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zwai Home : Weiterbildung : Reviews : Jubilaeumskongress 30 Jahre Weiterbildung Universitaetsklinikum Muenster
 


Jubiläumskongress '30 Jahre Weiterbildung' - 31.8. - 2.9.2006, Universitätsklinikum Münster

Drei Jahrzehnte, drei Tage, drei Schwerpunkte

Holger Beuse - Redaktion zwai

Drei Jahrzehnte, drei Tage, drei Schwerpunkte

Am 1. Oktober 1976 startete an den Universitätskliniken Münster der erste Intensiv- und Anästhesie-Weiterbildungskurs. Aus der Initiative von Prof. Peter Lawin ist eine der profiliertesten Weiterbildungsstätten in Deutschland hervorgegangen. Grund genug, zum 30. Jubiläum einen besonderen Kongress zu veranstalten.

Knapp 400 Teilnehmer hatten sich angesagt, um vom 31.08. bis zum 02.09. Vorträge zu den Themengebieten Intensiv, Anästhesie und Pflege in der Onkologie zu besuchen. Zwar waren wohl nicht alle Teilnehmer stets vor Ort und verteilten sich zudem in bis zu drei Parallelsitzungen, so dass die großen Hörsäle wirklich nicht überfüllt wirkten. Doch der Qualität des Programms tat das keinen Abbruch.

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Schrille Mode - biedere Medizintechnik

Schrille Mode - biedere Medizintechnik

Die gemeinsame Eröffnungssitzung am Donnerstag war zunächst von einer reich bebilderten Rückschau von den 70er Jahren (L. Ullrich: „Die Mode war schrill, Infusionsgeräte dagegen noch etwas bieder“) bis heute geprägt.

Doch die nostalgische Harmonie sollte nicht lange währen, denn in den dann folgenden Beiträgen und einer Podiumsdiskussion ging es um die Zukunft der Fachweiterbildung. Die zurzeit in allen Bundesländern praktizierten zweijährigen Kurse zum Fachexamen Intensivpflege und Anästhesie stehen vielerorts aus pädagogischen und vor allem ökonomischen Überlegungen auf dem Prüfstand.

So konnte es nicht verwundern, dass die Diskutanten zum Teil recht unterschiedliche Vorstellungen zu Ausdruck brachten.



Beteiligt waren - v.l.n.r. - Gerd Meyer (Münster) als Moderator, Klaus Notz, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege, Prof. Dr. Marcellus Bonato (FH Münster, beeindruckte durch rasantes Vor- und Zurückblättern unzähliger eng beschriebener PowerPoint-Folien), die Weiterbildungsleiter Angela Boonen (Hamburg) und Lothar Ullrich (Münster) sowie Pflegedirektor Michael Rentmeister (Münster, Fachexamen 1986).

Die knapp dreistündige Sitzung ging phasenweise sehr ins Detail. Die meisten Teilnehmer waren wohl froh, als sie Moderator Meyer, selbst Pionier der Fachkrankenpflege, in die Kaffeepause entließ.



Im Zeichen des Schmerzes

Im Zeichen des Schmerzes

Die zweite Hauptsitzung stand im Zeichen des Schmerzes. Dr. Ingrid Gralow (Münster) und Dr. Boris Zernikow (Datteln) stellten die Aufgaben einer Schmerzambulanz und die Schmerztherapie bei Kindern vor.

Prof. Dr. Jürgen Osterbrink (Witten/Herdecke, Fachexamen 1985 in Münster) hielt einen lebhaften Vortrag über die Pflege bei Schmerzpatienten und stellte das Projekt „Schmerzfreies Krankenhaus“ vor.
Er zeigte auf, dass qualifizierte Pflege nicht nur direkten Einfluss auf die Lebenserwartung und –qualität der Patienten hat, sondern sich auch unmittelbar auf die Kosten niederschlägt: Zunächst durch Personalkosten natürlich erhöhend, letztendlich aber kostensenkend, da die Verweildauer signifikant verkürzt werden kann.

Am Freitag dann galt es, sich für einen der drei Säle zu entscheiden oder aber zwischen den jeweils persönlich favorisierten Vorträgen zu pendeln.

In der ersten Anästhesie-Sitzung beschäftigte man sich zunächst speziell mit Kindern. Michael Klatthaar (Münster) gab praxisnahe Tipps zum „Kind im OP“. Zur Hämodynamik bei Kindern gab er beispielsweise den Merksatz „Kleiner Topf läuft schneller leer und läuft schneller über“ auf den Weg.
Gabriele Depenbusch (Bielefeld) zeigte die Problematiken zum Wärmemanagement bei dieser Patientengruppe auf und Dr. Alexander Reich (Münster) gab einen Überblick über kindgerechte kathetergestützte Anästhesieverfahren.

Im Intensivpflegesaal gab man sich derweil Ausführungen zu MRSA (Dr. Alexander Friedrich, Münster) und beatmungsassoziierten Pneumonien hin. Letztere beleuchteten Prof. Dr. Frank Hinder (Münster) aus ärztlicher, Stefan Wilpsbäumer (Münster) aus pflegerischer Sicht.

