Die Invasive Druckmessung
Martin Brinkmann
Die Invasive Druckmessung ist seit langem ein Standardverfahren bei der Überwachung des kritisch kranken Patienten in der Anästhesie und Intensivmedizin. Das Prinzip ist seit Jahrzehnten unverändert: über Patientenlinien, die mit Kochsalz gefüllt sind, wird das Patientensignal mechanisch an einen Sensor übertragen, der sich ausserhalb des Körpers befindet.
Hier wird das mechanische in ein elektrisches Signal gewandelt.
Dieses wird dann über ein Kabel passiv an einen Monitor weitergeleitet.
Wenn alle Komponenten dieser Meßkette optimal aufeinander abgestimmt
sind, entspricht das auf dem Monitor dargestellte Signal dem Patientensignal.

Abb. 1: Die Meßkette und ihre Komponenten. – P: Patient; PL: Patientenlinie; DW: Druckwandler; K: Kabel; M: Monitor.
Die Anwendung dieser Systeme ist für die meisten Anwender eine Selbstverständlichkeit.

Woran erkennt er aber, dass das System korrekte Signale liefert? Gibt es Grenzen
in der Übertragungsqualität? Wo liegen diese und wodurch werden
sie bestimmt?
Zur Beantwortung der Fragen müssen alle Komponenten innerhalb der gesamten
Meßkette untersucht werden.
Die Qualität der Signalübertragung wird vor allem durch die Patientenlinien „begrenzt“.
Je länger diese Druckmesslinien sind, umso wahrscheinlicher kommt es zu
Signalverzerrungen. Des weiteren werden die Übertragungseigenschaften
durch Luftblasen im System verändert. Grundsätzlich sollte beim Befüllen
der Systeme darauf geachtet werden, dass keine Luftblasen eingeschlossen sind!
Die genannten Parameter bestimmen die Leistungsfähigkeit der dynamischen
Systemeigenschaften. Zur korrekten Wiedergabe der statischen Signalkomponenten
muß dagegen der ordnungsgemäße Nullpunktabgleich vorgenommen
werden. Der Anwender hat folglich durch die Festlegung der Systemkonfiguration
und durch die Handhabung entscheidenden Einfluß auf die Qualität
der Signalübertragung.
Druckwandler - gleich ob einmal oder wieder verwendbar – sind im Vergleich
zu den Druckmesslinien die weniger kritischen Komponenten in der Meßkette.
Gleiches gilt für die Monitorkabel. Bei diesen ist vor allem auf die „trockene“ Konnektion
zu den Druckwandlern einerseits und die intakte Konnektion zu den Monitoren
andererseits zu achten. Sollte ein Kabel gebrochen sein, dann liegt der Defekt
häufig im Bereich des Monitorsteckers.
Der Monitor ist insbesondere darauf zu überprüfen, ob er korrekt
kalibriert ist. Monitore, die sich ausserhalb der Kalibration befinden, zeigen
zu große oder zu kleine Meßwerte an.
Schließlich stellt der Patient eine ganz wesentliche Komponente in der
Meßkette dar. Je nachdem an welcher Stelle im System (Ventrikel, Aorta,
Arterie, Vene, …Atrium) der Druck gemessen wird und in welchem (patho-)
physiologischen Zustand (Normo-, tachykard) er sich befindet, können die
Grenzen der Leistungsfähigkeit des jeweiligen Systems schnell überschritten
werden. So ist zum Beispiel der intraventrikuläre Druck mit den flüssigkeitsgefüllten
Schlauchsystemen nur mit Verzerrungen zu erfassen. Als Alternative werden hier
gelegentlich Tip-Katheter zur Verbesserung der Signalqualität eingesetzt.
Tip-Katheter liefern zwar bessere dynamische Signale, sind aber kein Standard
in der Invasiven Druckmessung. Es ist fraglich, ob sich das auf absehbare
Zeit ändern
wird. Dabei sind die hohen Stückpreise nur einer der limitierenden Faktoren.
So konzentrieren sich die Innovationen der Druckmess-Systeme heute vor allem
auf die Verbesserung der Handhabung. Hier gibt es erhebliche Unterschiede
zwischen den im Markt befindlichen Systemen. Beispielhaft wird ein System
vorgestellt,
welches eine Vorrichtung zur Überprüfung der Systemintegrität
standardmäßig eingebaut hat und hilft, über ein Kabelmanagement
den Monitoringbereich am Patientenbett übersichtlicher zu gestalten.
Trotz aller gegenwärtigen und noch zu erwartenden Innovationen sollte
sich der Anwender die Grundlagen der Invasiven Druckmessung regelmäßig
vor Augen führen. Dadurch kann er die Möglichkeiten und Grenzen dieses
Meßverfahrens besser einschätzen. Vor allem wird er dann die invasiv
gewonnenen Messwerte kritischer beurteilen und niemals als alleinige Entscheidungsgrundlage
für die Einleitung einer Therapie übernehmen.
Dr. Martin Brinkmann
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