3. Stuttgarter Intensivkongress: 20. – 22. Juni 2007
Redaktion zwai
(tmw) Beim vergangenen Intensivkongress in Stuttgart-Fellbach wurde
die gemeinsame Fortbildung von Ärzten und Pflegenden, analog der täglichen
Zusammenarbeit in der Intensivtherapie, organisatorisch und thematisch gut
umgesetzt.
So
gab es an den drei Veranstaltungstagen mindestens eine gemeinsame Sitzung
beider Berufsgruppen. Referenten und Auditorium kamen offensichtlich gut
mit diesem Ansatz zurecht.

Intensivtherapie
Im Bereich der Intensivtherapie konnten beide Berufsgruppen ihre Herangehensweisen
an spezifische Probleme darstellen. Themenschwerpunkte hierbei waren z.B.
Pflege und Therapie bei Sepsis, aktuelle Beatmungsfragen und ethikorientierte
Strategien. Auch praktische Aspekte, wie verschiedene Erfahrungen mit der
Implementierung von Weaning-Protokollen und anderen Therapiestandards wurden
ausgetauscht.
In den getrennten wissenschaftlichen Sitzungen vertieften die Ärzte die
Themenbereiche Delir, neurologisches Outcome, Infektion und Gerinnung und Organersatzverfahren.
Herausragende Vorträge waren hierbei eine Auseinandersetzung mit Indikation,
Methoden und richtigem Zeitpunkt der Tracheotomie vom Anästhesisten Wolfgang
Stahl aus Ulm und die Vorstellung von Therapiestandards bei SHT durch die Anästhesistin
Monica Bürle aus Ludwigsburg.
Intensivpflege
In den intensivpflegerischen Sitzungen wurden klassische Arbeitsgebiete wie
Sekretabsaugung, Adipositas und Monitoring beleuchtet und diskutiert.
Die Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten und korrekten Anwendung
von Atemgasklimatisierung durch Norbert Schwabbauer (Tübingen) war sehr
praxisnah. Auch der Vortrag zum EKG-Monitoring des kardiologischen Patienten
von Ralf Kleindienst (Villingen-Schwenningen) erhielt großes Lob aus
dem Auditorium. Arnold Kaltwasser - auf dem Symposium gleich mit zwei Vorträgen
und als Mitveranstalter präsent - zeigte, dass intensivpflegerisches Fachwissen
auch in der Freizeit einen hohen Nutzwert haben kann: Im Vortrag „Pflege
in dünner Luft“ stellte er die Anforderungen an Pflegekräfte
im Rahmen von Gebirgsexkursionen engagiert und praxisnah dar.

Berufspolitik
Dem Thema der aktuellen berufspolitischen Diskussionen zur Teamarbeit auf der
Intensivstation widmeten die Veranstalter großen Raum. Rolf
Dubb, als lokaler DGF-Vertreter und Mitveranstalter vor Ort, äußerte dass
es für die Fachkrankenpflege bereits „fünf vor zwölf“ sei,
ihre spezifischen Belange selbst in die Hand zu nehmen. Achim Storm, aus
Düsseldorf angereist, stellte dar, dass eine Diskussion um Aufgabendelegation
weniger zukunftsweisend sei, stattdessen solle man sich vermehrt mit gelebter
Teambildung beschäftigen. Die Berliner Erklärung der DGF zur Patientensicherheit
in der Intensivtherapie stellte Tilmann Müller-Wolff, DGF-Landesbeauftragter
für Hessen, vor. Hierzu zitierte er aktuelle Studien und Aussagen namhafter
gesundheitspolitischer Vertreter. Tenor des Vortrags: „Das Therapiemonopol
der Ärzte gerät ins Wanken“. In der Fachkrankenpflege sieht
Müller-Wolff die größte Ressource zur zukunftsweisenden Gestaltung
des deutschen Krankenhauswesens.
Friedrich K. Pühringer (Reutlingen) plädierte für
abteilungsinterne Regelungen zur positiven Teamzusammenarbeit im Sinne gemeinsamer
Verantwortungsübernahme.
Götz Geldner (Ludwigsburg) betonte in seinem herausragenden
Vortrag, dass Intensivmedizin nur erfolgreich sein könne, wenn gemeinsame
Handlungskonzepte auf verbindlicher Basis festgeschrieben und wiederholt regional
und überregional
diskutiert würden. Marcel Sailer aus Ulm stellte die Möglichkeiten
des "evidence based nursing" (EBN) in der Intensivpflege vor.
Insgesamt präsentierte sich der 3. Stuttgarter Intensivkongress in der
Fellbacher Schwabenlandhalle in einem angenehm überschaubaren Umfeld.
Es bestand ein hohes fachliches Niveau der Referenten und großes Interesse
der Besucher. Die angegliederte Industrieausstellung wurde gut angenommen.
Im nächsten Januar möchten die Veranstalter erneut zum fachlichen
Austausch, beim 4. SIK einladen.
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