Spezielle Gesichtspflege bei einer Patientin nach LTX
Marco Monnig
Inhalt:
1. Patientenorientierte Informationen / Bedingungsanalyse
2. Einleitung
3. Durchführung
4. Auswertung der Maßnahme
Patientenorientierte Informationen / Bedingungsanalyse
Grunderkrankung:
- Leberzirrhose nach komb. Radio-Chemotherapie (03/89-01/90) bei primär hochmalignem
B-Zell-Lymphom (Erstdiagnose 03/89)
Begleiterkrankungen:
- Z.n. Sklerosierung von Oesophagusvarizen Grad IV (01/95)
- Z.n. Warren-Shunt (3/95)
- Z.n. mehrmaligen Laparatomien mit Leber-PE´s
- Z.n. mehrmaligen ERCP mit Stenteinlage
Aufnahmegrund:
Frau N. wird im November 1999, nach einer 4 1/2-jährigen Phase der Konvaleszenz,
mit einer per ÖGD (Ösohago-Gastro-Duodenoskopie) diagnostizierten Duodenalstenose
in der Medizinischen Klinik aufgenommen. Ösophagusvarizen sind nicht mehr nachweisbar.
Nach der Verlegung in die Chirurgie wird sie explorativ laparatomiert und eine
Gastroenterestomie angelegt. Die Leber ist höchstgradig mit der Umgebung und
der Bauchdecke verwachsen, eine Splenomegalie wird bestätigt.
Es kommt zu einer galligen Peritonitis mit Galleeintritt in den rechten Pleuraspalt.
Neben der Anlage einer Thoraxdrainage (TD) erfolgen mehrere Relaparatomien zur
Focussuche. Nach mehrmaligen ERCP (Endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatographie)
mit Stenteinlage bei Stenose in den D. choledochus wird Frau N. am 04.01.2000
mit liegender externer Sekretableitung nach Hause entlassen.
Es kommt wiederholt zu Temperaturen, sodass nach mehrmaliger Aufnahme der
Stent entfernt wird und die Patientin abermals entlassen wird. Unter hochdosierter
Antibiose sind die Temperaturen beherrschbar. Die Allgemeinsituation verschlechtert
sich jedoch, sodass mit der Patientin die Transplantation einer Leber besprochen
wird. Die Entlassung ist zum 31.03. geplant.
Am 30.03. wird ein Transplantat gefunden. Frau N. unterzieht sich einer allogenen
Lebertransplantation mit erweiterter Hemikolektomie rechts und nach akzidentieller
Verletzung einer Zwerchfellplastik rechts. Der intraoperative Verlauf ist auf
Grund des Situs (Verwachsungen / Warren-Shunt / Splenomegalie) sehr schwierig
und zeitaufwendig und durch einen hohen Volumenumsatz gekennzeichnet.
Postoperativ wird Frau N. intubiert und beatmet auf der Intensivtherapiestation
versorgt. Sie ist hämodynamisch stabil und zeigt trotz der Massentransfusion
keine Gasaustauschstörungen. Die Analgosedierung wird fortgesetzt, da am nächsten
Tag zur Komplettierung des Gastrointestinaltraktes (Hemikolektomie wurde endständig
verschlossen) eine Relaparatomie geplant ist. Lediglich die Gerinnung bietet
persistierend eine Thrombocytopenie ohne Reaktion auf die Gabe von TK.
Pflegeanamnese
Frau N. ist eine 28-jährige Krankenschwester. Bis August 1999 hat sie noch
gearbeitet, seitdem ist sie krank. Sie wohnt alleine, hat jedoch einen sehr
starke Bindung zu ihren Eltern und ihrem Bruder, der ebenfalls im Gesundheitswesen
arbeitet. Präoperativ hat Frau N. mit ihrem Bruder abgesprochen, dass im Falle
von Komplikationen dieser zuerst benachrichtigt werden soll und er die Elterninformation
übernimmt. Frau N. hat einige enge Freunde, deren Besuch sie auch wünscht. Über
die Observationsstation war zu erfahren, dass sie viel Besuch hatte und häufig
angerufen wurde. Sie wird als eigen, Fremden gegenüber verschlossen und eigenbrötlerisch
charakterisiert.
Im Hinblick auf die Operation war sie sehr zuversichtlich, begegnete im Umgang
damit eher mit schwarzem Humor. Ihre Ängste liegen im Weaning und sie hat Angst
vor einem Decubitus.
Sie hört gerne Musik, bevorzugt Radio "EinsLive" und liest gerne.
Pflegeprobleme/-ressourcen:
Die allgemeinen Pflegeprobleme von Frau N. ergeben sich aus dem langen Krankheitsverlauf,
in dessen Folge sie einen reduzierten Allgemein- und Ernährungszustand hat.
Pflegetechnisch geht sie, von einem ikterischen Hautzustand abgesehen, sowohl
physisch als auch psychisch gut vorbereitet in die Transplantation.
Postoperativ sind folgende Probleme zu benennen:
1.2.1 Infektionsrisiko:
Infolge der Transplantation werden Frau N. immunsupprimierende Medikamente
zur Prophylaxe einer Abstoßungsreaktion infundiert. Das daraus resultierende
Pflegeproblem, die Ansteckung und Verschleppung von körpereigenen und herangebrachten
Keimen durch Dritte, wird administrativ durch eine Schutzisolierung im Sinne
einer Umkehrisolation zu minimieren versucht.
