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Abstract des Vortrags vom Reutlinger Fortbildungstag 2007

Lagerung in Neutralstellung – LiN

Harry Wolpert

Lagerung in Neutralstellung – LiN

Lagern ist insbesondere bei Menschen wichtig, die aufgrund krankheitsbedingter Prozesse oder degenerativer Veränderungen nicht selbständig dazu in der Lage sind ihre Position eigenständig zu verändern. Eine bereits in vielen neurologischen Akut- und Rehabilitationskliniken angewandte Methode ist die „Lagerung in Neutralstellung“ (LiN) nach Heidrun Pickenbrock (Physiotherapeutin und Bobath-Instruktorin).

Bei der Lagerung in Neutralstellung kann der Patient durch eine individuell angepasste Positionierung mit möglichst günstigen Gelenkstellung bequem ausruhen. Positive Auswirkungen auf Vitalparameter und Beweglichkeit konnten in einer klinischen Untersuchung nachgewiesen werden (1).

In den gebräuchlichen Büchern der Krankenpflege (2) werden die meisten Informationen zur Lagerung unter den Rubriken ATL sich Bewegen oder Dekubitus- und Kontrakturenprohylaxe behandelt. Alle Herausgeber (2,3,4) sind sich darüber einig, dass so wenig Lagerungsmaterial wie möglich verwendet werden sollte, damit der Patient in seinen Bewegungen nicht behindert wird. Wie aber sollten schwer betroffene Menschen ohne anfängliche Bewegung günstig im Bett gelagert werden um gerade eine fehlende Beweglichkeit zu erhalten?

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Der bewegungslose Patient unterliegt den Gesetzen der Schwerkraft.

Der bewegungslose Patient unterliegt den Gesetzen der Schwerkraft.

In der Pflegepraxis unterliegt der bewegungslose Patient im Bett den Gesetzen der Schwerkraft. Häufig wird die Lagerung des Patienten nach subjektivem Empfinden der Pflegenden durchgeführt. Auf Grundprinzipien wie z.B. die Stellung der Körperabschnitte wird selten geachtet. Der Patient wird meist so positioniert, dass es nicht zu sekundären Problemen (Dekubitus, Spastik..) kommt. Oft bewirkt die Schwerkraft in einer instabilen Lagerung aber weiterhin eine ungünstige Stellung der Körperabschnitte. Der Kopf liegt häufig überstreckt, das unten liegende Bein kippt z.B. in der 30 Grad-Lage zur Matratze.

Neuromuskuläre Vorgänge führen dazu, dass Muskeln, die länger anhaltend verkürzt sind, ihren Tonus erhöhen. Die Patienten werden von uns Pflegenden dann oft als „steif“ beschrieben. Umgekehrt können verlängerte Muskeln nur erschwert Spannung aufbauen.
Legt sich der Gesunde hin, so passt sich sein Körper, so weit es seine Beweglichkeit zulässt, der Unterlage (z.B. Bett) an. Da der Gesunde über normale Muskelaktivität, Muskeltonus und Sensorik verfügt, dreht er sich wie selbstverständlich, sobald die Lage unbequem wird.
Der schwerbetroffene Mensch kann sich nicht selbständig drehen, daher benötigt er möglichst gute Voraussetzungen für die Aktivierung seiner Muskulatur um Bewegung erst möglich zu machen.

Bei der Lagerung in Neutralstellung muss sich der Körper also nicht mehr an die Unterlage (Bett) anpassen, sondern die Unterlage wird individuell dem Körper angepasst. Alle Körperabschnitte werden so weit wie möglich in eine neutrale Position gebracht. „Neutral“ bedeutet die Stellung zwischen Beugen und Strecken, Abspreizen und Heranführen, Innen- und Außenrotation. Der Rumpf ist dabei weder seitlich gebogen noch gebeugt (5). Die Neutralstellung stimmt mit der Körperhaltung eines aufrecht stehenden Menschen überein.
Eine Neutralstellung kann natürlich nur so weit hergestellt werden, wie der Körper eines Patienten es zulässt.

Für die Lagerung benötigt man übliches Lagerungsmaterial (Steppdecken, Kissen, Handtücher). Die Anzahl des Lagerungsmaterials hängt vom Grad der Körperfunktionsstörung, der Körperfüllen und der Körpergröße des Patienten ab. Über das Lagerungsmaterial wird Halt und Stabilität gegeben und die Körperabschnitte möglichst in neutrale Position gebracht, die Bewegungsfähigkeit bleibt dadurch erhalten. Mit zunehmender Wachheit und Aktivität des Patienten wird natürlich Lagerungsmaterial entsprechend abgebaut.



Maximale Beweglichkeit in bequemer Position

Maximale Beweglichkeit in bequemer Position

Die Lagerung in Neutralstellung zeigt eine Möglichkeit, wie schwer betroffene Patienten vor Komplikationen geschützt werden können um maximale Beweglichkeit in bequemer Position zu erhalten.



Literaturnachweis

(1) Pickenbrock, H.; Oelmann, HD.
Lagerung in Neutralstellung veränderte Beweglichkeit bei Patienten mit zentral-neurologischen Störungen
Posterpräsentation auf dem DGNR-Jahreskongress
Gailingen 2001

(2) Juchli, Liliane
Praxis und Theorie der Gesundheis- und Krankenpflege
Thieme;8.überarbeitet Auflage 1997

(3) Bazlen, U.; Kommerell,T.;Menche, N.
Pflege Heute
Urban&Fischer; 3. Auflage 2004

(4) Kellnhauser, E.;Schewior-Popp, S.; Sitzmann, F.; Geißner, U.; Gümmer, M.
THIEMEs Pflege
Thieme Verlag; 10. Auflage 2004

(5) Meyer; Friesacher; Lange
Handbuch der Intensivpflege; 11/2006
Pickenbrock H.; Wolpert H.;
Pflegetherapeutische Aspekte zur Frührehabilitation von Patienten mit Hirnverletzung auf der Intensivstation

Harry Wolpert, Fachkrankenpfleger Intensivpflege, Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH



Links zum Artikel:
    Weitere Informationen und Kontakt
    Review: Reutlinger Fortbildungstage 2007







Letzte Aktualisierung: 12.05.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0290

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