TEE-gesteuerte Kardioversion
Anette Wisbar
Bei anhaltendem Vorhofflimmern stellen der linke Vorhof (LA) und das linke
Vorhofohr (LAA) die häufigste Quelle kardialer Embolien dar. Ohne konsequente
Antikoagulation finden sich hier bei entsprechenden Risikofaktoren, wie z.B.
bei Mitralstenose, Z.n. Mitralklappenersatz, Z.n. Embolie oder schwerer Herzinsuffizienz,
in bis zu 29% Thromben. Mittels transösophagealer Echokardiographie
(TEE) können Thromben im LA und LAA mit einer Sensitivität von
92% bei einer Spezifität von 98% identifiziert werden.
Wird bei einem Patienten mit anhaltendem Vorhofflimmern die Indikation zur
Kardioversion (elektrisch oder medikamentös) gestellt, so gibt es zwei
therapeutische Strategien: entweder die TEE-gesteuerte Kardioversion nach Kurzzeitantikoagulation
oder das konventionelle Verfahren, wobei die Kardioversion nach Langzeitantikoagulation
(mindestens drei Wochen mit INR optimal zwischen 2,5 und 3) vorgenommen wird.
Bei beiden Vorgehensweisen muss nach der Kardioversion eine vierwöchige
konsequente Antikoagulation erfolgen, da es nach der Rhythmisierung zu einem
thrombogenen Milieu durch eine vorübergehende, Tage bis Wochen dauernde
Dysfunktion des LA und LAA kommt. In dieser Zeit könnten sich sonst Thromben
ausbilden und Tage nach der Kardioversion mit zunehmend besserer Vorhofpump-funktion
zur Embolie führen.

Ein wichtiger Vorteil der TEE-gesteuerten Kardioversion bei anhaltendem Vorhofflimmern
ist der höhere Rhythmisierungserfolg, da das möglichst kurze Bestehen
des Vorhofflimmerns vor der Kardioversion wegen der schnelleren Erholung der
mechanischen linksatrialen Funktion der stärkste Prädiktor für
den Kardioversionserfolg darstellt. Zudem bedeutet die kürzer erforderliche
Dauer der Antikoagulation (vier Wochen versus sieben Wochen) eine nachgewiesene
Kostenersparnis gegenüber einer Kardioversion mit vorangehender Langzeitantikoagulation.
Allerdings sollte die TEE-gesteuerte Kardioversion von einem erfahrenen Untersucher
mit optimal eingestelltem Echokardiographiegerät durchgeführt werden.
Sollte das LAA aus technischen Gründen nicht ausreichend beurteilbar sein,
so müsste das konventionelle Verfahren mit vorangehender dreiwöchiger
Antikoagulation erfolgen.
In der ACUTE-Studie (1) wurden 1222 Patienten mit mindestens zwei Tage bestehendem
Vorhofflimmern untersucht und entweder TEE-gesteuert oder konventionell kardiovertiert.
Hinsichtlich der Embolierate ergaben sich keine signifikanten Unterschiede,
allerdings traten Blutungskomplikationen signifikant seltener in der TEE-gesteuerten
Gruppe auf (2,9% versus 5,5%). Die Zeit bis zur Kardioversion war in der TEE-gesteuerten
Gruppe signifikant kürzer, und auch der Rhythmisierungserfolg stellte
sich in der TEE-gesteuerten Gruppe innerhalb einer achtwöchigen Nachbeobachtungszeit
signifikant häufiger ein (71% versus 65%).
Insgesamt stellt die TEE-gesteuerte Kardioversion bei entsprechender personeller
und technischer Ausstattung eine sehr gute Alternative zum konventionellen
Verfahren dar, da sowohl ein höherer Kardioversionserfolg als auch eine
Kostenersparnis aufgrund geringerer hämorrhagischer Komplikationen aus
diesem Verfahren resultieren.
(1) Klein et al: Use of transesophageal echocardiography to guide cardioversion
in patients with atrial fibrillation.New Engl J Med 2001; 344: 1411-20.
Anette Wisbar, Medizinische Klinik, Klinikum am Steinenberg, D-72764 Reutlingen
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