Zusätzlich ist Frau N. in den letzten Wochen antibiotisch therapiert worden,
was ebenfalls eine verstärkte Infektanfälligkeit zur Folge haben kann. Im Rahmen
der speziellen Gesichtspflege versucht man, eine Schädigung der Augen, der Nase
sowie die Manifestation einer Infektion im Nasenrachenraum (NRR) zu verhindern.
Eine intakte Mundschleimhaut (MSH) ist als Pflegeziel ebenfalls zu nennen.
Weitere Infektionsmöglichkeiten sollen durch medikamentöse (PTA-Schema
zur selektiven Darmdekontamination, Details s.u.) und therapeutische (gezieltes
Absaugen des NRR und des Endotrachealsekrets (ET)) Intervention ausgeschlossen
werden.
Frau N. verfügt über einen teilweise kompletten Lidschluss. Ihre Schleimhäute
( NasenSchleimHaut (NSH) / MSH) weisen keine Defekte auf.
1.2.2 Blutungsneigung:
Aufgrund der bestehenden Thrombocytopenie ist Frau N. blutungsgefährdet. Diese
Gefahr ist für uns im Rahmen der Pflege sehr wichtig, denn es erfordert eine
vorsichtige Durchführung der Pflege und ein korrektes Arbeiten im Sinne der
Prophylaxe (Decubiti am Nasenflügel, Lippendefekte, etc.).
1.2.3 Beatmung / Zugänge / Drainagen
Beatmungsgerät: EVITA 2
Beatmungsmuster: CPPV, 1:2, PEEP 5, FiO2 0,4
Monitoring: AF / HF / art. RR / ZVD / Temp / SaO2
Zugänge: MLK / art. Kanüle / Rapid Infusion Katheter / PVK 2x
Sonden: MS 16CH Silikon
Drainagen:
- Thoraxdrainage rechts, Sog 20 cm H2O
- Redondrainage 3x (2x Addomen, 1x Axilla rechts)
- T - Drain
- Robinsondrainage re/li
- TUBK , 14 CH. Silkikon mit integrierter Temperaturmessung
Lagerungshilfen: Kissen, Decke
Liegesysteme: Air System 2500
Bewusstsein:
- analgosedierte Patientin
- Hustenreflex (-)
- Cornealreflex (+)
- öffnet intermittierend die Augen (ohne Fixation)
- Ramsey-Score 5

2. Einleitung
In diesem Praxisbericht geht es um die Gesichtspflege einer jungen, lebertransplantierten
Patientin. Es soll dabei besonders Wert auf die drohende Problematik im Hinblick
auf die Blutungsneigung, die Immunsuppresion und eventuelle Folgen / Vordefekte
aus dem langen vorherigen Krankenhausaufenthalt gelegt werden. Der Begriff "speziell"
im Titel des Praxisberichtes soll weniger auf die Lebertransplantation bezogen
werden. Vielmehr soll der Augenmerk auf die zum Teil vom Standard abweichende
Durchführung der Pflege gelenkt werden. Man muss dazu jedoch anmerken, dass
die "manuelle Vorsicht" nicht mit Worten im Text auszudrücken ist.
Die gute Beschreibung des "Ist-Zustandes" aus der Vorschicht lässt eine gut
geplante Pflege zu. Optimierung wird im strukturellen Ablauf einer Gesichtspflege
nur durch diese Vorinformationen möglich.
Die Gesichtspflege wird beim Intensivtherapiepatienten im 6-Stundenrythmus
durchgeführt. Ausnahmen ergeben sich aus der Patienten- bzw. Zimmersituation.
Der Intervall wird dabei von Wirkungszeiträumen (Salben u.ä.) und organisatorischen
Komponenten gestaltet. Es macht also durchaus Sinn, bei der Pflege die Ausführungszeiten
der Vorschicht mitzubeachten. Die Rahmenbedingungen geben in unserer Klinik
die Zeiten 10.00 - 16.00 - 22.00 - 04.00 Uhr vor (siehe PTA-Schema).
Allerdings sind diese unter Berücksichtigung der bereits genannten Aspekte
als "flexibel" zu betrachten.
Zur Gesichtspflege gehören die
- Augenpflege
- Nasenpflege
- Mundpflege
- Ohrenpflege
Die Durchführung dieser Pflegen beruht auf den Komplikationen, den Gefahren
und der Prophylaxe.
Augenpflege dient der Infektionsverhinderung, Reinigung und Übernahme
der ausgefallenen eigenen Funktionen. Das Austrocknen des Auges und Ulcerationen
der Hornhaut sollen vermieden werden. Der Patient soll nach der Intensivtherapie
keinen Sekundärschaden im Sinne von Sehstörungen oder Visusverschlechterungen
beklagen können.
Die Nasenpflege soll die eingeschränkte oder ausgefallene natürliche
Reinigungsfunktion ersetzen. Gleichzeitig sollen Druckschäden und Infektionen
verhindert werden. Veränderungen an der Nasenschleimhaut machen nicht nur Komplikationen
(z.B. fortgeleitete Infektionen), sie können dem Patienten nach der Extubation
durch Irritation die eigene Atmung erschweren. Das Missbefinden bei Schnupfen
ist uns ja allen hinlänglich bekannt.
