Projekt Maschendrahtzaun - schadet zuviel Nähe der Teamentwicklung?
Tilmann Müller-Wolff - Redaktion zwai
Im Rahmen der Westdeutschen Anästhesietage wurden am 10. und 11. März
2006 im RuhrCongress-Zentrum Bochum die Interessen der Anästhesiepflege
diskutiert - aber werden diese auch ernst genommen? Diese Frage stellten sich
zumindest diejenigen Teilnehmer, die am frühen Samstagmorgen zur ersten
Sitzung des Pflegesymposiums angereist waren.
Wer noch dazu am Vortag die berufspolitische Sitzung mit dem Vortrag von Prof.
Schmitz (Wiesbaden) gehört hatte, in dem dieser zum Themenkomplex der
aktuellen Herausforderungen der Anästhesiologie den Begriff der „Entakademisierung
im OP-Saal“ gebrauchte, den wunderte die geringe Beteiligung von DGAI-Verantwortlichen
am berufspolitischen Teil des Pflegesymposiums schon ein wenig.

Fachkrankenpflege im OP
Nach der Eröffnung durch Prof. Harke (Krefeld) folgte ein Vortrag von
Lothar Ullrich (Münster) zum Thema "Fachkrankenpflege im OP", den Aus-,
Fort- und Weiterbildungskonzepten auf nationaler Ebene sowie deren Chancen
im nationalen und europäischen Kontext.
Ullrich stellte dabei die besondere Situation der Fachkrankenpflege vor dem
Hintergrund des aktuellen Fachärztemangels dar.
Hierzu folgerte er, dass
es nicht Aufgabe der Fachkrankenpflege sein könne, den akuten Mangel
mittels temporärer Übernahme von erweiterten Aufgaben am Patienten
zu überbrücken.
Das Aufgabengebiet der Fachkrankenpflege in der Anästhesie
sei bereits jetzt umfassend und ausgefüllt. Sollte eine weitere Übernahme
von ärztlichen Tätigkeiten nachhaltig implementiert werden, so müsse
sich dies auch in einer erweiterten Aus- und Weiterbildung der Pflegekräfte
widerspiegeln. Ebenso müsse der Gesetzgeber die juristischen Rahmenbedingungen
dafür schaffen.
Als Aufgabe für die Zukunft sah Ullrich die Harmonisierung der Pflegeaus-
und -weiterbildung sowohl bundesländerübergreifend wie auch auf europäischer
Ebene. Das sei zukunftsweisender als kleine lokale Fortbildungslösungen
wie „MAfA“ oder „ATA“ aus dem Boden zu stampfen.
Wehrmutstropfen
Die Fachgesellschaft hatte ihren Justiziar Dr. Biermann (Nürnberg) zum
Thema „Delegation von ärztlichen Tätigkeiten“ entsendet.
Dieser erläuterte die aktuelle Gesetzeslage, Haftungsfragen, die Rechtsprechung und die Positionen der DGAI dazu („Münsteraner Erklärung“).
Dr. Biermann verwies ebenso auf den Gestaltungsspielraum, den die Münsteraner
Erklärung den Verantwortlichen bereits biete. Für Modelle der Aus-
und Weiterbildung stehe die DGAI für einen Stärkung des Teamcharakters
zwischen den Berufsgruppen unter Beibehaltung klarer Kompetenz- und Zuständigkeitsgrenzen.
Biermann wörtlich: „Ein dichter Zaun kann auch zu einer guten Nachbarschaft
führen.“
Wehrmutstropfen der folgenden guten Diskussion des Themas war die Tatsache,
dass die meisten ärztlichen Standesvertreter und Mitveranstalter durch
Abwesenheit glänzten, obwohl dieser Teil zu einer Uhrzeit begann, zu der
sie weder durch einen Vorsitz noch durch Referate verhindert waren.
Das ambivalente Verhältnis zum selbst auf die Agenda gehobenen Thema
bleibt als fader Nachgeschmack der ansonsten interessanten Veranstaltung.
(13.03.2006)
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