Constanze Steinke, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Ab sofort haben Notfall-Patienten, die mit einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand
in das Uniklinikum Greifswald eingeliefert werden, bessere Chancen, das Krankenhaus
ohne Folgeschäden und wieder gesund zu verlassen. Ende August hat die
Herzklinik ein neues viel versprechendes Temperatur-Management-System (CoolGard)
installiert, das die gefürchteten Ausfallerscheinungen am Gehirn nach
einem Zusammenbruch mit Herzstillstand weitestgehend minimieren kann. Mittels
CoolGard wird der Körper in einen Untertemperaturzustand (Hypothermie)
versetzt und somit die Entwicklung von Giftstoffen im Gehirn reduziert. Nach
Schwerin ist Greifswald die zweite Klinik, die das noch relativ neue Verfahren
eingeführt hat.

alternative Therapiemöglichkeit auf dem Vormarsch
Der plötzliche Herztod trifft jedes Jahr etwa 200.000 Patienten in Deutschland.
Nur 5 bis 10 Prozent der Betroffenen überleben diesen Totalausfall des
Herz-Kreislaufsystems. Bislang konzentrierten sich alle Maßnahmen auf
die frühe Wiederbelebung mit einem elektrischen Defibrillator. Die so
genannten Reanimierten sterben jedoch häufig später in der Klinik
oder leiden an irreparablen Hirnschäden, die eine lebenslange Pflegebedürftigkeit
nach sich ziehen. Der Grund sind freigesetzte Giftstoffe, die nach dem Wiedereinsetzen
des Herzschlages nach und nach in die Blutbahn gelangen. Erst seit wenigen
Jahren ist mit der "Kühlmedizin" bei Herzstillstand eine alternative
Therapiemöglichkeit auf dem Vormarsch, mit der diese Hirnschädigungen
effektiv verhindert werden können.
therapeutische Hypothermie
Unmittelbar nach der Einlieferung in die Klinik werden die Patienten in der
Regel 24 Stunden lang mittels eines Katheters mit Kochsalzlösung, der
in die Blutbahn geschoben wird, innerhalb kürzester Zeit auf einen Körpertemperaturbereich
zwischen 32 und 34 Grad Celsius abgekühlt. Auf einem Farbmonitor können
alle Schlüsselparameter (aktuelle Patiententemperatur, Zieltemperatur,
Kühl - oder Wärmerate) mit einem Blick kontrolliert werden. Das CoolGard-System
der Medizintechnikfirma ELan mit Sitz in St. Wendel
ist in der Lage, die Patienten-Temperatur exakt in einer Spanne von 0,3°C
zu halten. Ebenfalls von entscheidender Bedeutung für den Behandlungserfolg
durch therapeutische Hypothermie ist die Wiedererwärmphase bis zum Erreichen
der Normaltemperatur von 36 - 37 Grad Celsius.
Auf die heilsame Wirkung von Kälte sind Wissenschaftler unter anderem
nach Lawinenunglücken gestoßen, bei denen unter Eis verschüttete
Menschen nach bis zu 40 Minuten Herzstillstand wieder reanimiert werden konnten.
Inzwischen ist durch internationale Multicenterstudien bewiesen, dass eine
rasche Temperatursenkung nach Kreislaufstillstand überlebenswichtig ist.
Die Patienten erholen sich darüber hinaus wesentlich schneller und können
nicht selten schon kurz nach den lebensrettenden Maßnahmen wieder entlassen
werden. Das Kühlsystem, das bereits erfolgreich in Greifswald eingesetzt
worden ist, kostet 25.000 Euro.

Kontakt
Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B
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