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5. Kieler Symposium für Herzchirurgische Intensivmedizin und Intensivpflege
 
   
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Abstract des Vortrags vom Reutlinger Fortbildungstag 2007

Problemlösungskompetenzen von Intensivpflegenden

Marcel Sailer

Problemlösungskompetenzen von Intensivpflegenden

Die Arbeitswelt der Pflegenden auf Intensivstationen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten, wie in allen Bereichen der stationären und ambulanten pflegerischen und medizinischen Versorgung, stark verändert. Neben medizintechnischen und -therapeutischen Entwicklungen erhöhen die steigende Anzahl an Innovationen, die zeitliche Dringlichkeit und kürzere Phasen der Konsolidierung von Arbeitsprozessen die Komplexität der täglichen Handlungsanforderungen. Dies kann zu Überforderungen und Frustrationen in beruflichen Lernprozessen führen, die sich letztendlich auch auf berufliche Handlungskompetenzen auswirken.

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Kompetenzdifferenzierung pflegerischer Tätigkeiten

In den Unternehmen (Kliniken) werden die Lernprozesse primär unter dem Aspekt betrachtet, ob und auf welche Weise sie dem Wertschöpfungsprozess des Unternehmens dienlich sind (vgl. Stieler-Lorenz, Krause 2003). Dieser Wertschöpfungsprozess wird im klinischen Bereich insbesondere seit Einführung der fallpauschalisierten Krankenhausfinanzierung durch das DRG-System kritisch überprüft. Aufgrund dieser ökonomischen Zwänge werden zunehmend Fragen nach Qualifikations- und Kompetenzanforderungen gestellt. Die berufliche Landschaft der Pflegenden in Akutkliniken war in den vergangenen drei Jahren insbesondere durch Personaleinsparungen und Einstellungssperren geprägt (Sailer, 2005). Gerade in der Intensivpflege werden aktuell Modelle der Kompetenzdifferenzierung pflegerischer Tätigkeiten (Advanced Level program) diskutiert, Kriterien zur Differenzierung von Personal (Qualifikationsmix) oder Kriterien für eine leistungsorientierte Vergütung gesucht. Auf der betrieblichen Ebene besteht also ein Interesse einer Kompetenzanalyse zur Verbesserung des internen Personalmanagements in Form von Personalauswahl, Personalentwicklung und –beurteilung sowie zur Optimierung des Personaleinsatzes (vgl. Gillen, Kaufhold 2005). Symptomatisch für die skizzierte Situation zeigt sich die Diskussion um die betriebliche Weiterbildung für Pflegeberufe, insbesondere bei Intensivpflegepersonen.

Auch hier müssen Ausgaben reduziert werden, was eine konkrete Auswirkung auf die fachbezogene Weiterbildung für Intensivpflege und Anästhesie mit sich bringt. Während die Effizienz pflegerischer Maßnahmen durch aus- und weitergebildetes Personal international signifikant belegt wurde (vgl. Dang et al., 2002; Hall et al., 2003; Yang, 2003; Needleman, 2002 u.a.), besteht in Deutschland hinsichtlich des Pflegeoutcomes noch ein erheblicher Forschungsbedarf. D.h. für die Intensivpflege liegen in Deutschland derzeit keine gesicherten Ergebnisse vor. Sowohl in der betrieblichen Bildung im Allgemeinen, als auch in der beruflichen Bildung der Pflege mündet der Tenor der Anforderungen in einer übergeordneten Forderung: Die Flexibilität der Mitarbeiter in ihren direkten Einsatzfeldern sowie in anderen Fachabteilungen und Bereichen. Neben dem klassischen Können ist insbesondere das situationsbezogene Handeln, das Mitdenken, die zielgerichtete Beobachtungsgabe und die Handlungskompetenz in unsicheren, unbekannten Situationen gefragt (Sailer, 2005). Aus der Sicht der Weiterbildung von Pflegenden im Intensivpflegebereich stellt sich die Frage, was an Lernpotenzialen in realen Arbeitsprozessen steckt, wenn das Lernen in Realsituationen in den Mittelpunkt ausbildungspraktischer Überlegungen rückt und das Lernen außerhalb pädagogischer Arrangements stattfindet bzw. damit verbunden wird (vgl. Pätzold 2004). Aus einer berufswissenschaftlichen Perspektive interessiert insbesondere, wie Situationen der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung unter Einbezug des expliziten und impliziten berufs- und berufsfeldspezifischen Wissens und Könnens gestaltet werden (vgl. Rauner, 2002). Und weiterhin, wie sich diese Kompetenzen im Laufe der beruflichen Erfahrungen weiter entwickeln. Erweitern Intensivpflegekräfte im Laufe der Jahre ihre Kompetenzen in der Lösung und Bearbeitung komplexer Fälle? Sind sie in der Lage, komplexe Problematiken besser zu analysieren, haben eine reichhaltigere Auswahl an Hypothesen und Handlungsoptionen und können Fälle prozessorientierter bearbeiten?



