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Abstract des Vortrags vom Reutlinger Fortbildungstag 2006

Patienten mit Adipositas - eine Herausforderung oder bald Alltag?

Karl Sabel

Patienten mit Adipositas - eine Herausforderung oder bald Alltag?

Obwohl die Mc Donald`s Generation in Amerika an uns bisher weitgehend vorbeigegangen zu sein scheint, haben wir immer öfter mit dem Problem der Versorgung schwergewichtiger Patienten zu tun. Dies bereitet nicht nur logistische Schwierigkeiten, sondern stellt uns auch bei der Auswahl geeigneter Gerätschaften und der pflegerischen Versorgung vor enorme Herausforderungen.

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Logistische Probleme

Logistische Probleme

Bereits der Transport in die Klinik stellt aus juristischer Sicht vielfach ein Problem dar, da herkömmliche Krankentransportliegen älterer Bauart nur bis zu einem Gewicht von 130 kg Belastung konzipiert sind.

In der Notaufnahme wartet das nächste Hindernis, wenn der Patient auf einer Notfallliege gelagert wird, die je nach Hersteller mit einem sicheren Arbeitsgewicht von 130 kg bis maximal 250 kg Körpergewicht in Verkehr gebracht wird.

Thoraxröntgen und Computertomographie sind die nächsten Hemmschwellen, die ab einem bestimmten Körperumfang einer aussagekräftigen Notfalldiagnostik im Wege stehen.

Während die Versorgung mit zentralvenösen Kathetern, arteriellen Zugängen, Venenverweilkanülen oder zum Beispiel Thoraxdrainagen zwar erschwert, aber zumeist noch möglich ist, bewegen wir uns beim Umlagern in ein einfaches Krankenhausbett bereits auf juristisch sehr dünnem Eis.

Da das Patientengewicht allein nicht immer ein vorstellbares Bild ergibt, wird zur umfassenden Patienteneinschätzung vermehrt der Body Mass Index (BMI) verwendet.

Dieser BMI lässt sich ermitteln, in dem man das Körpergewicht in kg durch das Quadrat der Körpergröße in Metern dividiert.

Beispiele: 100 kg : (1.87 x 1.87 m) 3,5 = 29
54 kg : (1.66 x 1.66 m)2,76 = 20

Normwerte Frauen Männer

Untergewicht bis 18 bis 19
Normal 19-24 20-25
Ü bergewicht 25-30 26-30
Adipositas > 30 > 30

Wenn die Aufnahme in die Klinik oder die Verlegung in ein anderes Krankenhaus zeitlich planbar ist, sollte gleich zu Beginn der Übernahme der Transfer in ein für den Patienten adäquates und zugelassenes Lagerungssystem stehen.



Pflegerische Versorgung der Patienten

Pflegerische Versorgung der Patienten

Die Limitationen denen diese Patienten unterliegen, greifen aber nicht nur bei technischen Problemen, sondern bereits bei der Durchführung alltäglicher pflegerischer Arbeit. So sind nahezu alle Tätigkeiten am Patienten schwerer oder nur mit geringerer Effektivität durchzuführen, was sich unter anderem auch bei der Durchführung prophylaktischer Maßnahmen deutlich bemerkbar macht.

Alleine schon die pflegerische Grundversorgung und das regelmäßige Umlagern des Patienten stellen hohe personelle Ansprüche, denen sicher nicht jede Klinik nachkommen kann.

Auch die Dosierung des Medikamentenbedarfs für diese Patientengruppe gestaltet sich viel schwieriger als im Bereich der normalgewichtigen Personen. Wirkspiegel oder Depoteffekte durch Aufnahme ins Gewebe sind praktisch nicht oder nur sehr schwer zu verifizieren, so dass man sich meist am klinischen Verlauf orientieren muss. Dies gilt besonders für die benötigte Analgosedierung, trifft aber auch für alle anderen Medikamente zu, bei denen die Dosierungsberechnung nach Kilogramm teilweise erschreckende Medikamentendosen erforderlich macht.

Ein ganz entscheidendes pflegerisches Problem stellen die Positionierung und der Transfer des Patienten aus dem Bett oder ins Bett dar, da der Patient nur dann eine realistische Überlebenschance hat, wenn die Immobilisierungsphase nur kurzmöglichst beibehalten werden muss.
Hervorragend eignen sich hierzu Anwendungen aus dem Kinästhetikbereich.
Selbst darin weniger geübte Kollegen werden gerade während der Arbeit mit solch schwergewichtigen Patienten merken, dass hier jede Art von Hau Ruck Verfahren an ihre Grenzen stößt.
Durch kinästhetische Dreh- oder Schiebeverfahren lassen sich gerade diese Patienten, wenn auch erschwert, erfolgreich im Bett transferieren.

Aber auch der Selbstschutz hat hier für alle Beteiligten hohe Priorität, so dass man ohne rückenschonende Arbeitstechniken sehr bald für „aufopferndes“ Engagement bestraft wird.
Leider erfährt dieser Aspekt bisher in Reihen der Pflegekräfte nur wenig Akzeptanz, was bestimmt eine Aufgabe für die Zukunft bei der Ausbildung unseres Nachwuchses sein muss.
Denn ich kann nicht erst dann meinen Rücken schonen wenn Probleme bereits aufgetreten sind, sondern wenn ich durch geschicktes Arbeiten, bei gleichem Effekt für den Patienten, das Risiko für mich selbst minimiere.



Kosten für die Therapie

Der in heutigen Zeiten nicht mehr außer Acht zu lassende Aspekt der Bezahlbarkeit solcher extremer Therapieversuche führt sicher mit dazu, dass jede kleine Klinik versuchen wird, diese Patienten an Häuser der höchsten Versorgungsstufe zu verlegen.
Aber auch an Kliniken der Maximalversorgung ist der Personalbedarf nur schwer darstellbar.
Die im Intensivbereich zur Beurteilung der Krankheitsschwere und zur Kostenbemessung mit herangezogenen Scores TISS 28 und SAPS II stiegen erst im Verlauf des stationären Aufenthalts deutlich an, während der pflegerische Aufwand von Beginn der Versorgung an maximal erhöht war.

Gerätschaften und Hilfsmittel

Eingesetzte Klinikbetten, Liftersysteme, Notfallliegen, Mobilisationsstühle, Toilettenstühle, Diagnostikeinrichtungen ( in unserer Klinik), Pathologie,

Bei den Angaben zur Ausstattung handelt es sich um hausspezifische Aussagen, die jeder Anwender in seiner Klinik für sich selber klären muss, da es abhängig vom Hersteller und vom Baujahr des Produkts erhebliche Unterschiede gibt.

Abschließendes Statement muss aus derzeitiger Sicht wohl sein, dass Patienten mit Adipositas sowohl eine Herausforderung, als auch bald Alltag in unseren Kliniken sein werden.

/ Karl Sabel
Fachkrankenpfleger für Innere Medizin und Intensivmedizin
Poliklinik Innere Medizin I
Klinikum der Universität
93042 Regensburg

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Letzte Aktualisierung: 12.05.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0197

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