Das akute Guillain-Barré-Syndrom,
im Folgenden auch GBS benannt, ist nach Verschwinden der Poliomyelitis inzwischen
die häufigste Ursache peripherer Lähmungen.
Bei einer jährlichen
Inzidenz von 1-2 Erkrankungen/100 000 Einwohner kommt dieses Krankheitsbild
in der Klinik am Eichert regelmäßig auf der internistischen Intensivstation
vor. Durch die Möglichkeit der Plasmapherese werden auch aus anderen Kliniken,
teils aus anderen Landkreisen, die Patienten mit GBS in die Klinik am Eichert
verlegt.
Die intensivpflegerischen
Tätigkeiten und Handlungen setzen ein hohes Maß an Krankheitsverständnis
voraus. Auch möchte ich diesbezüglich auf die psychosozialen Probleme
der/des Erkrankten eingehen, damit wir Pflegenden uns darauf sensibilisieren
können.
Diese Facharbeit ist in
zwei große Kapitel unterteilt. Im medizinischen Teil werden die Krankheitslehre
sowie Ursachen, Therapie, Prognose, usw. vermittelt, damit im pflegerischen
Teil die Tätigkeiten und Handlungen dargestellt und daraus resultierende
pflegerische Probleme erörtert werden können.
Die Inzidenz der Polyradikulitis
Guillain-Barré liegt bei 2/100 000 Einwohner. Es gibt zwei Erkrankungsgipfel:
zwischen dem 20. und 30. bzw. 50. und 60. Lebensjahr. Das männliche Geschlecht
überwiegt. [zitiert aus 5 Seite 352]
1.2 Äthiologie & Pathogenese
Das GBS ist eine akute entzündliche
Erkrankung der peripheren Nerven und Nervenwurzeln (Vorder- und Hinterwurzeln
- Polyradikulitis).
Dabei handelt es sich um
eine Autoimmunreaktion auf die molekularen Strukturen der Oberfläche der
Nervenfasern, bei der die isolierende Myelinschicht des peripheren Nervensystems
zerstört wird sowie im weiteren Verlauf eine axonale Degeneration stattfindet.
Nach einer Latenzzeit von
2-4 Wochen nach einem grippalen (ca. 50% der Fälle) oder enteralen (ca.
20% der Fälle) Infekt tritt das GBS auf, wobei eine Kreuzreaktion zwischen
den Keimen und dem Nervengewebe angenommen wird. Durch eine enterale Infektion
mit Campylobacter jejuni, der häufigsten Ursache von Diarrhöen der
westlichen Welt, wird ein besonderer Zusammenhang deutlich.
Ebenso wurde für folgende
Keime eine überzufällige Assoziation festgestellt, weshalb ihnen eine
Triggerfunktion zugeschrieben wird: Herpes simplex- (HSV), Cytomegalie- (CMV)
und Ebstein-Barr-Viren (EBV), Mykoplasmen und Chlamydien. Diese Primärinfektionen
nehmen im Allgemeinen einen banalen Verlauf.
Auch sind nach Impfungen
gegen CMV und EBV Erkrankungen mit GBS beschrieben worden. Ein veränderter
Immunstatus wie z.B. beim Hodgkin-Lymphom, in der Frühphase einer HIV-Infektion,
nach einer Nierentransplantation (NTX) sowie beim systemischen Lupus erythematodes
(SLE) kann zur Prädisposition des GBS führen. [vgl. 1
Seite 680-684, 2 Seite 1895, 4 Seite 240; 5 Seite 352; 7 Seite 1]
1.3 Klinisches Bild
Zumeist beginnt das GBS
mit Dysästhesien an Händen und Füßen.
Auch beginnt es mit ganz
unspezifischen Symptomen wie Rücken- und Gliederschmerzen. Eine Gang- und
Standataxie kann durch Störungen der Tiefensensibilität ausgelöst
werden. Das Hauptsymptom ist eine an den unteren Extremitäten beginnende,
von distal nach proximal symmetrisch verlaufende Muskelschwäche, bis hin
zum völligen, meist reversiblen, Verlust der Motorik aller Extremitäten
sowie der Motorik des Zwerchfells, der Kopf- und Halsmuskulatur.
Das Ausmaß der Symptome
reicht von leichter Schwäche, bei der die Patienten gut gehfähig sein
können, bis hin zur völligen Tetraparese (Tetraplegie) mit Atemlähmung
(ca. 10-25% der Fälle), wodurch die Patienten beatmungspflichtig werden.
Der Krankheitsnadir ist bei 75% der Patienten bereits nach 2 Wochen erreicht,
übersteigt die 4-Wochengrenze jedoch nur in seltenen Ausnahmen. Typischerweise
kommt es zur progredienten Abschwächung der Muskeleigenreflexe (Hyporeflexie)
bis hin zum völligen Ausfall der Muskeleigenreflexe (Areflexie).
Auch kommt es in bis zu
50% der Fälle zu einem Befall der dünn bemarkten Fasern des autonomen
Nervensystems. Hirnnerven können auch betroffen sein. Das parasympathische
und sympathische Nervensystem wird ungleich stark befallen, im Hirnnervenbereich
kommt es oft zu ein- oder doppelseitiger Fazialisparese. Eine Sonderform des
GBS stellt das Miller-Fisher-Syndrom (MFS) dar.