Mundpflege im Sinne einer effektiven Zahn- und Mundhygiene soll nicht
nur ein Austrocknen der Schleimhäute verhindern. Mundgeruch verursachende Beläge
sollen von Zähnen, Zahnfleisch und Schleimhäuten entfernt werden. Veränderungen
sollen frühzeitig erkannt werden und damit Ulcerationen, kolonisierenden Infektionen
und Läsionen vorbeugen.
Ergänzt werden diese Pflegemaßnahmen durch das gezielte Absaugen von Sekret
oberhalb des Tubus und endotracheal. Damit sollen freie Atemwege geschaffen
werden und Infektionen durch Sekretstau und -wanderung verhindert werden (Pneumonieprophylaxe).
Ohrenpflege dient der Reinigung des äußeren Gehörganges. Sekret, Blut
und Inkrustationen sollen entfernt werden, um Infektionen zu verhindern. Eventuell
austretendes Sekret soll erkennbar werden und abfließen können. Aufsteigende
Infektionen sollen verhindert werden (z.B. Meningitis bei Schädel-Basis-Frakturen).
Der Patient soll in die Lage versetzt werden, seine Umwelt wahrzunehmen (Reinigung
von Cerumen).
Die Durchführung der Pflege unterliegt einem Standard, der sowohl in Reihenfolge
als auch in verwendetem Material (in Abhängigkeit vom Situs) klare Vorgaben
macht. Dadurch werden hygienische und ökonomische Aspekte beachtet. Der Ablauf
nach diesem Schema ermöglicht manuelles Training und damit Sicherheit und Schnelligkeit.
Überraschungen (Tubusfixierung/Tubusbändchen) für den Nachfolgenden werden verhindert.
Inspektion wird durch geordnetes Arbeiten besser möglich. Die abschließende
Dokumentation wird genauer und von allen Pflegenden unter gleichen Gesichtspunkten
durchgeführt.
2.1 Augenpflege
Beim Gesunden kommt es durch den intermittierenden Lidschluss zu einer mechanischen
Reinigung der Hornhaut und des Bindehautsacks. Dabei spielt die Tränenflüssigkeit
eine wichtige Rolle. Sie wird in den Tränendrüsen produziert, wirkt bakteriostatisch,
dient der Ernährung der Hornhaut und entquellt sie ( Scheibenwischereffekt).
Der Lidschluss schützt darüber hinaus über den so genannten Blinzelreflex vor
dem Eindringen von Fremdkörpern.
Die Augenpflege beim analgosedierten oder komatösen Patienten verfolgt demnach
mehrere Ziele:
- die Reinigung von Inkrustationen und alten, wirkungslos gewordenen Salbenresten
- das Austrocknen der Hornhaut und des Bindehautsacks soll verhindert werden
- Verhinderung von Infektionen
- der Einschränkung und dem Verlust von Sehkraft soll vorgebeugt werden
Als Pflegemittel werden in unserer Klinik folgende Mittel verwendet:
- Liquifilm® AT: Tränenersatzflüssigkeit
Inhaltsstoffe:
- Chlorobutanol (Konservierungsmittel)
- Polyvinylalkohol ( Tränenersatzflüssigkeit)
Wirkdauer: 1 Stunde
- Coliquifilm® AS: Augensalbe als Tränenersatz
Inhaltsstoffe:
- Chlorobutanol (Konservierungsmittel)
- flüssiges Parafin (gegen Austrocknung)
- Vaseline (Gleitmittel)
Wirkdauer: 4 Stunden
- Bepanthen®-Salbe: Augensalbe mit therapeutischer Breite
Inhaltsstoffe:
- Dexpanthenol (Regeneration des Epithels, feuchtigkeitsbindende Eigenschaft)
Wirkdauer: 6 Stunden
Ausgenommen sind in dieser Auflistung therapeutische Salben oder Tropfen, die
nach ärztlicher Anordnung (Augen-Konsil) oder Vormedikation appliziert werden.
Bei der Anwendung der Augentropfen/-salben muss die Sterilität gewahrt bleibt,
d.h. mit der Tube o.ä. darf das Auge auf keinen Fall berührt werden.
Bei der Beurteilung der Augen ist auf folgende Merkmale zu achten und zu dokumentieren:
- kompletter / inkompletter Lidschluss
- Pupillenreaktion
- Rötung / Ikterus / Einblutung / Hornhautdefekt
- Lidödem / Chemosis /
- Verklebung
- Monokel / Brillenhämatom
Zur Anwendung von Uhrglasverbänden ist anzumerken, dass sie in unserer Klinik
nur nach konsiliarischer Anordnung der Augenklinik Anwendung finden. Es muss
jedoch auf die erhöhte Infektionsgefahr hingewiesen werden, da sich durch dichten
Abschluss eine feuchte Kammer bildet.
In der Versorgung von polytraumatisierten Patienten wird häufig beim Vorliegen
eines Monokel- oder Brillenhämatoms ein sogennantes Eyepad angewendet. Es handelt
sich hierbei um ovale Kompressen. Diese werden mit physiologischer, steriler
Kochsalzlösung getränkt und auf das Auge aufgelegt. Sie fördern den Rückgang
der Schwellung, dadurch bedingt lassen sich die Augen besser öffnen und beurteilen.
