Impressum - Kontakt
ruhrmed plus - Personaldienstleistungen im Gesundheitswesen
 
   
     Anästhesie-Assistent | Veranstaltungen | Linkliste  

zwai Home : Weiterbildung : Reviews : Reutlinger Fortbildungstag : Reutlinger Fortbildungstag 2005 - der zweite Tag
Webcode:
 


Anästhesie - Innere Medizin - Intensivpflege

Reutlinger Fortbildungstag 2005 - der zweite Tag

Holger Beuse, zwai.net

Reutlinger Fortbildungstag 2005 - der zweite Tag

Nach der Begrüßung durch Andreas Westerfellhaus, Geschäftsführer der DGF, stand die erste Sitzung am Freitag ganz im Zeichen der Schmerztherapie.

Angelika Pohl, München, ist Krankenschwester und im Bereich Medizin und Qualitätsmanagement der Sana-Kliniken tätig. Ihr Thema: „Perioperative Schmerztherapie - Neue Aufgaben und Herausforderungen für das Fachpflegepersonal?“
In den Sana-Kliniken ist die perioperative Schmerztherapie unter Umsetzung des nationalen Expertenstandards „Schmerz“ weitgehend standardisiert. Ausgangspunkt war auch hier – wie wohl fast überall – die Gefahr von Unter- und Fehlversorgung durch mangelndes Fachwissen und Problembewusstsein seitens der Mitarbeiter sowie unklare Zuständigkeiten. Durch die Einführung verbindlicher Checklisten wird nun zunächst eine Schmerzanamnese mittels VAS (visual analoge scale) erhoben. Danach bekommt der Patient nicht-opioide Analgetika. Helfen die auch nicht nach einer Dosis-Steigerung, dürfen speziell ermächtigte Pflegekräfte Opioide nach vorheriger Anordnung verabreichen.
Dies vereinheitlichte Verfahren erhöht nicht nur die Patientenzufriedenheit, auch der Intensivaufenthalt und die gesamte Verweildauer wird durch eine angemessene perioperative Schmerztherapie verkürzt.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht hat so ein „idotensicherer“ Standard noch einen weiteren Vorteil: Man kann qualifiziertes Personal gezielter einsetzen. Sprich: Die Anzahl examinierten Personals kann zugunsten „gemischtqualifizierter Teams“ reduziert werden.

Antje Göttermann, Jena, stellte QUIPS - Ein innovatives Modell zur Verbesserung der postoperativen Schmerztherapie vor. Die Abkürzung steht für „Qualitätsverbesserung in der postoperativen Schmerztherapie“. Durch Patientenbefragungen wird die Schmerzintensität bzw. die Zufriedenheit erfragt. Die verschiedenen beteiligten Kliniken spielen ihre Daten auf einen zentralen Server. Die Ergebnisse können zum Benchmarking genutzt werden und lassen Rückschlüsse auf die Effektivität der Schmerztherapie auf einzelnen Stationen zu.

In der sich anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die Teilnehmer die beiden vorangegangen Vorträge mit ihrem Ansatz im Qualitäts-Management nicht sonderlich goutiert haben. Sie fanden das Gesagte zu abstrakt und hätten sich lieber konkrete Handlungsanweisungen für die tägliche Praxis innerhalb ihres Tellerrands gewünscht.

Diesen Artikel
ausdrucken ... Über diesen Artikel
diskutieren ... Diesen Artikel
weiterempfehlen ...

zweiter Tag - zweite Sitzung - zwei Vorträge

zweiter Tag - zweite Sitzung - zwei Vorträge

In der zweiten Sitzung bot Dr. Anette Wisbar, Reutlingen, einen Doppelvortrag. Zunächst berichtete sie über neue Aspekte der Therapie des Vorhofflimmerns. Insbesondere für jüngere Patienten und solche, die auf eine medikamentöse Therapie nicht ansprechen, ist die Katheter-Ablation eine sinnvolle Therapie-Option.
Auch die TEE-gesteuerte Kardioversion gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das Verfahren ist zügig durchführbar. Durch die so verkürzte Dauer des Vorhofflimmerns steigen die Erfolgsaussichten. Zwar ist eine so eine Behandlung noch recht teuer, da aber auch nur wenig mit hämorrhagischen Komplikationen zu rechnen ist, verringern sich insgesamt die Kosten. Allerdings kann eine TEE-gesteuerte Kardioversion sinnvollerweise nur durch einen erfahrenen Untersucher mit einem modernen und optimal eingestellten Echogerät durchgeführt werden und der Patient darf keine Thromben im linken Vorhof oder Vorhofohr haben.

