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Irgendwas mit Knut

7. Berlin-Brandenburger Anästhesie-Pflegetag & 3. Berlin-Brandenburger DGF-Fortbildungstag OP-Pflege/OTA, 17.03.2007

Holger Beuse, Redaktion zwai

7. Berlin-Brandenburger Anästhesie-Pflegetag & 3. Berlin-Brandenburger DGF-Fortbildungstag OP-Pflege/OTA, 17.03.2007

Berlin steht Kopf. Die Hauptstadt, die sich gern das Flair einer mondänen Weltstadt gibt, lässt sich von einem kleinen Eisbären entzücken. Da der knuddelige Knut aber Mitte März dem Zoopublikum noch nicht vorgeführt wurde, hatten auch noch andere Veranstaltungen in Berlin eine faire Chance auf Besucheransturm.

So auch der Berlin-Brandenburger Anästhesie-Pflegetag am 17. März, der wie in den Vorjahren gemeinsam mit dem Berlin-Brandenburger Fortbildungstag OP-Pflege und OTA auf dem Campus des Virchow-Klinikum der Charité stattfand.


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Der relative Mangel an vergleichbaren Symposien im Osten der Republik, die Attraktivität Berlins als Reiseziel und natürlich nicht zuletzt die bekannt hohe Güte des Programms und der Organisation hatten fast 600 Kolleginnen und Kollegen zusammengeführt. Somit waren Lobby, Audimax und Saal 3 des Hörsaalgebäudes schon morgens gut gefüllt, als Klaus Notz und Hans-Dieter Schütt die Teilnehmer im Namen der veranstaltenden Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste begrüßten.

Die Reihe der Fachvorträge eröffnete Dr. Ingrid Rundshagen (Berlin) mit einem Case Report. Die Maligne Hypothermie ist der Yeti der Anästhesie, von allen gefürchtet, aber glücklicherweise von den Wenigsten je selbst gesehen. Jedoch ist ihre Existenz, im Gegensatz zu der des Schneemenschen, belegt und Dr. Rundshagen nutzte ihren lebhaften Fallbericht, um über die praktische Beherrschung inklusive des richtigen Einsatzes des Medikaments Dantrolene® zu referieren.

Mit dem zunehmenden Einzug der Betriebswirtschaftler in die Krankenhausadministrationen werden vermehrt tradierte Aufgabenverteilungen in Frage gestellt. So lässt sich auch fordern, übergreifende Aufgaben zwischen Operationsdienst und Anästhesiepflege zu identifizieren und von beiden Abteilungen erledigen zu lassen. Nicole Kopenhagen (Haltern) hat das in der Praxis untersucht und festgestellt, dass die Möglichkeiten engerer Zusammenarbeit von Ökonomen anders bewertet werden als von den Praktikern. Während beispielsweise auf Intensivstationen Generalisten gebraucht werden, die möglichst viele Facetten der Pflege beherrschen, so brauchen OP- und Anästhesiepflege Spezialisten, die ihr eng begrenztes aber komplexes Feld genauestens kennen und nicht ohne Weiteres nach Belieben ausgetauscht werden können.



Derweil dozierten im Nachbarsaal, dem „OP-Saal“, Ina Welk (Hamburg) über Fremdblut sparende Verfahren wie die maschinelle Autotransfusion und A. Hausen(Höhbeck) über die Zertifizierung von OP-Bereichen.

Die beiden Organisatorinnen Beate Brietzke und Elfie Hardtke zeichneten nicht nur für das abwechslungsreiche Vortragsprogramm verantwortlich. Auch war es ihnen wieder gelungen, eine Vielzahl von Industrieausstellern zu gewinnen. So ließen sich während der ersten Kaffeepause an deren Ständen neue Produkte begutachten und Fragen beantworten.