Gleichzeitig haben sie einen befeuchtenden Effekt. Es müssen allerdings in der
Anwendung auch einige Aspekte kritisch bedacht werden:
- sollte es zum Austrocknen der Kompresse kommen, kann, wenn sie dann abgenommen
wird, das Auge (Bindehaut / Hornhaut) durch die angetrocknete Oberfläche des
Eyepad zusätzlich geschädigt werden (Muster der Kompressenstruktur verklebt)
- die Feuchtigkeit der Kompresse führt zum Aufquellen der Haut und damit
zur Oberflächenvergrößerung. Gleichzeitig werden die Poren geöffnet und die
Haut trocknet mehr aus
2.2 Nasenpflege
Die Nase hat die Aufgabe, die Inspirationsluft anzufeuchten, anzuwärmen und
über ihr Flimmerepithel die Luft zu reinigen. Beim Intensivpatienten ist diese
Funktion durch Intubation entweder gänzlich eingeschränkt oder durch die Gabe
von Sauerstoff, der unangefeuchtet die Schleimhäute austrocknet, vermindert.
Durch die Magensonde oder einen nasal eingeführten Tubus droht zusätzlich
die Gefahr von Druckulcerationen und der Schädigung an der äußeren Nase.
Der Tubus kann darüber hinaus zu einem Sekretverhalt in den Nasennebenhöhlen
führen. Verstärkt werden kann dies noch durch eine reizungsbedingte Schwellung
der NSH.
Die Nasenpflege hat deshalb folgende Ziele:
- Reinigung und Verhinderung von Borkenbildung
- Vorbeugung von Decubiti
- Verhinderung von Hautschäden an der äußeren Nase
- Abschwellend und infektionsprophylaktisch an den NNH
Wir verwenden in unserer Klinik als Standardpflegeartikel physiologische Kochsalzlösung,
Bepanthen®-Lösung/-Salbe sowie Coldastop®-Nasenöl.
Zum Abschwellen der NSH benutzen wir Nasivin®-Nasentropfen.
- Bepanthen®- Lösung dient der Pflege der NSH
- Coldastop®- Nasenöl enthält Vitamin A und E (schleimhautaufbauend),
Citronenöl (desinfizierend) und Terpinöl (borkenlösend)
- Bepanthen®- Augen- und Nasenalbe wirkt epithelialisierend
und feuchtigkeitsbindend.
- Bepanthen®- Lösung dient der Pflege der NSH
- Nasivinetten® (Wirkstoff Oxymetazolin-HCL 0,15 mg) dienen
der Schleimhautabschwellung und gleichzeitig der Therapie von Rhinitis und
Nasennebenhöhlenentzündungen.
Der Einsatz sollte jedoch auch nur unter strenger Indikationsstellung erfolgen,
da die Anwendung neben Herz-Kreislaufwirksamkeit (Herzklopfen / Tachycardie
/ Blutdrucksteigerung) und ZNS-Wirkung wie Müdigkeit oder Schlaflosigkeit
vor allem in der Langzeitanwendung Gefahren birgt. Kommt es bei kurzfristiger
Anwendung bereits zu reaktiven Hyperämien, Schleimhautbrennen und Schleimhauttrockenheit,
so kann es bei längerwährender nasaler Applikation zu Schädigung des Schleimhautepithels
komen. Diese kann ggfs. noch mit einer irreversiblen Rhinits sicca (chronische
Rhinitis mit Ekzem- und Borkenbildung am Naseneingang und an der Innenseite
der Nasenflügel) einhergehen.
Wichtig ist auch hier bei der Verwendung der Pflegeartikel, dass kein Kontakt
mit dem Patienten erfolgt (Keimverschleppung / Verkeimung).
Die Dokumentation der Nasenpflege erfolgt unter den Beurteilungskriterien:
- Feuchtigkeit der NSH
- Rötung und Defekte der NSH
- Defekte an den Nasenlöchern und am Nasenrücken
- Aussehen und Konsistenz des NRR-Sekretes
2.3 Ohrenpflege
Bei der Ohrenpflege handelt es sich um die Reinigung der Ohrmuschel und des
äußeren Gehörganges. Sie wird insbesondere bei der Verschmutzung mit Blut und
Sekret durchgeführt. Die Ohrmuschel wird im Rahmen der GKW mitgereinigt.
Die Reinigung des äußeren Gehörganges erfolgt mit sterilen Watteträgern und
NaCl 0,9%. Alternativ kann das klinikeigene Reinigungsöl verwendet werden. Bei
der Ohrenpflege ist vor allem zu beachten, das nur der äußere Gehörgang vorsichtig
gereinigt wird. Zu tiefes Eindringen in den Gehörgang kann zu einer Verletzung
des Trommelfells führen.
Die Dokumentation erfolgt unter den Gesichtspunkten
- Decubiti
- Rötung
- Verletzung der Ohrmuschel
- Sekret- und/oder Blutaustritt
- Blutinkrustationen des äußeren Gehörgangs
Weitergehende Maßnahmen und die Anwendung spezieller Tropfen erfolgen nur
nach ärztlicher Rücksprache oder der Anordnung durch einen Konsiliarius.
