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Review

Hannöverscher Anästhesiepflegetag 2006

Holger Beuse, Redaktion zwai

Hannöverscher Anästhesiepflegetag 2006

Um heutzutage noch Kinosäle zu füllen, bedarf es schon ausgesprochener Blockbuster mit Starbesetzung. Oder aber des Hannöverschen Anästhesiepflegetages. Bereits im elften Jahr, konnte das Sequel am 4.11.2006 mehr als 400 Pflegende in den Utopia-Filmpalast nach Hannover-Langenhagen ziehen.

Das Ensemble, bestehend aus bewährten Referenten und einigen Neuentdeckungen, sorgte in beiden Sälen mit den Schwerpunktthemen Polytrauma und Berufpolitik für volle Ränge.

Nach der Begrüßung durch Organisator Hans-Dieter Schütt, Hannover, und dem 1. Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF), Klaus Notz, Reutlingen, ging es in Saal 1 gleich zur Sache:

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Polytraumaversorgung

Polytraumaversorgung

Marco Monnig, Greven, referierte lebhaft über die Erstversorgung am Unfallort. Neben der adäquaten medizinischen Versorgung ist, gerade im ländlichen Raum, die Logistik eine große Herausforderung. Der Einsatz des richtigen Rettungsmittels, also Rettungswagen oder Rettungshubschrauber, ist ebenso wichtig wie die Auswahl einer geeigneten Zielklinik. Eine frühzeitige, möglichst genaue Diagnose sowie Zusammenarbeit und Kommunikation aller Einsatzkräfte ist von immenser Bedeutung für die Versorgung des Patienten.

In der Klinik angekommen, hat ein effizientes Schockraum-Management vitalen Einfluss auf die Wirksamkeit der Behandlung des Schwerverletzten in der Frühphase. Die Aufgaben der Pflege in der „golden hour of shock“ skizzierte Ina Welk, Kiel.

Ihr folgte Dr. Jörn Engelking, Hannover, der den Ablauf und die Fallstricke der anästhesiologischen Versorgung im Schockraum darstellte. Stimme und Intonation erinnerten an den Kabarettisten Dieter Nuhr, was allerdings den Inhalt seines versierten und interessanten Vortrags nicht schmälerte.

Doch dem polytraumatisierten Patienten ist mit einer Narkose allein noch nicht geholfen und so erläuterte Dr. Frank Schröder, Hannover, Algorithmen der chirurgischen Versorgung.

Den Abschluss dieser Session machte Dr. Peter Plantiko, Buchholz, der Regionalanästhesieverfahren der oberen Extremität näher beleuchtete.



Ehrenamt Berufspolitik - Lobby nur als Hobby

Ehrenamt Berufspolitik - Lobby nur als Hobby

Derweil ging es im Nachbarsaal um berufspolitische Themen. Andreas Westerfellhaus, Gütersloh, Geschäftsführer der DGF und Vizepräsident des Deutschen Pflegerats (DPR), kritisierte heftig die Gesundheitspolitik. Entweder müssen die Einrichtungen des Gesundheitswesens ausreichend finanziert werden, oder aber die Politik müsse so ehrlich sein und zugeben, dass Kürzungen der Mittel beispielsweise für Krankenhäuser auch mit Leistungseinschränkungen für die Patienten einhergehen. Die derzeitige „Ausbildungstättenvernichtungsstrategie“ werde unweigerlich zu einem erneuten Pflegenotstand führen.

Auch wenn sich der DPR mittlerweile in bundespolitischen Gremien gutes Gehör verschaffen könne, fällt es immer noch schwer, sich gegen Lobbyisten anderer Akteure im Gesundheitswesen durchzusetzen. Der Grund ist simpel: Die Vertreter der Pflege können mangels finanzstarker Verbände nur ehrenamtlich arbeiten. Wären mehr als nur 10% der Pflegenden in einem Berufverband organisiert, könnte auch die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen einen schlagkräftigeren Apparat aufbauen, wie er etwa für die Ärzteschaft selbstverständlich ist.

Eine Entwicklung der letzten Jahre ist die Einführung neuer Berufsbilder. Dabei werden OTA und ATA (Operationstechnischer Assistent und Anästhesietechnischer Assistent) oft in einem Atemzug genannt. Matthias Brüggemann, Quakenbrück, verglich beide und stellte die unterschiedlichen Auswirkungen auf Pflege und die Qualität der Patientenversorgung heraus.





Legalize it!

Legalize it!

Klaus Notz ging in seinen anschließenden Ausführungen ebenfalls auf aktuelle Entwicklungen in der Anästhesiepflege ein. Er führte an, dass Pflegende auch durchaus kompetent heute noch als „ärztliche Tätigkeiten“ klassifizierte Leistungen erbringen können. Dies geschieht auch durchaus tagtäglich und vermehrt in vielen Kliniken. Selbst wenn dahinter zunächst ökonomische Überlegungen stehen, so kann die Pflege von diesen neuen Aufgabenprofilen profitieren. Allerdings müsse der rechtliche Rahmen den Tatsachen angepasst werden und eine Festschreibung dieser Kompetenzen erfolgen.

