Neuzuschnitt der Tätigkeiten im Spannungsfeld zwischen Fachkrankenpflege und Medizin
Klaus Notz, BBA, RbP, Vorsitzender der DGF
Ursache für die Diskussion ist der wirtschaftliche Druck – Kliniken
wollen Geld sparen
Der wirtschaftliche Druck im Gesundheitssystem, insbesondere im Krankenhaus,
bringt Bewegung in die Diskussion, wer welche Aufgaben und Tätigkeiten mit
welcher Kompetenz und Verantwortung übernimmt. Derzeit ist das gesamte Gebiet
Heilen durch ein ärztliches Monopol belegt. Heilberufe, mit noch so guter
Ausbildung, können ausschließlich auf Anordnung von Ärzten aktiv
an der Behandlung im Rahmen der Delegation mitwirken. Eigeninitiative ist aus
Sichtweise der Ärzte nicht erwünscht, Assistenz im Rahmen der Delegation
schon. Realität ist aber, dass in vielen Bereichen des Gesundheitswesens
heute selbständige ärztliche Leistungen von Pflegenden Alltag sind.
Klinikträger und –betreiber haben großes Interesse daran, Aufgaben
und Tätigkeiten zu verlagern. Nach einer Berechnung des Uniklinikum Münster
kostet ein Oberarzt mit mehrjähriger Berufserfahrung die Klinik 86 Cent
in der Minute, eine Pflegekraft bei mittlerer Gehaltsstufe ca. 52 Cent die
Minute.

Kliniken qualifizieren für die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten
Kliniken versuchen die Pflegenden durch Qualifizierungsmaßnahmen für
die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten zu qualifizieren. Jeder kreiert
eigene Berufsqualifikationen. Keiner kennt sich in den vielseitigen Bildungsangeboten
noch aus. So gibt es med. Kodierassistenten, Kadriovaskular-Assistenten, Kardiotechniker,
Chirurgisch-Techn. Assistenten, Arzt-Assistenten und viele mehr, die selbständig
Aufgaben in der Medizin wahrnehmen und dabei die Ärzte unterstützen.
Pflegekräfte bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone bei der Übernahme ärztlicher Tätigkeiten
Die Übernahme ärztlicher Aufgaben geschieht immer im Rahmen der Delegation.
Aber genau das verursacht die Unzufriedenheit. Häufig ist der anordnende
Arzt nicht parat und Aufgaben fallen an. Und schon befindet sich der Pflegende
in einer Grauzone, wenn er Aufgaben übernimmt. Der Vorsitzende des Marburger
Bundes, Frank Ulrich Montgomery verstärkt noch: „Wer originäre ärztliche
Tätigkeit auf Pflegeberufe verlagern will, der gefährdet die Sicherheit
der Patienten“. Zudem wurde auf Druck der ärztlichen anästhesiologischen
Fachgesellschaften mit der Münsteraner Erklärung klar die Übernahme ärztlicher
Tätigkeiten durch Fachpersonal eine Absage in Deutschland erteilt. Dies
verstärkt die Grauzone, in der sich die Pflegekräfte bewegen, noch
mehr.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklungen im Gesundheitswesen hat sich dieser Problemstellungen angenommen.
Die Arztzentriertheit bringt nur Nachteile, wird von den Sachverständigen
attestiert. Die Experten fordern unter anderem von der Arztzentriertheit wegzukommen
und mehr Kompetenzen auf die Gesundheitsberufe zu verlagern. Hierzu sind Gesetzesänderungen
notwendig. Ziel soll die beste Versorgung für die Patienten sein. Dass dies
nicht immer der Arzt sein muss, zeigen die Beispiele aus dem Ausland. Jedoch
musste auch der Sachverständigenrat feststellen, dass die Umschichtungen
der Aufgaben und Tätigkeiten nicht immer finanzielle Erleichterung bringt.
Aber eine wichtige Erkenntnis konnte trotzdem festgehalten werden. Alle Beteiligten
waren nach der Neuverteilung der Aufgaben und Tätigkeiten mit Ihrem Beruf
zufriedener. Auch die Patienten waren mit der Versorgung zufriedener. Die Akzeptanz
und das Image aller Berufsgruppen im Gesundheitswesen seien gestiegen.
Zusammenfassend ist zu sagen:
Gesundheitsberufe sind bereit für Neue Aufgaben und Tätigkeiten. Viele
notwendige Kompetenzen sind bereits vorhanden. Der rechtliche Rahmen hierzu muss
allerdings geschaffen werden. Gleichzeitig ist die Akademisierung der Pflegeberufe
weiter voranzutreiben. So wird mehr Zufriedenheit für alle Berufsgruppen
im Gesundheitswesen erreicht und eine gute medizinische Versorgung für die
Menschen in Deutschland sichergestellt. Die Fachkrankenpflege könnte hier,
wie schon in der Vergangenheit eine Vorreiterrolle einnehmen – wenn die
Politik dies zulässt und aktiv unterstützt. Die Deutsche Gesellschaft
für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) unterstützt diese
Entwicklungen aktiv. Sie als Pflegekraft können dies durch eine Mitgliedschaft
in der DGF unterstützten.