Hernach berichtete Dr. Achim Foer (Berlin) über Neuerungen im Transfusionsgesetz und Ronald Behrens (Berlin) vermittelte grundlegendes Wissen zum Thema Atemkalk. Vis a vis beschäftigten sich die Doktores Hoffmann und Kunzmann (beide Frankfurt/Oder) mit Metallentfernungen und Weichteilverletztungen.



Langsam, sehr langsam und auf Stock und Helferinnen gestützt, steuerte ein Höhepunkt auf die Bühne des Audimax zu: Schwester Anneliese (Friesland). Hatte es das betagte wandelnde Anästhesiemuseum bislang nur zu den heimatnahen hannöverschen Anästhesiepflegetagen geschafft, so hatte sie nun die beschwerliche Reise an die polnische Grenze unternommen, um das Berliner Publikum mit heiteren Narkose-Histörchen in Oldenburger Platt zu begeistern.

Ebenso delikat wie das gereichte Mittagessen in der Lobby war übrigens der Hintergrund deren „Neugestaltung“: Der flüchtige Betrachter begriff den groben Charme der unverputzten Wandflächen eventuell als architektonischen Dialog über die Gegensätzlichkeit beispielsweise von Berlin Mitte und Kreuzberg. Doch soviel Gedanken hatten sich die Erbauer gar nicht gemacht. Durch Pfusch bei einer Renovierung war der Putz schlichtweg von den Wänden gefallen. Offensichtlich hat nicht nur die Bahn mit ihrem neuen Berliner Hauptbahnhof solche Probleme.



Ob neue Berufsbilder im Gesundheitswesen mehr Bestand haben werden oder aber auch so schnell bröckeln wird die Zeit zeigen. Unterdessen referierten vor den OP-Pflegenden Prof. Dr. Polonius (Berlin) über den Physician Assistant und Prof. Dr. Schurr (Tübingen) über erste Erfahrungen mit der akademischen Qualifizierung (BSc) und diskutierten im Anschluss miteinander die Fragwürdigkeiten ihrer Unterfangen.

Nicht dabei war Prof. Dr. Jochen Strauß (Berlin). Er hätte über die Erfahrungen mit dem von ihm federführend propagierten und jüngst gescheiterten MAfA-Projekt des Helios-Konzerns berichten können. Doch er widmete sich im Audimax einem fachlichen Thema, den Ursachen und der Therapie der Postoperativen Verwirrtheit. Sein hervorragender und mit großem Interesse aufgenommener Vortrag steht auch zum Download ( 1 MB) bereit.

Danach erläuterte Prof. Dr. Peter Lehmkuhl (Berlin), Stammgast der Berlin-Brandenburger Anästhesie-Pflegetage, Ursachen und Therapie des Shiverings ( 0,6 MB)

Jürgen Häbe (Villingen-Schwenningen), Handlungsreisender und ausgewiesener Experte in Sachen Elektrokardiogramm, gab ein eindrucksvolle EKG-Lehrstunde und ging insbesondere auf EKG-Probleme in der postoperativen Phase im AWR ein.

Nebenan war inzwischen die Delegation ärztlicher Tätigkeit auf die Pflege das Thema. Während Klaus Notz (Reutlingen) aus Sicht der Pflege sprach, klopfte Rechtsanwalt Robert Rossbuch (Koblenz) die Situation juristisch ab.

Insgesamt war die Berliner Doppelveranstaltung wieder ein gelungenes Potpourri aus berufspolitischen Themen, fachlichen Inhalten und ansprechendem Ambiente. Auf die Neuauflage 2008 darf man gespannt sein. Knut wird dann schon richtige Zähne haben und als heranwachsendes Raubtier einiges von seinem Knuddel-Potenzial eingebüßt haben.

(23.04.2007)

Fotos: Hanno H. Endres
Abb. 1: photocase, die.linda

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Links zum Artikel:
    Foto-Galerie zur Veranstaltung
    Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste







Letzte Aktualisierung: 04.07.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0260

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