Charakteristisch für
das MFS ist eine Symptomtrias aus Ophtalmoplegie, Extremitätenataxie und
Areflexie. Weitere Varianten, die auf histologischen und elektrophysiologischen
Befunden aufbauen, sind die akute motorische axonale Neuropathie (AMAN)
und die akute motorisch-sensorische axonale Neuropathie (AMSAN), auf
die ich hier nicht weiter eingehen werde, da die klassische demyelinisierende
Variante in Mitteleuropa überwiegt.
Das Auftreten von paroxysmalen
hyper- oder hypotonen Blutdruckentgleisungen, bradykarden oder tachykarden
Herzrhythmusstörungen
(auch totaler AV-Block oder Kammerflimmern möglich!), Blasen- und Darmlähmung
(paralytischer Ileus) und Hypo- oder Hyperhidrosis sind Zeichen des Befalls
des parasympathischen bzw. sympathischen Nervensystems. Treten nur diese klinischen
Zeichen auf, wird dies als Pandysautonomie bezeichnet.
Stellen sich Orthopnoe,
Kurzatmigkeit beim Sprechen, flache Tachypnoe, schwacher Hustenstoß, häufiges
Hüsteln durch (Mikro-)Aspiration oder paradoxe Atembewegungen dar, müssen
diese Zeichen als Beginn einer Ateminsuffizienz gewertet werden. Dabei nimmt
die Vitalkapazität ab, der Hustenstoß ist reduziert, die Sekretretention
nimmt zu. Bei Schluckstörungen durch Befall der Hirnnerven, welche die
Schlund- und Rachenmuskulatur innervieren, findet sich ein Speichelsee im Oropharynx.
Häufige Aspirationen sowie vorbestehende pulmonale Erkrankungen (COPD)
begünstigen die respiratorische Dekompensation.
Neuropathische Schmerzsyndrome, die meist im Lumbosakralbereich auftreten,
werden als brennendstechend oder als dumpfdrückend beschrieben.
Letzteres kann auch nur
durch bloßen "Liegeschmerz" erscheinen. Die Schmerzproblematik
führt bei bis zu 50% der Patienten zu Unruhezuständen und Schlaflosigkeit.
Symptome
Häufigkeit
Beginn
(%)
Höhepunkt
(%)
Parästhesien
70
85
Lähmungen
Beine
60
95
Arme
20
90
Gesicht
35
60
Oropharynx
25
50
Augenmuskeln
5
15
Areflexie
75
90
Sensibilitätsausfälle
40
75
Schmerzen
25
30
Sphinkterstörungen
15
5
Ataxie
10
15
Atemstörungen
10
30
Tabelle 1: Relative Häufigkeit der Symptome zu Beginn und während des Höhepunktes
der Erkrankung beim Guillain-Barré-Syndrom [Übernommen aus: 2 Seite 1896]
1.4 Diagnostik
Um das GBS zu diagnostizieren,
wird als Wichtigstes die klinische Situation des Patienten betrachtet.
Hauptsächlich wird
das Augenmerk auf Dysästhesien, die progrediente peripher aufsteigende
symmetrische Schwäche, den Verlust der Muskeleigenreflexe und Störungen
des autonomen Nervensystems gelegt. Ebenfalls wichtig ist eine gründliche Anamnese.
Befragt werden sollten im Besonderen ob kürzlich zurückliegende,
teils auch banale, Infektionen bzw. Durchfallerkrankungen stattfanden oder ob
andere immunschwächende Erkrankungen bekannt sind (SLE, NTX, M. Hodgkin).
Bei 90% der Patienten findet
man nach einer Liquoruntersuchung eine "zytoalbuminäre Dissoziation".
Es liegt eine deutliche Eiweißerhöhung (100-1000 mg/dl mit Anstieg
der Gamma-Globulin-Fraktion) bei meist normaler bis geringfügig erhöhter
Zellzahl vor. Die Höhe der Liquor-Eiweißwerte korreliert nicht mit
der Schwere der Erkrankung.
Die Blutuntersuchung zeigt eine Lymphozytose, in der
Immunelektrophorese sind IgG, IgA und IgM erhöht.
Im Elektromyogramm (EMG) ist insbesondere die motorische Nervenleitgeschwindigkeit
infolge der Demyelinisierung der Nervenfasern herabgesetzt. [vgl. 1
Seite 680-682, 2 Seite 1896-1897, 3 Seite 52; 5 Seite 353]
Differentialdiagnose
Ferner gelten Myasthenia
gravis, Hirnstamminfarkt, Enzephalomyelitis, Rückenmarkskompression, transverse
Myelitis, vaskulitische Neuropathie (SLE) sowie die "Critical-Illness-Polyneuropathie"
als Differentialdiagnose zum GBS. Des Weiteren können folgende Ursachen
für akute Neuropathien, die eine GBS imitieren können, sein:
Medikamente: z.B. Vincristin,
Carbimazol, Amitriptylin
Patienten mit GBS
werden wegen ihrer vitalen Gefährdung (aufsteigende Lähmung ? respiratorische
Insuffizienz, autonome Dysfunktion ? kardiale Komplikation) und dem erheblich
höherem medizinischen und pflegerischen Aufwand meist auf eine neurologische
Wach- oder Intensivstation (Anmerkung des Verfassers: oder ähnlich
ausgerüstete Intensivstation) aufgenommen. Hier steht die Überwachung
der Vitalzeichen mit Interventionsbereitschaft und die psychosoziale Betreuung
im Vordergrund. [zitiert aus 4 Seite 240]
Letztlich ist eine kausale
Therapie bei gegenwärtigem Wissen noch nicht sicher durchführbar.
