Die Herzinsuffizienz stellt eine klinisch wie ätiologisch sehr heterogene
Gruppe von Erkrankungen dar, die zu einer Verminderung der Pumpfunktion des
Herzens führen. Als Ursachen sind die ischämische Kardiomyopathie
(35-50%) und die dilatative Kardiomyopathie führend. Die Systematik der
Herzinsuffizienz unterteilt in chronische und akute Herzinsuffizienz. Die chronische
Herzinsuffizienz stellt ein gigantisches sozio-ökonomisches Problem dar.
Weltweit leiden etwa 15 Millionen Menschen an einer Herzinsuffizienz. In den
westlichen Ländern kommen jährlich 1-4 Fälle pro 1000 Einwohner
hinzu. Die 5-Jahres Mortalität nach einer akuten Dekompensation beträgt
etwa 50%. Die Wahrscheinlichkeit einer Rehospitalisierung innerhalb der nächsten
sechs Monate nach einer akuten Dekompensation liegt um 50%. 1,2 Die Therapie
ist in der Regel symptomatisch, und die Prognose bezüglich der Wiederherstellung
ist relativ schlecht. Die einzige kausale Therapieoption stellt für eine
sehr große Gruppe von Erkrankten die Herztransplantation dar, die aber
nur für einen verschwindend geringen Prozentsatz der Erkrankten realisiert
werden kann.
1.2 Akute Herzinsuffizienz
Der Begriff der akuten Herzinsuffizienz beschreibt einen pathophysiologischen
Zustand, in dem das Herz die Versorgung des Organismus mit Blut und damit mit Sauerstoff nicht mehr bedarfsadaptiert leisten kann. 3 Es liegt also ein akutes
Missverhältnis zwischen globalem Sauerstoffbedarf und -angebot vor. Dabei
kann in einigen Situationen wie der thyreotoxischen Krise oder der hyperdynamen Phase einer Sepsis oder des SIRS das Herzzeitvolumen (HZV) durchaus erhöht sein.
Es reicht aber dennoch nicht aus, um einen stark erhöhten Sauerstoffbedarf
zu decken.
Diese Form der Herzinsuffizienz wird als High-Output Herzinsuffizienz bezeichnet
und soll in diesem Rahmen nicht weiter behandelt werden. Die übrigen Formen
der akuten Herzinsuffizienz sind durch eine kritische Erniedrigung des Sauerstoffangebotes
durch ein inadäquat reduziertes HZV bedingt. Der plötzliche Abfall
des HZV kann auf kardialen oder extrakardialen Ursachen beruhen. In den meisten Fällen wird jedoch eine akute Exazerbation einer bestehenden, klinisch
manifesten Herzinsuffizienz gemeint sein. Dabei kann sich die Herzinsuffizienz
durch eine reduzierte Entleerung eines oder beider Ventrikel und einen dadurch
bedingten Rückstau von Blut in den davor liegenden Teil des Kreislaufes
(Rückwärtsversagen) manifestieren. Es kann aber auch zu einem Abfall
des Herzzeitvolumens des oder der Ventrikel durch ein Vorwärtsversagen
kommen. Häufig liegt eine Kombination der beiden Phänomene vor. [4]
1.3. Acute Low Cardiac Output Syndrom (ALCOS)
Das ALCOS stellt eine perakut auftretende Form des linksventrikulären
Vorwärtsversagens dar, wobei der Begriff von einigen Autoren für Low-Output-Syndrome
nach kardiochirurgischen Eingriffen - als Post-Cardiopulmonalem-Bypass (CPB)-
oder Post-Cardiotomie-Syndrom - reserviert wird.3 Es sollten aber auch das
akute Herzversagen nach akutem Myokardinfarkt und andere plötzlich einsetzende
Low-Output-Syndrome, wie beispielsweise im Rahmen von Myokarditiden und
Endokarditiden hinzugerechnet werden. [4]
Wichtig ist aber die Unterscheidung des ALCOS, bei zuvor Herzgesunden auftritt,
von der akuten Exazerbation einer vorbestehenden symptomatischen Herzinsuffizienz.
Solche akuten Exazerbationen stellen in den industrialisierten Ländern
eine der häufigsten Krankenhaus-Einweisungs-Diagnosen dar (in den USA
in 1998 970.000) und gehören in den meisten Fällen in die Hände
von Kardiologen, da sie oft eine Verschlechterung der RV- oder LV-Funktion durch
interkurrierende Infektionen oder durch Tachy- oder Bradyarrhythmien als Ursache
haben, deren Behebung meistens zu einer kardialen Rekompensation führen
wird.[4] Darüberhinaus sind bei diesen Patienten eine Vielzahl von neurohumoralen
Gegenregulationsmechanismen aktiv, die die Diagnostik und Therapie vom
Management des ALCOS unterscheiden.
2. Ätiologie des ALCOS
Die Ätiologie akut auftretender Funktionsstörungen der Ventrikel,
die die Auswurfleistung so stark beeinträchtigen, dass ein ALCOS resultiert,
ist in Tabelle 1 zusammengefasst. [4] An erster Stelle steht dabei der akute Myokardinfarkt mit
einem Verlust von >40% der kontraktilen Muskelmasse des linken Ventrikels.
Dabei kann das Myokard permanent durch einen Infarkt oder vorübergehend
durch eine Ischämie mit anschliessender Reperfusion und myokardialem Stunning
funktionsgestört sein. Entsprechend fällt die Pumpfunktion ganz oder
nur bis zur Erholung vom Stunning aus. Diese Überlegung spielt für
die Abschätzung der Prognose von Patienten im ALCOS eine überragende
Rolle.
