TEE in der Intensivmedizin
Christoph Schmidt, Gregor Theilmeier
Lastabhängige Indizes des linksventrikulären Kontraktionsverhaltens
A. Indizes der Ejektionsphase
1. Schlagvolumen bzw. Herzzeitvolumen (SV, CO)
2. Ejektionsfraktion oder prozentuale Flächenänderung (EF, FAC, FS)
3. mittlere Geschwindigkeit der Umfangsverkürzung (Vcf)
4. endsystolisches Ventrikelvolumen (LV-ESV)
5. septale E-point Separation nach Ohte (E-point)
6. linksventrikuläre Ejektionszeit (LVET) 7. myokardialer Performance Index
(MPI oder Tei-Index)
8. myokardiale Wandbewegungsgeschwindigkeit (Tissue Doppler)
9. myokardiale Deformation (Strain rate imaging)
B. Indizes der isovolumetrischen Kontraktionsphase
1. maximale Druckanstiegsgeschwindigkeit des LV (dP/dtmax)
2. isovolumetrische Kontraktionszeit (ICT)
Auf der Intensivstation und im Operationssaal bieten das endsystolische Ventrikelvolumen
und die Auswurffraktion des LV den besten und direktesten Zugang zum Kontraktionsverhalten.
Ein erhöhtes endsystolisches Volumen oder eine erniedrigte Auswurffraktion implizieren
indirekt, dass die Kontraktilität in Relation zu den Lastbedingungen zu niedrig
ist. Es hat sich für den intensivmedizinischen Bereich als besonders hilfreich
erwiesen, anstelle der dreidimensionalen EF die zweidimensionale „fractional area
change“ (FAC) als Surrogat für die EF anzugeben. Die FAC kann nämlich sehr einfach
aus der Relation der endsystolischen zur enddiastolischen mittpapillären Querschnittsfläche
des LV errechnet werden. Das zugrunde liegende echokardiographische Querschnittsbild
ist das gleiche, das im Rahmen der Bestimmung der Vor- und Nachlastparameter bereits
angesprochen wurde: der transversale transgastrische Kurzachsenblick durch den
linken Ventrikel.
Fractional area change
Gegenwärtig wird die FAC extensiv sowohl zum klinischen Monitoring als auch zu
wissenschaftlichen Zwecken eingesetzt.[32,33] In zahlreichen Studien konnte die
gute Korrelation der FAC zur linksventrikulären Ejektionsfraktion untermauert
werden.[34,35] Die intensivmedizinische Praxis in der Beurteilung des hämodynamisch
kompromittierten Patienten hat bisher fast ausschließlich auf die Determinanten
der systolischen Funktion des linken Ventrikels fokussiert.
In der Ära vor Einführung der Echokardiographie mag dies begründbar
gewesen sein mit der Nichtverfügbarkeit geeigneter bettseitiger Untersuchungstechniken
zur Beschreibung der diastolischen Ventrikelfunktion. Sachlich gerechtfertigt
ist eine solch eindimensionale Betrachtung in keinem Fall. Denn spätestens
seit der klassischen Arbeit von A. H. Dougherty ist bekannt, dass bei bis zu
40% aller Patienten mit den klinischen Zeichen einer Herzinsuffizienz eine isolierte
diastolische Dysfunktion des linken Ventrikels bei erhaltener oder nur geringgradig
gestörter systolischer Funktion vorliegt.[36]
Nachfolgende Studien bestätigten eindrucksvoll das Konzept, dass eine klinisch
symptomatische Linksherzinsuffizienz sich ausschließlich auf dem Boden
einer diastolischen Funktionsstörung ausbilden kann.[37] Basierend auf
den Ergebnissen dieser und anderer klinischer Studien definierte W. Grossman
in einem beachteten Review 1991 die diastolische Dysfunktion als eigenständige
klinische Entität: "Diastolic dysfunction is defined as increased
resistance to filling of one or both cardiac ventricles."[38]
Grundsätzlich stehen Lävokardiographie, Kernspintomographie Radionuklid-Ventrikulographie
neben verschiedenen echokardiographischen Untersuchungstechniken zur Verfügung,
um die diastolische linksventrikuläre Funktion qualitativ und quantitativ
zu beschreiben. Erst die Entwicklung der noninvasiven echokardiographischen
Untersuchungstechniken hat aber der Analyse der diastolischen Ventrikelfunktion
in der Klinik den entscheidenden Impuls verliehen, und die Doppler-Echokardiographie
des transmitralen Einstroms und des pulmonalvenösen Flusses hat sich in
der Zwischenzeit als Methode der Wahl im klinischen Alltag etabliert.[39]
Der Terminus „Diastology“ ist in den letzten Jahren in die Diskussion
eingeführt worden, um die intensive echokardiographische Auseinandersetzung mit
Ventrikelrelaxation, Ventrikelcompliance und Füllungsdynamik zu umreißen. Gleichzeitig
reflektiert dieser Begriff das Bemühen, die abgeleiteten wissenschaftlichen Erkenntnisse
in die klinische Charakterisierung der Herzinsuffizienz zu integrieren und für
das therapeutische Procedere nutzbar zu machen.[40]
Für die meisten kardialen Erkrankungen ist inzwischen auch eine alleinige
oder begleitende diastolische LV Funktionsstörung identifiziert worden.
