Humor – Die unbekannte Ressource
Leif Dryden
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannte und benannte Siegmund Freud die unterschiedlichen
Arten und Auswirkungen von Humor auf die Menschen.
Seit diesem Zeitpunkt versuchen die unterschiedlichsten wissenschaftlichen
Disziplinen sich dem Phänomen Humor zu nähern.
Trotz unzähliger Versuche, Humor allgemeingültig zu definieren, sind
alle Unternehmungen in diese Richtung bisher gescheitert.
Dennoch kann man bei fast allen Ansätzen Gemeinsamkeiten ausmachen, die
dem Wesen des Humor eigen zu sein scheinen. So gilt zum Beispiel, dass Humor
täglich um uns herum existiert. Er ist eine wichtige Komponente in der Kommunikation.
Er geschieht meist intuitiv und ist stark von den beteiligten Individuen abhängig.

Zahlreiche, meist soziologisch orientierte Theorien befassen sich mit dem
Wesen oder der Wirkung des Humors. Für den gezielten Einsatz von Humor
im Krankenhaus ist dabei die Entlastungs- bzw. Befreiungstheorie von Bedeutung.
Sie erkennt im Humor eine wichtige emotionale und kognitive Entlastungsmöglichkeit.
Dadurch wirkt sie auf die Betroffenen als Befreiungsventil für negative
Emotionen wie Scham, Wut u.ä..
Die physischen Auswirkungen, die Humor und Lachen auf den menschlichen Körper
haben, sind vielfach untersucht worden. Zusammengefasst kann man folgende Punkte
feststellen:
- Lachen stärkt die Immunabwehr.
- Lachen hilft bei der Regulation des Blutdruckes.
- Durch Lachen wird die Atmung intensiviert.
- Lachen fördert die Ausschüttung von endogenen Katecholaminen, welche
wiederum das allgemeine Wohlbefinden steigern können.
Die Wirkungen, die Humor auf die menschliche Psyche hat, sind weniger detailliert
beschrieben. Untersuchungsergebnisse in diesem Bereich sind stark abhängig
von der jeweiligen Fragestellung. Dennoch lassen sich einige Kernaussagen zusammenfassend
festhalten:
- Die Empfänglichkeit für Humor ist bei Menschen fast ständig
gegeben.
- Humor kann als Kompensations- und Schutzmechanismus fungieren.
- Humor kann auch pathologische Züge besitzen (z.B. als Vermeidungsstrategie)
Die Ansätze von therapeutischem Humor im Krankenhaus lassen sich wie
folgt darstellen: Durch die Anwendung von therapeutischem Humor erfährt
der Patient eine gesteigerte Entspannung. Diese unterstützt und verbessert
wiederum die Regeneration. Hierdurch erhöht sich schließlich der
diagnostische und therapeutische Erfolg.
Auch im Intensivpflegebereich lassen sich die Ansätze der „Humor-Anwendungen“ umsetzen.
Die Maßnahmen sind lediglich an die besonderen Rahmenbedingungen anzupassen
(eingeschränkte Bewusstseinslage, verminderte Kommunikationsfähigkeit,
etc.).
Für den aktiven Einstieg in den Bereich Humor ist nicht viel erforderlich.
Eine gute Basis bietet eine eigene Materialsammlung, um darüber den eigenen
Humorstil zu entdecken und weiter zu entwickeln.
Durch eine patientenorientierte, individuelle Zielsetzung kann man seine eigenen
Fähigkeiten und Grenzen kennen lernen. Die Empfänglichkeit eines
Patienten für die Anwendung von Humor liegt bei jedem Menschen anders.
Diese zu erkennen erfordert ein situativ bezogenes empathisches Vorgehen der
Pflegenden.
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