War der Vormittag bislang von Qualitäts-Management und medizinischen Fakten geprägt, war nun Martina Bauer, Lünen, mit einem originär pflegerischen Thema an der Reihe: Integration und Betreuung von Angehörigen in den Pflegeprozess von kritisch Kranken - Unterstützung oder Belastung?
Bauer eröffnete mit einem beeindruckenden Fallbeispiel aus ihrer eigenen Biografie. Angehörige von Intensivpatienten haben oft Ängste, die aus einem Informationsmangel resultieren. Sie sind skeptisch, ob medizinisch und pflegerisch alles getan wird. Doch anstatt diesem Informationsmangel zu begegnen, geben Intensivpflegende und –mediziner den Angehörigen oft das Gefühl zu stören und im Weg zu sein. Sie werden auch bei unspektakulären Pflegemaßnahmen vor die Tür geschickt. Mancherorts noch vorhandene strikte Besuchzeiten, Limitierung der Besucherzahl und der generelle (zumeist nicht hinreichend begründbare) Ausschluss von Kindern unter 14 Jahren tun ihr Übriges.


Dabei können Angehörige den Patienten enormen emotionalen Beistand leisten und auch dem Pflegepersonal bei bestimmten Verrichtungen durchaus entlastend zur Hand gehen.
Auf den Aspekt der Imagepflege machte ein Teilnehmer in der Diskussion aufmerksam: Wenn man Angehörige zu sämtlichen qualifizierten Pflegemaßnahmen aus dem Zimmer schickt, darf man sich nicht wundern, wenn in der Öffentlichkeit kaum etwas über die Arbeit von Intensivpflegenden bekannt ist.



Beatmung… und was dazu gehört

Beatmung… und was dazu gehört

Stille Aspiration aus dem subglottischen Raum, Fakten und Konsequenzen.

Leitung einer Intensivstation und Hygienefachkraft, das ist Bernd Gruber, Osnabrück, in Personalunion. Somit kann er hygienische Probleme nicht nur identifizieren, sondern deren Lösung auch unmittelbar umsetzen.
Der subglottische Raum, oder die Kummerecke, ist ein Quell für nosokomiale Infektionen. Beim Intensivpatienten ist er nicht nur mit seiner normalen Flora besiedelt, Darmkeime können über die Magensonde aufsteigen und auch fremde Keime können von außen (Hände!) eindringen. Das im subglottischen Raum stehende Sekret sickert diskret am Tubus-Cuff vorbei in die Lunge: stille Aspiration.

Einige vermeintliche „Pflegetricks“ können die Situation noch verschlimmern. Gelegentlich werden Silikon-Magensonden vor dem Einlegen im Kühlschrank aufbewahrt. Sie sind so leichter zu legen, da sie härter werden. Aber dadurch steigt auch die Verletzungsgefahr. Nimmt man dann noch das unverwüstliche Xylo-Gel als Gleitmittel, bewirkt das zwar keine lokale Anästhesie (dafür ist die Einwirkzeit meist zu gering), aber durch die hervorgerufene Weitstellung der Blutgefäße werden bei Verletzungen durch die harte Sonde Blutungen gleich eindrucksvoller.

Neben handwerklich sauberem Arbeiten bei der Mundpflege, Absaugen und Manipulationen am Beatmungssystem etc. gibt es weitere Möglichkeiten, das Risiko einer Pneumonie zu minimieren. Gruber ist ein Verfechter der Selektiven Darmdekontamination (SDD). Allerdings nicht blindlings. Das Schema der verabreichten Substanzen muss unter Einbeziehung des Krankenhaushygienikers der aktuellen Keimlage auf der Station angepasst werden. Eine sinnvolle systemische Gabe von Antibiotika tut ihr Übriges.

Gruber empfahl außerdem dringend, beim offenen Absaugen einen Mundschutz zu tragen, da beim Husten des Patienten eine Keimwolke von rund 1,5 m das das offene Tubusende umgibt.