2.4 Mundpflege
Die Mundpflege dient zur infektionsprophylaktischen Reinigung der Mundhöhle,
der MSH und der Zunge. Das im Pharynx angesammelte Sekret kann nicht nur Entzündungen
wie Stomatitis oder Parotitis verursachen. Auch Pilzinfektionen wie Soor können
im Rahmen von Mikroaspirationen zu Pneumonien oder zu Entzündungen im Magen-Darm-Trakt
(MDT) führen.
Die Inspektion der Mundhöhle ist besonders beim intubierten Patienten wichtig:
Ist es zu Druckulcerationen durch den Tubus gekommen? Gibt es Defekte der MSH
(Aphten)? Eine trockene MSH birgt die Gefahr von Erosionen, die sich besonders
gut am Zustand der Zunge manifestieren lassen.
Der Zustand der Lippen ist bei diesen Patienten optimal nur im Rahmen der
Mundpflege einzuschätzen, da häufig nur dann z.B. Rhagaden oder Herpes simplex
Infektionen neben dem Feuchtigkeitszustand beurteilt werden können.
Nicht vergessen werden sollte trockenes Sekret, das als Borken oder Schleimfäden,
vor allem bei geschwächten Patienten nach Extubation, die Kommunikation deutlich
einschränkt.
Daraus lassen sich für die Mundpflege folgende Ziele ableiten:
- eine saubere, feuchte und intakte Mundhöhle und MSH
- eine belagfreie, feuchte Zunge
- Verhinderung von Mikroaspiration und Infektionen im MDT
- intakte Lippen
2.4.1 PTA-Schema
In unserer Klinik bildet die 6-stündliche Gabe von PTA-Orabase und -Suspensionen
ein festes Standbein in der Infektionsprophylaxe. Es dient als Verfahren zur
Vermeidung nosokomialer (=sekundär endogen erworbener) Infektionen. Die Infektionsrate
des in Immunität und Abwehrmechanismus beeinträchtigten Intensivpatienten soll
reduziert werden. Es wirkt über die selektive Elimination der klinisch bedeutsamsten
Erreger im Oropharynx und Gastrointestinaltrakt. Gleichzeitig vermindert es
die oropharyngeale Kolonisation mit potenziell pathogenen Keimen, führt zu geringerer
Kolonisation der Trachea und senkt so die Pneumonierate.
Da die effektive Suppression erst nach 4 Tagen einsetzt, sollte eine systemische
Unterstützung erfolgen.
Die Orabase ist nach jeder Mundpflege zu applizieren. Dabei ist eine erbsengroße
Menge (=0,25gr) gleichmäßig und dünn unter dem Gaumen und in den Wangentaschen
zu verreiben. Sie sollte bis zur nächsten Gabe in der Mundhöhle verbleiben,
um eine kontinuierliche Wirkung zu gewährleisten. Bei einer zusätzlich notwendigen
Mundpflege (Tubuslagekorrektur, TEE, zahnärztliches Konsil) ist die Paste erneut
aufzutragen.
PTA:
- P = Polymyxin: wirkt gegen gramnegative Keime wie AGNS (aerobe gramnegative
Stäbchen, z.B. Enterobacter, Pseudomonas, Klebsiellen) und Pseudomonas
- T = Tobramycin: wirkt gegen gramnegative Keime wie bereits Polymyxin, darüberhinaus
gegen staph. aureus
- A = Amphotericin: wirkt antimykotisch gegen Candida
Im Rahmen der Mundpflege wird dies durch das gezielte Absaugen des Sekrets
oberhalb des Cuff und das kontrollierte Absaugen nach Entblocken des Cuff endotracheal
ergänzt.
2.4.2 Mundpflegemittel
Im Folgenden soll ein Überblick über die zur Verfügung stehenden Pflegeartikel
für die Mundpflege gegeben werden:
| Pflegemittel |
Inhaltsstoffe |
Wirkung |
| Gurgellösung |
- p-Kresol
- Campher
- Eucalyptusöl
- Perubalsam
|
- desinfizierend
- hyperämisierend
- kühlend, schleimhautanästhesierend
- antibakteriell, antiseptisch, granulationsfördernd
|
Kamillosan®
Kamillen(blüten)tee |
|
- entzündungshemmend, antiphlogistisch
|
| Bepanthen®-Lösung |
|
- Regeneration des Epithels, feuchtigkeitsbindend
|
| Glycerin |
|
- unverdünnt oder konzentrierte Lösung: feuchtigkeitsabsorbierend, führt
zu Dehydration
- Konzentration < 40%: Anfeuchtung der MSH
|
| Solcoseryl-dental Adhäsivpaste |
- Eiweißfreies Dialysekonzentrat aus Kalbsblut
|
- bei Entzündungen der MSH
- bei Druckstellen leicht anästhesierend
|
| Anisbutter |
|
- fettet, bleibt auf der Oberfläche
- löst Borken über mangelnden Flüssigkeitsaustausch
|
| Glandosane®-Spray |
|
- neutral/aromatisiert
- Anfeuchtung der MSH
- Cave: Wirkung verbraucht sich
|
| Hexoral®-Lösung |
|
- desinfizierend
- reduziert vorübergehend die Keimzahl
|
| Betaisodona® Mundantiseptikum
|
|
|
| Pagavit®-Stäbchen |
- Glycerin
- Zitronensäure
- Limonenextrakte
|
- erfrischend
- angenehmer Geschmack
- Anw.: postoperativ
|
| Vaseline |
|
- rückfettend
- dichtet Poren ab
- schützt vor Wärme und Feuchtigkeitsverlust
|
Diese Liste soll nur einen Überblick über die gängigen Pflegeartikel verschaffen.