Diese kann entweder infolge intramyokardialer (z. B. Ischämie, Hypertrophie,
Amyloidose) oder extramyokardialer (z. B. Perikardtamponade, konstriktive Perikarditis,
maschinelle Überdruckbeatmung) Prozesse auftreten. Als weitere ursächliche
Faktoren können ein Rechtsherzversagen (durch ventrikuläre Interaktion,
koronarvenöse Dilatation und Anstieg des totalen intramyokardialen Blutvolumens)
und eine verlängerte Ventrikelrelaxation mit Beeinträchtigung der
frühdiastolischen Füllung angesprochen werden. Da die therapeutischen
Konsequenzen beträchtlich sind, erscheint auch im intensivmedizinischen
Setting die Identifikation einer diastolischen Dysfunktion als kausaler Faktor
einer hämodynamischen Instabilität notwendig. J. M. Bailey beschreibt,
um nur ein Beispiel zu nennen, eine der denkbaren Konstellationen, in denen
eine Information zur diastolischen Funktion unabdingbar erscheint:
„It is imperative to realize that an elevated SVR does not guarantee
that the patient will respond favorably to vasodilators. In particular, patients
with diastolic dysfunction may have low preload despite high filling pressures,
a low cardiac output, and a high calculated SVR. This type of patient may respond
to a vasodilator with a near death experience.“ [41]
Die generelle klinische und echokardiographische Evaluation der diastolischen
Funktion erkennt und differenziert fünf unterschiedliche Stadien:
Grad I: normale diastolische Funktion
Grad II: Relaxationsstorung (abnormal
relaxation)
Grad III: Pseudonormalisation (pseudonormalization)
Grad IV: reversible Restriktion
(reversible restriction)
Grad V: irreversible Restriktion (irreverible restriction).
Diese Stadieneinteilung ist vollzogen worden auf der Basis der transmitralen
und der transpulmonalen Flussgeschwindigkeitsprofile, wie sie im gepulsten Doppler
Verfahren aufgezeichnet werden können. Der Übergang zwischen den verschiedenen
pathologischen Flussprofilen bzw. den unterschiedlichen Schweregraden der diastolischen
Funktionsstörung vollzieht sich dabei fließend und ist in beiden Richtungen
möglich, solange nicht die schwerste Form der diastolischen Dysfunktion, die
irreversible Restriktion vorliegt. Die folgende schematische Darstellung illustriert
die unterschiedlichen transmitralen Flussgeschwindigkeitsprofile. Gleichzeitig
ordnet sie diesen die zugehörigen invasiven hamodynamischen Kenngrößen und die
NYHA-Klasse der Herzinsuffizienz zu. Das Schema ist einer Übersichtsarbeit von
Nishimura et al. entnommen worden.[40]
In der Interpretation transmitraler und pulmonalvenöser Flussgeschwindigkeitsprofile
und in deren Zuordnung zu Krankheitsbildern und diastolischen Funktionszuständen
des linken Ventrikels wurde inzwischen ein großer und wertvoller Erfahrungsschatz
akkumuliert.[42]
Das Konzept hat jedoch einen entscheidenden Schwachpunkt: wenn es zu einem Anstieg
des linksventrikulären Füllungsdrucks kommt, also zu der erwarteten
hämodynamischen Kompensation einer sich ausbildenden profunderen diastolischen
Dysfunktion, verschleiert sich das Bild. Das transmitrale Flussgeschwindigkeitsprofil
lässt dann eine so genannte „Pseudonormalisation“ erkennen, ein
Muster, das nur schwer vom Normalzustand zu unterscheiden ist. Neuere echokardiographische
Indizes sind deshalb vorgeschlagen worden, um allein oder in Kombination mit
der Standard-Doppler Technik insbesondere die Lastabhängigkeit der traditionellen
Parameter zu überwinden. „Nevertheless, in many instances the information
obtained from standard pulsed Doppler indices is inconclusive or contradictory.