Bei geschlossenen Absaugungen ist der Schutz des Personals vor Patientenkeimen quasi systemimmanent. Unbestrittener Experte und Verfechter der geschlossenen Absaugung ist Arnold Kaltwasser aus Reutlingen. Er folgte mit seinem Beitrag „Geschlossene Absaugung - Entwicklungen und Folgen für die tägliche Praxis“.
Die Vorteile dieser Systeme bei häufigem Absaugen, infektiösen Patienten, Bauchlage und insbesondere bei Anwendung des Open Lung Concepts dürften den Lesern unseres Forums hinlänglich bekannt sein.
Ein Nachteil in der Praxis ist die eingeschränkte Anwendungsdauer. Bislang übernehmen die Hersteller die Produkthaftung für ein einzelnes System meist nur für 24 Stunden. Also muss man die Systeme täglich wechseln oder bewegt sich außerhalb der Produkthaftung. Doch Kaltwasser konnte berichten, dass immer mehr Hersteller dazu übergehen, diesen Zeitraum auszuweiten. Markus Rohr, Produktmanager der Firma Dahlhausen, bestätigte, dass seine Firma zukünftig eine Anwendung über 48 Stunden zulässt. Maßgeblich ist immer die aktuelle Gebrauchsanweisung.



Endspurt

Endspurt

Noch ein letzter Kaffee, ein letzter Blick auf die Stände der Aussteller und dann in die finale Sitzung.

Bernd Assenheimer, Tübingen, gab einen Überblick über zeitgemäßes Wundmanagement. Erfolgreiche Wundtherapie ist abhängig vom Wundtherapeuten und ist eng verknüpft mit dessen Ausbildung und Qualifikation. Die Zeiten von Zinkpaste und Mercurochrom sind endgültig vorbei, auch wenn Assenheimer vermutet, dass in manchem Krankenhauskeller noch einige Fässer davon bevorratet werden müssen. Denn immer noch sieht man vereinzelt obsolete Farbstoffe auf Patientenhaut.
Mittlerweile ist die angebotene Produktpalette an modernen Wund-Materialien enorm riesig und Assenheimer gab einen guten Überblick über die wichtigsten Errungenschaften.


Den letzten Vortrag auf einer solchen Veranstaltung zu halten, ist meist eine undankbare Aufgabe. Viele Teilnehmer sind schon auf dem Nachhauseweg. Geht es dann auch noch um ein berufspolitisches Thema, könnte der Referent seine Zuhörerschaft auch gleich in einer Telefonzelle begrüßen.

Doch diesmal war es anders. Es ging um die „Freiwillige Registrierung von Pflegekräften - Wieso, weshalb, warum?“ und an die Ausführungen von DGF-Geschäftsführer Andreas Westerfellhaus schloss sich eine wirklich lebhafte Diskussion an. Westerfellhaus ist auch Vizepräsident des Deutschen Pflegerats und hier zeigte sich auch ein Vorteil der DGF: Sie ist zwar ein vergleichsweise kleiner Berufsverband. Aber dadurch hat man auch einen sehr kurzen Draht zu einem Vertreter des höchsten pflegerischen Gremiums in Deutschland.

Aber worum geht es? Seit langem fordern die Pflegeverbände eine Selbstverwaltung durch Pflegekammern. Dadurch würde die Pflege ihre Ausbildungsinhalte selbständig bestimmen und überwachen. Sie könnte ihre Interessen gegenüber Politik und Gesellschaft institutionalisiert vertreten. Und sie könnte die Qualität in der Pflege steuern und kontrollieren. In vielen Ländern, beispielsweise Großbritannien, Polen, den Niederlanden, Tschechien und Lettland dürfen Pflegende ihren Beruf nur ausüben, wenn sie sich registrieren lassen und ihre Qualifikation aufrechterhalten, indem sie regelmäßige Fortbildungen nachweisen.
Die Politik steht der Einrichtung von Pflegekammern bislang noch skeptisch bis ablehnend gegenüber, wie auch die Antworten der großen Parteien auf die Wahlprüfsteine des Deutschen Pflegerats zeigen.