Ätiologisch ähnlich, aber pathophysiologisch vollkommen unterschiedlich,
ist ein akutes Pumpversagen des linken Ventrikels durch mechanische Kompromittierung
der Ventrikelfunktion im Gefolge eines Myokardinfarktes. Dabei ist vor allem
an eine Papillarmuskelruptur und den resultierenden Prolaps meist des posterioren
Mitralsegels mit dem akuten Auftreten einer massiven Mitralinsuffizienz und
an eine Ruptur des Ventrikelseptums durch einen septalen Infarkt oder die Ruptur
der freien Ventrikelwand mit resultierender Perikardtamponade zu denken. Die
genannten mechanischen Komplikationen eines Myokardinfarktes sind selbstverständlich
mit dem Untergang unterschiedlich großer Myokardareale durch die Ischämie
in Abhängigkeit vom betroffenen Gefäß und dessen Kollateralisation
vergesellschaftet. Das Ausmaß des Infarktes wird die Ausprägung des
ALCOS entscheidend mit beeinflussen.
Krankheitsentität
Atiologie
prim. klinische Ausprägung
Myokardinfarkt (MI)
KHK, Plaqueruptur
ALCOS bei >40% Muskelmasseverlust
Papillarmuskelruptur
Mitralinsuffizienz + MI
Ventrikelseptum-Ruptur
VSD mit akuter RV-Druckbelastung, akuter LV-Volumenbelastung und arterieller
Hypotonie + MI
Ventrikelruptur
Perikardtamponade mit kombinierter RV-Kompression und arterieller Hypotonie
+ MI
unvollständig revaskularisiertes Myokard bei operativer Hochrisiko-Revaskularisation
Myokardiale Depression durch protrahierte Ischämie unter HLM ohne
vollständigen Revaskularisationsbenefit
inkomplette Kardioprotektion unter HLM
Anterograde Kardioplegie bei diffuser fortgeschrittener KHK und protrahierte
Ischämie mit insuffizienter Myokardprotektion
DCM
erblich, erworben (Chemo, Myokarditis)
Akutes LV-Pumpversagen evt. mit sekundärer Mitralinsuffizienz
virale Myokarditis
Akutes LV-Pumpversagen evt. mit sekundärer Mitralinsuffizienz
Endokarditis
Aortenklappenendokarditis
akute Aortenklappeninsuffizienz mit akuter LV-Dilatation, evt. mit sekundärer
MI
Mitralklappenendokarditis
akute Mitralklappeninsuffizienz mit akuter Volumenbelastung und LV-Dilatation,
Rückwärtsversagen mit Lungenödem und arterieller Hypotonie
Aortenklappenstenose
Dekompensation des hypertrophierten LV
Akutes Pumpversagen durch eine Kombination von linksventrikulärer
Insuffizienz bei Überschreiten der kritischen Myokardmasse und kritischer
Erhöhung der linksventrikulären Nachlast durch die Klappenstenose
Post-Kardiotomie-Syndrom
intrakardiale Eingriffe
Akuter Kontraktilitätsverlust durch die Folgen eines intrakardialen
Eingriffes
RV-Versagen
Vorlasterniedrigung des LV
akuter inferiorer Infarkt mit RV-Beteiligung, akuter RV-Infarkt oder akute
Erhöhung des pulmonalvaskulären Widerstandes (z.B. Lungenembolie)
Tabelle 1 - Ätiologie des ALCOS mit primärem klinischem Bild.
Virale Myokarditiden können auch bei jungen zuvor körperlich leistungsfähigen
Patienten akut zu einem ALCOS führen.
Eine akute Klappen-Endokarditis - häufig der Aorten- seltener der Mitralklappe
- kann ebenfalls durch die akute linksventrikuläre Dilatation zu einer
schweren Störung der linksventrikulären Kontraktilität führen,
die auch nach der Korrektur der Klappeninsuffizienz ein Pumpversagen weiter
bestehen lassen kann, wobei bei der Mitralklappeninsuffizienz das Rückwärtsversagen
des linken Ventrikels klinisch üblicherweise führend ist.
Eine weitere ätiologisch bedeutsame Variante einer akuten kardialen Dekompensation
im Sinne eines ALCOS ist die akute Dekompensation einer vorbestehenden bis dato
kompensierten Aortenstenose.
Das Postkardiotomie-Syndrom stellt eine klassische Ursache einer myokardialen
Funktionsstörung dar, die sich häufig einer vorbestehenden strukturellen
Herzerkrankung aufpropft. Dabei kommt es nach intrakardialen Eingriffen zu einer
globalen Kontraktilitätsstörung, die eine kritische Einschränkung
der Pumpleistung verursacht.
Eine häufige Form des ALCOS tritt bei Hochrisiko-Revaskularisationen beim
unvollständig revaskularisierten Myokard oder der akuten postoperativen
Graft-Dysfunktion (thrombotischer Verschluss oder mechanisches Hindernis) ein.
Eine protrahierte intraoperative myokardiale Ischämie bei nicht ausreichendem
kardioplegischen Schutz zum Beispiel durch eine hochgradige diffuse KHK und
den
dadurch misslingenden Versuch der Kardioprotektion durch anterograde kristalloide
Kardioplegie ist eine weitere Ursache für eine protrahierte postoperative
Kontraktilitätsminderung des Myokards in der Herzchirurgie und entspricht
einem ischämischen Stunning. Diese Störung der Pumpfunktion ist häufig
vorübergehend und wird, bei nicht zu ausgedehnter Dauer der Ischämie
zumindest teilweise reversibel sein.
Eine weitere vollkommen unterschiedliche Entität stellt das LV-Pumpversagen
auf dem Boden einer rechtsventrikulären Insuffizienz dar, die primär
durch eine
Kontraktilitätsstörung des RV oder durch eine Nachlasterhöhung
des RV bei pulmonaler Hypertonie bedingt sein kann. In dieser Situation kommt
es zu einer kritischen Erniedrigung der linksventrikulären Vorlast und
dadurch zu einem Abfall des HZV mit arterieller Hypotension.