Newer indices of LV filling may be used alone or in combination with standard
pulsed Doppler to overcome these limitations.“ [43]
Diese neuen Verfahren (Colour Doppler M-mode Echokardiographie des transmitralen
Flusses, Tissue Doppler Echokardiographie) finden allmählich ihren Eingang
in die klinische Praxis und sind besonders für den intensivmedizinischen
und perioperativen Bereich geeignet, da es hier durch vielfältige Interventionen
immer zu unvorhersehbaren Schwankungen von Vor- und Nachlast kommen kann. Deshalb
erscheint die Implementierung von Daten der Colour Doppler M-mode Echokardiographie
und der Tissue Doppler Echokardiographie in das traditionelle Konzept sinnvoll.

diastolische Dysfunktion
In Anlehnung an die Empfehlungen der kanadischen und der europäischen Konsensuskonferenz
über die diastolische Dysfunktion [44,45] wird in der folgenden Tabelle speziell
für die intensivmedizinische Applikation eine Erweiterung des traditionellen
Konzeptes vorgeschlagen:
(Ar = pulmonary venous peak atrial contraction reversed velocity; DT = deceleration
time of early left ventricular filling; E/A-ratio = early-to-atrial left ventricular
filling ratio; Em = peak early diastolic myocardial velocity; IVRT = isovolumic
relaxation time; S/D-ratio = systolic-to-diastolic pulmonary venous flow ratio;
vP = colour M-mode flow propagation velocity)
Der in der Tabelle skizzierte Vorschlag integriert den transmitralen und pulmonalvenösen
Fluss ebenso wie die Colour Doppler M-mode Flusspropagation und die Tissue Doppler
Echokardiographie. Durch einen solchen Ansatz kann die serielle Untersuchung
der diastolischen Ventrikelfunktion im intensivmedizinischen Bereich auf eine
quantitative Basis gestellt werden. Ohne auf die messtechnischen Details zur
Bestimmung der einzelnen Parameter eingehen zu wollen, bleibt die Feststellung,
dass durch einen geübten Untersucher die relevanten Werte in kurzer Zeit,
mit hoher Erfolgsquote und vor allem reproduzierbar aufgezeichnet werden können.
ad II:
Zum Monitoring der globalen Funktion des LV stehen neben der Echokardiographie
andere (additive oder konkurrierende) Techniken zur Verfügung, z. B. die Rechtsherzkatheterisierung.
Einzigartig ist aber die Fähigkeit der Echokardiographie, den Beitrag regionaler
Ventrikelfunktionsstörungen zu diskriminieren.
Die Analyse der regionalen
Ventrikelfunktion steht dabei unter dem Oberbegriff der Ischämiediagnostik, denn
generell handelt es sich bei der myokardialen Ischämie um ein regionales Phänomen,
ausgelöst durch ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und Sauerstoffverbrauch
im Versorgungsgebiet einer bestimmten Koronararterie. Schon seit 1935 ist bekannt,
dass die kontraktile Funktion eines myokardialen Wandabschnittes sofort verloren
geht, wenn die zuführende Arterie okkludiert wird.[46]
Eine Unterbindung oder Reduktion der Blutzufuhr führt innerhalb von Sekunden
im abhängigen Myokard zum Auftreten von Kontraktionsstörungen.[47]
Diese Kontraktionsstörungen äußern sich:
1. als Störung der systolischen Einwärtsbewegung des betroffenen Wandabschnitts
und
2. als Störung der systolischen Wandverdickung (systolic thickening).
