Lagerung in Neutralstellung – LiN
Harry Wolpert
Lagern ist insbesondere bei Menschen wichtig, die aufgrund krankheitsbedingter
Prozesse oder degenerativer Veränderungen nicht selbständig dazu
in der Lage sind ihre Position eigenständig zu verändern. Eine bereits
in vielen neurologischen Akut- und Rehabilitationskliniken angewandte Methode
ist die „Lagerung in Neutralstellung“ (LiN) nach Heidrun Pickenbrock
(Physiotherapeutin und Bobath-Instruktorin).
Bei der Lagerung in Neutralstellung kann der Patient durch eine individuell
angepasste Positionierung mit möglichst günstigen Gelenkstellung
bequem ausruhen. Positive Auswirkungen auf Vitalparameter und Beweglichkeit
konnten in einer klinischen Untersuchung nachgewiesen werden (1).
In den gebräuchlichen Büchern der Krankenpflege (2) werden die meisten
Informationen zur Lagerung unter den Rubriken ATL sich Bewegen oder Dekubitus-
und Kontrakturenprohylaxe behandelt. Alle Herausgeber (2,3,4) sind sich darüber
einig, dass so wenig Lagerungsmaterial wie möglich verwendet werden sollte,
damit der Patient in seinen Bewegungen nicht behindert wird. Wie aber sollten
schwer betroffene Menschen ohne anfängliche Bewegung günstig im Bett
gelagert werden um gerade eine fehlende Beweglichkeit zu erhalten?

Der bewegungslose Patient unterliegt den Gesetzen der Schwerkraft.
In der Pflegepraxis unterliegt der bewegungslose Patient im Bett den Gesetzen
der Schwerkraft. Häufig wird die Lagerung des Patienten nach subjektivem
Empfinden der Pflegenden durchgeführt. Auf Grundprinzipien wie z.B. die
Stellung der Körperabschnitte wird selten geachtet. Der Patient wird meist
so positioniert, dass es nicht zu sekundären Problemen (Dekubitus, Spastik..)
kommt. Oft bewirkt die Schwerkraft in einer instabilen Lagerung aber weiterhin
eine ungünstige Stellung der Körperabschnitte. Der Kopf liegt häufig überstreckt,
das unten liegende Bein kippt z.B. in der 30 Grad-Lage zur Matratze.
Neuromuskuläre Vorgänge führen dazu, dass Muskeln, die länger
anhaltend verkürzt sind, ihren Tonus erhöhen. Die Patienten werden
von uns Pflegenden dann oft als „steif“ beschrieben. Umgekehrt
können verlängerte Muskeln nur erschwert Spannung aufbauen.
Legt sich der Gesunde hin, so passt sich sein Körper, so weit es seine
Beweglichkeit zulässt, der Unterlage (z.B. Bett) an. Da der Gesunde über
normale Muskelaktivität, Muskeltonus und Sensorik verfügt, dreht
er sich wie selbstverständlich, sobald die Lage unbequem wird.
Der schwerbetroffene Mensch kann sich nicht selbständig drehen, daher
benötigt er möglichst gute Voraussetzungen für die Aktivierung
seiner Muskulatur um Bewegung erst möglich zu machen.
Bei der Lagerung in Neutralstellung muss sich der Körper also nicht mehr
an die Unterlage (Bett) anpassen, sondern die Unterlage wird individuell dem
Körper angepasst. Alle Körperabschnitte werden so weit wie möglich
in eine neutrale Position gebracht. „Neutral“ bedeutet die Stellung
zwischen Beugen und Strecken, Abspreizen und Heranführen, Innen- und Außenrotation.
Der Rumpf ist dabei weder seitlich gebogen noch gebeugt (5). Die Neutralstellung
stimmt mit der Körperhaltung eines aufrecht stehenden Menschen überein.
Eine Neutralstellung kann natürlich nur so weit hergestellt werden, wie
der Körper eines Patienten es zulässt.
Für die Lagerung benötigt man übliches Lagerungsmaterial (Steppdecken,
Kissen, Handtücher). Die Anzahl des Lagerungsmaterials hängt vom
Grad der Körperfunktionsstörung, der Körperfüllen und der
Körpergröße des Patienten ab. Über das Lagerungsmaterial
wird Halt und Stabilität gegeben und die Körperabschnitte möglichst
in neutrale Position gebracht, die Bewegungsfähigkeit bleibt dadurch erhalten.
Mit zunehmender Wachheit und Aktivität des Patienten wird natürlich
Lagerungsmaterial entsprechend abgebaut.
Maximale Beweglichkeit in bequemer Position
Die Lagerung in Neutralstellung zeigt eine Möglichkeit, wie schwer betroffene
Patienten vor Komplikationen geschützt werden können um maximale
Beweglichkeit in bequemer Position zu erhalten.

Literaturnachweis
(1) Pickenbrock, H.; Oelmann, HD.
Lagerung in Neutralstellung veränderte Beweglichkeit bei Patienten mit
zentral-neurologischen Störungen
Posterpräsentation auf dem DGNR-Jahreskongress
Gailingen 2001
(2) Juchli, Liliane
Praxis und Theorie der Gesundheis- und Krankenpflege
Thieme;8.überarbeitet Auflage 1997
(3) Bazlen, U.; Kommerell,T.;Menche, N.
Pflege Heute
Urban&Fischer; 3. Auflage 2004
(4) Kellnhauser, E.;Schewior-Popp, S.; Sitzmann, F.; Geißner, U.; Gümmer,
M.
THIEMEs Pflege
Thieme Verlag; 10. Auflage 2004
(5) Meyer; Friesacher; Lange
Handbuch der Intensivpflege; 11/2006
Pickenbrock H.; Wolpert H.;
Pflegetherapeutische Aspekte zur Frührehabilitation von Patienten mit
Hirnverletzung auf der Intensivstation
Harry Wolpert, Fachkrankenpfleger Intensivpflege, Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim
gGmbH