Pathophysiologie & Diagnostik
Die Pathophysiologie des ALCOS ist charakterisiert durch eine akute kritische
Erniedrigung des HZV. Die Minderversorgung des Organismus mit Sauerstoff wirdzunächst
zu einer kompensatorischen Erhöhung der Vorlast (Frank-Starling-Mechanismus)
führen. Es kommt zur Wasser- und Natriumretention und zu einer Konstriktion
der venösen Kapazitätsgefäße. Zur Aufrechterhaltung einesausreichenden
Perfusionsdruckes wird es außerdem auf Kosten des Herzzeitvolumens zu
einer Gegenregulation im Sinne einer Erhöhung des Sympathikotonus kommen,
die eine Erhöhung der Herzfrequenz und des peripherarteriellen Widerstandes
bewirkt.
Dadurch kommt es zu einer Zentralisation des Kreislaufs. Die Patienten sind
peripher kalt. In dieser Situation wird die Bioaktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems,
des Vasopressins und des Endothelin-1 als zusätzlicher Volumenretentions-
und Vasokonstriktionssysteme akut erhöht.[5] Eine chronische Aktivierung
dieser neuroendokrinen Achsen kann aber zu einer Herunterregulation der Rezeptorsysteme
führen, was bei chronisch herzinsuffizienten Patienten eine abgeschwächte
Antwort auf weitere Kompensationsversuche über diese Mechanismen zur Folge
hat. Ein in den vergangenen Jahren intensiv untersuchtes Regulationssystem ist das der natriuretischen Peptide, deren biologische Wirkungen eine Natriurese
und Diurese sowie eine Vasodilatation sind. Damit wirken die natriuretischen
Peptide antagonistisch zum Sympathikus und zu den angesprochenen humoralen Achsen.[6]
Die fortgesetzte Minderperfusion des Organismus mit protrahierter Hypotension
wird auch die Perfusion des Myokards einschränken, die myokardiale Kontraktilität
so weiter beeinträchtigen und die Erholung der Myokardfunktion unter diesen
Bedingungen unter Umständen unmöglich machen. Die hypodyname Kreislaufsituation
wird das ALCOS also perpetuieren und sogar beschleunigen. Nur eine Durchbrechung
dieses Kreislaufes bietet die Möglichkeit, eine Unumkehrbarkeit des Herzversagens
durch strukturelle Schäden auf dem Boden einer protrahierten myokardialen
Ischämie zu verhindern. Diese Überlegungen gelten natürlich insbesondere
für Patienten mit kompromittierter Koronarreserve, wie sie bei einer diffusen
KHK oder einem hypertrophierten Myokard vorliegen, spielen aber auch bei nicht-ischämischen Ursachen des ALCOS eine wichtige Rolle, weil auch bei intaktem koronaren Gefäßsystem
eine Myokardischämie allein durch einen kritisch reduzierten koronaren
Perfusionsdruck auftreten kann.
Es wird bei nicht ausreichender Deckung des globalen Sauerstoffbedarfs zu einer Minderperfusion der Nieren, des Gastrointestinaltraktes, des ZNS, der Lunge
und aller anderen peripheren Organe und Gewebe kommen. Wird der Zustand nicht
alsbald korrigiert, resultiert infolge des ALCOS ein Einzel- oder Multiorganversagen,
wobei die Oligurie (<0,5 ml/kgKG Urinproduktion/h) das häufig führende
Nierenversagen ankündigt. In der Tat werden bei Patienten mit akuter dekompensierter
Herzinsuffizienz erhöhte Endotoxin-Plasmaspiegel gemessen, die auf eine
Minderperfusion des Dickdarms zurückgeführt werden können. Als
neurologische Symptome sind vor allem Bewusstseinseintrübungen und Verwirrtheit
zu nennen. [3,7]
In den Fällen, in denen für eine Flüssigkeitsretention zur Erhöhung
der Vorlast ausreichend Zeit bleibt, also vor allem bei chronischer, nun akut
exazerbierender Herzinsuffizienz, kann bei entsprechendem Volumenstatus ein
Rückwärtsversagen hinzu treten und ein kardiales Lungenödem auf
dem Boden der erhöhten enddiastolischen linksventrikulären Füllungsdrücke
entstehen. Die damit assoziierten Oxygenierungsprobleme werden akut eine weitere
Verschlechterung der
Sauerstoffbilanz nach sich ziehen. Setzt sich die Stauung durch den rechten
Ventrikel hindurch fort, oder liegt dem ALCOS ein führendes Rechtsherzversagen
zugrunde, kann bereits eine Stauung des gesamten Körperkreislaufes mit
GI-Trakt und ZNS als betroffenen Organen vorliegen und zu entsprechenden Organversagen
führen.
4. Diagnostik
Beim Patienten im ALCOS bleibt aufgrund des akuten Verlaufes nicht viel Zeit
für Diagnostik. Diagnostische und therapeutische Maßnahmen werden
in der Regel parallel zueinander beginnen. Dennoch ist die klinische Untersuchung
auch hier der erste Schritt in der Evaluation des Patienten. Zur Klassifikation
wird üblicherweise die New York Heart Association-Klassifikation (Tabelle
2) herangezogen, die einerseits sehr gut mit der Pumpleistung und andererseits
sehr gut mit dem Outcome korreliert. Die Inspektion kann dem Kliniker bereits
gestaute Halsvenen, Jugularispulse und Ödeme offenbaren, die auf ein Rückwärtsversagen
hindeuten. Die Auskultation von Cor und Pulmo ergibt unter Umständen weitere
wertvolle Hinweise im Sinne eines protodiastolischen Gallops als Zeichen der
Herzinsuffizienz und feuchter Rasselgeräusche als Zeichen eines möglicherweise
kardialen Lungenödems. [3,4,7]
Die weitere Basis-Diagnostik besteht aus einem 12-Kanal EKG eventuell mit rechts-erweiterten
Ableitungen, wenn es Hinweise auf ein Rechtsherzversagen gibt. Die laborchemischen
Untersuchungen umfassen BGA, Blutbild, CK, CK-MB, Troponin, BNP-Spiegel, Elektrolyte,
Kreatinin, Harnstoff, Glukose, Leberenzyme und die globalen Parameter der Gerinnung.
