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Umfeldoptimierung für Patient, Pflegepersonal und Angehörige

Architektur im Intensivbereich - Teil 2

Christiane Pross-Löhner

Architektur im Intensivbereich - Teil 2

Inhalt:

Vorwort

1. Einleitung
2. Struktur des Intensivbereiches
3. Gestaltung des Intensivzimmers



4. Abschiedszimmer
5. Besucherzimmer
6. Personalaufenthalt
7. Schlussbetrachtung

Anhang



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3.4 Mobiliar

Wandschränke aus hellen Naturholztönen vermitteln Wohnlichkeit. Ein natürlicher Werkstoff wie Holz hat eine positive Ausstrahlung auf den Menschen und enthospitalisiert ein wenig die kalte Sterilität eines Intensivzimmers Anmerkung 2. Diese Schränke könnten so angebracht sein, dass sie von außen aufzufüllen sind und vom Zimmer entleert werden können. Das bringt automatisch mehr Ruhe ins Zimmer. Denn für einen Intensivpatienten kann das Knistern von Verpackungsmaterial verletzend laut sein, oftmals wird diese Hyperakusis durch Medikamente noch verstärkt. Mit dem oben beschriebenen System können die Schränke mehrmals am Tag aufgefüllt werden, ohne dass der Patient dadurch gestört wird.

Abb. 6: Intensivzimmer mit Mobilitätszone (gez.:Dipl.-Ing. H. Pross)
Abb. 6: Intensivzimmer mit Mobilitätszone (gez.:Dipl.-Ing. H. Pross)
Im Zimmer selbst sollte in Patientennähe ein Nachtschränkchen zu finden sein. Wollen wir die Wahrnehmung des Patienten fördern, so sind wir auf persönliche Gegenstände angewiesen: Die Brille liegt im Nachtschränkchen sicherer als im Pflegekasten, ein Teddy sitzt daneben und die Tageszeitung findet dort ihren Platz, aus der ein Angehöriger Neuigkeiten aus der Welt vorlesen kann. Im Notfall kann der mit Rollen versehende Schrank schnell beiseite geschoben werden und die persönlichen Dinge nehmen keinen anderen wichtigen Platz weg.

Wir wissen heute, dass die Patienten trotz Koma oder Sedierung wesentlich mehr von ihrer Umwelt wahrnehmen, als wir früher dachten. Beispielsweise ist es jetzt keine Seltenheit, einen beatmeten Patienten zu mobilisieren. Dementsprechend muss auch das Milieu des schwerkranken Patienten umgestaltet werden.


Einer Mobilisation darf keine Umräumaktion vorausgehen. Dafür fehlt im Intensivalltag die Zeit. Eine Mobilitätszone muss fest zu einem Bettenplatz zugerechnet werden.

Ein bequemer Sessel kann zusammen mit dem Nachtschrank eine Art intime Zone für den Patienten bilden, ein Ort des Ausgleichs. Wichtig ist, in dieser Zone noch Platz für einen Angehörigenstuhl zu planen. Stehen die Stühle Richtung Fenster, so kann der Kranke seinen Blick nach draußen frei herumwandern lassen, während sein Körper dazu noch nicht in der Lage ist.


3.5 Fußboden

Der Fußboden eines Intensivzimmers muss fugenlos verlegt werden und zur Wand hin abgerundet sein, damit er leicht zu reinigen ist. Er sollte einen trittschalldämmenden Belag vorweisen und chemisch beständig sein, denn häufig wird mehrmals am Tag desinfiziert. Tropfen von Infusionslösungen oder Chemikalien können Flecken auf dem Fußboden hervorrufen. So sollte nach Möglichkeit ein Belag gewählt werden, der durch sein Design Verfleckungen kaschiert, beispielsweise ein ansprechendes Granulatdesign in gedeckten Farben.

