Notfallmanagement der akuten Lungenembolie
Mario Hohenegger
Tachykardie, Tachypnoe und Dyspnoe sind die Kardinalsymptome einer akuten
Lungenembolie. Beim Auftreten dieser Symptome muss immer auch an eine Lungenembolie
gedacht werden.
Wichtig ist das deshalb, weil nur eine frühzeitige richtige
Diagnose zu einer effektiven und damit lebensrettenden Therapie führt.
Neben den erwähnten Symptomen kann es zudem zu Thoraschmerzen, Hustenreiz,
Synkopen, Zyanose und gestauten Halsvenen kommen.
Pathophysiologisch stehen bei der Lungenembolie zwei Probleme im Vordergrund.
Zum einen kommt es durch die Reduktion an Diffusionsfläche zu einer teilweise
schweren Hypoxämie, im weiteren Verlauf nach einer anfänglichen Hypokapnie
auch zu einer Hyperkapnie. Dadurch kann es zu hypoxischen Gewebsschädigungen
(z.B. am Myokard) kommen.

Zum anderen kommt es durch den Rückstau aus der verlegten Lungenstrombahn
zu einer akuten Rechtsherzbelastung (Cor pulmonale). Die erhöhte Volumenbelastung
des rechten Ventrikels bedingt zum einen eine verminderte koronare Perfusion,
zum anderen einen Septum-Shift nach links. Dadurch sinkt das linksventrikuläre
Füllungsvermögen und somit auch die Auswurfmenge. Infolge des erniedrigten
Herzzeitvolumens kommt es zu einem Blutdruckabfall, der wiederum die koronare
Perfusion weiter verschlechtert. Es entwickelt sich also ein pathophysiologischer
Teufelskreis, der, eskaliert durch die bestehende Hypoxämie, unbehandelt
rasch zum Tode führen kann.
Manche Lungenembolien verlaufen stumm, sie werden von den Patienten überhaupt
nicht bemerkt. Die Bandbreite reicht über Atemnotzustände, Synkopen
bis hin zum kardiogenen Schock oder sogar primärem Kreislaufstillstand.
Die Basismaßnahmen bei einer Lungenembolie umfassen die verschiedene
standardisierte Maßnahmen. Von großer Wichtigkeit ist hier die
hochdosierte Sauerstoff-Applikation (15 l/min per Maske). Diese ist aus zwei
Gründen existenziell: Die Hypoxämie wird schnell bekämpft und
im optimalen Fall beseitigt. Zudem führt der Sauerstoff zu einer Senkung
des pulmonalen Hochdrucks, was im Hinblick auf das lebensbedrohliche akute
Cor pulmonale von größter Wichtigkeit ist.
Gelagert wird der Patient in einer cardialen Lagerung, um für eine Entlastung
des Herzens zu sorgen. Zudem erleichtert diese Lagerung das Atmen. Eine Orthopnoe
ist nicht ratsam, da dadurch der Blutdruck für eine ausreichende cerebrale
Perfusion nicht ausreichen könnte. Im Falle eines kardiogenen Schocks
ist die Schocklage kontraindiziert. Bewusstlose Patienten werden in der stabilen
Seitenlage gelagert. Die einzige Alternative hierzu stellt die endotracheale
Intubation dar.
Weiterhin ist für den Wärmeerhalt, die Betreuung und die Überwachung
sowie das Monitoring zu sorgen.
Im Rahmen der erweiterten Maßnahmen besteht die Therapie aus drei Säulen:
Kreislaufstabilisierung, Verhinderung von Thrombuswachstum und Reperfusion.
Zur Kreislaufstabilisierung kommen Katecholamine zum Einsatz, wobei Noradrenalin
dabei die Hauptrolle einnimmt. Durch die alpha-adrenerge Wirkung und die dadurch
ausgelöste arterielle Vasokonstriktion kommt es zu einem Anstieg des diastolischen
Druckes und damit zu einer verbesserten Koronarperfusion. Dobutamin als Inotropikum
ist das zweite Mittel der Wahl, sollte jedoch aufgrund seiner vasodilatierenden
Wirkung nur zusammen mit Noradrenalin und nicht als Monotherapeutikum eingesetzt
werden.
Durch die Verabreichung von Heparin soll das Thrombuswachstum unterdrückt
werden. Dieses wird intravenös verabreicht (10000 IE). Ein Thrombusvergrößerung
muss aufgrund der Gefahr weiterer pulmonaler Gefäßverschlüsse
unbedingt verhindert werden.
Eine besonders wichtige Rolle kommt schließlich der Reperfusionstherapie
zu. Die kausale Behandlung der Lungenembolie ist oftmals lebensrettend, da
nur hierdurch die Pathophysiologie nachhaltig durchbrochen werden kann.
Zum Einsatz kommen hierbei vor allem Thrombolytika wie etwa rt-PA. Eine Lysetherapie
sollte auch unter Reanimation bei Lungenembolie erfolgen, da hier diese Maßnahme
oftmals die einzige Chance darstellt, das Leben des Patienten zu retten.
Vielerorts ist mittlerweile die Lysetherapie auch im Rettungsdienst nötig.
Die Indikation zur Lyse besteht bei Patienten mit Rechtsherzversagen und nicht
beherrschbarer Hypoxämie.
Weitere Möglichkeiten zur Reperfusion sind die operative Embolektomie
und die Intervention mittels Kathetertechnik. Diese Verfahren sind jedoch meist
großen Kliniken vorbehalten und mit einer nicht zu unterschätzenden
Letalität verbunden.
Zur Analgesie kommt Morphin zum Einsatz, unter Umständen ist auch eine
Sedierung zur Stressreduktion erforderlich. Nitrate sind wegen der blutdrucksenkenden
Wirkung mittlerweile als kontraindiziert anzusehen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Überlebenschance von Patienten
mit Lungenembolie entscheidend von einer frühzeitig eingeleiteten entschlossenen
Therapie abhängt. Voraussetzung dafür ist eine schnelle Diagnose.
Die Symptome Tachykardie, Tachypnoe und Dyspnoe sollten immer Anlass dafür
sein, an eine Lungenembolie zu denken.
Mario Hohenegger, Neustadt/Weinstraße
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