Sabine Pfeffer, Stuttgart, erläuterte abschließend die Freiwillige Registrierung von beruflich Pflegenden und deren Ziele. Ein häufiger Kritikpunkt sind die vermeintlich hohen Gebühren der Registrierung. Pfeffer verglich sie mit anderen europäischen Staaten. So sind KollegInnen in Großbritannien gar verpflichtet, sich alle drei Jahre für 201 Euro re-registrieren zu lassen. Dagegen sind die Kosten in Deutschland doch eher moderat.

Zum Abschluss des berufspolitischen Themenblocks kamen alle Referenten abermals aufs Podium. Unter der Moderation von zwai-Redakteur Tilmann Müller-Wolff, stellvertretender DGF-Landesbeauftragter Hessen, stellten sie sich den Fragen des Auditoriums.

Während der Mittagspause herrschte im Foyer des Utopia-Filmpalastes dichtes Gedränge und die Damen und Herren der sponsernden Industrie konnten sich über reges Interesse an ihren Ständen erfreuen. Mit frischen Kugelschreibern versorgt und gestärkt durch ein ernährungswissenschaftlich vorbildlich bestücktes Lunchpaket waren die Teilnehmer ideal auf die Nachmittagssitzungen vorbereitet.

Das Dogma der grundsätzlichen und strikten präoperativen Nüchternheit ist mittlerweile obsolet. Dr. Ulrich Katt, Hannover, fasste den aktuellen Stand der Dinge zusammen. Um Vorfeld vielfach belächelt, wusste Sabine Graf-Redecker, Kassel, mit ihrem Vortrag „Aromapflege in der Anästhesie“ jedoch auch Skeptiker zu überzeugen. Mit geringem Aufwand gelingt es in einem von ihr betreuten Projekt, Patienten während der Einleitung Wohlgefühl statt Gummigeruch zu bieten.

Im Nachbarsaal war unterdessen eine im wahrsten Sinne des Wortes „alte Bekannte“ wieder zu sehen. Es lag förmlich Chloroform-Geruch in der Luft, als Schwester Anneliese erneut der Mottenkiste der Narkose entstiegen war, um den jungen Leuten vom guten alten Früher zu erzählen. Besucher der letzten Veranstaltungen freuten sich schon auf ihre nicht ganz ernst gemeinten Dönekes. Wer sie zum ersten Mal sah, war sicherlich irritiert, dass sie ihre zittrigen Finger auch in die Wunden von heute legen kann.

Brandaktuell hingegen waren die Ausführungen Reinhard Kranabetters, Nürnberg, zum Einsatz von Beatmungsfiltern in der Anästhesie. Zwar sind hydrophobe HME-Filter an sich nicht ganz billig. Doch durch die richtige Verwendung und Einsparungen an Schlauchsystemen und verminderten personellen Aufwand lassen sich deutlich Kosten reduzieren ohne höhere Pneumonieraten in Kauf zu nehmen.

Regelmäßigen Kongressbesuchern ist Rechtsanwalt Robert Roßbruch, Koblenz, kein Unbekannter und so verwunderte es auch nicht, dass sogar der letzte Programmpunkt des Tages noch für einen mehr als vollen Saal sorgte. Der auf Pflegerecht spezialisierte Anwalt hielt zunächst einen kurzen Vortrag über die rechtlichen Voraussetzungen von Delegation. Dabei betrachtete er auch kritisch neue Ausbildungsgänge wie MAFA (Medizinische Assistenten für Anästhesiologie). Anschließend ging er auf Fragen der Teilnehmer ein, die er mit großer Detailkenntnis praxisnah und auch für Nicht-Juristen verständlich beantwortete.

Summa summarum war der 11. Hannöverscher Anästhesiepflegetag wieder eine lohnende Veranstaltung, von der man viele Impulse mitnehmen konnte. Und so wie man schon beim Abspann einer erfolgreichen Hollywood-Produktion davon ausgehen kann, dass der nächste Teil schon in Arbeit ist, so darf man sicher sein, dass die Hannoveraner Hans-Dieter Schütt und Sören Lösche bereits am Programm für das nächste Jahr arbeiten.

Fortsetzung folgt - am 2. November 2007

(14.11.2006)

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Links zum Artikel:
    Deutscher Pflegerat
    zwai-Dossier Anästhesie-Assistent
    zwai-Dossier Freiwillige Registrierung






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    Hannöverscher Anaesthesiepflegetag 2005
    Jubiläumskongress '30 Jahre Weiterbildung' - Universitätsklinikum Münster
    6. Berlin-Brandenburger Anästhesie-Pflegetag

Letzte Aktualisierung: 04.07.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW00205

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