NYHA-Klassifikation
Symptome
I
Patienten mit Herzinsuffizienz ohne klinische Symptome und
ohne Einschränkung der Leistungsfähigkeit
II
Keine Beschwerden in Ruhe, jedoch unter üblicher Belastung
III
Geringfügige Symptome in Ruhe, Leistungsfähigkeit
bei Belastung stark eingeschränkt; Symptome der Herzinsuffizienz sind
bereits bei leichter Belastung nachweisbar
IV
Symptome in Ruhe
Tab. 2: Stadieneinteilung der Herzinsuffizienz nach der New York Heart Association
Zum hämodynamischen Monitoring eines Patienten im ALCOS gehört unbedingt
eine blutige, arterielle Blutdruckmessung und ein zentralvenöser Katheter,
der die kontinuierliche Messung des ZVD und die Abnahme zentralvenöser
Blutgasanalysen zulässt. Daneben ist ein Blasenkatheter obligatorisch.
Die beste Indikation für eine Echokardiographie ist die plötzlich
auftretende hämodynamische Instabilität. Dabei wird der wache Patient
zunächst transthorakal untersucht, während der intubierte Patient
häufig primär einer transösophagealen Echokardiographie (TEE)
unterzogen wird. Diese Untersuchung kann beim Patienten
im schweren Schock auch ganz am Anfang der diagnostischen Kette stehen, weil
sich aus dem Echokardiogramm wegweisende Diagnosen ergeben, wie zum Beispiel
eine mechanische Ursache für das ALCOS, eine regionale und/oder globale
Kontraktilitätsstörung oder ein RV-Versagen. Die Echokardiographie
erlaubt aber zusätzlich auch die quantitative Bestimmung der Vorlast durch die Messung
des enddiastolischen Ventrikelvolumens, was der Bestimmung des pulmonalkapillären Verschlussdrucks mittels eines Pulmonaleiskatheters überlegen ist. Auch
die weiteren Determinanten der systolischen LV-Funktion (Kontraktilität,
Afterload) lassen sich messen.[8]
Symptom
Parameter
diagnostische Modalität
Pumpversagen
Cardiac index < 2.2 L/min/m2
TEE, PAK
Nachlasterhöhung
cirkumferenter oder meridionaler Wandstress, Surrogat: SVR > 1000 dyn*sec*cm-5
TEE, PAK
Tachykardie
HF>100/min
CV-Monitoring
Oligurie
Diurese < 0.5 ml/kg/h
Blasenkatheter
Azidose
arterieller pH< 7.35
Blutgasanalyse
Herzinsuffizienz
NYHA-Klassifkation IV
klinische Untersuchung
Zentralisation
Zyanose, kalte Akren
klinische Untersuchung
Tab. 3.: Definition des ALCOS
Für das hämodynamische Monitoring kann jedoch auch ein Pulmonalarterienkatheter
(PAK) eingesetzt werden, der eine technisch einfachere Möglichkeit bietet,
das HZV des Patienten zu bestimmen, der TEE aber aufgrund der reinen Druckmessungen
und der fehlenden regionalen Auflösung der myokardialen Funktion unterlegen
ist. In der Hand des ungeübten Untersuchers ist die Diagnostik des ALCOS
mit dem PAK sicher eine gute Alternative zum TEE für die definitive Diagnosestellung
und Therapieüberwachung. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden,
dass der Einsatz eines PAK und die Interpretation der erhobenen Daten ebenfalls
entsprechendes Training voraussetzen.[7] Der Einsatz des PAK in der Intensivmedizin
geht durch den fehlenden Effekt seines Einsatzes auf Mortalität und Morbidität
in der Intensivmedizin dramatisch zurück.
Therapeutische Optionen
Die Therapie des ALCOS leitet sich aus seiner Pathophysiologie ab. Die erhöhte
Nachlast, die Tachykardie, die eingeschränkte Kontraktilität und die
neurohumorale Entgleisung stellen die therapeutischen Targets dar. Die Therapie des ALCOS
stellt einen delikaten Balance-Akt in einem nahezu ausgereizten Kräfteparallelogramm
dar, das sich zwischen Hypotension und Hypoperfusion bei drastisch erhöhter
Nachlast und hochgradig eingeschränkter Kontraktilität aufspannt.
Eine balancierte Therapie aus der Applikation positiv inotroper Substanzen, Frequenzkontrolle,
Volumenmanagement und Nachlastsenkung muss von einer ständigen Re-Evaluation
des Patienten und seiner Reaktion auf Änderungen und Anpassungen des Therapieregimes
begleitet werden. Gerade die Wirkungen therapeutischer Interventionen zeigen
häufig weitere Reserven auf.
