Einsparung von Antibiotika auf Intensivstationen verhindert Antibiotikaresistenzen
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V.
Berlin - Die Zahl der Erreger, die nicht mehr mit an sich gut wirksamen
Antibiotika behandelt werden können, ist in den letzten Jahren bedrohlich
angestiegen. Diese "resistenten" Erreger treten ganz besonders auf
Intensivstationen auf und verursachen beispielsweise Lungenentzündungen.
Die
Behandlung mit Antibiotika bei den lebensbedrohlich kranken Patienten mit
schweren Infektionen muss sofort erfolgen. Der Nachweis der Erreger gelingt
nur zu einem Teil und erfordert wie die Feststellung der Resistenz Zeit.
Daher ist eine sogenannte "kalkulierte" Therapie ohne Kenntnis des
Erregers
erforderlich.
Dies hat in der Vergangenheit zu einem übermäßigen
Einsatz von
Antibiotika geführt. Ein übermäßiger Antibiotikaeinsatz
selbst aber führt
zur Zunahme der Resistenzen, die Erreger "lernen" sich gegen die Medikamente
zu wehren.

den Einsatz von Antibiotika auf ein notwendiges Maß begrenzen
Anästhesiologen der Berliner Charité haben deshalb Strukturen
entwickelt, die zu einem rationalen Einsatz von Antibiotika führen und den
Einsatz von Antibiotika auf ein notwendiges Maß begrenzen sollen.
Dies führt zu "Einsparungen" und ermöglicht eine erfolgreiche
Therapie. Dr.
med. Maria Deja von der Klinik für Anästhesiologie und operative
Intensivmedizin der Charité Berlin, stellt jetzt erste Erfahrungen auf
der
Fachtagung "HAI 2006" in Berlin vor. Die Medizinerin hat eine "Standard
Operation Procedure" (SOP) formuliert. SOPs sind Standardanweisungen,
wie
sie in der Luftfahrt seit langem gang und gäbe sind.
"Unsere SOP
beschreibt
einzelne Arbeitsschritte auf der Intensivstation und hilft den Ärzten
bei
einem systematischen Vorgehen", so Deja.
Bevor die Ärzte neue Antibiotika verordnen, müssen Blutproben und
andere
Sekrete gezielt abgenommen werden, um einen erfolgreichen Erregernachweis
für eine gezielte Therapie zu gewinnen. In einem über fünf Jahre
laufenden
Projekt prüft Dr. Deja derzeit, welchen Einfluss die SOP auf die
Antibiotikaverordnungen hat. Erste Ergebnisse will sie auf einer Sitzung des
HAI 2006 vorstellen.
Ohne Einzelheiten vorweg zu nehmen, sei verraten, dass
die Auswirkungen auf den Antibiotikaverbrauch deutlich waren. Gleichzeitig
konnte die Resistenz vieler Erreger zurückgedrängt werden.
(03.04.2006)