Mit der Immunglobulingabe (IVIg) und Plasmapherese (PH) stehen jedoch Möglichkeiten
zu Verfügung, die eine signifikant positive Auswirkung auf die Beatmungszeit
und auf das Wiedererlangen der Gehfähigkeit haben. Zusätzlich erfolgt
eine symptomatische Therapie, um akut lebensbedrohlichen Komplikationen, die
auch als Spätfolgen nach der Akutphase zu einer Behinderung führen
können, vorzubeugen. Diese werden im nächsten Punkt genauer erläutert.
Die Therapie umfasst ein
engmaschiges Monitoring der Vitalparameter wie: Herzfrequenz, Blutdruck,
Temperatur, Sauerstoffsättigung (Pulsoxymetrie), Flüssigkeitsbilanz, zentraler
Venendruck, Atemfrequenz, Vitalkapazität, regelmäßige Blutgasanalysen,
Vigilanz als auch motorischer und sensorischer Fähigkeiten, um auftretende
Komplikationen und Progression der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen. Allgemeine
Maßnahmen wie die Pneumonie-, Dekubitus- und Thromboseprophylaxe (mit
Low-Dose Heparin) sind, wie bei allen immobilisierten Patienten, obligat.
Atemfunktion
Eine respiratorische Insuffizienz, die eine vorübergehende maschinelle
Beatmung erforderlich macht, tritt bei bis zu 1/3 der GBS-Patienten auf. Schon
bei leichter ausgeprägter Tetraparese kann die Ateminsuffizienz manifest
werden. Es besteht durch die zunehmende Lähmung die Gefahr einer Hypoventilation,
CO2-Narkose und/oder Hypoxämie.
Die stattfindende Atelektasenbildung
begünstigt die respiratorische Insuffizienz und führt rasch zur pulmonalen
Dekompensation, die eine Intubation und Beatmung unumgänglich macht.
Tritt nach 8 - 14 Tagen keine Verbesserung der Beatmungssituation auf, sollte
eine
Tracheotomie (vorzugsweise eine perkutane Dilatationstracheotomie, wegen
der geringeren Nebenwirkungen) erwogen werden.
Der Einsatz von depolarisierenden
Muskelrelaxantien (Suxamethoniumchlorid / Lysthenon®) sollte, wie bei allen
neuromuskulären Erkrankungen, möglichst vermieden werden. Die Phase
der kontrollierten Beatmung sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
Die assistierte spontane
Beatmung (ASB) ist die Beatmungsmethode der Wahl [zitiert aus
3 Seite 53].
Autonome Dysfunktion
Bei etwa 45% der Patienten treten Störungen des autonomen Nervensystems
auf. Die hochgradigen Störungen mit teils lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen
wie Tachyarrhythmien, Asystolie oder gar Kammerflimmern sind selten. Trotzdem
ist eine Reanimationsbereitschaft bei Zeichen der Dysautonomie unbedingt notwendig.
Die Patienten können ganz massiven kardiovaskulären Störungen
ausgesetzt sein, wie stark schwankendem Blutdruck, Brady- bzw. Tachykardie (supraventrikulär),
Hypo-, Hyperhidrose sowie Vasokonstriktion bzw. -dilatation der peripheren Gefäße.
Ebenso kann es zu Blasen- und Mastdarmstörungen mit Entleerungsstörungen
und/oder Inkontinenz kommen.
Hypertensive Entgleisungen
sprechen auf kurz wirksame ablockierende Substanzen an; hypotone Krisen werden
mit Volumengabe behandelt. Ein Auftreten einer moderaten inadäquaten ADH-Sekretion
(SIADH, Schwartz-Bartter-Syndrom) mit geringer Hyponatriämie sollte mit
Flüssigkeitrestriktion beherrschbar sein. Bei Bradykardie ist die Gabe
von Atropin indiziert. Gelegentlich führt eine längergehende Bradykardiephase
zur Indikation für die Anlage eines externen/transvenösen Demand-Schrittmachers
Auch im Gastrointestinaltrakt
kommt es zur autonomen Dysfunktion mit Gastroparese, Darmparalyse oder auch
zu diffuser Diarrhö. Ist eine orale Nahrungsaufnahme wegen Magenentleerungsstörungen
nicht mehr möglich, ist eine Duodenalsonde (postpylorisch platzierte
Sonde unter endoskopischer Kontrolle) indiziert. [vgl. 1 Seite 687-688,
3 Seite 53, 4 Seite 241-242]
Schmerzen/Angst
Die durch die Erkrankung ausgelösten Neigungen zu Parästhesien und
Dysästhesien können als unangenehm bis schmerzhaft empfunden werden.