Die Analyse regionaler Wandbewegungsstörungen (RWMA = regional wall motion
abnormalities) dient mithin der Diagnose und Verlaufkontrolle der myokardialen
Ischämie. In zahlreichen Studien konnte die zweidimensionale Echokardiographie
inzwischen als der sensitivere Monitor der akuten myokardialen Ischämie,
verglichen etwa mit dem 12-Kanal Oberflächen-EKG oder verglichen mit hämodynamischen
Variablen wie der Herzfrequenz, dem systolischen oder diastolischen Blutdruck,
dem rate-pressure-product oder dem pulmonalkapillären Verschlussdruck,
etabliert werden.[27,48]
Experimentelle Untersuchungen demonstrieren das Auftreten von neuen RWMA’s,
wenn der Blutfluss in eine bestimmte Myokardregion um 50% reduziert wird.[49]
EKG-Veränderungen sind erst bei einer 75%igen Reduktion des Blutflusses
nachweisbar und treten 1-5 Minuten später in Erscheinung.[50] Milde Reduktionen
des Blutflusses, die aber gleichwohl eine gestörte Wandbewegung und eine
gestörte systolische Wandverdickung nach sich ziehen, entgehen häufig
der Entdeckung durch das Oberflächen-EKG.[51] Die Beziehung zwischen dem
Grad der Wandbewegungsstörung und dem Ausmaß der Reduktion des Blutflusses
ist linear. Stanley hat deshalb ein semiquantitatives Scoringsystem eingeführt,
dass RWMA’s in Form eines Indexes erfasst: [52]
| milde Hypokinesie |
Grad 1 |
minimale Funktionsbeeinträchtigung, ungestörtes
systolisches Thickening |
| schwere Hypokinesie |
Grad 2 |
kaum wahrnehmbare systolische Einwärtsbewegung |
| Akinesie |
Grad 3 |
keine systolische Einwärtsbewegung und
kein systolisches Thickening nachweisbar |
| Dyskinesie |
Grad 4 |
paradoxe systolische Auswärtsbewegung des
Segments mit Verdünnung der Wand |
Quantitative Scoringsysteme sind von Cahalan und von Van Daele und Roelandt
vorgestellt worden. Auch sie sehen eine Unterscheidung in Hypokinesie, Akinesie
und Dyskinesie vor. Das Ausmaß der radialen Verkürzung des Wandsegments und
das Ausmaß der Wandverdickung wird von den genannten Autoren in Prozentwerten
zu normal kontraktilen Wandbereichen ausgedrückt. Diese Systeme sind für die
Online-Analyse wenig praktikabel.
Das regionale Kontraktionsverhalten der verschiedenen Wandabschnitte kann aus
transversalen wie auch aus longitudinalen Schnittebenen beurteilt werden.
Standardeinstellung zum Monitoring regionaler Wandbewegungsstörungen
Die Standardeinstellung zum Monitoring regionaler Wandbewegungsstörungen
in Anästhesie und Intensivmedizin ist jedoch der transgastrische Kurzachsenblick
in Höhe der Papillarmuskeln. Der LV erscheint in dieser Schnittebene kreisförmig,
mit dem interventrikulären Septum auf der linken Seite des Bildschirms, der
Vorderwand unten, der Lateralwand auf der rechten Seite und der Hinterwand oben
auf dem Monitor. Diese Einstellung hat sich aus mehreren Gründen als Regel
im Monitoring regionaler Wandbewegungsstörungen etabliert:
1. Das Versorgungsgebiet jeder der drei Hauptkoronargefäße ist einzusehen. Septum
und Vorderwand entsprechen beim häufigsten Versorgungstyp dem Versorgungsgebiet
des R. interventrikularis anterior, die Lateralwand mit dem anterolateralen
Papillarmuskel dem des R. circumflexus und die Hinterwand, posteriore Anteile
des Ventrikelseptums und der posteromediale Papillarmuskel dem der A. coronaria
dextra.
2. Der Großteil des Schlagvolumens wird aus einer Verkürzung des linken Ventrikels
in seiner Querachse rekrutiert. Dies ist gleichbedeutend mit einer großen Amplitude
der systolisch-diastolischen Flächenänderung. Nur 10% des Schlagvolumens resultieren
aus der Verkürzung des linken Ventrikels in seiner Längsachse.
3. Veränderungen der Vorlast verursachen größere Veränderungen in der kurzen
Achse als in der langen Achse des Ventrikels und lassen sich folglich hier besser
erfassen.