Korrektur mechanischer Ursachen und Revaskularisation
Die erste Maßnahme kann im Falle eines akuten Myokardinfarkts in der
notfallmäßigen Koronarangiographie mit perkutaner transluminaler
Koronarangioplastie (PTCA; meistens mit Stentimplantation) bestehen. Für
Patienten, die auf diesem Wege nicht zu revaskularisieren sind, wie Patienten
mit einem instabilen Koronarsyndrom aufgrund einer Stenose des Hauptstammes
der linken Koronararterie, kommt unter Umständen eine notfallmäßige
Bypass-Operation in Betracht. Die kausale Therapie der Ursachen für das
Pumpversagen steht also ganz im Vordergrund. Dabei steht die Korrektur mechanischer
Ursachen an erster Stelle: VSD-Verschluss, Mitralklappenersatz bei Papillarmuskelabriss,
bzw. Aortenklappenersatz bei dekompensierter Aortenklappenstenose, wobei solche
Operationen mit einer sehr hohen Mortalität behaftet sind, wenn sie als
Notfalleingriffe durchgeführt werden müssen. Die Abwägung einer
Operation unter Einsatz des CPB in das infarzierte oder gestunnte Myokard hinein
muss immer berücksichtigen, dass die myokardiale Dysfunktion in der Regel
durch den Bypass verstärkt wird, und das Weaning aus dem Bypass unmöglich
machen kann. In den Fällen, die jedoch von einer Revaskularisation profitieren
könnten, sollte unbedingt eine retrograde Blutkardioplegie zum Einsatz
kommen, um dem ohnehin kompromittierten Myokard die bestmögliche Kardioprotektion
zukommen zu lassen.
In Zentren mit ausreichender Erfahrung und in einer Situation, in der ein operativer
Eingriff für den Patienten zumutbar scheint, wird eine Off-Pump-Strategie
zu überlegen sein, um den zusätzlichen ischämischen Stress für
das Myokard während der aortalen Klemmzeit zu vermeiden. In aller Regel
wird sich jedoch bei Patienten die ein ALCOS auf dem Boden einer ischämischen
Kardiomyopathie oder eines akuten Myokardinfarktes erleiden, eine operative
Revaskularisation wegen der damit verbundenen, exzessiv hohen Mortalität
verbieten. [1,4,7,9]
Optimierung des Volumenstatus
Häufig befinden sich Patienten im ALCOS in einem unbalancierten Volumenstatus.[4]
Der Volumenstatus kann durch die Aktivierung der neurohormonalen Regulationsmechanismen
bedingt sein und sich als Hypervolämie darstellen.[5] Es liegt aber in vielen
Fällen eine Hypovolämie vor, weil im Rahmen der vorherigen Therapie
eine forcierte Reduktion des intravasalen Volumens angestrebt wurde. Eine Korrektur,
entweder der Hypo- oder der Hypervolämie, ist essentiell wichtig im Kontext
des Managements eines Patienten im akuten Pumpversagen. Dabei ist es keineswegs
so, dass eine Hypovolämie einer Hypervolämie vorzuziehen ist. Es kommt
vielmehr darauf an, dass die Vorlast des versagenden Ventrikels optimiert wird,
um die eingeschränkte Kontraktilitätsreserve optimal zu nutzen und die Herzarbeit im Hinblick auf die Energieausschöpfung zu optimieren. Von
entscheidender Bedeutung ist, dass sich der Volumenstatus, das heißt die
relative intravaskuläre Füllung, sowohl durch die Therapie als auch durch die
Dynamik des Pumpversagens sehr rasch verändern kann. Ein bestimmtes intravaskuläres Volumen kann bei ein und demselben Patienten in relativ kurzen Zeitabständen
eine Hypervolämie oder eine Hypovolämie bedeuten, weil der Kontraktionszustand
der Kapazitätsgefäße und/oder der arteriellen Widerstandsgefäße
sowie die myokardiale Kontraktilität sehr starken Veränderungen unterworfen
sind. Die Normalisierung des Volumenstatus soll behutsam geschehen. Sehr häufig
werden Patienten hypovoläm sein. Eine Hypervolämie ist in einer Situation,
da die Nierenfunktion in der Regel bereits eingeschränkt ist, schwer zu
therapieren. Deshalb sollte die Volumensubstitution behutsam durch den Einsatz
von Boli zum Beispiel mit 250 ml HAES erfolgen, bis eine Normovolämie erreicht
ist. Der Beginn eines kontinuierlichen Nierenersatzverfahrens muss großzügig
indiziert werden. Die Nierenersatztherapie kann die Steuerung des Volumenstatus
entschieden vereinfachen, der kardiodepressiven Wirkung harnpflichtiger Substanzen
und eventuell ausgeschütteter Cytokine und Mediatoren entgegen wirken.[10]
Nachlastsenkung
Der erhöhte Sympathikotonus und die endokrinen Kompensationsmechanismen
führen zu einer Steigerung des peripheren Widerstandes mit der Konsequenz
einer zum Teil drastisch erhöhte Nachlast für den versagenden Ventrikel
(Afterloadmismatch).[11,12] Die Nachlast des Ventrikels entspricht der Wandspannung,
die er aufbringen muss, um sein Schlagvolumen auswerfen zu können. Diese
Wandspannung ist abhängig von mehreren Faktoren.