Eine zeitliche, auf den Patienten angepasste Analgesie ist anzustreben (vor
Körperpflege, Mobilisation,…). Dabei sind nicht-steroidale Analgetika
(wie Paracetamol) oft wirkungslos. Es muss auf Morphinanaloga (Tramadol, Piritramid
[Dipidolor®]) zurückgegriffen werden. Eine Obstipationsprophylaxe mit
Laktulose, Laxantien oder gar mit Peristaltika sollte in diesem Falle rechtzeitig
erfolgen. Auch können membranstabilisierende Substanzen wie Carbamazepin
(Tegretal®) oder Phenytoin (Phenhydan®) zur Analgesie eingesetzt werden.
Oft müssen bei Angstzuständen des Patienten anxiolytische Benzodiazepine
wie Lorazepam (Tavor®) verabreicht werden. [vgl. 1 Seite
687-689, 3 Seite 53-54, 4 Seite 242]
1.7 Prognose
Die Symptome bilden sich
in einem monophasischen Verlauf nach einigem unterschiedliche langanhaltenden
Plateau über Wochen bis Monate wieder zurück. [zitiert aus 2
Seite 1895]
Obwohl sich mit Plasmapherese
und der intravenösen Immunglobulingabe die Prognose des GBS günstig
beeinflusst lässt, sind nach Abschluss einer Behandlungsserie von Plasmaaustausch
oder Immunglobulingabe kurzfristig Verschlechterungen beobachtet worden. [vgl.
Van der Meché, Schmitz PM, and the Dutch Guillain-Barré Study
Group (1992) A randomized trial compareing intravenous immune globulin and plasma
exchange in Guillain-Barré syndrome. N Engl. J Med 326:1123-1129 und
Haupt WF, Rosenow F et al (1996) Sequental tratment of Guillain-Barré syn-drome
with extracorporal elimination and intravenous immunoglobulin J Neurol Sci
137:145-149 in 4 Seite 243]
Die Patienten konnten nach
3 bzw. 6 Monaten, selbst nach Verlauf eines moderaten bzw. schweren GBS (intubationspflichtige
respiratorische Insuffizenz), wieder selbstständig gehen. [vgl. The Guillain-Barré
Study Group (1985) Plasmapheresis and acute Guillain- Barré syndrome.
Neurology 35:1096-1104 in 3 Sei-te54]
Bei 15% der Patienten kommt
es zur vollständigen Rückbildung der Symptome, 2/3 der Patienten behalten
leichte neurologische Defizite wie z.B. Hypästhesien, die den Alltag nicht
weiter beeinträchtigen, zurück. 10-15% der Patienten behalten funktionell
beeinträchtigende Paresen oder Sensibilitätsstörungen zurück.
Auch sind Übergänge in eine chronische Form (chronisch-entzündlich
demyelinisierende Polyneuritis - CIDP) möglich, wenn die Progredienz der
Symptome mehr als 2 Monate beträgt.
Die Mortalität beträgt,
trotz intensivmedizinischer Therapiemaßnahmen, noch 2-6%. Meist versterben
die Patienten an einer Lungenembolie, Sepsis oder an zumeist bradykarden Herzrhythmusstörungen.
[vgl. 1 Seite 682-683, 2 Seite 1895-1896, 3 Seite 54, 4 Seite
243]
2. pflegerischer Teil
Patienten, die an einem
Guillain-Barré-Syndrom erkranken, werden unerwartet und innerhalb kürzester
Zeit hoch pflegebedürftig und von "fremden" Personen vollständig
abhängig.
Begünstigt durch die
Verlegung auf eine Intensivstation kann bei den Patienten eine starke Unruhe,
Angst oder gar eine Depression ausgelöst werden.
Wichtig erscheint, den Patienten
und seine/n nächste/n Angehörige/r (Ehepartner, Eltern) über
seine Krankheit vollständig aufzuklären.
Das Hinzuziehen eines Psychologen,
damit Patient und Angehörige sich mit der Erkrankung auseinandersetzen
können und Zweifel und Ängste abgebaut werden, ist ratsam. Auch sollte
dafür der "richtige" Zeitpunkt, am besten vor Eintreten von Komplikationen
wie z.B. Atemlähmung, gewählt werden.
Im Besonderen sollte in
diesem Gespräch zunächst über den Verlauf, d.h. die Progression
der Erkrankung, die möglichen Komplikationen aber auch über die Reversibilität
des GBS gesprochen werden. Da mit einem längeren Intensivstationaufenthalt
gerechnet werden muss, kann frühzeitig damit begonnen werden, den Raum
mit Fotos der Angehörigen, selbstgemalten Bildern der Kinder oder einem
Poster des Lieblingsinterpreten auf die individuellen Wünsche des Patienten
anzupassen.
Auch sollte auf ein abwechslungsreiches
Beschäftigungsangebot wie z.B. Musik hören (eigener tragbarer Cassettenspieler/CD-Spieler
mit Musik, die dem Geschmack des Patienten entspricht), Zeitschriften (auch
durch Angehörige vorlesen lassen), Besuchen (Verweis auf Schichtübergabezeiten,
um eine Abstimmung mit pflegerischen Maßnahmen zu ermöglichen) und
anderes.
