
1. Patientenorientierte Informationen / Bedingungsanalyse
Grunderkrankung:
- Verdacht auf Klatskin - Tumor
Aufnahmegrund:
Übernahme des Patienten aus einer externen Klinik (Verlegung auf Wunsch der
Ehefrau), nachdem es dort im Rahmen einer durchgeführten ERCP mit Papillotomie
auf Grund eines Stauungsikterus zu Komplikationen gekommen war.
Während der ERCP war es bei der schwierig durchzuführenden Papillotomie zu
einer Perforation des Duodenums gekommen. Bei der anschließenden chirurgischen
Übernähung der Perforation wurde an der Stelle der Papillotomie, in den sich
dort vermeintlich befindlichen Ductus choledochus ein Stent implantiert, um
den intrahepatischen Ikterus zu entlasten.
Nach der Übernahme des Patienten wird ein Abdomen-CT angefertigt, in dem sich
der implantierte Stent im retroperitonealen Raum zeigt. Bei der daraufhin erneut
durchgeführten ERCP wird unter erschwerten Bedingungen (Bauchlage des mittlerweile
beatmungspflichtigen Patienten mit ungefähr 130 kg Körpergewicht) eine korrekte
Papillotomie mit Stent-Einlage durchgeführt. Daraufhin kommt es zu einem Abfall
des Bilirubins, der Patient ändert wieder sein Hautkollorit und eine Extubation
wird angestrebt.
Im weiteren Verlauf kommt es zu einem Hb-Abfall, der sich nach chirurgischer
Intervention als Blutung einer kleinen Mesenterialarterie erklärt. Nach postoperativer
Übernahme des Patienten auf die Intensivtherapiestation deuten Beatmungsprobleme
und Auskultation des nach der ERCP noch nasal intubierten Patienten auf einen
defekten Cuff hin. Herr. K. wird daraufhin mittels Tubus-Changer umintubiert.
1.1 Pflegeanamnese
Herr K. ist ein 43-jähriger Patient, verheiratet, ein Sohn, seit kurzer Zeit
Großvater. Er ist mit ungefähr 130 kg Körpergewicht deutlich übergewichtig,
wirkt dabei jedoch nicht adipös. Er war bis zu einem Bandscheibenprolaps vor
ungefähr 7 Jahren Bodybuilder und ist als Berufskraftfahrer im Güternahverkehr
tätig.
Herr K. befindet sich in einem deutlich reduzierten Allgemeinzustand
bei gutem Ernährungszustand.
1.2 Pflegeprobleme/-ressourcen:
1.2.1 Atmung:
Herr K. ist im Rahmen einer Sepsis beatmungspflichtig geworden. Er
muss regelmäßig
endotracheal abgesaugt werden. Die Sekretolyse muss mechanisch mittels Vibrax
und medikamentös durch Acetylcystein unterstützt werden.
1.2.2 Bewusstsein:
Aufgrund der Gasaustauschstörung und im Rahmen des septischen Geschehens mit
hämodynamischer Instabilität ist Herr K. zur Zeit nicht extubabel und muss daher
mit hohen Dosen analgosediert werden. Er ist somit als komatös und nach Ramsey-Score
in Stufe 6 einzuordnen.
1.2.3 Temperaturregulation:
Durch den Krankheitsverlauf mit noch nicht nachgewiesenen Erregern
intraabdominell hat Herr K. ein kontinuirliches Fieber mit Temperaturen um
39,0 C. Diese Temperaturen
treten jedoch nur während CVVH-Auslassversuchen auf, sind allerdings dann mit
antipyretischer Medikation therapierbar. Pflegerische Maßnahmen wie kühlende
Waschung mit Pfefferminzöl zeigen keinen Erfolg.
1.2.4 Ausscheiden:
Im Rahmen des protrahierten Krankheisverlaufes kommt es zu einem akuten
Nierenversagen, welches nur mittels kontinuierlicher veno-venöser Hämofiltration (CVVHD) auszugleichen
war. Die erforderlichen hohen Dosen der Analgosedierung und die hohe Katecholamingabe
führen bei gleichzeitiger operativer Intervention wegen intraabdomineller Blutung
zu einem "stillen Bauch".
1.2.5 Beatmung / Zugänge / Ableitungen
Beatmungsgerät: Siemens Servo 300®
Beatmungsmuster: Druckkontrolliert 25 mbar über PEEP 7 mbar,
FiO2
0,7
Monitoring: AF / HF / art. RR / ZVD / Temp / SaO2
Zugänge: MLK / art. Kanüle / Shaldon / PVK
Sonden: MS 16CH Silikon (oral eingelegt)
Drainagen:
- Easyflow (links, als Spüldrainage mit 3 ltr. Nacl 0,9 % in 24h
genutzt)
- Easyflow (rechts, zur Bilanzierung mit Urinsystem versehen)
- Lasche (rechts, mit AP-Beutel und Urinsystem zur Bilanzierung versehen)
Lagerungshilfen: Kissen, Decke
Liegesysteme: KCI-"Thera-pulse®"-Bett
Einleitung
In diesem Praxisbericht soll am Beispiel von Herrn K. die Umintubation
eines bereits intubierten Patienten bei defektem Cuff erläutert werden.
