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Abstract des Vortrags vom Reutlinger Fortbildungstag 2005

Betreuung von Angehörigen in der Intensivpflege

Martina Bauer, Lünen

Betreuung von Angehörigen in der Intensivpflege

In kaum einem anderen Arbeitsfeld der Gesundheitsversorgung ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die betroffenen Patienten und ihre Angehörigen (Freunde) von den Ereignissen unvorbereitet eingeholt werden. Die Vorbereitung auf dem Krankenhausaufenthalt oder besser der Intensivstation und die damit einhergehende Planung haben häufig nicht stattgefunden. Durch diese Ausgangskonstellation befinden sich die Beteiligten in einer schwierigen Startsituation.

Liegt ein Mensch stationär im KH bekommt er in der Regel Besuch von seinen Familienangehörigen. Besucher sind ein alltägliches Bild im KH, und so haben Pflegende nicht nur mit dem Pat. selbst, sondern oft auch mit den Angehörigen zu tun.

Schon allein die äußeren, strukturellen vorgegebenen Bedingungen einer Intensivstation zeigen, dass sich für die Angehörigen von Intensivpatienten eine besondere Situation ergibt.

Angehörige nehmen eine existentielle und bedeutsame Rolle ein. Sie stellen für den Betroffenen die Verbindung nach „Außen“ dar, und sind als Vertrauensperson von entscheidender Bedeutung.

Für den Patienten sind Angehörige keine Besucher, ihre Anwesenheit ist selbstverständlich. Sie vermitteln oft Ruhe und Sicherheit und das Gefühl nicht allein zu sein.

Nur in Kooperation mit den Angehörigen können Pflegende zu Gunsten des Patienten ein harmonisches Miteinander aufbauen um so Unsicherheit und Ängste zu reduzieren.

Wer kann den Patienten mehr Liebe und Geborgenheit zur Genesung bieten als die Familie?

Das Pflegepersonal kann keine vertrautes Familienmitglied ersetzen, aber den Patienten in dieser schwierigen Zeit unterstützen, beraten und begleiten.
Die Nachricht von einer lebensbedrohlichen Erkrankung eines Angehörigen kann eine Vielzahl von unterschiedlichen Reaktionen auslösen. Die Erscheinungsform erinnert laut Hannich und Ullrich (2000) an die in der Psychosomatik beschriebenen sog . „Katastrophenreaktion“ , die vom Schock mit emotionaler Erstarrung und Realitätsverleugnung auf der einen Seite, bis hin zu Angst- und Erregungs-, im schlimmsten Fall zu Verwirrtheitsstörungen reichen kann.

Diese Gefühlsreaktionen liegen in der emotionalen Erschütterung angesichts der drohenden Trennung von einem geliebten Menschen begründet, auf alles was im Leben Sicherheit und Kontinuität bedeutet, wie das alltägliche Zusammensein, gefühlsmäßige Bindungen, Zukunftspläne, plötzlich wird alles in Frage gestellt und bedroht.

Die Wahrnehmungsfähigkeit der Angehörigen ist aufgrund von Sorge und Ängsten eingeschränkt. Hannich beschreibt in dem Zusammenhang den sog. „Mikroskopeffekt“ als dessen Folge alles, was die Krankheit des Patienten betrifft ungeheuer vergrößert wird. Allein der Zustand des Patienten liegt im Fokus, alles was sich außerhalb der Linse befindet wird klein und unbedeutend.

Angehörige befinden sich jetzt in der Phase der vorweggenommenen Trauer und durchleben dabei Stadien, die denen für den Sterbeprozess beschrieben ähneln.
Die Bedürfnisse der Angehörigen kann man in drei übergeordnete Kategorien wie: Information, Nähe und Sicherheit unterteilen.

1. Das Bedürfnis nach Information ist von großer Wichtigkeit. Das zeigt sich bereits in der Aufnahme des Patienten. Ungeduld, ständiges Klingeln und das Vergessen des guten Benehmens sind nur Ausdruck des enormen emotionalen Drucks und der Hilflosigkeit ahnungsloser Angehöriger.

Dieses Bedürfnis nach Aufklärung bezieht sich auf mehrere Aspekte, nicht nur der aktuelle Zustand ist von Interesse, sondern auch angewandte Behandlung und Therapiefortschritte. Die Information ist eine große Hilfe für den Angehörigen zur Bewältigung der psychischen Stresssituation. Oft wiederkehrende Fragen, manchmal auch ein Fragenschwall überschüttet das Pflegepersonal nicht selten, die sich zum Teil emotional überfordert fühlen können.

2. Das Bedürfnis nach Nähe.

Nähe zum Patienten bietet den Angehörigen viel Trost. Dafür sollte die Aufnahme auf einer Intensivstation die Verbindung zu dem Patienten nicht unterbrechen. Bestehende Vorschriften z.B. strenge Besuchszeiten, Visiten und Verlassen des Patientenzimmers zu pflegerischen Tätigkeiten schränken die Kontakte zwischen Besuchern und Patient schnell ein. Schnell kann auch der Eindruck entstehen, man wollte etwas verbergen. Angehörige nehmen das „heraus Bitten“, meistens anstandslos hin, da sie befürchten, Einwände ihrerseits könnten sich in Form von Antipathie gegenüber den Patienten widerspiegeln.

3. Das Bedürfnis nach Sicherheit,
die Gewissheit zu haben, das Familienmitglied wird bestmöglich versorgt, äußert sich vor allem Dingen nach ehrlicher Beantwortung ihrer Fragen um Therapie- und Behandlungsverlauf. Auch das Gefühl, von Hoffnung zählt zu den Sicherheitsbedürfnis und kann den Angehörigen den Stress mindern und unter Umständen sogar eine Krise abwenden.

Oft werden Angehörige vom Pflegepersonal in zwei Gruppen unterteilt:
• Die netten Angehörigen, die als angenehm empfunden werden
• Die schwierigen Angehörigen, dieie als unangenehm
empfunden werden

Eine amerikanische Studie von Logan zeigt, dass Vorurteile, die durch das Verhalten oder durch das äußere Erscheinungsbild Angehöriger entsteht, die Interaktion zwischen allen Beteiligten enorm beeinflusst. Diese Barierin müssen zu Gunsten des zu Pflegenden abgebaut werden, um eine Vertrauenswürdige Beziehung zu den Familien aufzubauen, die zur Genesung des Patienten beitragen kann.

Angehörige stellen vielzählige Anforderungen an das Personal. Ein Großteil der Erwartungen ist oft unrealistisch und kann vom Personal nicht erfüllt werden. Andere sind aufgrund von Zeitmangel und unzureichender Schulung nicht zu leisten. Zunehmendes Misstrauen und Vorwürfe, bei nicht entsprechender Erwartung ist die Folge. Pflegende werden als Soziologen, als Psychologen und als Dolmetscher eingesetzt, was nicht selten zu einer Überforderung führt.

Wie werden Angehörige empfangen ?

Regeln der Intensivstation, das Angehörigengespräch, das Angehörigenzimmer, das Besucherbord, die Besucherbroschüre und das Kundenorientiertes Telefonieren werden im Referat erläutert.

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Letzte Aktualisierung: 14.05.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0188

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