Es muss daran gedacht werden, dass auf Intensivstationen empfindliche elektronische Geräte eingesetzt werden. Um dadurch hervorgerufene elektrostatische Entladungen zu vermeiden, bieten Hersteller ableitende Beläge mit Isolationswiderstand an. Durch solche Fußböden ist ein Schutz vor möglichen Fehlfunktionen durch diese Entladungen gegeben12.


Abb. 7: Fußbodenbeispiel Firma Freudenberg
Abb. 7: Fußbodenbeispiel Firma Freudenberg


Abb. 7: Fußbodenbeispiel Firma Freudenberg



3.6 Deckengestaltung

Gedanken über die Gestaltung der Decke in einem Intensivzimmer sind nicht unbedeutend. Die meiste Zeit des Tages geht der Blick des Patienten in Richtung Decke und Wand.

Abb. 8: Blickrichtung eines Patienten (gez.:Dipl.-Ing. H. Pross)
Abb. 8: Blickrichtung eines Patienten (gez.:Dipl.-Ing. H. Pross)

Dies ist das Blickfeld eines Patienten im Liegen. Stundenlanges Starren gegen eine weiße Tapete kann einen hypnotischen Sog auslösen, ebenso kann eine Klimaanlage an der Decke Angst machen. Durch reizarme Umwelt, durch Medikamente oder durch den oft vorkommenden Schlafmangel können Intensivpatienten Sinneseindrücke oft nicht mehr richtig einordnen. Gegenstände oder medizinische Geräte bekommen eine wahnhafte Deutung bzw. einen bedrohlichen Inhalt: So werden Leitungen über dem Kopf des Patienten zur Gefahr und der so oft erwähnte Röntgenapparat erscheint als Dinosaurier13.

Eine gute Idee zur Deckengestaltung fand ich beschrieben in der Dissertation von Heinzpeter Schmieg14. In Zusammenarbeit mit dem Klinikum Karlsruhe wurde dort ehemals an der Decke eines Intensivzimmers ein Motiv gezeichnet. Die Patienten, die Angehörigen und das Personal waren von dem Versuch mit einem blumenartigen Muster angetan. Es sollte ein sinnvoller Blickfang werden und dem Kranken die Möglichkeit der Beschäftigung bieten. Leider lag bei Fertigstellung der schriftlichen Arbeit von Schmieg noch kein Ergebnis über das Experiment vor, so dass ich mich telefonisch im Klinikum Karlsruhe nach Resultaten erkundigte. Ich erhielt die Information, dass die Bilder wieder überstrichen worden seien. Das Deckenmotiv hätte zwar den Patienten einen Blickfang geboten, sie gleichzeitig jedoch stark verwirrt. Ein Bild an der Decke war für die Patienten ein ungewohnter Zustand und führte besonders in der Aufwachphase eher zur Desorientiertheit.

Was könnte dem Intensivpatienten dann gut tun? Vielleicht reichen schon einige dezent angebrachte Farbkontraste, die die Decke attraktiver machen und den Gesamteindruck des Krankenzimmers verbessern. Unauffällig gemalte Strukturreliefs könnten dem Bettlägerigen die Möglichkeit geben, seinen Blick hieran schweifen zu lassen, ohne dass beispielsweise der erwähnte hypnotische Sog durch eine weiße Wand ausgelöst wird.


Auf jeden Fall sollte, soweit möglich, die Technik entfernt dem Blickfeld des Patienten angebracht werden. Infusionsschienen, Beatmungsgeräte, Perfusoren, Anschlüsse haben ihren besten Platz außerhalb der Blickweite des Kranken. Schienen an der Decke oder schwenkbare Ampeln von Deckenstativen sind zwar sehr funktionell, bringen aber eine OP-Atmosphäre in das Intensivzimmer. Eine Alternative wäre beispielsweise die Versorgungseinheit "Ponta" der Firma Dräger15.