Sie ist unvollständig im Hinblick auf Inhaltsstoffe, Anwendungsgebiete und Gefahren!
Zum Abschluss der Mundpflege wird der Patient endotracheal abgesaugt. Wir verwenden
dafür Aeroflow®-Katheter, ein gerader Katheter, der durch eine Wulst
am unteren Ende gekennzeichnet ist. Das Besondere ist, dass er neben der zentrierten
Öffnung hinter der Wulst noch 3 kleine Löcher besitzt, in deren Kombination
ein Luftpolster aufgebaut wird.
Dadurch wird ein Ansaugen an der Schleimhaut und damit die Gefahr von Läsionen
deutlich reduziert.
Das Endotrachealsekret wird neben seiner Konsistenz (zäh bis flüssig) und
seiner Menge (wenig bis viel) ebenfalls beurteilt nach seinem Aussehen:
- klar ? normal
- weißlich ? Pneumonie
- grünlich / gelblich ? Pseudomonas
- blutig (frisch/alt) ? Blutung/Läsion
- hellrot/schaumig ? Lungenödem
- frischblutig ? Lungenembolie
- Sondenkost-farben ? Aspiration
3. Durchführung
Benötigtes Material:
- Augenpflege:
- sterile Tupfer
- NaCl 0,9%
- Bepanthen® AS
- Nasenpflege:
- Bepanthen®-Lösung
- Coldastop®-Nasenöl
- Bepanthen®- Nasensalbe
- Waschbenzin
- Aeroflow®-Absaugkatheter CH 10
- große unsterile Kompressen
- große/kleine Watteträger
- Leukoplast® 2,5cm
- Mundpflege:
- Mundpflegeset
- Plasikbecher
- Holzspatel
- Spritze 20ml
- große/kleine Watteträger
- Aeroflow® CH 12
- Gurgellösung
- Aqua steril
- Bepanthen®-Lösung
- Vaseline
- Mullbinde ('Lolly')
- Tubusband
- Fixierband
- Kompressen
- Blockerspritze
- Cuffdruckmesser
- Stethoskop
- steriler Handschuh
- Aeroflow® CH 16
- PTA-Orabase
Die Materialien werden auf einem Tisch vorbereitet. Darüber hinaus wird eine
Haarbürste und Heilo F bereitgestellt und ein Abwurf in der Nähe positioniert.
Zur Durchführung wird eine Einmalschürze übergezogen und Einmalhandschuhe zum
Wechsel bereitgelegt.
Zu Beginn der Pflege wird Frau N. über die geplante Maßnahme informiert. Während
der Durchführung werden die einzelnen Maßnahmen angekündigt, nach Möglichkeit
auch non-verbal unterstützt (Augenbraue berühren für Maßnahmen am rechten/linken
Auge, etc.)
3.1 Augenpflege
Man beginnt mit der Augenpflege. Da die Augen nicht entzündet sind, werden
sie von außen nach innen mit Nacl 0,9% gespült. Man öffnet die Augen, indem
man die Lider mit Zeigefinger und Daumen spreizt. Sind die alten Salbenreste
und Inkrustationen herausgespült, werden mit sterilen Tupfern die Augenlider
gereinigt. Die Skleren werden dabei nicht berührt. Nun erfolgt die Inspektion
und Beurteilung.
Die Augen sind beidseits ikterisch und chemotisch. Sie sind dezent gerötet.
Links ist der Lidschluss inkomplett.
Aufgrund der Beurteilung wird Bepanthen® Augen- und Nasensalbe
verwendet. Auf einen Abstrich wird verzichtet. Es wird ein Salbenstrang von
ca. 1cm in jeden Bindehautsack an der Augeninnenseite durch Herunterziehen des
Unterlides eingebracht. Dabei muss darauf geachtet werden, dass auf keinen Fall
ein Kontakt zwischen Salbentube und Auge hergestellt wird.
Bei entzündeten Augen muss der Kontakt der Spülflüssigkeit zwischen beiden
Augen verhindert werden. Man kann in diesem Fall auch evtl. für jedes Auge eine
eigene Salbentube zu benutzen (Beschriftung!).
Nun folgt ein Wechsel der Handschuhe (alte Salbenreste, Spülflüssigkeit)
3.2 Nasenpflege
Es folgt die Reinigung der Nase: Der Naseneingang wird mit einem in NaCl 0,9%-getränkten
Watteträger (alternativ Aqua ad injectabilia) gereinigt. Die Nasenschleimhaut
wird mit Bepanthen®-Lösung gereinigt und gleichzeitig gepflegt.
Für die linke Seite wird dabei wegen der dort eingeführten Magensonde ein kleiner
Watteträger benutzt. Diese Maßnahme erfolgt sehr vorsichtig wegen der erhöhten
Blutungsgefahr. Es folgt die Inspektion der Nasenlöcher (NL), der NSH und der
äußeren Nase.