Kein linearer Anstieg der Komptenz mit zunehmender Erfahrung

Diese Fragen wurden mit Hilfe einer fallorientierten, multimedial aufbereitenten Fallkasuistik bei 104 Intensivpflegenden an sieben Einrichtungen in Süddeutschland untersucht (FAPROLINT). Auf der Basis empirisch-analytisch erhobener Daten wurden Erkenntnisse über die Problemlösungskompetenz, die Leistungsmotivation sowie das Prozessdenken von Intensivpflegekräften gewonnen. Dabei wurden die Intensivpflegenden nach Berufserfahrung und abgeschlossener Weiterbildung miteinander verglichen. In den Ergebnissen zeigt sich ein heterogenes Bild, welches Unterschiede zwischen weniger Erfahrenen und sehr Erfahrenen in der klinischen Entscheidungsfindung deutlich macht. Vorliegende Ergebnisse zur Expertiseforschung bei (Intensiv-)Pflegenden konnten dabei nur teilweise belegt werden. So konnte kein linearer Anstieg der Problemlösungskomptenz mit zunehmender Erfahrung nachgewiesen werden. Die Unterschiede bei weitergebildeten Intensivpflegenden zeigen sich unter bestimmten Gegebenheiten.
Grundsätzlich unterstreichen die heterogenen Ergebnisse der Studie die Binsenweisheit, dass erfolgreiche Intensivpflegeteams ein ausgeglichenes Maß an Pflegekräften unterschiedlicher Berufserfahrung als auch an Fachkompetenzen benötigt, um eine größtmögliche Kompetenzstruktur gemeinsam aufzubauen. Sie unterstreichen aber auch, dass sowohl Berufserfahrung als auch formale Bildungsabschlüsse kein automatischer Garant dafür sind.



Literatur

Literatur

Baethge M, Baethge-Kinsky V (1998). Jenseits von Beruf und Beruflichkeit? – Neue
Formen von Arbeitsorganisation und Beschäftigung und ihre Bedeutung für eine zentrale Kategorie gesellschaftlicher Integration. In: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Bd. 31, Nr. 3. S. 461-472.
Benner P (1994). Stufen zur Pflegekompetenz – From Novice to Expert. Bern: Huber.
Dang, D Johantgen, ME Pronovost, PJ Jenckes, MW & Bass, EB (2002).
Issues in administration. Postoperative complications: does intensive care unit staff nursing make a difference? Heart & Lung: The Journal of Acute and Critical Care. 31(3). P. 219-228.
Darmann I, Keuchel R (2005). Berufswissenschaftliche Forschung in den
Berufsfeldern - Gesundheit/Pflege. In: Rauner F (2005) (Hrsg.). Handbuch Berufsbildungsforschung. Bielefeld: Bertelsmann. S. 175-186.
Dostal, W (2005). Berufsforschung – Definition und Abgrenzung von „Beruf“. In:
Rauner F (2005) (Hrsg.). Handbuch Berufsbildungsforschung. Bielefeld: Bertelsmann.
Gillen J, Kaufhold M (2005). Kompetenzanalysen – kritische Reflexion von
Begrifflichkeiten und Messmöglichkeiten. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Band 101, Heft 3. S. 364-378.
Needleman, J Buerhaus, PI Mattke, S Stewart, M & Zelevinsky, K (2002).
Nurse staffing and patient outcomes in hospitals. New England Journal of Medicine. 346 (22). P. 1715-1722.
Pätzold, G (2004). Zur Komplementarität formellen und informellen Lernens in der
beruflichen Bildung. Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Band 100, Heft 2. S. 161-168.
Rauner F (2005). Handbuch Berufsbildungsforschung. Bielefeld: Bertelsmann.
Ritschi P (2005). Konzeption, Entwicklung und Evaluation eines Online-
Prüfungssystems auf der Basis von Docs ´n Drugs-Die virtuelle Poliklinik. Unveröff. Dissertation.
Sailer M (2005) (Fach-)Weiterbildungen der Pflege in der DRG-Kostenzange. PR-
Internet – Pflegemanagement 06/05. S. 355-358.
Yang, K (2003). Relationships between nurse staffing and patient outcomes.
Journal of Nursing research. 11 (3). S. 149-157.

Marcel Sailer, Pflegedirektion IBF, Universitätsklinikum Ulm




Links zum Artikel:
    Review: Reutlinger Fortbildungstage 2007







Letzte Aktualisierung: 12.05.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0289

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