Der deckenhängende Versorgungsbalken befindet sich zwar über dem Kopf des Patienten, bei leicht erhöhtem Kopfteil des Bettes mag die Technik jedoch für den Kranken weniger störend sein. Das Bett ist von allen Seiten zugänglich, dies ist wichtig z.B. bei invasiven Eingriffen bei dem Kranken oder bei einer Reintubation.


Abb. 9: Versorgungseinheit Ponta S, Firma Dräger
Abb. 9: Versorgungseinheit Ponta S, Firma Dräger

Die Geräte hängen bodenfrei rechts und links neben dem Bett. Die Geräteträger sind jedoch beweglich, so dass sie bei einer Seitenlage des Patienten außerhalb seines Blickfeldes angeordnet werden können. Kabel und Schläuche sind im Versorgungsbalken versteckt. So wird der Anblick von verwirrender Technik reduziert, was sicher auch Angehörigen entgegen kommt.

Technik ist in einem Intensivzimmer unvermeidbar. Wichtig ist jedoch, dass die Mitarbeiter sensibel bleiben und entscheiden, welches Ausmaß an Technik für einen Patienten in einer Krankenphase notwendig ist. Nicht benötigte Geräte sollten beiseite gelegt oder wie beschrieben aus dem Sichtfeld des Kranken angebracht werden.

3.7 Bilder

Auch Bilder an der Wand verringern eine visuell reizarme Umgebung. Aber oftmals werden Kunstdrucke gedankenlos angebracht, klein und außerhalb des Blickfeldes der Patienten; ein kläglicher Versuch, die sterile Atmosphäre zu verbessern. Große Bilder mit klaren eindeutigen Motiven, eingefasst von einem wohnlichen Holzrahmen, werden nicht nur den Patienten ansprechen. Auch Angehörige, häufig schockiert von dem künstlichen, kaltem Umfeld spüren, dass sich hier keine seelenlosen Menschen um den Kranken bemühen.

Christel Bienstein erwähnt im Rahmen der basalen Stimulation Wechselrahmen, für die sich der Patient selbst ein Bild aussuchen kann (bei Intensivpatienten, die sich nicht selbst äußern können, übernehmen vertraute Angehörige diese Aufgabe). So kann man sichergehen, dass der Kranke mit dem Motiv zufrieden ist, denn er muss es ja die meiste Zeit des Tages anschauen.16

Gut wären auch jahreszeitlich wechselnde Motive. Ein buntes Blumenbild z.B. erinnert daran, dass momentan der Sommer beginnt, der Patient kann sich leichter orientieren und nimmt an seiner Umwelt teil.

Einen festen Platz im Intensivzimmer sollte eine Pinnwand bekommen. Vergrößerte Familienfotos werden dort besser platziert als (mit Pflaster fixiert) am Infusionsständer. Ist eine solche Vorrichtung vorhanden, so kann das Pflegepersonal dort ohne viel Mühe ein gemaltes Kinderbild für den Opa aufhängen und bietet dem Kranken damit eine bedeutsame Stimulation. Selbstverständlich ist für jeden Patientenplatz eine Wanduhr anzubringen. Intensivpatienten fällt es meist schwer, die Tageszeit zu bestimmen. Sie sind sediert, schlafen tagsüber häufig und erleben zwischendurch unterschiedlich lange Wachphasen. Nachts ist das Zimmer leider oft hell erleuchtet, es kommt zu einem fehlenden Tag- und Nachtrhythmus, zum Verlust des Zeitgefühls. Eine Uhr mit großen deutlich lesbaren Ziffern hilft bei der zeitlichen Orientierung. Uhren mit integriertem Datum geben dem Kranken zusätzlich Hilfe zum Erkennen des Monats und des Tages. Am Rand des Gesichtsfeldes angebracht kann der Kranke die Uhrzeit erkennen, fixiert jedoch nicht permanent die langsam verstreichenden Minuten.17