Sie steigt nach dem Laplace-Gesetz mit dem Durchmesser des Ventrikels und verhält
sich umgekehrt proportional zur Wanddicke. Für den versagenden Ventrikel,
der auf der Druck-Volumenkurve im Bereich des Plateaus arbeitet, und für
eine Volumenzunahme keine Leistungssteigerung erwirtschaften kann, gilt kurioserweise,
dass sich die Wandspannung durch eine Erhöhung der Vorlast erhöhen
kann, weil das endsystolische Ventrikelvolumen ansteigt. Der erhöhte Vasomotorentonus,
der sich im ALCOS als Folge der Zentralisation einstellt, ist ein weiterer Faktor,
der die myokardiale Wandspannung beeinflusst. Der myokardiale Energie- und Sauerstoffverbrauch
ist direkt nachlastabhängig. Ein schwer geschädigtes Myokard wird
demnach durch eine Reduktion der Nachlast entlastet und der myokardiale Sauerstoff-
und Energieverbrauch sinkt. Entsprechend wird ein kompromittiertes Myokard sofort
von einer Nachlastsenkung profitieren.[7,11] Dabei können im Vergleich zur
normalen Situation deutlich niedrigere arterielle Mitteldrücke akzeptabel
sein, wenn der koronare und der zerebrale Perfusionsdruck nicht kritisch unterschritten
werden. In der Regel wird ein Mitteldruck von 60 mmHg vollkommen ausreichend
sein, solange es keine kritischen Strömungshindernisse in der koronaren,
zerebralen oder gastrointestinalen Strombahn gibt. Um den erhöhten peripheren
Widerstand zu senken, sollte Natriumnitroprussid eingesetzt werden. Es kann
jedoch auch ein Calziumantagonist zum Einsatz kommen.
Nitrogycerin ist in erster Linie ein Dilatator der venösen Kapazitätsgefäße
und kann bei einem Rückwärtsversagen hervorragende Dienste leisten.
Bei gleichzeitig bestehender Tachykardie, die sich mit Beta-Rezeptor-Blockern
nicht suffizient therapieren lässt, kann Diltiazem sehr wertvoll sein.
Die mit der Vasodilatation verbundene Senkung des mittleren arteriellen Blutdruckes ist erwünscht,
darf aber die kritische Grenze nicht unterschreiten.
Eine sehr effektive Nachlast-Senkung lässt sich durch die Insertion einer
intraaortalen Ballongegenpulsation (IABP) erreichen.[13] Neben der Nachlastsenkung,
verbessert die Anhebung des diastolischen Druckniveaus vor allem die koronare
und zerebrale Perfusion und kann damit auch in einigen Fällen als kausale
Therapie angesehen werden. Die Steuerung der Pharmakotherapie erfolgt bei liegender
IABP über den Unterstützungsdruck, der für die meisten Situationen
mit 80-90 mmHg sicher ausreicht. Die mit der IABP assoziierten Risiken, die
eine messbare Mortalität und Morbidität verursachen, nötigen
jedoch zu strenger Indikationsstellung, wobei bei guter Patientenselektion der
Outcome-Vorteil einer IABP gut belegt ist.
Herzfrequenzkontrolle
Die Erhöhung des Sympathikotonus bewirkt nicht nur eine Nachlasterhöhung
sondern auch eine Steigerung der Herzfrequenz. Die Koronarperfusion des linken
Ventrikels findet praktisch ausschließlich in der Diastole statt, die
für jede Steigerung der Herzfrequenz eine unproportionale Reduktion erfährt.7
Eine Kontrolle der Tachykardie ist deshalb ebenfalls vorrangiges Ziel bei der Behandlung des ALCOS
Management. Da die meisten Substanzen, die sich für eine pharmakologische
Frequenzsenkung anbieten, gleichzeitig negativ inotrop wirken, zögern die
meisten Therapeuten mit ihrer Gabe. Die Kontrolle der Herzfrequenz ist jedoch
absolut essentiell. Dabei ist es wichtig, sich klar zu machen, dass Patienten
im ALCOS ihre kontraktile Reserve ausgeschöpft haben, sodass das Schlagvolumen
fixiert ist und auch bei längerer Diastole aufgrund der verbesserten Füllung
nicht steigerbar sein muss. In solchen Fällen würde eine Senkung der
Herzfrequenz auf "normale" Werte unter 100/min zu einem weiteren Abfall
des HZV führen. Es ist also auch an dieser Stelle wichtig, das therapeutische
Ziel vom klinischen Zustand des Patienten abhängig zu machen und unter
Umständen pathologische Werte zu korrigieren, ohne sie in den Normbereich
zu führen. In einigen Fällen führt eine Reduktion der Herzfrequenz
um 10-15 Schläge pro Minute zu einer durchgreifenden Verbesserung der myokardialen
Situation.
In anderen Fällen kann eine Anhebung der Herzfrequenz auf supranormale
Werte sinnvoll sein (z.B. Aorteninsuffizienz). Umgekehrt haben Patienten im
ALCOS sehr häufig supraventrikuläre Tachykardien, Tachyarrhythmien
und Vorhofflimmern, die hämodynamisch in dieser Situation extrem ungünstig
sein können und einer Korrektur bedürfen. Gerade bei Patienten nach
kardiochirurgischen Eingriffen können für diesen Zweck in hervorragender
Weise die in der Regel eingebrachten epikardialen Schrittmacher-Elektroden eingesetzt
werden. Es empfiehlt sich, wenn die Pumpfunktion schon intraoperativ als nicht
ausreichend oder hochgradig eingeschränkt eingeschätzt wird mit dem
chirurgischen Partner die Platzierung von Vorhofelektroden und in manchen Fällen
von zusätzlichen biventrikulären Kabeln zu diskutieren.[14] Bei Patienten
mit vorbestehendem Vorhofflimmern kann es günstig sein, während des
extrakorporalen Kreislaufes die Patienten mit Amiodaron aufzusättigen und
den Eigenrhythmus so zu unterdrücken, um in der Weaningphase die Option
des atrioventrikulären Pacings zu haben, und so die Funktion der Vorhöfe
zumindest früh postoperativ nutzen zu können. Oft wird sich jedoch
eine vorbestehende Arrhythmia absoluta auch postoperativ wieder einstellen.15
Pulmonale Vasodilatation
Durch die Erhöhung des Sympathikotonus und ohnehin bei globalem RV- und
LV-Pumpversagen kann die Füllung des linken Ventrikels durch einen erhöhten
pulmonalen Vasotonus limitiert sein. In solchen Fällen sind Strategien
zur selektiven pulmonalen Vasodilatation zu erwägen. Die systemische Applikation
von Vasodilatatoren führt in dieser Situation jedoch häufig zu einem
Abfall des systemischen arteriellen Blutdrucks, der unerwünscht sein kann.
