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10. März 2007

2. Marburger Anästhesiepflegetag

Holger Beuse, Redaktion zwai

2. Marburger Anästhesiepflegetag

Es gibt nicht viel Negatives über das hessische Marburg zu sagen. Außer vielleicht, dass das idyllische Städtchen über eine erstaunlich schlechte Verkehrsanbindung verfügt. Insbesondere mit der Bahn erreicht man das Lahntal nur über Umwege. Und heraus kommt man noch weniger zügig…

Das ist mit ein Grund, warum unser Bericht vom 2. Marburger Anästhesiepflegetag am 10. März erst jetzt erscheint.


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Assistenz in der Anästhesie

Assistenz in der Anästhesie

Die Organisatoren, Anästhesie-Leiter Michael Jung und zwai-Redakteur Tilmann Müller-Wolff, hatten ein feines Programm zusammengestellt, das alle aktuellen Themen der Anästhesiepflege abdeckte.

So war die erste Sitzung der interprofessionellen Zusammenarbeit gewidmet. Prof. Dr. Hinnerk Wulf (Marburg) hob in seiner Eröffnung die Wichtigkeit von Teamarbeit im OP hervor. Sie sei unabdingbar für die perioperative Patientensicherheit und auch den Patientencomfort, der Anästhesiepflege komme hier ein ureigenstes Aufgabengebiet zu.

Fast schallendes Dauergelächter verursachte Michaela Krempl (Marburg) bei den frühmorgendlichen Besuchern mit ihrem Vortrag „So stelle ich mir ärztliche Assistenz in der Anästhesie vor…“. Zunächst zeigte sie eine optische Wunschvorstellung ihres "Assistenten" in Halbnacktoptik und brachte danach viele erheiternde Beispiele, wie Teamarbeit besser nicht zu planen sei. Bewusst spielte sie mit den Diskrepanzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Doch Arzt Udo Schwarz (Marburg) konterte Krempls optische Anforderung mit dem Bild einer latex-weiss gekleideten Blondie-Schwester, um dann ebenso darüber zu schwelgen, warum Teamarbeit durchaus auch für den Patienten förderlich sei. Ein sehr guter und spontaner Vortrag.



BENEFIT aus Marburg

BENEFIT aus Marburg

Das Marburger „BENEFIT“ Konzept stellte Dr. Leo Eberhart vor. Dabei geht es um die Steigerung des Patientencomforts durch Vermeidung von PONV, Shivering und Frieren in der gesamten perioperativen Phase. Zusätzlich empfahl er die Nutzung dünner Nadeln zur Reduktion des Punktionsschmerzes und nur zweistündige präoperative Nüchternheit (klare Flüssigkeiten) und relative Nüchternheit postoperativ, wenn die Patienten ausreichend wach sind.

Einen sehr fundierten Beitrag über die apparative BIS-Narkosetiefeüberwachung und deren Indikationen, Aussagekraft, Anwendung und Fehlerquellen lieferte Karsten Gehmlich (Marburg). Dr. Michael Preuss (Marburg) gab einen umfassenden Einblick in die gesammte Schmerztherapie, berichtete über aktuelle Medikamente und verglich aktuelle Strategien mit alten Hüten.

Die Pausen zwischen den Sitzungen ließen sich angenehm verbringen. Eine relativ große Industrieausstellung lud zum Schauen, Anfassen, Fragen und Kugelschreiber-Sammeln ein. Kostenlose Getränke, Gebäck und Snacks zwischen den Ständen ließen auch wesentliche Grindbedürfnisse befriedigen.



Alltägliche Aufgaben, Standards und Probleme

Alltägliche Aufgaben, Standards und Probleme

„Patienten erwarten im Krankenhaus Schmerzen und werden dabei regelmäßig von Ärzten und Pflegenden nicht enttäuscht." Mit diesem Zitat des britischen Anästhesisten Eastwood eröffnete Bianka Gerhard (Marburg) ihren Einblick in den so genannten Schmerzdienst. Der soll Patienten auch postoperativ vor den Wehen des Eingriffs bewahren. In vielen Kliniken ist die Anästhesiepflege wichtiger Bestandteil dieses Dienstes und damit auch Aushängeschild der Anästhesie nach Außen. Über die Aufgaben, Standards und Probleme des Alltags klärte Gerhard auf.

Ob die Bemühungen letztendlich erfolgreich waren, lässt sich beispielsweise durch differenzierte Patientenbefragungen messen. Bereits 25 Kliniken nehmen im Rahmen des QUIPS-Projektes solche Erhebungen vor, vergleichen sich untereinander und arbeiten somit an einer steten Optimierung der eigenen Prozess- und Ergebnis-Qualität. Antje Göttermann ist damit am Universitätsklinikum Jena beauftragt und stellte das Projekt und bisherige Ergebnisse vor.

Die Operationsabteilung ist wohl der kostenintensivste Kernleistungsbereich eines Krankenhauses. Wenn der reibungslose Ablauf durch mangelhafte Kommunikation, unklare Zuständigkeiten, unrealistische oder kurzfristig geänderte OP-Pläne und andere Störfaktoren behindert wird, sorgt das für Verärgerung bei allen Beteiligten und immense Kosten.
Abhilfe kann hier ein OP-Koordinator schaffen. Ina Welk (Hamburg) hat schon in mehreren Häusern eine solche Instanz implementiert und referierte über Vorteile und Stolperfallen.

Lothar Ullrich (Münster) beschäftigte sich mit „Fast-Track“. Doch was sich als Schlagwort zumeist auf chirurgische Verfahren bezieht, ist für ihn ein interprofessionelles Versorgungskonzept. Genauso wichtig wie schonende und minimalinvasive Operationstechniken sind entsprechendes Handeln von Pflege, Physiotherapie und Patient, um den Krankenhausaufenthalt so schnell wie möglich mit einem guten Ergebnis zu beenden.

Die abschließende Sitzung war der Berufspolitik vorbehalten. Rita Hollmann-Karsten (München) stellte die Vorteile und Dringlichkeit der Freiwilligen Registrierung beruflich Pflegender heraus.
Der Vize-Präsident des Deutschen Pflegerats (DPR), Andreas Westerfellhaus, berichte über aktuelle Entwicklungen in der Politik, die direkte Auswirkungen auf die Pflege haben. So ist beispielsweise die Diskussion um die elektronische Gesundheitskarte zwar allgegenwärtig. Kaum bekannt ist aber, dass Pflegende auf die gespeicherten Daten keinen Zugriff haben sollen, die Patienten also gleichsam in Unkenntnis ihrer Anamnese versorgen sollen. Der DPR arbeitet daran, diesen und andere Missstände auf politische Ebene zu beheben. Da dies nur mit breiter Unterstützung durch die Basis möglich ist, rief Westerfellhaus die Pflegenden zu mehr berufspolitischem Engagement auf. Ein erster Schritt ist dabei die Mitgliedschaft in einem Berufsverband.

Auffallend an der gesamten Veranstaltung war die lockere Atmosphäre, vermutlich hatten auch die ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen die für eine positive Grundstimmung gesorgt. Bedauerlicherweise war der 2. Marburger Anästhesiepflegetag mit etwa 80 Teilnehmern vergleichsweise schwach besucht. Dabei ist das hübsche Marburg doch gar nicht so schlecht zu erreichen…

Fotos: tmw / holbeu

(30.03.2007)


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Links zum Artikel:
    Marburger Anästhesiepflegetag
    Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V.






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    1. Marburger Anästhesiepflegetag 2005

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