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Aus der Praxis - für die Praxis

Tipps zum sicheren Umgang mit Spritzenpumpen

Marco Monnig

Tipps zum sicheren Umgang mit Spritzenpumpen

Gerade bei der Durchführung von Transporten sind einige Dinge zu beachten. Dazu gehören vor allem Vorbereitung und Umgang mit Perfusoren.

Akkupflege

Neben der Notwendigkeit voller Akkus zeigt sich häufig die Problematik, dass die "einfachen" Akkus der Perfusoren (und nicht nur dieser) durch die dauernde Ladung einen so genannten "Memory-Effekt" aufweisen. Hierbei kommt zu einer minimal Akkukapazität, obwohl das Gerät direkt von der Ladung kommt.

Zum Transport des kritisch kranken Intensivpatienten sollte daher neben entsprechenden Kabeln zur Stromversorgung (220Volt, 12Volt), wenn vorhanden, ein Ersatzgerät mitgenommen werden.

Dem Memory-Effekt kann durch regelmäßiges Laden / Entladen vorgebeugt werden. Alternativ schafft die Entscheidung zur Anschaffung teurerer Lithium-Ionen-Akkus oder Blei-Gel-Akkus Entspannung beim Patiententransport.


Abb. 1

Spritzen luftfrei aufziehen

Die im Bild rot umrandete kleine Luftblase bedeutet für den Patienten sicherlich keine vitale Gefährdung.

Insbesondere bei Bewegung des Perfusors (z.B. Transport, "Sortieren des Bettenplatzes" oder Umlagerung in ein Spezialbett) kann es aber zu einer Verschiebung der Luftblase in den Spritzenansatz kommen - und damit wandert die Luftblase in die Perfusorleitung (Bild 3).


Abb. 2

Der Inhalt einer Perfusorleitung mit je nach Hersteller und Länge beträgt zwischen 1,5 und 3 ml.

Dies bedeutet bei einer niedrigen Laufgeschwindigkeit von 5ml/h immerhin einen Wirkstoffausfall von mehr als 15 Minuten. Die Reaktion bei kreislaufwirksamen Inhalt ist hinlänglich bekannt.

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überlappender Spritzenwechsel

Der Wechsel kreislaufwirksamer Medikamente (z.B. Katecholamine) bedarf besonderer Aufmerksamkeit.

Gerade in höheren Dosierungen ist die Abhängigkeit des Patienten von der kontinuierlichen Gabe zu berücksichtigen..

Hier kommt es beim Wechsel zu zwei Problemen: Wirkstoffverlust während des Wechsels (Ausspannen der leeren Spritze, ggfs. noch Rückfluss von Blut in den zentralvenösen Katheter) und in der Folge die Gefahr der Bolusinjektion beim Konnektieren an die Perfusorleitung und beim Einspannen der Spritze in den Perfusor.

Abhilfe lässt sich durch die gleichzeitige Medikamentengabe über 2 Spritzenpumpen schaffen.

Während im oberen Perfusor die aktuelle Spritze 5ml/h appliziert, läuft im unteren Perfusor eine neue Spritze im Bypass. Gibt nun die obere Spritze Voralarm (i.d.R. 3 Minuten vor 'leer'), beginnt nicht das ggfs. hektische Vorbereiten einer neuen Spritze, sondern vielmehr kann nun mit dem in Bild 5 gezeigten Vierwegehahn ein komplikationsloser Spritzenwechsel durchgeführt werden.

Als erstes wird - unter Beobachtung des Kreislaufparameter am Monitor - der untere Perfusor auf die aktuelle Laufgeschwindigkeit des Medikamentes eingestellt (0,1 bis 5ml/h), danach beim oberen Perfusor umgekehrt (5 bis 0,1ml/h).

Im zweiten Schritt wird nun der obere Perfusor mittels des Dreiwegehahnes aus dem laufenden System getrennt und es kann die frische Spritze eingelegt werden.

Nach Konnektion der Spritze an die Perfusorleitung und Einlegen in den Perfusor wird nun die Leitung am Vierwegehahn kurz gelöst, um eine Druckerhöhung im System zu entlasten. Danach erneute Konnektion, Umlegen des Vierwegehahnes und Start des Perfusors mit 0,1 ml/h.

