Geschlossene Absaugsysteme: kann auf den täglichen Wechsel verzichtet werden?
Hanno H. Endres - Redaktion zwai
Den Vorteilen, die geschlossene Systeme zur endotrachealen Absaugung bieten,
steht in erster Linie ein Nachteil gegenüber: durch den herstellerseitig
empfohlenen täglichen Wechsel sind die Kosten deutlich höher als beim
konventionellen, offenen Absaugen.
Leonardo Lorente und Kollegen haben daher in einer randomisierten Studie an
457 beatmeten Patienten untersucht, ob ein täglicher Wechsel tatsächlich
erforderlich ist.

Wechsel nur bei Beschädigung oder Verschmutzung
So wurde bei der Patientengruppe mit geschlossener Absaugung
das System nur dann gewechselt, wenn es Beschädigungen aufwies, verschmutzt war oder eine Re-Intubation erfolgen musste.
Die andere Gruppe wurde konventionell offen abgesaugt.
Beide Patientengruppen wurden im Schnitt 10 Tage beatmet und währenddessen
etwa achtmal täglich abgesaugt.
Ergebnisse
Die Pneumonierate beider Gruppen unterschied sich dabei nicht signifikant – und
zwar unabhängig von der Beatmungsdauer: im Mittel wiesen 13,9 % aller
mit geschlossenem System abgesaugten Patienten eine ventilator-assoziierte
Pneumonie (VAP) auf – in der offen abgesaugten Gruppe 14,1%.
Für die 236 geschlossen abgesaugten Patienten wurden in der Studie für
2336 Beatmungstage 286 komplette Absaugssysteme verbraucht. 497 mal musste
das System teilweise gewechselt werden, davon 424 mal , weil die Schutzhülle
beschädigt war. Die Gesamtkosten geben die Autoren mit 5345 Euro an.
Die Gesamtkosten für die offene Absaugung an 221 Patienten über
2113 Beatmungstage betrugen hingegen 5049 Euro.
Weitere, interessante Aspekte ergab die Analyse der Kosten in Relation zur
Beatmungsdauer: bei Beatmungen unter einer Dauer von vier Tagen, waren die
Kosten pro Patient und Tag bei Verwendung des geschlossenen Systems (7,20 +/-
4,7 Euro) deutlich höher als bei offener Absaugung (1,9 +/- 0,6 Euro).
Erst nach dem vierten Beatmungstag rechnete sich der Einsatz eines geschlossenes
Absaugsystems: 1,6 +/- 2,8 Euro betrugen dann dafür die Kosten, bei weiterhin
offener Absaugung 2,5 +/- 0,5 Euro.
Aufgrund des nicht aufzeigbaren Unterschieds in der Pneumonierate halten die
Autoren die geschlossene Absaugung ohne täglichen Systemwechsel für
das Mittel der Wahl bei Patienten, die länger als vier Tage beatmet, bzw.
abgesaugt werden müssen. Mit steigender Häufigkeit des Absaugens
und steigender Beatmungsdauer sinken dabei die Kosten.

Literatur
Lorente et al. Tracheal suction by closed system without daily
change versus open system.
Intensive Care Med (2006) 32:538–544
(08.05.2006)
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