4. Abschiedszimmer

Durch unzureichende räumliche Begebenheiten ist es häufig nicht möglich, ein würdiges Abschiednehmen von Sterbenden zu erreichen. Der Sterbeprozess findet in der Alltagsroutine statt, im Nachbarbett liegt ein anderer Intensivpatient. Ist der Sterbende vom Leiden erlöst, so wird der Leichnam in ein leer stehenden Raum oder Badezimmer geschoben. Ersatzgeräte werden beiseite gestellt, damit es Platz für Angehörigenstühle gibt, neben dem Leichnam wird eine Kerze platziert oder ein Kreuz aufgestellt. Hier haben die Angehörigen die Möglichkeit Abschied zu nehmen. Nach kurzer Zeit wird der Patient in den Leichenkeller gebracht, denn der Platz wird für das nächste Polytrauma benötigt.

Im Intensivbereich gibt es oft keine räumliche Gegebenheit für eine würdige Sterbebegleitung. Ein individueller Raum für Sterbende soll nicht isolieren, sondern Respekt vor dem Akt des Sterbens zeigen und eine Intimsphäre ermöglichen.18 Im Zimmer ist Ruhe, die Atmosphäre erinnert nicht an eine Abstellkammer. Hier kann ein Abschied in Würde erfolgen, Trauer zugelassen und Zeit gegeben werden.

Im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke z.B. werden die Verstorbenen in besonderes gestalteten Räumen aufgebahrt. Hier ist die Begleitung des Verstorbenen auch auf Wunsch über die Dauer von drei Tagen hinweg möglich. So kann manchem bei der Verarbeitung der Trauer Beistand geleistet werden 19

Ein separater Raum auf einer Intensivstation lädt Freunde und Verwandte ein, sich in Ruhe zu verabschieden. Zudem lässt ein Verabschiedungszimmer individuelle religiöse Bedürfnisse und Rituale zu. Wenn ein Mensch schon in einer fremden Umgebung seine letzten Stunden verbringt, so sollten ihm wenigstens vertraute Zeremonien in einem Milieu ermöglicht werden, das nicht an eine eilige Abschiebung denken lässt.

5. Besucherzimmer

Viele Angehörige betreten mit bestimmten Vorstellungen den Intensivbereich. Oftmals erfahren sie schon vor dem Eintritt auf die Station etwas von der Atmosphäre, die ihr noch immer anhaftet: kalt, steril und unmenschlich. Über eine Rufanlage erfahren sie von der Wartezeit bis zum Einlass, nervös sitzen sie im Flur, rundherum herrscht betriebsame Hektik.
Nach dem Betreten der Station verläuft das Aufklärungsgespräch durch den Arzt nicht selten im Flur vor dem Patientenzimmer. Der Besucher ist überwältigt und entsetzt von der vielen Technik und steht wie paralysiert neben dem Bett. Ein Stuhl wird angeboten und erst dann erinnert sich der Angehörige an den eigentlichen Grund seines Besuches und traut sich sogar, die Hand des geliebten Menschen anzufassen. Doch schon kommt die Bitte, "mal eben auf dem Flur zu warten, der Verbandwechsel wird nicht lange dauern".

Der Besucher steht verloren zwischen Röntgen-Bildern, nebenan klingelt das Telefon, die Späße zweier Schwestern sind zu hören, eine Neuaufnahme wird gebracht und der Besucher rückt zur Seite...

Sehr utopisch ist diese Situation nicht.
Optimal ist ein Besucherzimmer für eine Intensivstation. Ein Raum, der einen Rückzug erlaubt. Hier kann der Verwandte entfernt der ungewohnten Alarmtöne einige Minuten nachdenken oder auch seinen Tränen freien Lauf lassen. Ein Raum, der durch seine gelblichen Töne freundlich wirkt, das Gelb wirkt wohltuend und aufmunternd 20.
Die Stühle sind bequem und laden zum Verweilen ein. Auf dem Tisch liegen Broschüren und ergänzen die Erklärungen der Schwester, die sie zuvor am Patientenbett über die Notwendigkeit der Geräte gegeben hat. In der Ecke steht ein Kaffeeautomat, daneben eine Garderobe, die genügend Platz für Mantel und Tasche bietet. Abgerundet wird der Raum durch freundliche Blumen auf der Fensterbank und eine indirekte Beleuchtung strahlt Wärme aus.

