Die Freiwillige Registrierung Professionell Pflegender aus Sicht einer Bildungseinrichtung
Andreas Westerfellhaus
Das Gesundheits- und Sozialwesen befindet sich in einem gewaltigen Umstrukturierungsprozess,
der vor allem die Berufe des Gesundheitswesens in vielerlei Hinsicht in der
Zukunft verändern wird.
Neue Berufsfelder und -tätigkeiten entstehen aus unterschiedlichen Motivationen
von Trägerschaften und Institutionen. Diese stellen sich häufig in
Ihrer nationalen und internationalen Vergleichbarkeit als teilweise unausgewogene
Konzepte dar, die häufig nur an kurzfristigen personellen und ökonomischen
Problemstellungen ausgerichtet sind.
Unbestritten scheint jedoch die Tatsache, dass Veränderungen im Gesundheits-
und Sozialwesen und den damit verbundenen Aufgabenstellungen auch erhebliche
Veränderungen einzelner Berufsfelder nach sich ziehen werden. Dieses gilt
auch und vor allem für die Berufe der professionell Pflegenden durch die
Notwendigkeit Veränderungen im Rahmen der Ausgestaltung eines zukunftsfähigen
Pflegeverständnisses zu diskutieren.

Qualitätssicherung
Neben neuen schon diskutierten Aufgaben- und Tätigkeitsfeldern wird vor
allem die Qualitätssicherung in den unterschiedliche Disziplinen der ambulanten
und stationären Versorgung eine wesentliche Steigerung ihrer Bedeutung
erfahren. Da eine qualifizierte Grundausbildung allenfalls eine solide Ausgangsbasis
für die vielschichtigen Tätigkeitsbereiche der Pflegenden sicher stellen
kann, kommt der Anforderung eines "lebenslangen Lernens" zukünftig
eine besondere Bedeutung zu. Arbeitgeber werden Ihre Erwartungen an bestimmte
Qualifikationen und Leistungsstandards ihrer Mitarbeiter definieren.
Arbeitnehmer werden sich mehr und flexibler auf diese Anforderungen auch unter
den Aspekten eines sich wandelnden Arbeitsmarktes einstellen müssen. Beide
Partner sind allerdings gleichermaßen gefordert, initiativ und eigenverantwortlich
einerseits transparente Fort- und Weiterbildungskonzepte zu entwickeln und anzubieten
und andererseits zu konsumieren. Somit werden sich nachweisbare und an Qualitätskriterien
orientierte Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für die Arbeitgeber
zu Garanten einer Sicherstellung der internen Qualitätsentwicklung und
für die Arbeitnehmer zu einem nicht zu unterschätzenden Marketingaspekt
im Bereich er persönlichen Berufsentwicklung entwickeln.
Freiwillige Registrierung
Ein äußeres Merkmal kann hier, wie bereits in anderen Berufen ein
unter bestimmten Standards beschriebenes Registrierungssystem für professionell
Pflegende bieten. Hierfür wird es nötig sein, eine Erstregistrierung
als professionell Pflegende/r unter Nachweis der bis erworbenen beruflichen
Qualifikationen und Lieferung bestimmter persönlicher Daten an eine zentrale
Registrierungsstelle vorzunehmen. Registrierungen von Angehörigen bestimmter
Berufsgruppen werden in der Regel als Aufgabe der Selbstverwaltung wahrgenommen.
Da vom Gesetzgeber den Pflegeberufen diese Selbstverwaltungsaufgaben bisher
nicht übertragen wurden, bleibt diesen Berufen zunächst nur der Weg
über ein freiwilliges Registrierungssystem. In festgelegten Zeiträumen
müssen eine fest definierte Anzahl von Qualifizierungsmaßnahmen,
sei es durch den Besuch von Seminaren und Kongressen, Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen
und Studiengängen oder Publikationen und Vorträge u.v.a.m. nachgewiesen
werden.
An diese Maßnahmen sind allerdings ebenfalls hohe möglichst einheitliche
und transparente Qualitätskriterien zu stellen, die über bestimmte
Zertifizierungsmodelle sichergestellt werden müssen. So werden für
Nutzer und Anbieter dieser Dienstleistungen verbindliche Kriterien geschaffen,
die Ergebnisorientierte Ziele sicherstellen und somit auch den Einsatz wirtschaftlicher
und persönlicher Ressourcen rechtfertigen.
Jedes einzelne Angebot von Bildungseinrichtungen ist mit einer der Anforderung
angemessenen Punktezahl schon in der Veröffentlichung mit dem Hinweis einer
Zertifizierung auszuweisen, die dem Kunden klare Orientierungsmöglichkeiten
liefert. Alle über diese Wege erworbenen Qualifikationen, Abschlüsse
und umgesetzte Maßnahmen werden in festgelegten Zeiträumen von mehreren
Jahren einer Registrierungsstelle zur Überprüfung vorgelegt und führen
zu einer Fortführung der Registrierung für die nächsten Jahre.
Die Vorteile liegen meines Erachtens für alle Beteiligten auf der Hand.
Der Arbeitnehmer verfügt für seine persönliche berufliche Entwicklung
über ein transparentes Nachweissystem seiner erworbenen Qualifikationen
und erhält bei der Auswahl von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen
eine klare Orientierung hinsichtlich der Qualitätsstandards von Bildungsangeboten.
Die Grundlagen für einen kontinuierlichen Qualitätsorientierten Lernprozess
und Möglichkeiten für eine transparente Darstellung zum Beispiel in
Bewerbungsverfahren sind ebenso geschaffen, wie die Voraussetzungen für
ein leistungsorientiertes Vergütungssystem. Arbeitgeber erhalten für
die Personalentwicklung ihrer Institutionen neben Hinweisen auf die individuelle
Leistungsspektren ihrer (potentiellen) Mitarbeiter auch deutliche Hinweise auf
die Motivation von Mitarbeitern, sich den Anforderungen einer konsequenten Wissensentwicklung
und persönlichen Weiterentwicklung auch im Sinne von Veränderungen
in der Unternehmensentwicklung zustellen. Den Anbietern von Bildungsangeboten
stehen die Grundlagen zur Schaffung von einheitlichen Anforderungsprofilen und
Inhalten orientiert an festgelegten Qualitätsstandards für unterschiedliche
Bildungssegmente zur Verfügung und schaffen auf der einen Seite Anreize
zur ständigen Qualitätsüberprüfung sowie wirtschaftliche
Absicherung ihrer Angebotspalette.
Angesichts schwindender finanzieller Ressourcen ist die Qualitätssicherung
in der Patientenbetreuung und -pflege wichtiger denn je; ihre Bedeutung wird
vor dem Hintergrund des demographischen Wandels sogar noch steigen. Unter diesen
Bedingungen gilt es unter anderem mit neuen Instrumenten wie zum Beispiel der
"Freiwilligen Registrierung beruflich Pflegender" eine Entwicklung
einzuleiten, die den Ansprüchen an die Sicherstellung qualifizierter Pflegeleistungen
durch Gesellschaft, Patienten und Angehörigen sowie der Berufsgruppe von
professionell Pflegenden gerecht wird.
Andreas Westerfellhaus
Geschäftsführer und Schulleiter der
ZAB- Zentrale Akademie für Berufe im Gesundheitswesen gGmbH,
Hermann-Simon-Str. 7, 33334 Gütersloh
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