Impressum - Kontakt
malteser-sammeln-handys.de
 
   
     Anästhesie-Assistent | Veranstaltungen | Linkliste  
zwai Home : Weiterbildung : Reviews : Reutlinger Fortbildungstag : Reutlinger Fortbildungstag 2006 : Abstracts : Temperaturmanagement im OP und Aufwachraum
 


Abstract des Vortrags vom Reutlinger Fortbildungstag 2006

Temperaturmanagement im OP und Aufwachraum

Ina Welk

Temperaturmanagement im OP und Aufwachraum

Ziel der Regulation der Körpertemperatur ist die Gewährleistung einer konstanten Körperkerntemperatur durch ein Gleichgewicht zwischen Wärmeproduktion und Wärmeabgabe. Das Thermoregulationszentrum im Gehirn verarbeitet Informationen thermosensitiver Rezeptoren und induziert ggf. ein entsprechendes Regulationsverhalten (Muskelzittern, Schwitzen), um die Körpertemperatur konstant zu halten.

Fragen im Anästhesiealltag

Jede Pflegekraft in der Anästhesie sollten sich vor Beginn der Anästhesie folgende Fragen zum Thema Wärmeprotektion stellen:

Wie beeinflusst die Anästhesie die Thermoregulation?
Wo drohen Gefahren durch eine unbeabsichtigte Hypothermie?
Welche Maßnahmen können zur Vermeidung getroffen werden?

Diesen Artikel
ausdrucken ... Über diesen Artikel
diskutieren ... Diesen Artikel
weiterempfehlen ...

Phasenablauf der Hypothermie durch Auswirkungen von Narkose und Operation

Phasenablauf der Hypothermie durch Auswirkungen von Narkose und Operation

Phase I
Initiale Wärmeumverteilung innerhalb der ersten 30 - 45 Minuten mit relativ steilem Abfall der Körperkerntemperatur. Umverteilung bedeutet eine durch die Anästhesiemedikamente induzierte Vasodilatation mit Verschiebung von Wärme aus dem zentralen in das periphere Kompartiment, dabei kann der Temperaturabfall bis zu 1,6°C betragen. Dieser initiale Abfall lässt sich nicht verhindern, er kann jedoch durch thermoprotektive Maßnahmen und das sog. Pre - warming hinausgezögert werden.

Phase II
Relativ langsamer linearer Abfall der Temperatur (Wärmeverlust > Wärmeproduktion) durch Wärmeabgabe an die Umgebung. Hier erfolgt der Temperaturabfall bis zu 1° C pro Stunde.

Phase III
Sog. Plateauphase, hier herrscht ein thermische Gleichgewicht in dem die Körperkerntemperatur weitgehend stabil bleibt, die Hypothermie schreitet jedoch weiter vor (sog. thermoregulatorische Vasokonstriktion).

Allgemeine Einflussfaktoren
- Operationsverfahren
- Dauer der Operation
- Körperoberfläche die für thermoprotektive Maßnahmen zur Verfügung steht
- Wundfläche
- Lagerung
- Blutverlust
- Volumenumsatz
- Anästhesieverfahren(z.B. bei SPA / EDA wird die Thermoregulation zentral gehemmt, Blockade sympathischer und motorischer Nerven und damit keine kompensatorische Vasokonstriktion möglich (Vasodilatation führt zu Temperaturabfall), durch die sensorische Blockade bemerkt der Patient kein Kältegefühl, oft wird auf Temperaturmessung verzichtet, d.h. die Ausprägung einer Hypothermie wird nicht bemerkt!)
- Alter- und Konstitution des Patienten



Formen der Hypothermie

Man unterscheidet folgende Formen der Auskühlung, wobei die akzidentelle Hypothermie im operativen und anästhesiologischen Alltag den höchsten Stellenwert einnimmt.

- Akzidentell = unbeabsichtigt durch Kälteexposition (häufigste Ursache)
- Untertemperatur = unbeabsichtigt, Begleitsymptom bei einigen Erkrankungen
- Induziert = beabsichtigt, prophylaktisch u. therapeutisch

Bei Patienten, die über die Notaufnahme (Schockraum) in den OP verbracht werden, beginnt die Kälteexposition bereits in der präklinischen Phase und wird während der Dauer der Untersuchungs- und Diagnostikzeit unterhalten. Schon im Aufnahmebereich beginnt die Verantwortlichkeit für die Erhaltung einer Normothermie!