Entscheidender ist jedoch, dass eine intravasale Applikation von Vasodilatatoren
zu einer Verschärfung eines meist bereits bestehenden Ventilations-Perfusions-Mismatches
führen wird.
Daher ist die Applikation von Vasodilatatoren mit der Atemluft ein sehr probates
Mittel, um eine maximale Vasodilatation in den ventilierten Bereichen der Lungen
zu erreichen. Damit bleibt der Euler-Liljestrand-Reflex in minderbelüfteten
Lungenarealen unangetastet und die Shuntfraktion steigt nicht mit einer vermehrten pulmonalarteriellen Perfusion. Die Nachlast des rechten Ventrikels sinkt und
die Füllung des linken Ventrikels bessert sich. Substanzen, die sich zur
Verneblung eignen, aber für diesen Zweck nicht alle zugelassen sind, sind Stickoxid
(NO), Prostazyklin, Prostaglandin E1 und Milrinon. Evidenz-basierte Daten, die
einen Mortalitätsvorteil nahelegen würden, existieren für diese Indikation
bisher nicht. Für NO, Prostazyclin, Prostaglandin E1 und Milrinon und einige
Kombinationen existieren jedoch Daten, die eine deutliche Besserung der Hämodynamik
bei Patienten im RV-Versagen nachweisen.[16,17]
Für die Inhalationstherapie
mit NO ist ein gesicherter Atemweg und die Sedierung des Patienten notwendig,
während die Therapie mit Prostaglandin und Milrinon wegen der günstigeren
Pharmakokinetik grundsätzlich auch bei spontanatmenden Patienten als intermittierende
Inhalationstherapie durchführbar ist.
Steigerung der Inotropie
Eine weitere Option zur Verbesserung der Pumpleistung ist die Steigerung der
Kontraktilität durch eine Erhöhung der Inotropie, in der Regel auf
pharmakologischem Wege. In den meisten Fällen wird sich eine Gabe von positiv
inotrop wirksamen Medikamenten für Patienten mit kritischem Pumpversagen
nicht vermeiden lassen und hat einen festen Platz im therapeutischen Arsenal,
weil das Leben des Patienten durch das Pumpversagen bedroht ist. Man sollte
sich jedoch klar machen, dass eine Behandlung des versagenden Ventrikels mit
positiv inotropen Substanzen der Verordnung eines Marathonlaufs für einen
Patienten mit einer Tibiafraktur konzeptionell sehr nahe kommt.[18]
Herkömmliche positiv inotrope Pharmaka: Pharmakologisch bieten sich Katecholamine
und da vor allem die beta-adrenergen Substanzen Dobutamin und Epinephrin bzw.
Adrenalin, an. Alpha-adrenerge Agonisten wie das Noradrenalin spielen im ALCOS
im Allgemeinen eine untergeordnete Rolle. Es stehen zusätzliche Substanzen
zur Verfügung, die eine positiv inotrope Wirkung mit einer Senkung der
Nachlast verbinden. Hier sind vor allem die Substanzen aus der Gruppe der Phosphodiesterase
III (PDE III)-Hemmer zu nennen. Diese Substanzen verhindern den Abbau des zyklischen
AMP durch die PDE III und erhöhen so die Kontraktilität des Myokards,
verringern aber auf dem gleichen Wege den peripheren Vasotonus und können
einen sehr akzentuierten Blutdruckabfall verursachen. Milrinon wird häufig
mit Noradrenalin kombiniert, um die periphere Vasodilatation zu balancieren.
Ihre Pharmakokinetik macht sie deutlich schlechter steuerbar als die Katecholamine.
Dieser Umstand macht die mit PDE III-Inhibitoren eingekaufte Proarrhythmie zu
einem schwerwiegenden Problem bei ihrem Einsatz. Der Einsatz von Katecholaminen
und PDEIII-Inhibitoren wird in einem separaten Kapitel behandelt.[7]
Experimentelle Substanzen
Es gibt einige experimentelle Substanzen, die ebenfalls
in naher Zukunf für die Behandlung des ALCOS verfügbar sein könnten.
[19,20] Dabei haben Calzium-Sensitizer und neue PDE III-Inhibitoren eine positiv
inotrope Wirkung, während das natriuretische Peptid-Analogon Nesiritide
und Endothelin-Rezeptor-Antagonisten ganz andere Wirkmechanismen nutzen.
Klinisch in einigen europäischen Ländern eingeführt und bereits
jenseits der klinischen Prüfung ist der Kalzium-Sensitizer Levosimendan,
der den kontraktilen Apparat des Kardiomyozyten für die zytosolischen Kalzium-Signale
sensitisiert und so, unabhängig von cAMP und anderen second messenger Systemen,
eine positiv inotrope und eine vasodilatatorische Wirkung entfaltet.[21,22] Zusätzlich
hat Levosimendan eine lusitrope Wirkung am versagenden Myokard. Die Substanz
hat in ersten klinischen Studien nach einer nur 24stündigen Therapie signifikante
Outcome-Vorteile nach 180 Tagen gegenüber einer herkömmlichen Therapie
mit Dobutamin gezeigt. Levosimendan hat keine so ausgeprägt pro-arrhythmische
Wirkung, inhibiert aber partiell auch die PDE III, was zu seiner vasodilatatorischen
Wirkung beiträgt. Toborinon, ein neuer Vertreter der Gruppe der PDEIII-Inhibitoren
hat eine sehr ausgeprägte positiv inotrope Wirkung, wirkt vasodilatierend,
verursacht aber im Unterschied zu den anderen PDE III-Inhibitoren keine Tachykardie.
