erreicht werden, ist eine Umstellung auf wirksamere Opioide wie Dipidolor® oder Morphinpräparate möglich. [20]



6. Nicht-steroidale Analgetika

Die PCA sollte immer mit nicht-steroidalen Analgetika kombiniert werden.

- Opiatverbrauch wird reduziert
- Nebenwirkungen werden reduziert
- Zufriedenheit des Patienten gesteigert

Mit diesen Analgetika werden folgende Wirkungen erreicht:

a. sie wirken schmerzlindernd (analgetisch)
b. sie wirken entzündungshemmend (antiphlogistisch)
c. sie wirken fiebersenkend (antipyretisch)

Cave: Man darf hierbei den Magenschutz nicht vergessen, sowie die Belastung von Leber und Nieren nicht außer Acht lassen.

6.1. Medikamentenprofile
6.1.1 Paracetamol (Benuron®)

Wirkweise: Hemmung der Prostaglandinsynthese
Analgesie: entzündungshemmend, fiebersenkend
Wirkdauer: 4 - 6 Stunden
Nebenwirkungen: Cave ! Nieren- und Leberschädigung
Dosierung: 500 – 1000mg alle 4 - 6 Stunden
4 x 1g rektal oder per os
Tageshöchstdosis ca. 4g oder 50 mg/kg

6.1.2 Propacetamol (Pro Dafalgan®)
Wirkungsweise: wie Paracetamol
Analgesie: wie Paracetamol
Nebenwirkungen: wie Paracetamol
Vorteile: die i.v.-Gabe von 1g Propacetamol wird nur zu 0,5g
Paracetamol in der Leber verstoffwechselt
Dosierung: 4 x 1g i.v.

6.1.3 Diclofenac (Voltaren®, Ibuprofen®)
Wirkweise: Prostaglandinsynthesehemmer, entzündungshemmende Wirkung und analgetische Wirkung, diese ist jedoch zweitrangig

Analgesie: antiphlogistische, muskelrelaxierende Wirkung
Indiziert zum Beispiel bei Schulter- und
Verspannungsschmerz, bei orthopädischen
Eingriffen oder Kolikschmerzen

Wirkdauer: 12 Stunden

Nebenwirkungen: Gastrointestinale Unverträglichkeiten, hier ist an den Magenschutz, Ulcusblutungen, allergische Reaktion, sowie die nierentoxischen Nebenwirkungen (Dialysepatienten) zu denken.
Depressionen, Müdigkeit, ZNS-Störungen
Bronchialspasmen bei prädisponierten Patienten

Dosierung: 0,1-0,2g alle 6 Stunden

Cave: bei längerer Anwendung Gefahr der Thrombozytopenie

6.1.4 Metamizol (Novalgin®)
Wirkungsweise: Prostaglandinsynthesehemmer
Analgesie: gute analgetische Wirkung, antipyretische, spasmolytische, antiphlogistischer Effekt
Wirkdauer: 4-6 Stunden
Nebenwirkungen: Blutdruckabfall (Cave: Bei der i.v.-Applikation) sowie Gefahr des anaphylaktischen Schocks

Immer als Kurzinfusion i.v. applizieren
Rotfärbung des Urins möglich
Dosierung: 4x 1g als Kurzinfusion oder 4x 20 Tropfen per os,
Einzeldosis 500 – 1000 mg Suppositorien Tagesdosis ca. 4g [21]



7. Zusammenfassung

In der postoperativen Versorgung der Patienten nehmen die PCIA- und PCEA- Pumpen immer mehr an Bedeutung zu. Dieses folgt aus den Vorteilen, die sie dem Patienten bieten:

Der Patient benötigt weniger zusätzliche Opiate, ist daher weniger schläfrig, hat weniger Probleme mit der Darmträgheit und atmet suffizienter. Er ist durch diese Schmerztherapie schneller mobil, was die Risiken einer längeren Liegezeit reduziert, also Pneumonie, Thrombose, Embolie, Kontrakturen, Obstipation und Muskelabbau. Durch die schnellere Mobilität des Patienten verzeichnet man eine kürzere Liegedauer und Reduktion der Kosten.

Den Aspekt der postoperativen Lebensqualität darf man nicht außer Acht lassen, denn der Patient ist schmerzfrei, was für seine Zufriedenheit von großer Bedeutung ist und was sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Der Patient ist so motivierter, zugänglicher für pflegerische und physiotherapeutische Maßnahmen, was ihm im Heilungsprozess einen großen Vorteil verschafft.

Im intensivtherapeutischen Bereich profitiert der Patient ebenfalls von der Schmerztherapie, denn durch den geringeren Einsatz von Opiaten ist die postoperative Nachbeatmungszeit geringer und damit der Aufenthalt auf der Intensivtherapiestation kürzer. Damit können die Risiken, die eine Intensivtherapiestation für den Patienten birgt, deutlich reduziert werden. Hier möchte ich nur die Infektionsgefahr oder das Durchgangssyndrom nennen.



8. Literatur
[1] Larsen, Anästhesie und Intensivmedizin, Springer-Verlag, 4. Auflage, S. 457

[2], [3] Hayn M, Facharbeit "Postoperative Schmerztherapie mit mechanischen PCA Pumpen", 1999, S.9

[4] Zu- und ableitende Systeme, Lothar Ulrich, Thieme Verlag, Auflage 2000, S. 236, Tabelle 6.1.

[5] Zu- und ableitende Systeme, Lothar Ulrich, Thieme Verlag, Auflage 2000, S. 236

[6], [7], [8] Buddenberg E, Pflegeleitfaden für Patienten mit patientenkontrollierter Schmerztherapie, Version 08.11.2001 UKM

[9] Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 238

[10] - [22] Buddenberg E, Pflegeleitfaden für Patienten mit patientenkontrollierter Schmerztherapie, Version 08.11.2001 UKM

Nähere bibliografische Angaben beim Autor


9. Abbildungen
Abb. 1: Pressematerial DGAI / DAC 2002 via medizin-texte.de (05.04.2006)

Abb. 2: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 247

Abb. 3: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 246

Abb. 4: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 237

Abb. 5: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000

Abb. 6 http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Dermatoms.svg (05.04.2006)

Abb. 7: Ullrich, L. Zu- und ableitende Systeme - Fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld, 1. Auflage, Thieme 2000, S. 240

Für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Abbildungen 2, 3, 4, 5, und 7 bedanken wir uns herzlich beim Georg Thieme Verlag, Stuttgart.

Danksagung

Ein herzliches Dankeschön möchte ich hiermit an alle Kollegen des Schmerzdienstes, aber besonders an die Fachkrankenschwester Elisabeth Buddenberg aussprechen, die Literatur und Unterlagen zu diesem Thema bereitwillig und unkompliziert zu Verfügung gestellt hat.

(18.04.2006)

Emailadresse Autor:




Links zum Artikel:
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Forendiskussionen zum Thema:
    Periduralkatheter
    Pflegestandard Schmerzmedikation
    Schmerzdienst durch Pflegepersonal
    Welche Schmerzskala wird verwendet?

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