Hypothermie - Ursachen im OP durch Abhängigkeit der Temperaturregulation durch Dritte
- OP-Hemd, kalter OP-Tisch, kalte Schleusenanlage, dünne Tücher
- Klimaanlage (OP-Räume habe hohe Luftumwälzung)
- Hautdesinfektion
- Nasse Tücher
- Anästhetika, Endoskopiegase
- Spüllösungen
- Volumen-Management



Wirtschaftlichkeit und perioperatives Temperaturmanagement

Gerade im Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie ist der Kostenaspekt nicht zu vernachlässigen. Zählt der OP doch zu den kostenintensivsten Bereichen im Krankenhaus, so werden durch ein fehlendes Temperaturmanagement zusätzliche Kosten generiert. Auch können für den Patienten unnötige Beatmungszeiten und Intensivaufenthalte vermieden werden. Folgende Faktoren werden durch eine gezielte Vermeidung einer perioperativer Auskühlung unterstützt:

- Frühextubation
- Vermeidung Nachbeatmung nach Auskühlung
- Vermeidung Intensivstationsaufenthalt
- Reduzierung Blutverlust
- Senkung postoperative Komplikationsrate
- Senkung Krankenhausverweildauer

Der Erhalt der Normothermie ist Ziel aller thermoprotektiven Maßnahmen im OP und Aufwachraum. Dabei ist der Aspekt der Patientenzufriedenheit ebenfalls ein wichtiger Punkt im Erleben der Operation. Postoperatives Shivering hat genau wie Übelkeit und Erbrechen einen hohen Wiedererinnerungswert in der Befindlichkeit und des Wahrnehmens und beeinflusst die postoperative und postanästhesiologische Erholungszeit.

Ein adäquates Temperaturmanagement beinhaltet ein Temperatur-Monitoring von Narkosebeginn an, sowie einen konsequenten Einsatz thermoprotektiver Maßnahmen in der prä-, intra- und postoperativen Phase. In der präoperativen Phase können z. B. angewärmte Tücher bereits im Einschleusungsbereich zum Einsatz kommen und den Patientenkomfort erhöhen. Effektiv ist der Einsatz apparativer Unterstützung bereits während der Wartezeit im Einleitungsbereich (Pre - warming). Ergänzend finden sich intraoperativ Infusions- und Blutwärmer, sowie die Vorhaltung von Wärmeschränken zur Bereitstellung angewärmter Infusions und Spüllösungen, Wärmematten als OP-Tischauflage und Wärmedeckensysteme mit Luftgebläse (Konvektive Systeme) zur positiven Unterstützung des Wärmeerhaltens. Als Konzept für ein adäquates Temperaturmanagement ist nicht die ausschließliche Therapie der Hypothermie, sondern das Wissen um die Negativfaktoren und der möglichst schon präventive Einsatz geeigneter Maßnahmen bereits präoperativ wirksam und sollte von jeder Anästhesiepflegekraft als integraler Bestandteil der Narkosevorbereitung verstanden werden. Für das Gesamtkonzept gilt zusammenfassend:

- An ein Temperaturmanagement denken (bereits im Schockraum, Untersuchung- und Diagnostik)
- Möglichst frühzeitige Wärmezufuhr bereits in der Holding Area und Einleitung
- Wärmezufuhr nicht längerfristig unterbrechen für Lagerung und Abdeckung des Patienten
- Reduzierung aller möglichen Ursachen für Wärmeverluste


Wann beginnt die Thermoprotektion?

Temperaturmanagement beginnt bereits in der präoperativen Phase und erfolgt kontinuierlich weiter bis zur Verlegung aus dem Aufwachraum. Der Stellenwert des sog. Pre-warming ist von oft unterschätzter Bedeutung, so „bringt“ bereits der Einsatz eines konvektiven Systems in der Einleitung oder in einer Patient Holding Area von 30 Minuten einen Erhalt der Körpertemperatur im normothermen Bereich von bis zu einer Stunde.
Als Empfehlung gilt deshalb, die Hypothermie nicht erst bei Messung zu therapieren, sondern ihre Entstehung zu vermeiden..

Ina Welk
Pfleg. Zentrumsleitung
Med. Leistungszentrum Anästhesie u. Radiologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein/Campus Kiel
Schwanenweg 21

24105 Kiel


Emailadresse Autor:










Forendiskussionen zum Thema:
    Reutlinger Fortbildungstag 2006

Letzte Aktualisierung: 17.05.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0194

Dies ist ein Ausdruck des Online-Journals zwai
PORTAL - JOURNAL - FORUM - WEITERBILDUNG für Anästhesie- & Intensivpflege.
Das Dokument ist unter folgender Adresse zu finden: http://www.zwai.net/ZW0194

© zwai.media GbR 2004-2008