Nach Absprache mit dem Patienten
und dessen Angehörigen ist eine Miteinbeziehung der Angehörigen in
die Pflegemaßnahmen zu ermöglichen. Dies sollte schon während
der Pflegeanamnese besprochen werden.
2.1 Überwachung
Im Folgenden wird auf die Überwachung verschiedener Organsysteme genauer eingegangen, die bei der
Erkrankung eine wichtige Rolle spielen. Selbstverständlich wird bei Abweichen
der Parameter der Arzt informiert. Ein sinnvolles Einstellen der Alarmgrenzen,
evtl. in Absprache mit dem ärztlichen Dienst, erleichtert den Handlungsbedarf
und hilft, "unnötiges" Alarmieren zu vermeiden und den Geräuschpegel,
der ohnehin für den Patienten laut und befremdend ist, zu minimieren.
2.1.1 Herz & Kreislauf
Bedingt durch die autonome
Dysfunktion mit gravierenden Blutdruckschwankungen sowie lebensbedrohlichen
Herzrhythmusstörungen bradykarder als auch tachykarder Art ist eine regelmäßige
Vitalzeichenkontrolle unumgänglich.
Die Akzeptanz der Überwachungsmaßnahmen
wird durch eine ausführliche Information des Patienten positiv gesteigert.
Eine kontinuierliche EKG-Ableitung muss immer erfolgen, selbst kurzes "Abkabeln"
sollte möglichst vermieden werden. Wenn möglich sollte auch ein Defibrillator
in unmittelbarer Reichweite des Patientenplatzes positioniert werden.
Vorteilhaft ist auch ein
Defibrillator/Schrittmacherkombinationsgerät, mit dem auch mittels externer
Schrittmacherelektroden bei einer lebensbedrohlichen Bradykardie und Tachykardie
interveniert werden kann. Die Schrittmacherelektroden werden dabei linksthorakal
ventral und dorsal aufgeklebt. Mit diesen ist sowohl ein Schrittmacherimpuls
als auch ein Stromstoß zur Defibrillation applizierbar.
Bei der nicht invasiven
Blutdruckmessung sollte das Messintervall der Situation angepasst sein, jedoch
nicht größer als 30min. Nach Patientenlagewechsel und Mobilisation
(Orthostase) kann ein Blutdruckabfall resultieren, eine Blutdruckkontrolle
ist
daher v.a. bei der Mobilisation wichtig.
2.1.2 Atmung & 'Weaning'
Durch die zunehmende Lähmung
der Atemmuskulatur während der Progression der Erkrankung kann es zu Hypoventilation,
Hyperkapnie, und/oder Hypoxämie kommen. Ein regelmäßiges Monitoring
der Atmung ist daher unumgänglich.
Eine kontinuierliche Pulsoxymetrie
ist obligat. Regelmäßige kapillarvenöse bzw. arterielle Blutgasanalysen
dienen ebenfalls zum Erkennen der respiratorischen Insuffizienz, ebenso wie
regelmäßige Lungenfunktionsprüfungen.
Die forcierte Vitalkapazität
(VC) kann mit der Ergo-Spirometrie technisch einfach gemessen werden. Es muss
aber darauf geachtet werden, dass immer unter gleichen Bedingungen gemessen
wird (z.B. gleiche Lage des Patienten). Bei einer zusätzlichen Fazialisparese
kann der Mundschluss nicht vollständig sein, eine Fehlmessung mit falsch
niedrigen Werten wäre die Folge! Die Messungen müssten dann mit einer
geeigneten Maske (Mund/Nasenmaske) durchgeführt werden.
Der Normwert der VC liegt
bei ca. 65 ml/kg/KG (~ 4,55 l ), unter 30 ml/kg/KG (2,1 l) ist der Hustenstoß
abgeschwächt und unter 25 ml/kg/KG (1,75 l) ist der Seufzermechanismus
eingeschränkt. Die daraus resultierende Atelektasenbildung begünstigt
die Hypoxämie [vgl. Ropper AH, Kehne SM (1985) Guillain Barré-
syndrome: Management of respiratory failure. Neurology 35:1662-1665 in 3 Seite
53].
Neu diskutiert wird die
Messung des Atemwegsokklusionsdruck (P0,1), die die Antwort des Atemzentrums
auf eine eingeschränkte Atemmechanik reflektiert. Der Okklusionsdruck
ist ein Maß für den zentralen Atemantrieb unter Spontanatmung.
Messmanöver: Definitionsgemäß ist der P0,1 der negative Druck,
der in den ersten 100ms einer Inspiration gegen ein geschlossenes System generiert
wird. Die Zeitbedingung
100 ms beginnt, wenn im Rahmen der Inspiration ein Unterdruck (bezogen auf
PEEP) von 0,5 gemessen wird. Der zweite Druckwert wird nach Ablauf der 100
ms bestimmt.