Die Erhöhung der Gesamtrate beider Spritzenpumpen um 0,1 ml/h kann aus der Praxis betrachtet als unbedenklich angesehen werden.

Zur Verbindung der beiden Spritzen eignen sich insbesondere kurze "LectroCath" - Druckleitungen, die mit einer länge von je 15cm zwei übereinander angeordnete Perfusorspritzen miteinander verbinden, ohne "Strippenchaos" auftreten zu lassen.


Abb. 4



Abb. 5

Vergessen den Vierwegehahn umzulegen - Vorsicht, akute Gefahr für den Patienten und Haftung durch den Anwender!

Per Gesetz sind in Deutschland Parallelinfusionen verboten - das heisst die gleichzeitige Kombination von freier Infusion und Perfusoren (und auch Infusomaten) ist nicht zugelassen.

Wie in dem Bild dargestellt, läuft die Infusion bei der Parallelinfusion und der gleichzeitigen Verwendung von einfachen Infusionssystemen in das System zurück. In der Folge fällt dies erst beim Druckalarm des Perfusors (und der erfolgt bei den handelsüblichen Geräten erst bei einem Druck über einem bar!) auf.

Wird nun der Vierwegehahn zum Patienten umgelegt, so erhält der Patient eine Bolusinjektion des Medikamentes aus der Spritze.

Dreht man jetzt auch noch die Infusion, um die Tropfenkammer retrograd in die Flasche zu leeren, und gleicht das Niveau der Tropfenkammer in die Infusion, so ist dort plötzlich Medikamentenwirkung vorhanden. Dreht dann jemand bei der durch Volumenmangel induzierten Hypotonie die "kristalloide Lösung" als schnelle Hilfe auf, ist die Verwunderung groß ...

Grundsätzlich sind Sie also bei Infusionssystemen mit Rückschlagventil oder einzeln zwischengeschalteten Rückschlagventilen auf der sicheren Seite - wie in Bild Nr.7 dargestellt.

Dabei ist selbstverständlich, dass insbesonders Katecholamine oder andere vasoaktive Substanzen stets alleine, d.h. über jeweils ein eigenes Lumen appliziert werden, der keinesfalls für Kurzinfusionen o.ä. benutzt werden darf!


Abb. 7





Spritzen und Leitungen eindeutig beschriften

Die Beschriftung eines Perfusors sollte nicht nur auf den Wirkstoff oder Medikamentennamen hinweisen, es sollte auch die Dosierung, das Lösungsmittel, die Menge des Lösungsmittels sowie ggfs. das Datum mit Uhrzeit verzeichnet sein.


Abb. 8



Der Aufkleber sollte dann wie in Bild Nr. 9 befestigt sein (auch wenn im Beispiel die gesamte Beschriftung nicht lesbar ist, so zumindest die wichtigen Dinge).


Abb. 9



Der gleiche Aufkleber am patientennahen Ende der Leitung sorgt für den vollständigen Überblick, welches Präparat an welches Katheterlumen angeschlossen ist.



Transport mehrerer Spritzenpumpen

Transport mehrerer Spritzenpumpen

Abschließend noch ein paar Anmerkungen zum Transport mehrerer Perfusoren:

Es sollte selbstverständlich sein - egal ob innerklinisch, präklinisch oder im Interhospitaltransport - dass Gerätschaften, Unterlagen oder ähnliches, nicht auf den Patienten als Ablage gehören (Negativbeispiel s. Abb. 10).

Vielmehr wird in Darstellung 11 eine Möglichkeit gezeigt, wie man - hier an einer Trage - Gerätschaften beim Transport sicher und zugänglich verstauen kann - um jederzeit handlungsfähig zu sein, wenn der Wechsel des Perfusors nicht wie oben beschrieben funktioniert hat.


Abb. 10


Abb. 12



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Links zum Artikel:
    Facharbeit: Der innerklinische Transport eines intensivpflichtigen Patienten (PDF, 320 kb)
    ITH Christoph Westfalen






Ähnliche Artikel - weitere Informationen:
    die Effektivität von Spritzenpumpen bei Höhenänderungen

Letzte Aktualisierung: 13.05.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0072

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