In solch einem Umfeld wird auch das Erstgespräch sicherlich persönlicher ablaufen. Fern der Technik kann nun einfühlsam erklärt werden. Der Angehörige tritt besser vorbereitet in das Intensivzimmer.

Von besonderer Bedeutung ist für Krankenschwestern/-pfleger das Erstellen einer Pflegeanamnese: An diesem Ort kann die zuständige Pflegekraft im Gespräch mit der Bezugsperson etwas über Ängste und Sorgen, religiöse Bedürfnisse oder beispielsweise Vorlieben des Patienten erfahren.

Ein Besucherzimmer kann ohne viel Aufwand eingerichtet werden. Angehörige werden von dort rücksichtsvoll in den Intensivbereich eingeführt und erleben das Geschehen auf der Station weniger spannungsgeladen. Sicherlich werden solch Angehörige eher Verständnis für bestimmte Pflegemaßnahmen haben oder sich sogar daran beteiligen.

6. Personalaufenthalt

Das Personal auf einer Intensivstation ist hohen Belastungen ausgesetzt. Es wird konfrontiert mit ständigen vital bedrohlichen Zuständen bei den Patienten, muss flexibel auf permanent wechselnde Situationen reagieren, wird belastet durch die hohe Mortalitätsquote auf der Station, ist Ansprechpartner für die Sorgen der Angehörigen...

Die Intensivstation ist Lebensraum und Arbeitsfeld für Krankenschwestern und -pfleger, für Ärzte und andere Mitarbeiter. Fest eingeplant an diesem Arbeitsplatz muss ein Raum sein, der für kurze Zeit Abstand zu den o.g. Stressfaktoren bietet und der der Erholung dient. Natürlich ist es schwer in einer Umgebung Entspannung zu suchen, die allzu sehr an ein Krankenzimmer erinnert. Häufig werden diese umstrukturiert zum Aufenthaltsraum. Sauerstoffanschlüsse oder sonstige gastechnische Versorgungen lassen jedoch ihre eigentliche Funktion als Patientenzimmer nicht verheimlichen. Dagegen ist es einfacher, in einer wohnlichen Atmosphäre zu pausieren und neue Energie zu tanken. Orange Töne, beispielsweise durch Vorhänge oder Sesselbezügen eingefügt, wirken aufbauend und leistungssteigernd21.

Orange erhöht die Vitalität, dies ist sicherlich besonders interessant für "Morgenmuffel". Mehrere kleine Tische bieten Platz für Kaffee und Pausensnacks, können aber auch Schreibarbeiten dienlich sein, falls der Raum genutzt wird für Dienstbesprechungen. Eine große Magnettafel zeigt Termine an, weist auf Veranstaltungen und Fortbildungen hin und nimmt Urlaubspostkarten der Kollegen auf.

Eine Anbindung des Personalaufenthaltes an die Station ist sinnvoll. Kommt es z.B. zu einer unvorhersehbaren Notfallsituation, so ist das Personal schnell verfügbar.

Eine Nähe zum Zentrum verlangt aber auch eine gute Schallisolierung des Pausenraumes. Lachende Gespräche müssen erlaubt sein und fördern ein gutes Arbeitsklima22. Ausgeruhtes Personal geht motiviert in das Patientenzimmer zurück und nicht selten wird etwas von der positiven Stimmung auf den Kranken übertragen.
Allerdings empfinden verständlicherweise Angehörige ausgelassene Situationen, die aus dem Aufenthaltsraum herüberklingen, teilweise deplatziert. Sie selbst befinden sich ja zusammen mit dem Patienten in einer schweren Phase des Lebens und haben oft andere Empfindungen hinsichtlich Fröhlichkeit. Eine adäquate Schallisolierung des Frühstückraumes wird Patient, Besucher und Personal gerecht Anmerkung 3.