Gleichzeitig wird das Inspirationsventil geöffnet und der Patient kann
wieder normal atmen. Die Differenz der Druckwerte P2 - P1 ist der Okklusionsdruck
P0,1. [zitiert
aus 10 Seite 238-239]
Der Normwert beträgt
1-4 mbar. [vgl. 10 Seite 238ff] Die endotracheale Intubation sollte spätestens
bei deutlichem Fallen der Vitalkapazität innerhalb von 4-6 Stunden, bei
P0,1-Werten über 6mbar (drohende respiratorische Erschöpfung - "Respiratory
muscle fatigue") bei Hyperkapnie (mit noch normaler Oxygenierung), Dyspnoe
und/oder oropharyngealen Paresen mit Aspiration erfolgen.
Die maschinelle Beatmung
sollte nur so lange durchgeführt werden, wie es die Lähmung der Atemmuskulatur
oder die aktuelle pulmonale Situation (Pneumonie) es nötig machen [zitiert
aus 4 Seite 241]. Das Weaning des GBS-Patienten kann sich als "schwer" herausstellen
und ist individuell sehr unterschiedlich zu handhaben. Allgemein sind spontane
Beatmungsformen der kontrollierten Beatmungsformen zum Training
der Atemmuskulatur vorzuziehen.
Eine Möglichkeit wäre
es, stundenweise zwischen druckunterstützter und kontrollierter Beatmung
zu abzuwechseln. Dabei hilft ein klares Entwöhnungsschema, welches schriftlich
fixiert werden sollte und ständig evaluiert werden kann. Die diskontinuierliche
Entwöhnungsstrategie hat sich bei der Entwöhnung von Patienten mit
erschöpfter Atempumpe nach Langzeitbeatmung bewährt.
Die Wiederauffüllung
der Energiespeicher (v.a. Glykogen) kann nur durch eine völlige Ruhigstellung
der Atemmuskulatur erfolgen. Dabei wird der Patient nachts kontrolliert beatmet,
wobei die Atemfrequenz über der Spontanatemfrequenz eingestellt wird, um
den zentralen Atemantrieb zu bremsen ("overdrive"), ggf. ist eine
Sedierung mit Propofol indiziert.
Aufgrund kurzer Halbwertszeit
ist ein rasches Aufwachen nach Beendigung der Propofol-Infusion möglich.
Tagsüber sind Spontanatemintervalle (z.B. klassische T-Stück-Atmung
oder CPAP/ATC ) anzustreben, welche zunächst kurz gehalten werden, im Laufe
der Entwöhnung schrittweise bis auf 2 Stunden ausgedehnt werden.
Ist eine vollständige
Entwöhnung vom Beatmungsgerät und eine Extubation nach dem 10. - 14.
Tag nicht möglich, sollte eine Tracheotomie erwogen werden. Der wesentliche
Vorteil liegt beim einfacheren Weaning sowie erleichterter Mundpflege und Bronchialtoilette.
2.1.3 Schmerzen
Schmerzen und Missempfindungen
infolge von Druckstellen oder niedriger Außentemperatur sind kausal anzugehen. [zitiert
aus 5 Seite 242] Treten bei Berührung oder bei der Körperpflege
Schmerzen oder Dysästhesien auf, sind diese auslösenden Faktoren sofort
zu unterbinden. Eine zeitlich angepasste Analgesie vor Körperpflege bzw.
Mobilisation ist zu beachten. Der Einsatz der VAS-Skala
kann bei der Einstufung der Schmerzen hilfreich sein.
2.2 Körperpflege
Bedingt durch die vegetativen
Störungen und der großen Anzahl an Schweißdrüsen kann
es im Genitalbereich, Achselhöhlen und in der Leistengegend zu erhöhter
Schweißsekretion (Transpiration) kommen. Eine gründliche Körperreinigung
dieser Problemzonen hilft, Mazerationen und Pilzinfektionen dort zu vermeiden.
Deshalb ist verschwitzte
Bettwäsche unmittelbar zu wechseln. Dabei sollte darauf geachtet werden,
dass die Hautstellen der oben benannten Problemzonen trocken gehalten werden
und direkter Hautkontakt (Haut auf Haut) durch Einlegen einer Kompresse vermieden
wird (Intertrigoprophylaxe).
Die Ganzkörperwaschung
sollte mit Einbeziehung der Patientenressourcen erfolgen und bei Bedarf, nach
Absprache mit dem Patienten, auch öfters am Tag (morgens und abends) durchgeführt
werden, um das Wohlbefinden des Patienten zu fördern. Im Rahmen der Körperpflege
ist die spezielle Augenpflege zu erwähnen.
2.2.1 Augenpflege
Ein gestörter
Lidschluss, der durch die Beteiligung des Nervus facialis herrührt, führt
zu Austrocknung und Defekt der Cornea.
Auch werden
Keime, die sich auf der Cornea befinden, nicht ausgespült und begünstigen
eine Hornhautentzündung. Um am Tag eine Sehbeeinträchtigung zu minimieren,
können Tränenersatzmittel wie z.B. Vidisic® Gel oder Protagent® bevorzugt
werden.