Um nun den ersten Schritt zu machen, forciert der Deutsche Pflegerat die Freiwillige Registrierung. Alle beruflich Pflegenden können sich freiwillig bei der Registrierungsstelle in Potsdam unter Angabe ihrer bisher erreichten Qualifikationen registrieren lassen. Dafür gibt es eine Urkunde und einen Ausweis. Zwei Jahre später muss man sich dann re-registrieren lassen. Dazu muss man allerdings eine bestimmte Anzahl von Fortbildungspunkten nachweisen. Diese kann man u.a. durch den Besuch von Seminaren und Kongressen, hausinternen Fortbildungen, Weiterbildungskursen, Studiengängen u.v.m. erwerben. Dadurch wird sichergestellt, dass freiwillig registrierte Pflegende an aktuellen Entwicklungen ihres Berufes beteiligt sind. Der einzelne Pflegende kann somit nachweisen, dass er fachlich up to date ist, bei Bewerbungen ein großer Vorteil.
Auch Krankenhäuser können ein handfestes Interesse an der Registrierung ihres Pflegepersonals haben. Im aktuellen Zertifizierungs-Katalog der KTQ wird unter anderem als Qualitätsmerkmal abgefragt, wie viele Mitarbeiter sich beispielsweise an der Feiwilligen Registrierung beteiligen.
Und auch der Deutsche Pflegerat hat etwas davon. Erstmals werden valide Daten über Anzahl, Qualifikation und Einsatzgebiete beruflich Pflegender erhoben, mit denen sich berufspolitisch argumentieren lässt.

Zwar haben die Teilnehmer des Reutlinger Fortbildungstages die Freiwillige Registrierung insgesamt begrüßt, es gab jedoch Fragen und Kritik zu Details. Vor allem die Kosten waren vielen ein Dorn im Auge. Für die Erstregistrierung ist eine Gebühr von 15,-€ fällig. Für die Re-Registrierung nach zwei Jahren soll man sogar 60,-€ zahlen. Andreas Westerfellhaus beteuerte jedoch, dass diese Beträge so eben kostendeckend seien. Gerade die Re-Registrierung mit der Erfassung der Fortbildungs-Nachweise sei sehr aufwändig und deshalb so teuer.

Eine Teilnehmerin sagte, sie sei bereits Mitglied der DGF und - als ob sie damit jegliche berufspolitische Eigenverantwortung abgegeben hätte - forderte nun, dass sie über die DGF automatisch registriert werde. Abgesehen davon, dass die Kosten für die Registrierung sicher nicht in die Mitgliedsbeiträge einkalkuliert sind, merkte Westerfellhaus an, dass ein Berufsverband nicht einfach so seine Mitglieder irgendwo ungefragt registrieren lassen kann.

Zum Abschuss der Veranstaltung verabschiedete Klaus Notz die Teilnehmer und machte zugleich auf den Reutlinger Fortbildungstag 2006 (14.-15.09) neugierig. Das wird die 20. Veranstaltung und Notz kündigte für das Jubiläum ein besonderes „Best-of“-Programm an. Und wer es bis dahin nicht abwarten kann: Am 23.11.05 kommen ja schon die „Chippendales" in die Reutlinger List-Halle.

Fotos:
Hanno H. Endres, zwai.media


Emailadresse Autor:




Links zum Artikel:
    Fotogalerie der Reutlinger Fortbildungstage 2005
    Wahlprüfsteine des DPR und Antworten der Parteien
    Freiwillige Registrierung
    Anästhesie, Intensivmedizin, Intensivpflege - von Leo Latasch, Eva Knipfer






Ähnliche Artikel - weitere Informationen:
    Reutlinger Fortbildungstag 2005 - Tag eins
    Reutlinger Fortbildungstag
    Berlin-Brandenburger Anaesthesie-Pflegetag 2005
    Europaeischer Anaesthesiepflegekongress Weimar 2005
Forendiskussionen zum Thema:
    Geschlossene Absaugung

Letzte Aktualisierung: 18.05.2012 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0112

Dies ist ein Ausdruck des Online-Journals zwai
PORTAL - JOURNAL - FORUM - WEITERBILDUNG für Anästhesie- & Intensivpflege.
Das Dokument ist unter folgender Adresse zu finden: http://www.zwai.net/ZW0112

© zwai.media GbR 2004-2012