4. Die anatomische Orientierung bereitet aufgrund der Papillarmuskeln, die als
Leitgebilde dienen, keine Schwierigkeiten. Die Reproduzierbarkeit der Einstellung
ist damit jederzeit gegeben.
Zwischen der Lokalisation neu aufgetretener Wandbewegungsstörungen und der Infarktlokalisationen,
die sich im Oberflächen-EKG nachweisen lassen, besteht eine klare anatomische
Beziehung. Um diese Beziehung zu beschreiben, sind Nomenklaturen zur Benennung
der einzelnen Segmente des linken Ventrikels eingeführt worden. Die „American
Society of Echocardiography“ schlägt eine Unterteilung der mittpapillären
Querschnittsfläche in Achtecke vor.
Üblicherweise wird im anästhesiologischen Schrifttum aber eine Unterteilung
in Quadranten bevorzugt. Diese Quadranten werden als septal, anterior, lateral
und posterior bzw. inferior angegeben. Getrennt voneinander sind die Quadranten
durch zwei Diagonale. Eine Diagonale verläuft vom vorderen Ansatz der freien
Wand des rechten Ventrikels posterolateralwärts und schneidet den posteromedialen
Papillarmuskel. Die andere Diagonale verläuft im rechten Winkel zu der beschriebenen.
In etwa 10% der Fälle lässt sich der linke Ventrikel in der kurzen Achse nicht
optimal einstellen. Hier sind Längsschnitte des linken Ventrikels aus einer
transgastrischen oder einer mitt-ösophagealen Position angeraten, in denen der
Apex einsehbar ist.
Auch für die Längsachse hat die American Society of Echocardiography
eine Nomenklatur vorgeschlagen. Die beiden basalen Segmente (posterior und anterior)
reichen vom Annulus der Mitralklappe bis zur Spitze der Papillarmuskeln. Die
mittventrikulären Segmente (posterior und anterior) nehmen den Raum von der
Spitze bis zur Basis der Papillarmuskeln ein, die Lokalisation des verbleibenden
apikalen Segmentes erklärt sich von selbst. Wenn auch der Großteil der RWMA’s
in der mittpapillären kurzen Achse aufzufinden ist, so ist es doch notwendig,
insbesondere bei vorbekannter entsprechender Koronarmorphologie, in Längsschnitten
des linken Ventrikels nach RWMA’s der apikalen und der basalen Segmente zu suchen.
Nicht jede neu aufgetretene RWMA ist gleichzusetzen mit einer akuten myokardialen
Ischämie oder mit einem Infarkt. Eine Bewertung von RWMA’s erfordert immer die
Berücksichtigung der klinischen Begleitumstände, in deren Gefolge sie in Erscheinung
getreten sind. Die wichtigsten Gründe für nicht ischämisch bedingte RWMA sind:
1. entzündliche Erkrankungen des linken Ventrikels (z. B. Virusmyokarditiden)
2. Schenkelblöcke
3. ventrikuläres Pacing
4. Schnittebene durch den membranösen Anteil des Ventrikelseptums
5. myokardiales Stunning
6. myokardiales Hibernating

| Basal Segments |
Mid Segments |
Apical Segments |
| 1 - Basal Anteroseptal |
7 - Mid Anteroseptal |
13 - Apical Anterior |
| 2 - Basal Anterior |
8 - Mid Anterior |
14 - Apical Lateral |
| 3 - Basal Lateral |
9 - Mid Lateral |
15 - Apical Inferior |
| 4 - Basal Posterior |
10 - Mid Posterior |
16 - Apical Septal |
| 5 - Basal Inferior |
11 - Mid Inferior |
|
| 6 - Basal Septal |
12 - Mid Septal |
|
Von besonderer Bedeutung im Kontext der Anästhesie ist das Phänomen des Stunnings.
Es bezeichnet einen vollständig reversiblen Zustand myokardialer Dysfunktion
nach einer vorausgegangenen kurzen Periode schwerer Ischämie. Situationen, in
denen ein myokardiales Stunning differentialdiagnostisch in Erwägung gezogen
werden muss sind: primär erfolgreiche kardiopulmonale Reanimationen, Prinzmetal
Angina, thrombolytische Therapie des akuten Myokardinfarkts, Rekanalisation
einer okkludierten Koronararterie durch perkutane Katheter-Angioplastie, Z.
n. kardiopulmonalem Bypass, um nur die wichtigsten zu nennen.
ad III:
Der rechte Ventrikel (RV) ist echokardiographisch beim Erwachsenen schwierig
darzustellen. Das gilt für die transthorakale wie für die transösophageale Herangehensweise.