Das rechte Nasenloch und die Nasenschleimhaut sind in Ordnung. An der
linken Seite ist die Nasenschleimhaut gerötet, am Nasenausgang findet sich bei
5.00 Uhr ein kleiner, trockener Hautdefekt.
Es wird nun die Fixierung der Magensonde überprüft. Sie ist durchfeuchtet und
wird entfernt. Der Nasenrücken ist unauffällig, daher kann er vorsichtig mit Waschbenzin
von Pflasterresten gereinigt werden. Danach erfolgt die Neufixierung mit einem
vorbereitetem Pflasterstreifen.
Die Nasenschleimhaut der linken Seite wird mit Bepanthen®-Nasensalbe
mittels eines kleinen Watteträgers eingerieben. Der Defekt bleibt trocken und
offen. In das rechte Nasenloch wird zur Vorbereitung des nasalen Absaugens (Blutungsneigung
- besseres Gleiten des Katheters durch die Nase in den NRR) Coldastop®-Nasenöl
eingeträufelt.
3.3 Mundpflege
Nach einem erneuten Handschuhwechsel folgt nun die Mundpflege.
Der Tubus wird mit der Blockerspritze hochgeblockt, um Mikroaspirationen während
der Mundpflege zu verhindern. Die Tubusfixierung wird gelöst und der 'Lolly'
entfernt. Die Tubuslage wird kontrolliert (21cm Zahnreihe). Der Rachen wird
mit einem Aero-flow®-Katheter CH 12 (Blutungsneigung) vorsichtig
abgesaugt.
Die Mundhöhle wird nun mit der vorbereiteten Mischung aus Gurgellösung und
Aqua (Dosierung: 5 Tropfen / Wasserglas) mit einem Pflaumentupfer an einer Pean-Klemme
ausgewischt. Die Pean-Klemme muss vollständig umschlossen sein, um Verletzungen
vorzubeugen. Um eine Sicht auf die Schleimhäute zu haben und die Mundöffnung
anpassen zu können, wird ein Holzspatel benutzt. Zur Entschärfung der rauen
Oberfläche wird der Spatel vor Beginn der Maßnahme an einem Ende mit Vaseline
eingerieben.
Dann erfolgt die Inspektion der Mundhöhle und der Zunge. Es wird wegen der
Thrombocytopenie und der in der Übergabe beschriebenen Kontaktblutungen auf
ein Bürsten der Zähne verzichtet. Die Zunge wird mit einem Pflaumentupfer gereinigt.
Die vorhandenen Beläge sind gut abwischbar, deshalb wird auf Anisbutter verzichtet.
Die Mundhöhle wird nun vorsichtig mit einer vorbereiteten, verdünnten Bepanthen®-Lösung
gespült Die Lösung soll regenerierend auf die vorbestehenden Defekte wirken.
Die Flüssigkeit wird mit dem Aeroflow®-Katheter sofort wieder
abgesaugt, wobei ein Kontakt zwischen Katheter und umliegendem Gewebe unter
Zuhilfenahme des Mundspatels verhindert wird (Kontakt des Katheters zur Wangenschleimhaut
könnte durch Ansaugen zu einer Läsion führen). Der Oropharynx wird vorsichtig
abgesaugt (Blutungsneigung/Vagusreiz). Es wird nun eine kleine Blutung aus einem
ca. 1cm langen Defekt am Übergang Zahnfleisch/Mundschleimhaut lokalisiert. Ansonsten
sind keine Blutungsdefekte erkennbar.
Die MSH ist o.B. Ein blutender Defekt am Übergang Zahnfleisch / Mundschleimhaut
im Bereich des rechten Oberkiefers wird mit Tabotamp® austamponiert.
Es gibt einen Defekt an der rechten Zungenvorderseite oben, die Zunge ist an der
Spitze gelblich eingelagert, jedoch insgesamt nicht geschwollen.
Die MSH wird nun nochmal mit einem Bepanthen®-getränktem Watteträger
ausgepinselt. Bei Defekten in der Mundhöhle besteht desweiteren die Möglichkeit
die Defekte mit einer Bepanthen®-Thesit-Lösung zu betupfen. Es
erfolgt das Einbringen eines erbsengroßen Stück PTA-Orabase in jede Wangentasche.
Der Blutungsdefekt wird mit Tabotamp® (vom Springer nachgeliefert)
austamponiert.
Nun erfolgt die Inspektion der Lippen.
Lippen o.B., Rhagaden bds. trocken, abheilend
Die Lippen werden mit Vaseline eingecremt.
Es erfolgt nun die Tubusfixierung: Der 'Lolly' wird in diesem Fall abgewickelt,
um einen gerade ausreichenden Beißschutz zu bieten, aber keine Druckstellen
zu verursachen. Er wird nun mit Tubusband am Tubus befestigt, das dann durch
das Fixierband gezogen wird. Die Kontaktstellen im Lippenbereich werden mit
eingeschlagenen Kompressen abgepolstert.
Handschuhwechsel.
Nun wird mit einem 10CH Aeroflow®-Katheter der NRR abgesaugt.