Ideal ist für das Personal ein Aufenthalt mit Außenbezug in Form eines Balkons, auf dem ein kurzes Abschalten gut möglich ist. Da dies jedoch nur selten realisiert wird, ist zumindest ein ansprechender Aufenthaltsraum ein muss.

7. Schlussbetrachtung

Durch eine Umfeldoptimierung kann die für den Patienten vorhandene Stimulationsarmut im Intensivbereich reduziert werden. Ohne Stimulation geben wir dem Kranken keine Chance der Wahrnehmung, eine wichtige Grundvoraussetzung für die Genesung der Kranken.

In meiner Arbeit sind nur Teilaspekte eines förderlichen Umfelds genannt. Farben, Licht, Bilder etc. sind Ausschnitte aus der gesamten Palette der Gestaltungsmöglichkeiten. Wichtig ist mit diesen Möglichkeiten, die Reduktion des Erlebens bei Intensivpatienten zu minimieren und den Entzug der Anregungen zu reduzieren.

Die Einrichtung des Intensivbereichs wirkt sich auch positiv auf die Angehörigen aus. Die Intensivstation hat nicht nur klinischen Charakter, sondern zeigt auch durch die Gestaltung menschliche Züge. Wichtig ist, den Angehörigen ein Gefühl des Willkommens zu vermitteln, denn ihre Unterstützung wird benötigt. Sie haben die Möglichkeit ihren kranken Menschen zu helfen, können zwischendurch im Besucherzimmer Kraft schöpfen oder vermitteln durch ihre Anwesenheit den Patienten ein Gefühl der Nähe. Die Unterstützung der Angehörigen, allein ihre Gegenwart ist ein wichtiger Faktor im Heilungsprozess der Patienten.

Eine Umfeldoptimierung beeinflusst auch die Mitarbeiter. Das Betriebsklima wird nicht nur durch die Professionalität der Pflege oder durch ein gutes Arbeitsklima geprägt, sondern auch durch die Gestaltung der Räumlichkeiten. In einer Umgebung, in der Wert auf das Äußere gelegt wird, werden die Mitarbeiter leichter daran erinnert, dass nicht die Apparate, sondern der Mensch im Vordergrund steht.
Den Mitarbeitern wird die Arbeit auf einer optimierten Station Freude bereiten, ein Aspekt, um das Betriebsklima und die Motivation zu steigern.

Wenn der Leser anhand meiner Aufzeichnungen bemerkt, "da fehlt doch etwas" oder "das hätte ich aber anders geplant", so ist mein Ziel dieser Hausarbeit erreicht.

Die Thematik ist ein stückweit aus dem Hintergrund getreten, hat die Gedanken mobilisiert und zur Diskussion angeregt.

Schade ist, dass wir Krankenschwestern/-pfleger im Vorfeld nur wenig Einfluss auf die Einrichtung einer Intensivstation haben. Wir verbringen viele Stunden in der Woche direkt im Patientenzimmer oder im umliegenden Bereich und viele von uns hätten sicherlich ergänzende kreative Ideen. Leider besteht nach Fertigstellung einer Station nur noch begrenzt Möglichkeit, etwas an der Atmosphäre zu verändern, beispielsweise in Form von Fotowänden, Blumen oder Ähnlichem.

Meine Vorschläge habe ich aus den unterschiedlichsten Literaturbeiträgen entnommen. Sie bieten noch ein Quantum von Gedanken, die durchdacht werden könnten.
Meine ausgewählten Produkte aus den erwähnten Firmen stellen nur ein Beispiel dar. Andere Hersteller, die ich jedoch nicht angeschrieben habe, stellen sicherlich ähnliche Materialien her oder liefern andere Ideen.