Die rechtsventrikuläre Funktion ist im Gegensatz zur linksventrikulären
nur bedingt einer quantitativen Analyse zugänglich. Jedoch stellt die rechtsventrikuläre
Funktion bei dilatativer Kardiomyopathie, linksseitigen Klappenvitien und nach
Myokardinfarkt einen wesentlichen Prädiktor von Mortalität und Leistungsfähigkeit
dar.
Auch im Bereich der Herzchirurgie wird dem Versagen des rechten Ventrikels als
primärer Ursache einer kardialen Insuffizienz in letzter Zeit größere Aufmerksamkeit
zugewandt.[53-55] Rechtsherzversagen beim kardiochirurgischen Patienten kann
z. B. als Folge eines akuten Infarkts im Versorgungsgebiet der rechten Kranzarterie,
einer rechtsventrikulären Beteiligung bei inferiorem Infarkt des LV, einer inkompletten
Revaskularisierung des rechten Ventrikels, einer suboptimalen Myokardprotektion
oder einer intendierten oder akzidentellen Rechts-Ventrikulotomie auftreten.
Besonders anschaulich lässt sich die Bedeutung der rechtsventrikulären Funktion
im Kontext des akuten inferioren Myokardinfarkts demonstrieren. Kommt es bei
inferiorem Infarkt zu einer Einbeziehung des rechten Ventrikels, steigt die
Frühmortalität von 6 auf 31% an. Dies konnte bei Patientenkollektiven nachgewiesen
werden, die hinsichtlich ihrer linksventrikulären Funktion keine signifikanten
Unterschiede aufwiesen.[56] Die Eindrücklichkeit solcher Ergebnisse hat z. B.
P. Oldershaw und A. Bishop in einem Editorial zu folgender Bemerkung veranlasst:
„Right ventricular function may be a better guide than left ventricular function
to functional state and even prognosis in patients with chronic heart failure
caused by coronary disease.“[57]
Auf folgende Checkliste sollte sich eine gesicherte echokardiographische Aussage
über die rechtsventrikuläre Funktion stützen:
Checkliste für die Beurteilung der RV-Funktion
- Größe des rechten Ventrikels
- globale und regionale rechtsventrikuläre Funktion
- Morphologie von Trikuspidal- und Pulmonalklappe
- Vorhandensein einer Trikuspidalinsuffizienz
- Flussgeschwindigkeitsprofil in den Lebervenen
- geschätzter systolischer Pulmonalarteriendruck (modifizierte Bernoulli-Gleichung)
Diagnostische Abklärung
Der Einsatz der transösophagealen Echokardiographie beim hämodynamisch
instabilen Intensivpatienten ist gerechtfertigt, wenn er (1) zu diagnostisch
verwertbaren Befunden führt, wenn (2) die therapeutische Strategie dadurch
modifiziert wird und/oder wenn (3) das Outcome positiv beeinflusst wird. Zu
allen drei Punkten liegen in der Zwischenzeit aussagekräftige Daten vor.
Die wichtigsten Studien aus dem Bereich der Intensivmedizin sind in der folgenden
tabellarischen Zusammenfassung aufgeführt:
TEE beim hypotensiven Intensivpatienten
| Autor |
Journal |
Jahr
|
Pat.