Langzeitbeatmete Patienten werden heutzutage durch Anlage einer Tracheostomie
auf verlängerte Beatmungszeiten und protrahierte Weaningverläufe vorbereitet.
Dabei stehen neben der operativen Form die Bougierungstracheotomie nach Ciaglia
oder die Durchzugstracheotomie nach Fontani als Alternative zu Verfügung. Gerade
die beiden letztgenannten Formen bieten aufgrund der schlanken Stomata beim
Kanülenwechsel eine erhöhte Komplikationsgefahr.
Bei diesen Patienten bietet sich der Cook-Wechselkatheter (CAE-) beim
ersten Kanülenwechsel als hilfreiche, die Patientensicherheit verbessernde Möglichkeit
an.
Es kommt jedoch immer wieder zu kritischen Situationen, in denen schnell
und sicher ein liegender Trachealtubus ausgewechselt werden muss. Als Beispiele
im Intensivbereich können hier der defekte Cuff, der mit Schleim verstopfte
Tubus oder der zu klein gewählte Tubus bei dringend indizierter Bronchoskopie
aufgeführt werden.
Daneben bieten sich gerade im Bereich Traumatologie/Neurochirurgie
weitere Einsatzmöglichkeiten. Patienten mit einer HWS-Verletzung sind nicht oder nur
bedingt zu reklinieren, was eine Reintubation deutlich erschwert bis unmöglich
macht und darüber hinaus bis hin zu einer vitalen Gefährdung des Patienten führen
kann.
Hier bietet der Cook-Katheter eine gute Möglichkeit, Patienten sicher und stressfrei
mit einen neuen Tubus zu versorgen. Als Beispiel aus der Praxis kann hier die
zurückhaltende, manchmal auch verzögerte Entscheidung zur Extubation bei Patienten
mit einer HWS-Verletzung genannt werden. Was, wenn sich der Patient doch respiratorisch
erschöpft und dann reintubiert werden muss?
Die verschiedenen Größen des Wechselkatheters ermöglichen es, die Extubation
unter liegendem Katheter durchzuführen und den Patienten bei notwendiger Reintubation
sicher über die liegende Schiene (die natürlich auch Gefahren bietet) mit einem
Tubus versorgen zu können. Bei dieser Einsatzmöglichkeit sollte allerdings auch
ein in der Endoskopie verwendeter Beißschutz eingesetzt werden, um Überraschungen
am Tubuschanger zu verhindern.
In meinem Fallbeispiel wird Herr K. nach einer Laparatomie aus dem
OP wieder auf die Intensivtherapiestation übernommen. Nach Konnektion des
Patienten an den Servo®-Ventilator ist auskultatorisch eine
seitengleiche Belüftung festzustellen. Trotz wiederholten Hochblockens des Cuffs ist ein Strömungsgeräusch
über dem Kehlkopf zu vernehmen. Nach Kontrolle der eingestellten und gemessenen
Werte am Beatmungsgerät und dem Vergleich mit den präoperativ dokumentierten
Werten ist eine starke Abweichung festzustellen.
Daraufhin entscheidet man sich, den Tubus des Patienten bei Verdacht auf einen
defekten Cuff auszutauschen.
Der Patient soll jedoch aufgrund erschwerter Intubationsbedingungen
(starke Schwellung und multiple Defekte im MRR, kurzer Hals und schleicht
einzustellende Glottis) sowie einer evtl. für den nächsten Tag erneut geplanten ERCP weiterhin
nasal intubiert bleiben. Da er zusätzlich aufgrund seiner schlechten pulmonalen
Situation über keinerlei Ressourcen für einen längerdauernden Ex- und Reintubationsversuch
verfügt, entscheidet man sich zur Verwendung des C-CAE.
3. Der COOK Airway Exchange-Katheter
Bei dem Tubus-Changer handelt es sich um einen mit Ethylenoxidgas sterilisierten
Einmalartikel in Aufreißverpackung. Der Katheter (Plastikstab) ist in verschiedenen
Größen erhältlich (s. Tabelle).
Die abgerundete Spitze verfügt über insgesamt drei Öffnungen, über die die
Luft in die Trachea insuffliert werden kann bzw. über den Rapi-FitTM-Adapter
eine Konnektionsmöglichkeit mit dem Beatmungsbeutel besteht, wodurch der
Patient dann jederzeit ventiliert werden kann.
Er verfügt an seiner Außenseite über eine Zentimeter-Graduierung, sodass der
neu eingeführte Tubus auch ohne direkte Laryngoskopie oder unbedingt notwendige
radiologische Kontrolle genau platziert werden kann.