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'Moderne Arbeitsteilung im Krankenhaus' am Herzzentrum Bad Rothenfelde

Pflege operiert ausgezeichnet!

Tilmann Müller-Wolff - Redaktion zwai

Pflege operiert ausgezeichnet!

Der Niedersächsische Verein zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen e.V. hat den diesjährigen „Preis der Qualitätsinitiative“ der Schüchtermann-Klinik in Bad Rothenfelde verliehen – dafür, dass sich dort Pflegende als Hilfschirurgen im OP betätigen.
Die bei der Niedersächsischen Ärztekammer angesiedelte Institution vergab den mit 5000 Euro dotierten Preis für das Projekt "Moderne Arbeitsteilung im Krankenhaus" und zusätzlich für die Einführung von pflegerischen „Patientencoaches“.

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Zukunftsorientiertes Versorgungsmodell

In der Urteilsbegründung der Jury heißt es:
„Mit dieser Auszeichnung würdigt die Stifterin ein zukunftsorientiertes, zweiteiliges Versorgungsmodell, das beispielgebend
a) die überkommene Arbeitsteilung zwischen Ärzten und Pflegeberufen überwindet,
b) die Ärzte zu Gunsten einer intensiveren Patientenzuwendung von Verwaltungsarbeiten entlastet und
c) eine durchgehende persönliche Versorgung der Patienten sicherstellt, ohne dass diese während des Krankenaufenthaltes [vermutlich ist der „Krankenhausaufenthalt“ gemeint; Anm. d. Red.] mit häufig wechselnden Namen und Gesichtern konfrontiert werden.

Das Gesamtprojekt ist in zwei Abschnitte gegliedert und beinhaltet zum einen die (nichtärztliche) Chirurgie-Assistenz im Operationssaal, zum anderen die Entwicklung eines Teamsystems zur kontinuierlichen Patientenversorgung auf der Station.“



Fehlanzeige Qualitätsbericht

Fehlanzeige Qualitätsbericht

Das Online-Angebot der herzchirurgischen Abteilung hingegen äußert sich nicht über operativ tätige Pflegende. Auch im ansonsten vergleichsweise gut strukturierten und sehr detailreichen Qualitätsbericht 2004 finden sich keine Hinweise auf diese Praxis.

Dort werden lediglich die „Patientencoaches“ als speziell weitergebildete Arzt-Assistenten beschrieben, die als primäre Ansprechpartner und Informationsmanager fungieren und die Patienten durch die Behandlungspfade im Klinikum lotsen. Gleichzeitig sollen sie die ärztlichen Kollegen von administrativen Tätigkeiten entlasten.
Laut desselben Qualitätsberichts arbeiten in der gesamten herzchirurgischen Abteilung – der OP-Bereich ist nicht im Einzelnen aufgeschlüsselt - 161 Pflegende, davon 21 mit Fachweiterbildung (13%).
Weitere Qualifikationsmaßnahmen oder Weiterbildungen dieser Berufsgruppe werden nicht genannt. Lediglich über die die Venenentnahme in minimal-invasiver Technik und den damit höheren Patientenkomfort in der Heilungsphase wird berichtet.

Die Schüchtermann-Klinik betreibt über 365 Betten mit rund 600 Mitarbeitern. Das Spektrum reicht von der Akutversorgung in den Bereichen Kardiologie und Kardiochirurgie bis hin zu Rehabilitationsmaßnahmen. Im Jahr 2005 führte das Team 2964 Herzoperationen unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durch.



Pflegeperspektiven?

Pflegeperspektiven?

Andreas Lissberg, der Beauftragte für Qualitätsmanagement des Klinikums, beschreibt gegenüber der „Ärzte Zeitung“ explizit die Venenpräparation und -entnahme durch „speziell weitergebildete Pfleger und Schwestern“ im Rahmen der Bypasschirurgie als Verbesserung des Patientenoutcomes. Lissberg wörtlich: „Die Patienten profitieren von der hohen Qualifikation der Assistenten“. Weiterhin habe die Evaluation des Projektes eine Verminderung postoperativer Komplikationen und Wundschmerzen ergeben.

Verwaltungsdirektor Michael Böckmann spricht bei der durch das Projekt ausgelösten Qualitätssteigerung vom Universalnutzen aller - bei gleichzeitig geringeren Aufwendungen.

Vorteile für das medizinische Fachpersonal sieht er darin, dass die Ärzte ihren originären Zuständigkeiten nachgehen könnten und den Pflegenden ein höheres Maß an Perspektiven und Verantwortung geboten würde.
Alle Beteiligten sind sich darin einig, dass das beschriebene Vorgehen zukunftsweisend für die Patientenversorgung ist und beispielhaft aufzeigt, dass die herkömmlichen Arbeitsteilungen im deutschen Gesundheitswesen nicht aufrechterhalten werden könnten.

In keiner der Veröffentlichungen zum schüchtermannschen Projekt „Moderne Arbeitsteilung im Krankenhaus“ finden sich Stellungnahmen aus pflegerischer Sichtweise. Auch über die Tarifstrukturen (z.B. Eingruppierung der Chirurgie-Assistenten) und die juristische Perspektive ist nichts bekannt.

So bleibt der zwai-Redaktion zu hoffen, dass das gestiftete Preisgeld direkt an die neuen Assistenzpflegenden ausgezahlt wurde.
In Form einer Jahreszusatzzahlung könnten sich dann die geschätzt fünf* Betroffenen über jeweils 1000,- Euro freuen.

Bis dahin wünschen wir eine allzeit saubere Schnittführung und ein positives Mitarbeiteroutcome.

* Bei folgender fiktiven Berechnung: 2964 OPs pro Jahr. = ca. 12 OPs pro Tag = bei angegebenen 5 OP-Sälen müssten in jedem Saal täglich 2,4 OPs durchgeführt werden = 5 Chirurgie-Assistenten


(23.11.2006)

Emailadresse Autor:




Links zum Artikel:
    Bessere Versorgung mit dem Patienten-Coach (Ärzte Zeitung, 21.11.2006)
    Meldung der Ärztekammer Niedersachsen (aekn.de, 11.11.2006)
    Niedersächsischer Verein zur Förderung der Qualität im Gesundheitswesen e.V.
    Schüchtermann-Klinik, Bad Rothenfelde






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Letzte Aktualisierung: 31.07.2010 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0209

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