Schnellere Erholung nach größeren OPs durch inhalative Sedierung
Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V.
Leipzig - Patienten, die nach größeren Operationen intensivmedizinisch versorgt werden müssen, bleiben danach oft in einer flachen Narkose. Diese so genannte Sedierung wird mittels einer intravenösen Infusion von Medikamenten erzielt. Besser für den Patienten ist jedoch eine Sedierung mittels gasförmiger Anästhesiegase (volatiler Anästhetika).

Schonend für die Organe
Die inhalative Sedierung auf Intensivstationen hat deutliche Vorteile gegenüber der intravenösen Methode: Das Bewusstsein der Patienten bleibt sicher ausgeschaltet. Dies ist vor allem bei einer künstlichen Beatmung wichtig.
Ferner lässt sich das Verfahren, nicht nur besser steuern, sondern es ist auch besonders schonend für die Organe. Hinzu kommt, dass es vor allem auf Herz und Gehirn sogar einen schützenden Einfluss hat.
Off-Label-Use
Auf Intensivstationen dürfen die gasförmigen Anästhesiegase derzeit allerdings nur in eigenärztlicher Verantwortung, das heißt im so genannten "
Off-Label-Use" oder in klinischen Studien eingesetzt werden. "Damit
die positiven Eigenschaften dieser Anästhetika allen Patienten zugute kommen
können, muss in diesem Bereich vermehrt geforscht werden.
Diese Studien
sind notwendig, damit beispielsweise auch eine Zulassungserweiterung der
Anästhesiegase auf Intensivstationen vom Gesetzgeber erteilt werden kann",
fordert Dr. med. Jens Soukup von der Klinik für Anästhesie und Operative
Intensivmedizin des Klinikums der Medizinischen Fakultät in Halle im
Vorfeld des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie
und Intensivmedizin (DAC) vom 17. bis 21. Mai 2006 in Leipzig.

Miniaturverdampfer AnaConDa
Ein Grund für die bisherige Einsatzbeschränkung der volatilen Narkosegase
auf den OP-Bereich liegt darin, dass für ihre Verdampfung bisher eine
aufwendige technische Ausstattung erforderlich war. Neuerdings steht jedoch
ein kleiner Miniaturverdampfer, das so genannte AnaConDa-System zur
Verfügung. Es kann den bisher verwendeten Beatmungsfilter ersetzen.

Erste
klinische Studien zu ihrem Einsatz auf der Intensivstation zeigen, dass sie
unter anderem auch bei Patienten mit Nieren- oder Leberschäden angewendet
werden können. Viele andere Anästhetika belasteten diese Patienten
zusätzlich. "Wir müssen nun weiter klären, ob der Behandlungsprozess
mit den
volatilen Anästhetika beschleunigt oder optimiert werden kann", sagt
Soukup.
Der Mediziner wird erste Erfahrungen auf dem DAC 2006 im Mai in Leipzig
vorstellen.
(02.05.2006)