Anhang

Anhang

1. Anmerkungen

  1. Laut der Dissertation v. H.Schmieg muss überlegt werden, dass die Fenster einer Intensivstation mind. 3 Meter über dem Erdreich liegen sollten aufgrund der Schmutzansammlung und der Bildung von Pilz- u. Bakterienherden in Erdnähe.
  2. Auf Intensivstationen sind Stahl- oder Kunststoffschränke angesichts der Hygiene dem Holz vorzuziehen, beschichtete Funiere oder Holzimitate helfen hier aus.
  3. Laut DIN 4109 beträgt das erforderliche Schalldämm-Maß für Krankenanstalten, speziell für Wände zwischen Räumen der Intensivpflege 37 dB. Von dieser festgelegten Anforderung an den Schallschutz lässt sich nicht erwarten, dass Geräusche von aussen nicht mehr wahrgenommen werden. Es findet lediglich eine Reduzierung der Geräuschkulisse statt.


2. Literatur
  1. Bienstein Ch, Fröhlich A. Basale Stimulation in der Pflege. Verlag Selbstbestimmtes Leben Düsseldorf 1996
  2. Lawin P, Opderbecke HW. Organisation der Intensivmedizin. Stuttgart: Thieme, 1994
  3. Schmieg H. Intensivpflege im Krankenhaus; IGMA-Dissertation, Stuttgart 1984
  4. Bickhardt J. Der Patient als Partner. Die Schwester/Der Pfleger 1993, 2/93
  5. Lieberman J. Die heilende Kraft des Lichts. Bern/München: Scherz-Verlag, 1993
  6. Beil-Hildebrand M. Architektonische und künstlerische Gestaltung im Pflegebereich. DKZ, 12/92
  7. Zumtobel Staff; "Das Licht", Produktpalette 1998
  8. DIVI - Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, vgl. Gestaltung des Patientenbereiches
  9. Frieling H, Auer X. Mensch, Farbe, Raum. München: Georg D.W.Callwey, 1961
  10. Kluge H: Mit Farben heilen. ECON Taschenbuch Verlag, 1996
  11. aus: Praxismerkblatt u. Prüfzeugnis "Brillux Latexfarbe LF 992"
  12. Freudenberg Bausysteme KG, Weinheim, nora Kautschuk-Bodenbeläge
  13. Nydal P, Bartoszek. Basale Stimulation. Berlin/Wiesbaden: Ulstein Mosby Verlag, 1997
  14. Schmieg H. Intensivpflege im Krankenhaus; IGMA Dissertation. Stuttgart, 1984
  15. Drägerwerk AG, Lübeck, vgl. Übersicht Versorgungssysteme/Produktfamilien
  16. Bienstein Ch, Fröhlich A. Basale Stimulation in der Pflege. Düsseldorf: Verlag Selbstbestimmtes Leben, 1996
  17. Nydahl P, Bartoszek. Basale Stimulation. Berlin/Wiesbaden: Ulstein Mosby Verlag,1997
  18. Juchli L. Krankenpflege. Stuttgart: Thieme, 1987 (5. Auflage)
  19. Sitzmann F. Aufbahrung und Abschiednehmen. Die Schwester/Der Pfleger 1997;37: Heft 2
  20. Kluge H: Mit Farben heilen. ECON Taschenbuch Verlag, 1996
  21. Kluge H: Mit Farben heilen. ECON Taschenbuch Verlag, 1996
  22. Bavastro P. Die besondere Situation des Patienten auf der Intensivstation; DGF Mitteilungen 4/96
  23. Schmieg H. Intensivpflege im Krankenhaus; IGMA-Dissertation, Stuttgart 1984

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Christiane Pross-Löhner
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46397 Bocholt

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