Kombiniert
werden kann es mit regelmäßigen künstlichem Lidschlag, zu den
man auch die Angehörigen instruieren kann, sowie mit einem kleinem Streifen
extradünnen Hydrokolloidverband (z.B. Comfeel plus®) mit dem stundenweise
ein Lidschluss durchgeführt wird.
Bei sehr trockenen
Hornhäuten ist vor allem nachts eine kontinuierliche Bedeckung sinnvoll.
Dazu können feuchte Kompressen aufgelegt werden oder eine dexpanthenolhaltige
Salbe (z.B. Bepanthen®, Corneregel®) regelmäßig (alle 1-2
Stunden) appliziert werden. In seltenen Fällen ist ein Uhrglasverband
anzubringen. Bei Problemen ist das Hinzuziehen eines Augenarztes ratsam.
2.3 Spezielle
Therapie
In der Klinik
am Eichert kommt zur Plasmapherese (PH) das Zellseparationsverfahren mit
einer Zentrifuge zum Einsatz. Dabei werden Antikörper, Komplement- und
Entzündungsmediatoren, die den immunpathogenetischen Prozess bei GBS unterhalten,
weitgehend aus dem Blutplasma entfernt.
Der Patient
wird während der Plasmapherese von besonders geschultem Personal der Dialyse-Abteilung
mitbetreut. Für diese Behandlung ist ein großlumiger zentralvenöser
Katheter (Shaldon-Katheter) notwendig. Eine regelmäßige Kontrolle
der Kathetereinstichstelle auf Nachbluten und Infektion ist erforderlich.
Das Anbringen
eines durchsichtigen Verbandes (3M-Tegaderm®) erleichtert die Kontrolle
beträchtlich. Zu Beachten ist nur, dass der durchsichtige Verband erst
angewendet wird, wenn die Kathetereinstichstelle trocken ist.
Auf Dislokationen
sind besonders bei dem großlumigen Zugang zu achten, um einen Blutverlust
nicht zu provozieren. Durch den technisch bedingten hohen Geräuschpegel
während der Plasmapherese kann dem Patienten ein Gehörschutz (Ohropax®)
oder auch Musik mittels Kopfhörer angeboten werden.
Die als Alternative
eingesetzte intravenöse Immunglobulingabe (IVIg) bedarf während der
Infusion sowie 2 Stunden nach der Therapie der Überwachung des Patienten
auf allergische Reaktionen.
2.4 Immobilität
Infolge der
aufsteigenden Lähmung kann es zur Immobilität des Patienten kommen.
Der Patient
ist der Gefahr einer Kontraktur, einer Thrombose, einer Pneumonie und eines
Dekubitus ausgesetzt.
Mit einer frühzeitigen
krankengymnastischen Therapie können die Gefahren der oben genannten Komplikationen
gesenkt werden. Ebenso wie die regelmäßige 2-3 stündliche Lagerung,
wobei die Gelenke in physiologischer Mittelstellung gelagert und mehrmals vorsichtig
durchbewegt werden.
Wenn möglich,
ist auf eine Weichlagerung zu verzichten, damit die Körperwahrnehmung nicht
verfälscht wird. Die Anwendung von Anti-Thrombose-Strümpfen verbessert,
aufgrund der Kompression der Beinvenen von außen, den venösen Rückfluss
und dient somit der Thromboseprophylaxe. Konsequente Mobilisationsversuche
sollten
mindestens zweimal pro Tag erfolgen, selbst die maschinelle Beatmung darf keine
Kontraindikation darstellen.
Dies erfordert
jedoch von allen Beteiligten äußerste Vorsicht und ist nur bei motivierten
Patienten möglich. Auftretende Ängste von Seiten des Patienten müssen
unbedingt berücksichtigt werden und durch eine ausreichende Information
zur Bewältigung gebracht werden. Zur Prophylaxe des Spitzfußes sind
knöchelhohe Turnschuhe für jeweils 2 Stunden morgens und abends anzuziehen.
2.5 Ernährung
Der Patient
sollte möglichst lange selbst essen und trinken und Wunschkost bekommen.
[zitiert aus 5 Seite 242]
Hierzu können
die Angehörigen animiert werden, die Lieblingsspeisen und -getränke
des Patienten mitzubringen. Eine Magensonde sollte bei beginnenden Schluckstörungen
wegen der Aspirationsgefahr zur Drainage des Magensaftes gelegt werden.
Im Falle einer
gastralen Entleerungsstörung ist eine enterale Ernährung mit der Magensonde
nicht möglich. Dies ist mit einem Aspirationstest mit Blasenspritze vor
der weiteren Sondenkostgabe zu überprüfen. Eine postpylorische Sonde,
die unter endoskopischer Kontrolle im Duodenum platziert wird, ist bei Vorhandensein
einer Gastroparese zur enteralen Ernährung notwendig.
Eine tägliche
Kalorienzufuhr von 30-40 kcal/kg/KG(2100-2800 kcal/die ) in Form von Kohlenhydraten
und Fett, sowie eine Eiweißzufuhr von 1,5-2 g/kg/KG (105-140 g/die) ist
anzustreben. Die enterale Ernährung ist der totalen parenteralen Nutrition
vorzuziehen. Sie verhindert eine Schleimhautatrophie, resorptive und enzymatische
Strukturen bleiben erhalten, der Insulinbedarf ist vermindert bei Substratzufuhr
über die Darmmukosa, metabolische Engleisungen sind geringer ausgeprägt.