Seine ausgeprägt pro-arrhythmische Nebenwirkung mag allerdings zu einer
eingeschränkten klinischen Nutzbarkeit der Substanz führen. [19,20]
Der Endothelin-Rezeptorantagonist Tezosentan hat in einer klinischen Studie
enttäuscht und wird in der Behandlung der akuten Herzinsuffizienz wohl
zunächst keine Rolle mehr spielen. [19,20]
Das auch diagnostisch und prognostisch genutzte B-Typ natriuretische Peptid
(BNP) liegt in rekombinanter Form vor und ist für die Behandlung herzinsuffizienter
Patienten im Vergleich zu Nitroglycerin im Hinblick auf seine hämodynamischen
Wirkungen untersucht worden. Die Datenlage bezüglich seiner Outcome-ffektivität
(Reduktion von Mortalität und Morbidität) ist jedoch noch nicht endgültig
belegt. Die Wirkung von Nesiritide auf die linksventrikulären Füllungsdrücke
und die Hämodynamik im Vergleich zu Nitroglycerin ist nur wenig ausgeprägter.
Sein alternativer Wirkmechanismus mag es jedoch in Zukunft zu einer Therapieoption werden lassen. [6]
Omapatrilat inhibiert die neutrale Vasopeptidase, die für den Abbau von
Bradykinin und Adrenomedullin, aber auch den von Endothelin und Angiotensin
verantwortlich ist. Omapatrilat kann also den Blutdruck sowohl erhöhen
wie erniedrigen, was von der vorherrschenden Mediatoren-Situation abhängt.
Klinische Studien, die Omapatrilat in der Behandlung von herzinsuffizienten Patienten
getestet haben, kommen derzeit nicht zu einheitlich positiven Resultaten, so
dass auch diese Substanz noch nicht für die Routinebehandlung des herzinsuffizienten,
und sicher nicht des ALCOS-Patienten empfohlen werden kann. [19,20]
Organersatzverfahren
In verzweifelten Situationen, in denen das ALCOS pharmakologisch und durch
eine IABP nicht beherrschbar ist, kann über ein Organersatzverfahren diskutiert
werden. Dabei kommt die vorübergehende Implantation einer extrakorporalen
Membran-Oxygenation (ECMO) vor allem bei solchen Patienten in Frage, die nach
Diagnostik und Anamnese eine vorübergehende Einschränkung der myokardialen
Kontraktilität, z.B. durch Stunning, erlitten haben. Die Pumpfunktion dieser
Ventrikel kann sich also definitionsgemäß im Verlauf einiger weniger
Tage oder Stunden erholen und das Bridging mit der ECMO hat zum Ziel, diese
nach z.B 48 Stunden zu explantieren und den Ventrikel des Patienten erneut mit
der Pumparbeit zu belasten. Patienten mit struktureller und irreversibler Einschränkung
der rechts- oder linksventrikulären Funktion profitieren von dieser Maßnahme
nur dann, wenn an die Implantation eines permanenten linksventrikulären
Assist-Devices (LVAD) gedacht wird. Diese Kunstventrikel stellen derzeit eine
Brücke zur Herztransplantation für terminal herzinsuffiziente Patienten
dar, entwickeln sich aber auch mehr und mehr zur "Destination-Therapie".
Dabei muss man sich über die hohe Rate an thrombo-embolischen und infektiösen
Komplikationen und die exzessiv hohen Kosten, die mit dieser Therapie verbunden sind, im Klaren sein. [23,24]
Die Selektion der Patienten für eine solche Therapieform stellt eine der
größten Herausforderungen für das Management terminal herzinsuffizienter
Patienten dar. Sehr deutlich geht aus den verfügbaren Daten über die
Implantation von LVADs hervor, dass die Implantation eines solchen Devices in
Patienten, die kardial kachektisch sind, oder bereits an Endorgan-Versagen auf
der Grundlage ihrer Herzinsuffizienz leiden, mit einer sehr schlechten Prognose
verbunden ist. Diese Limitation gilt natürlich in besonderer Weise für die hier in Rede
stehenden Patienten im ALCOS, die akut lebensbedrohlich erkrankt sind und nur
sehr fraglich das ausgedehnte operative Trauma einer LVAD-Implantation überstehen werden.
Zusammenfassung
Patienten, die unter einem ALCOS leiden, sind akut vital gefährdet. Die
Krankenhaus-Mortalität der Patienten beträgt bis zu >50%. Die Wiederherstellung
eines suffizienten Kreislaufs ist vorrangiges Ziel, um eine richtungsweisende
Diagnose der zugrunde liegenden kardialen Erkrankung zu gestatten. Die klinische
und echokardiographische Evaluation des Patienten stehen in der Akutphase ganz
im Vordergrund. Die Korrektur mechanischer Ursachen oder eventuelle Revaskularisation
sind therapeutische Optionen, die eine kausale Therapie des ALCOS gestatten
können. Pharmakotherapeutisch sind die Senkung der Nachlast,
die Frequenzkontrolle und die Titration des Volumenstatus vorrangige Ziele.
Positiv inotrope Substanzen müssen eingesetzt werden, sollten aber sehr
zurückhaltend dosiert werden, um eine weitere Schädigung des Myokards durch eine vermehrte
myokardiale Sauerstoffschuld und Wandspannung nicht zu verschärfen.
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OA PD Dr. med. Gregor Theilmeier, OA Dr. med. Christoph Schmidt
Universitätsklinikum Münster
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Direktor: Univ.-Prof. Dr. H. Van Aken
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