|
positive diagn. Implikation
|
| Pearson [58] |
Am Heart J |
1990
|
61
|
44 %
|
| Oh [59] |
Am J Cardiol |
1990
|
51
|
59%
|
| Foster [60] |
J Am Soc Echocardiogr |
1992
|
83
|
64%
|
| Hwang [61] |
Chest |
1993
|
80
|
50%
|
| Puybasset [62] |
Ann Fr Anest Reanim |
1993
|
32
|
28%
|
| Chenzbraun [63] |
Clin Cardiol |
1994
|
103
|
53%
|
| Khoury [64] |
Am Heart J |
1994
|
77
|
48%
|
| Vignon [65] |
Chest |
1994
|
96
|
97%
|
| Poelaert [66] |
Chest |
1995
|
103
|
74%
|
| Heidenreich [8] |
J Am Coll Cardiol |
1995
|
61
|
48%
|
| Sohn [11] |
Mayo Clin Proc |
1995
|
127
|
52%
|
| Slama [67] |
Intensive Care Med |
1996
|
61
|
45%
|
| Benjamin [68] |
J Cardiothor Vasc Aesth |
1998
|
100
|
62%
|
Aus oben stehender Tabelle wird deutlich, dass der Einsatz der TEE bei dieser
Indikation in rund 50% der Patienten positive diagnostische Implikationen
hat. In 10% der Fälle handelt es sich bei diesen positiven diagnostischen
Implikationen um unerwartete Neudiagnosen.
In mindestens 18% der Fälle resultiert aus der TEE-Untersuchung eine therapeutische
Intervention. In ungefähr 50% der Fälle kommt es im Vergleich zu Daten,
die durch eine Rechtsherzkatheterisierung erhoben wurden, aufgrund der TEE-Untersuchung
zu einer anderen Einschätzung des Zustandes des Intensivpatienten.
Oh et al. z. B. untersuchten 44 Patienten mit schwerer ungeklärter Hypotension,
die alle unter laufender Medikation mit positiv inotropen Pharmaka hämodynamisch
instabil waren. [59] Die Ergebnisse dieser Studie werden hier deshalb zitiert,
weil sie in charakteristischer Weise das diagnostische Spektrum des routinemäßigen
Einsatzes der TEE auf der Intensivstation widerspiegeln.
Die Autoren konnten bei allen Patienten zu einer diagnostisch verwertbaren
Bildgebung gelangen.
Im Einzelnen erhoben sie folgende Befunde, die ganz oder teilweise das Schockgeschehen
erklärten: Mitralinsuffizienz (20,5%, zwei Patienten wiesen eine Papillarmuskelruptur
auf); rechtsventrikuläre Dysfunktion (15,9%, bei zwei Patienten auf dem
Boden eines offenen Foramen ovale); schwere linksventrikuläre Dysfunktion
(15,9%); schwere Hypovolämie (11,4%, in zwei Fällen vergesellschaftet
mit einer Obstruktion des linksventrikulären Ausflusstrakts); Perikardtamponade
(9,1%, bei einem Patienten als Folge einer Ruptur der freien Wand des rechten
Ventrikels); Septumruptur nach Anteroseptalinfarkt
(zwei Patienten); Aortendissektion (zwei Patienten) und verschiedene Ursachen
(vier Patienten).
Nur bei vier Patienten wurde ein Normalbefund erhoben. Auf der Basis der TEE-Untersuchung
wurde bei 30 Patienten (68%) die Ursache des Schock-Syndroms komplett aufgeklärt.
Als weiteres repräsentatives Beispiel sollen die Ergebnisse von Slama et
al. spezifiziert werden.67 In einer prospektiven Studie an 61 Intensivpatienten
mit unerklärter Hypotension stellten Slama et al. folgende unerwartete
Diagnosen als Ergebnis einer TEE-Untersuchung:
| Unerwartete Diagnose |
Anzahl und (%) der Patienten |
| Perikardtamponade |
4 (7) |
| rechtsventrikuläres Versagen |
4 (7) |
| schwere Mitralinsuffizienz |
2 (3) |
| Thrombus/Embolus im rechten Vorhof |
2 (3) |
| Obstruktion des LV-Ausflusstrakt |
1 (2) |
| Aortenklappen-Vitium |
1 (2) |
| Rechts-Links-Shunt |
1 (2) |
| Endokarditis |
1 (2) |
| Regionale Wandbewegungsstörungen |
1 (2) |
Slama et al. ziehen die Schlussfolgerung: „The etiology of hypotension
as determined by TEE was a predictor of intensive care mortality in the present
study. Patients with nonventricular cardiac limitations in cardiac output had
significantly improved survival compared with those with ventricular dysfunction,
hypovolemia or reduced systemic vascular resistance." [67]

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Über die Autoren
OA PD Dr. med. Gregor Theilmeier, OA Dr. med. Christoph Schmidt
Universitätsklinikum Münster
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Direktor: Univ.-Prof. Dr. H. Van Aken
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