Die Wirkung des Katheters ist bereits beschrieben. Er soll Kontaktblutungen
aus akzidentiell gesetzten Verletzungen verhindern (danach Handschuhwechsel).
Im NRR ist gelblich zähes, altblutig tingiertes Sekret abzusaugen.
Es erfolgt nun die Präoxygenierung für den endotrachealen Absaugvorgang. Sie
dient der Schaffung von Sauerstoffreserven für den Zeitraum des Absaugvorgangs
(Dauer 180 sec.).
Während dieser Zeit konnektiere ich bereits die Blockerspritze am Piloten des
Cuff, um ihn während des Absaugens entblocken zu können. Damit soll das direkt
auf dem Cuff aufliegende Sekret gezielt absaugt werden.
Nach Diskonnektion des Tubus wird der Absaugkatheters unter sterilen Kautelen
eingeführt. Der Cuff wird entblockt, das herabfließende sowie das endotracheale
Sekret wird abgesaugt. Der Katheter wird unter drehenden Bewegungen zurückgezogen,
um die Tubusinnenfläche zu reinigen.
Der Cuff wird wieder geblockt und das Beatmungsgerät konnektiert (automatische
Nachoxygenierung für 120 sec, um Defizite auszugleichen).
Entsorgung der benutzten Materialien.
Nun erfolgt die Kontrolle des Cuffdruckes: er sollte bei 10 bis maximal
25 cm H2O liegen. Zielwert ist hier der, der eine optimale Abdichtung
ermöglicht. Zu hoch geblockte Tuben verursachen über einen längeren Zeitraum
Schleimhautschädigungen der Trachea bis hin zur Tracheomalazie.
Endotracheal ist wenig weißliches Sekret zu gewinnen. Der Cuffdruck (CD)
liegt bei 15 cmH2O. Der Tubus ist bei 21 cm ZR mittig fixiert (Entlastung
der Rhagaden).
Es erfolgt nun die Auskultation der Lunge auf seitengleiche Beatmung und atypische
Beatmungsgeräusche. Es werden noch die Haare gekämmt und das Gesicht eingecremt
(Heilo F ? ikterischer Hautzustand). Abschließend wird der Kopf gelagert
und die Patientin über die Beendigung der Maßnahme informiert.
Das benötigte Material wird ent- und versorgt, Fehlbestände zum späteren Auffüllen
notiert.
Im Pflegeplan werden die Beobachtungen (hier in Kursiv-Fett-Schrift dargestellt)
dokumentiert, die Planung wird auf den Ist-Zustand überprüft und geändert:
- Coliquifilm® AS ? Bepanthen® AS
- Aeroflow®-Katheter zum nasalen und oropharyngealen Absaugen
- Lolly abwickeln
Zur vollen Stunde erfolgt nun wieder die Dokumentation der Vitalparameter, die
sich unter der Pflege nicht verändert haben. Sollte es bei wacheren Patienten
zu Veränderungen kommen (RR/HF ? oder Bradykardie) oder Bolusgaben von Sedierung
notwendig gewesen sein, so sind diese natürlich

4. Auswertung der Maßnahme
Durch die gezielte Information in der Übergabe und die gute Dokumentation war
die durchgeführte Pflege gut planbar.
Patientensituation, Pflegeprobleme und Möglichkeiten wurden bereits in der
Übergabe besprochen. So war eine gute Materialvorbereitung möglich. Die Maßnahme
als Pflegestandard der ME der WWU war nur noch auf die Patientin und ihre Pflegeprobleme
zu übertragen.
Gefahren wie z.B. Blutung konnten durch das routinemäßige und damit vom Ausführenden
bereits mehrfach praktizierte Handling deutlich reduziert werden. Es konnte
in einen flüssigen Ablauf gearbeitet werden, was nicht zuletzt auch mit der
Isolation der Patientin zusammenhing (1:1 Betreuung → keine Unterbrechung
durch einen zweiten Patienten) sowie ihrer vitalen Stabilität.
Die Überlegungen zur Pflegedurchführung vor Beginn und die äußeren Umstände
(1:1-Betreuung) ließen die Idee für diesen Praxisbericht wachsen. Die Regelmäßigkeit
dieser Pflege lässt Hinterfragen der Maßnahmen und Reflexion des eigenen Handelns
häufig in den Hintergrund treten.
Die Vorbereitung und Planung schuf den Freiraum, Handling und Material zu reflektieren.
Routinierte Handgriffe liefen einerseits gut, doch besonders die Blutungsgefahr
zwang zur Vorsicht. Insgesamt betrachtet war die Maßnahme gut geplant und vorbereitet.
Der Ablauf war flüssig und ohne Unterbrechungen.
Eine abschließende Auswertung der Maßnahmen ist nicht möglich, jedoch sind
die formulierten Ziele für die jeweiligen Pflegen erreicht worden oder haben
zu wirken begonnen. Die Augen sind geschützt, die NSH durch Verlagerung der
MS entlastet und gepflegt.
Durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen (Vaseline am Spatel, Aeroflow®-Katheter
zur Mundpflege) konnten Komplikationen aus der Blutungsneigung deutlich herabgesetzt
werden. In Kombination mit hygienischem Arbeiten konnte auch die Infektionsgefahr
deutlich gemindert werden.
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