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Abstract des Vortrags vom Reutlinger Fortbildungstag 2007

Evidence based nursing in der Intensivpflege – Geht das?

Prof. Dr. Eva-Maria Panfil

Evidence based nursing in der Intensivpflege – Geht das?

Evidence-based Nursing (EBN), im Zuge der Diskussion um evidenz-basierte Medizin (EBM) entstanden, ist eine Methode zur Vereinbarkeit von forschungsbasierter Praxis angesichts von Informationsflut, Zeitnot, abnehmender Halbwertzeit des Wissens und einer nicht zeitgemäßen Aus- und Weiterbildung. EBN beinhaltet drei Konzepte: das Zusammenwirken der beteiligten "Akteure" bei klinischen Entscheidungen, ein pädagogisches Konzept mit fünf Arbeitsschritten und Methoden zur Realisierung der Arbeitsschritte.

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Phasen des pflegerischen Problemlösungsprozesses

1. EBN wird als Integration von auf Forschung basierender Evidenz (externe Evidenz), der Einbezug klinischer Expertise (interne Evidenz) und Patientenpräferenzen in Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung von individuellen Patienten verstanden. EBN kann deswegen in allen Phasen des pflegerischen Problemlösungsprozesses eingesetzt werden.
2. Die zweite Bedeutung beschreibt das pädagogische Konzept, das auf lebenslanges Lernen zielt und auf der Methode des problembasierten Lernens aufbaut. Folgende fünf Arbeitsschritte gilt es bei der Anwendung von EBN abzuarbeiten: Fragestellung, Literaturrecherche, kritische Bewertung der Evidenz, Entscheidung über passende Interventionen incl. deren Anwendung und Evaluation. Behrens/Langer (2006) ergänzen einer weiteren ersten Schritt, den der Klärung der Aufgabenstellung einer Einrichtung, denn nur so kann eine Fragestellung überhaupt formuliert werden.
3. Die am meisten genutzte Bedeutung von EBN reduziert sich auf die externe Evidenz im Sinne der "wissenschaftlichen Belegbarkeit". Diese findet Niederschlag in Expertenstandards, Guidelines und systematischen Reviews. Zur Einschätzung der externen Evidenz wurden spezielle Methoden entwickelt, z.B. Evidenzhierarchien, wesentliche Aspekte zur kritischen Bewertung von Studien und Qualitätsstandards für Publikationen:
a. Evidenzhierarchien ermöglichen eine Aussage zur internen Validität von Studien. Je nach Fragestellung gelten andere Evidenzhierarchien. In der Regel weisen jedoch Meta-Analysen und systematische Reviews den höchsten Evidenzgrad aus.
b. Jede Studie muss auf ihre Aussagekraft hin überprüft werden. Dazu werden verschiedene Kriterien der Designs geprüft, z.B. Zielkriterien, Stichprobengröße, Verblindung, Randomisierung, Verfahren der Datenanalyse und Art der Schlussfolgerungen.
c. Bei der Analyse von Studien stellt man oft fest, dass zu wesentlichen Analysekriterien keine oder unzureichende Aussagen zu finden sind. Deswegen wurden Qualitätsstandards für eine einheitliche Veröffentlichung von Studien entwickelt, z.B. das CONSORT-Statement (experimentelle Studien), das QUORUM (Meta-Analysen) oder DELBI (Analyse von Leitlinien).



Evidence based nursing in der Intensivpflege – Geht das?

Evidence based nursing in der Intensivpflege – Geht das? Mit der Nutzung und Umsetzung von EBN sind einige Implikationen verbunden. EBN ist nur sinnvoll und auch möglich, wenn eigenständige Aufgabenstellungen von Pflege geklärt sind. Diese werden international unterschiedlich beantwortet. Weiterhin sollte man davon ausgehen, dass pflegerisches Handeln Auswirkungen auf die Pflegeempfänger hat, Pflegekräfte autonome Entscheidungen hinsichtlich der Versorgung treffen können, eine forschungsbasierte Pflegepraxis notwendig ist und Pflegen mehr ist als "Handwerk", "Denken“ auch Arbeit ist.



Evidence based nursing in der Intensivpflege – Will man das?

Evidence based nursing in der Intensivpflege – Will man das?

Evidence based nursing in der Intensivpflege – Will man das? Das relativ junge Konzept EBN hat in kurzer Zeit eine erstaunliche Karriere durchlebt und sich in der Bewertung qualitativer Studien von EBM emanzipiert. Publikationen der vergangenen Jahre beurteilen die Notwendigkeit und Umsetzungsmöglichkeiten von EBN relativ positiv, benennen aber auch Hindernisse bzw. Schwierigkeiten. Dazu gehören u.a. mangelnde Kompetenzen der Pflegekräfte (Formulieren von Fragestellungen, Lesen englischsprachiger Studien, Recherche und Analyse von Studien) und mangelnde Ressourcen (Zugang und Nutzung von Computern, Zeitkorridore, Handlungsspielräume für eine Umsetzung von EBN). Für eine Einführung und Umsetzung von EBN sollten die genannten Hindernisse und Schwierigkeiten behoben werden.

Behrens, J.; Langer, G. (2006): Evidence-based Nursing and Caring. 2. vollst. überarb. und erg. Aufl., Bern u.a.: Hans Huber.
Panfil, E. (2005): Evidence-based Nursing: Definition, Methoden, Umsetzung. PrInterNet, Angewandte Pflegeforschung, 7 (9), 457-463.
Panfil, E.; Wurster, J. (2001): Evidenzbasierte Pflege. Dr. med. Mabuse, 26 (131), 33-36.
Sackett, D.; Rosenberg, W.; Muir Gray, J.; Haynes, R.; Richardson, W. (1996): Evidence based medicine: what is is und what it isn't. BMJ, 312, 71-72.


Prof. Dr. Eva-Maria Panfil
Fachhochschule Frankfurt am Main
Nibelungenplatz 1
D-60318 Frankfurt am Main




Links zum Artikel:
    Review: Reutlinger Fortbildungstage 2007







Letzte Aktualisierung: 08.02.2012 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0288

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