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Anasthesiol Intensivmed Notfal 2003; 389-392

neue & alte Empfehlungen zur Prävention der katheter-assoziierten Sepsis

Hanno H. Endres

neue & alte Empfehlungen zur Prävention der katheter-assoziierten Sepsis

Mit dem Ziel, Patienten zu schützen und vermeidbare Infektionen zu reduzieren, haben die Centers For Disease Control and Prevention (CDC) im August 2002 evidenzbasierte Leitlininien für das mit Anlage und Pflege von Kathetern betraute medizinische Personal herausgegeben.

Die überarbeitete Leitlinie berücksichtigt sowohl die Innovationen für die Infektionsprävention als auch die seit 1996 erschienenen kontrollierten Studien zur katheter-assoziierten Sepsis. Die wichtigsten kontroversen Präventionsmaßnahmen wurden nun in der Zeitschrift AINS (Georg Thieme Verlag) von Chaberny und Gastmeier aus dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Medizinischen Hochschule Hannover zusammengefasst.

Die durchschnittliche Anwendungsrate von zentralvenösen Kathetern (ZVK) beträgt nach den vorliegenden KISS-Daten 70%. Auf deutschen Intensivstationen entspricht dies jährlich etwa 4,5 Millionen ZVK-Tagen.

Der Einsatz zentraler Venenkatheter kann neben lokalen Infektionen der Einstichstelle auch zu katheter-assoziierter Sepsis, septischen Thrombophlebitiden, Endokarditiden und metastatischen Infektionen wie Lungen- oder Hirnabszess führen.

Diverse Studien zur Sepsisprävention haben gezeigt, dass bis zu zwei Drittel der der ZVK-assoziierten Sepsis-Fälle durch geeignete Präventionsmaßnahmen verhindert werden können. Sowohl das Robert-Koch-Institut (RKI) als auch die CDC haben darauf mit entsprechenden Leitlinien reagiert.

Den Leitlinien liegen 125 neue Arbeiten zu Grunde, die seit 1996 zu diesem Thema erschienen sind, darunter 27 randomisierte-kontrollierte Studien sowie vier Metaanalysen.

Dabei unterscheiden sich die amerikanischen Evidenz-Kategorien, denen die einzelnen Maßnahmen zugeordnet werden, unwesentlich von den Einstufungen des RKI:

  • IA Besonders empfohlen zur Einführung und gestützt durch gut geplante experimentelle, klinische oder epidemiologische Untersuchungen.
  • IB Besonders empfohlen zur Einführung und gestützt durch einige experimentelle, klinische oder epidemiologische Studien und durch eine streng theoretische Begründung.
  • IC Erforderlich durch gesetzliche Bestimmungen, Vorschriften oder Richtlinien.
  • II Zur Einführung empfohlen und gestützt durch hinweisende klinische oder epidemiologische Studien oder durch eine theoretische Begründung.
  • Ungelöste Frage Stellt eine Kategorie dar, für die keine ausreichenden Hinweise oder kein Konsens bezüglich der Effektivität existieren.

Zur Kategorie IA wird nach wie vor die strenge Indikationsstellung für die ZVK-Anlage sowie die schnellstmögliche Entfernung zugeordnet.

Die Anlage von antimikrobiell oder mit Antiseptika beschichteten Kathetern soll nur erfolgen, wenn eine Verweildauer von mehr als fünf Tagen zu erwarten ist und nach Einhaltung von anderen Präventionsmaßnahmen weiterhin eine sehr hohe Infektionsrate besteht (Kategorie IB).

Obwohl einige Studien Vorteile der Anlage antimikrobieller bzw. mit Antiseptika beschichteten Kathetern nachweisen, gibt es aufgrund der möglichen Resistenzentwicklung Vorbehalte.

Bei der Lokalisation nicht getunnelter ZVK ist die vena subclavia nach Abwägung der infektiösen und mechanischen Komplikationen zu bevorzugen (Kategorie 1A).

Während der Anlage sind sterile Bedingungen empfohlen, also Händedesinfektion, Hautdesinfektion, steriler Kittel, Mund-Nasenschutz, Kopfhaube, sterile Handschuhe sowie die Abdeckung der Einstichstelle mit einem sterilen Lochtuch (Kategorie IA).

Bei der Katheterpflege und den Wechselintervallen der Infusionssysteme wurde das Hauptaugenmerk auf die Infusionen mit Propofol gerichtet: In Abhängigkeit von Anwendung und Herstellerangaben sollen diese Infusionssysteme alle 6 oder 12 Stunden gewechselt werden (Kategorie IA).

Blut oder Blutprodukte sollen innerhalb von vier Stunden verabreicht werden (Kategorie II).

Aus Sicht der Infektionsprävention können Bakterienfilter auch weiterhin nicht empfohlen werden (Kategorie IA).

Periphervenöse Katheter sollen nicht häufiger als alle 72 - 96 Stunden beim Erwachsenen umgesetzt werden. Unter Notfallbedingungen gelegte Katheter sollen innerhalb von 48 Stunden entfernt und neuangelegt werden.

Zentralvenöse Katheter jeder Art (inkl. des PAK) sollen nicht routinemäßig gewechselt werden. Das Durchnässen, Verschmutzen oder Ablösen des Verbandes ausgenommen, können konventionelle Mullverbände für zwei Tage belassen werden, transparente Folienverbände für sieben Tage.

Bei allen venösen Kathetern wird der Wechsel der Infusionssysteme nicht häufiger als im 72-Stunden-Intervall empfohlen.

Eine Ausnahme stellen Infusionssysteme dar, über die lipidhaltige Lösungen oder Blut und Blutprodukte verabreicht werden: hier wird bei lipidhaltigen Lösungen ein 24-stündlicher Wechsel, bei reinen Lipidlösungen ein 12-stündlicher Wechsel bzw. bei Blut und Blutprodukten ein 4-stündlicher Wechsel empfohlen.

Ein routinemäßiger Wechsel soll ebenfalls nicht bei peripher arteriellen Kathetern durchgeführt werden. Der Wechsel der Infusionssysteme erfolgt entweder bei Neuanlage oder im 96-Stunden-Intervall.

Wenn immer möglich, sollen Einzeldosenbehältnisse für parenterale Zugaben verwendet werden (Kategorie II).

Bei der Verwendung von Multidosenbehältnissen müssen diese zur Vorbeugung des Keimwachstums unter Berücksichtigung der Herstellerangaben möglichst kühl gelagert werden (Kategorie II).

Die Autoren betonen, dass der Händehygiene eine bedeutende Rolle zukommt. So darf jeder Manipulation am Katheter, bzw. jede Palpation der Einstichstelle nur nach vorheriger und nachfolgender Händedesinfektion mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel erfolgen (Kategorie IA).

Der Gebrauch von Handschuhen ersetzt die Notwendigkeit der Händedesinfektion nicht (Kategorie IA).

Ebenfalls in der Kategorie IA ist die Empfehlung zu finden, regelmäßige Schulungen zur Anlage und Pflege von Gefäßkathetern für alle medizinischen Mitarbeiter durchzuführen.

Quelle: Anasthesiol Intensivmed Notfal 2003; 389-392

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Links zum Artikel:
    CDC: Guidelines for the Prevention of Intravascular Catheter-Related Infections, 2002
    NRZ: Nationales Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen
    RKI: Prävention Gefäßkatheter-assoziierter Infektionen (PDF, 219 kb)






Ähnliche Artikel - weitere Informationen:
    Therapie der Sepsis (intensiv 2004; 12: 19-24)
Forendiskussionen zum Thema:
    katheterassoziierte Septikämien

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