Die Kollegen der Pflege in der Onkologie starteten mit einer Sitzung zum Thema Brustkrebs. Unterdessen hatten die Damen und Herren aus der Industrie ihre Stände wieder mit ausreichend Infomaterial, Kugelschreibern und Keksen bestückt, so dass die Teilnehmer in der ersten Kaffeepause wieder mit Interesse neue Produkte begutachten konnten.

Anschließend überzeugte Prof. Dr. Dag Moskopp (Münster) in einem Vortrag über Schädel-Hirntraumen bei Kindern durch das Fallenlassen unbehelmter und behelmter roher Eier. Michael Schwerdt (Datteln) berichtete über die Pflege langzeitbeatmeter Kinder und Matthias Grünewald (Düsseldorf) gab ein Update zu den neuen Reanimationsrichtlinien.

Dr. Dietmar Enk (Kleve) erzählte, wie Atemwegssicherung sein sollte und Elke Roth (Münster) brachte Beeindruckendes zur Epidermolysis bulosa.


Elke Roth (Münster)

Insbesondere ihr Bildmaterial zu dieser schweren Hauterkrankung war auch für einiges gewohnte Anästhesie-Pflegende nicht unbedingt eine ideale Einstimmung zur Mittagspause. Ob es die onkologische Sitzung mit dem Schwerpunkt Ernährung bei Krebs war, sei dahingestellt.



Frisch gestärkt & gut gewürzt

Frisch gestärkt & gut gewürzt

Offenbar war aber gesunde Ernährung kein Hauptthema der Veranstaltung. So konnten sich die Teilnehmer ungehemmt dem Catering in der Mittagspause hingeben: An einem eigens herbeigeschafften Imbissmobil versorgten sich nicht wenige mit der „Kongress-Platte“: Currywurst mit Pommes.

Frisch gestärkt widmeten sich die Pflegenden in der Onkologie in ihrer letzten Sitzung schwerpunktmäßig um krebskranke Kinder.

Im Anästhesie-Saal dozierte Prof. Dr. Prien (Münster) äußerst souverän über Risikomanagement in der Anästhesie, bevor Marlies Capiteijns und Cathrien van Aar (Utrecht) über den Tellerrrand blicken ließen: Sie berichteten von der Ausbildung und Tätigkeit der Anästhesiepflege in den Niederlanden.


Sicher ist sicher: Risikomanagement in der Anästhesie mit Prof. Dr. Thomas Prien (Münster)

In seinem Abschlussvortrag fragte Dietmar Stolecki (Dortmund) angesichts aktueller Diskussionen, ob Qualitätssicherung ohne Fachpflegepersonal in der Anästhesie überhauptmöglich ist. Er hält die Mitarbeit speziell ausgebildeter Fachpflegekräfte weiterhin für unabdingbar.

Im Hörsaal der Intensivpflege bewegte man sich zu der Zeit auf einer Meta-Ebene. Prof. Dr. Hannich (Greifswald) sprach über den Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Handeln, Heiner Friesacher (Bremen) über Entscheidungsfindung in (pflege)ethischen Problemsituationen.

Nach einer weiteren Kaffeepause hatten Friesacher und Lothar Ullrich dann das Vergnügen einer Preisverleihung. In ihrer Eigenschaft als Herausgeber der Fachzeitschrift „intensiv“ ehrten die beiden die Preisträgerin Kerstin Weßling (Clemenshospital Münster), die mit ihrer Facharbeit „... nach bestem Wissen und Gewissen? Ethik in der Intensivpflege“ den 9. Thieme-intensiv-Pflegepreis gewonnen hat.

Der Krankenhausseelsorger Klaus Auernhammer (Völklingen) referierte danach über Humor, bevor ihn Wendelin Herbrand (Murnau) zelebrierte. Herbrand lief durch die Reihen des Publikums, ließ die Teilnehmer wahrhaft an kurzen Rollenspielen teilnehmen und würzte sein Thema „Selbstpflege der Pflegenden“ mit allerhand Heiterem, ohne es zur Klamotte verkommen zu lassen.


Geht steil: Wendelin Herbrand (Murnau)
zur Animation 'Wendelin Fleubrand' in's Bild klicken (424 kb)

Au contraire: Gerade die unkonventionelle Art seines Vortrags gab den Zuhörern entscheidende Denkansätze, bloßes Konsumieren von Gedanken anderer Leute war so nicht möglich.

Trotz des langen Tages konnte man die Veranstaltung also beschwingt verlassen. Und für nicht wenige Teilnehmer ging das Programm auch noch weiter: Am Abend gab es eine große Feier anlässlich des 30jährigen Jubiläums, bei der sich Heutzutagige und Veteranen der Münsteraner Fachpflege bis tief in die Nacht bei reichlicher Verköstigung kleiner und großer Geschichten aus drei Jahrzehnten erinnerten.

Entsprechend schwer gefallen sein dürfte es vielen, am Samstag rechtzeitig aufzustehen. Schließlich stand noch eine Reihe von Workshops an, um den Kongress mit praktischen Anwendungen abzuschließen. Doch darüber kann der Autor dieser Zeilen nicht berichten.


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Letzte Aktualisierung: 31.07.2010 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0179

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