Die Motilität
des Magen-Darm-Traktes setzt frühzeitiger ein, ein erniedrigter Serum-Gastrinspiegel
sorgt für eine Stressulkusprophylaxe. Nicht zuletzt besteht bei der enteralen
Ernährung eine signifikante Kostenersparnis. [vgl. 8 Seite 36] Bei
Unterernährung
besteht die Gefahr des Hyperkatabolismus, verlängertes Weaning und erhöhte
Infektanfälligkeit. [zitiert aus 4 Seite 242]
2.6 Ausscheidung
Bei Befall
der parasympatischen Nervenfasern kann es zu Blasen- und Mastdarmstörungen
in Form von Entleerungsstörungen oder Inkontinenz kommen.
Zur besseren
Bilanzierung des Flüssigkeitshaushaltes und auch zum Vermeiden eines feuchten
Milieus im Intimbereich ist eine transurethrale Urinableitung, im protrahierten
Verlauf eine suprapubische Blasenfistel, unumgänglich.
Zusätzlich
bedingt durch den Einsatz von opioidhaltigen Analgetika kann Obstipation bis
hin zum paralytischen Ileus auftreten. Dies macht eine Überwachung der
Darmtätigkeit anhand der Darmgeräusche sowie eine frühzeitige
Obstipationsprophylaxe mit z.B. Laktulose notwendig.
Bei Versagen
dieser Prophylaxe sind andere Abführmaßnahmen wie hoher Einlauf oder
medikamentöse Stimulation (z.B. Bepanthen®-Prostigmin®-Perfusor,
Takus®) nach Verordnung des Arztes zu applizieren.
Wichtig ist
auch die Dokumentation der Stuhlmenge und der Häufigkeit des Abführens,
auf die individuelle Stuhlfrequenz ist zu achten.
Das Guillain-Barré-Syndrom
ist eine, nach einer banalen Infektion auftretende, demyelinisierende Polyneuroradikulitis,
die auf autoimmunogene Faktoren zurückzuführen ist.
Die aufsteigende Lähmung,
beginnend an den unteren Extremitäten bis hin zur Atemmuskulatur sowie
die mögliche Beteiligung des autonomen Nervensystems machen ein intensives
Monitoring, auf einer neurologischen oder vergleichbaren Intensivstation notwendig.
Dabei sind besonders die
Herz- und Kreislauffunktion und die Atempumpe zu beurteilen. Die Komplikationen
sind durch fachgerechte Körperpflege, Dekubitus-, Pneumonie-, Thrombose-
und Obstipationsprophylaxe zu minimieren. Eine wichtige Rolle spielt die psychische
Situation des Patienten, der mit einer Tetraparese, womöglich maschinell
beatmet, völlig abhängig vom Pflegepersonal ist.
Auftretende Ängste
können nur durch Informationen mit dem nötigen Fachwissen, das Ernstnehmen
des Patienten mit seinen Ängsten, sowie professionelles sicheres Auftreten
dem Patienten sowie dessen Angehörigen gegenüber, abgebaut werden.
Die als gut bezeichnete
Prognose ist im Gespräch mit dem Patienten immer wieder zu erläutern,
wenngleich es sich für den Patienten zunächst als eine ausweglose
Situation darstellt. Auch ist das Miteinbeziehen der Angehörigen ein ganz
wichtiger Aspekt für die Sozialhygiene des Patienten.
[8] Göppinger Reihe:
Praxis der Ernährung in der Intensivmedizin - M. Apin, J. Mar-tin - 2.
überarbeitete und aktualisierte Auflage - München; Wien; New York
: Zuckerschwerdt Verlag 2002 - Seite 36
[9] Göppinger Reihe:
Sequentielles Sedierungs- und Analgesie- Management in der Intensivmedizin -
J. Martin, M. Meßelken, R. Dieterle-Paterakis - 2. Auflage - Münschen;
Bern; Wien; New York : Zuckerschwerdt Verlag 1999 - Seite 5-7
[10] Atmen - Atemhilfen
: Atemphysiologie und Beatmungstechnik - W. Oczenki, A. Werba, H. Andel - 4.
komplett überarbeitete und erweiterte Auflage - Berlin; Wien [u.a.]
: Blackwell Wissenschafts- Verlag 2000 - Seite 199ff und Seite 232f
Andreas Zowislo
geboren 1972 in Geislingen
Krankenpflegeausbildung von 1994 bis 1997 in der Helfensteinklinik
Geislingen
September 1997 - Oktober 1998: internistische Normalstation
November 1998: internistische Intensivstation PG 54 in der Klinik am
Eichert Göppingen
Fachweiterbildung für Anästhesie- und Intensivpflege 01/03
Dies ist ein Ausdruck des Online-Journals zwai PORTAL - JOURNAL - FORUM - WEITERBILDUNG
für Anästhesie- & Intensivpflege.
Das Dokument ist unter folgender Adresse zu finden:
http://www.zwai.net/ZW0130