Buchbesprechung: MEMORIX AINS
Michael Kros
Memorix AINS, Intensivmedizinische Methoden
Jürgen Schwuchow, Clemens-Alexander Greim
Verlag: Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York
Seiten / Umfang: 210 Seiten, 11 cm x 15 cm, 20 Abbildungen, zahlreiche Tabellen,
kartoniert
Erschienen: 2006
Preisinfo: 24,95 €
ISBN: 9783131430311

Das vorliegende Büchlein „soll als knapp gehaltenes informationsreiches
Nachschlagewerk der ärztlichen Orientierung in der täglichen Routine
dienen, aber auch der Facharztausbildung [...] zuträglich sein“,
fordern die Autoren in ihrem Vorwort. Das Werk sei Bestandteil des Qualitätsmanagements
im Klinikum Fulda und fungiere dort als Leitfaden, es trage wesentlich zur
Prozess- und Ergebnisqualität bei. Auf dem Einband erfährt man ferner,
dass für Anfänger Basiswissen behandelt werde und der Fortgeschrittene
Entscheidungshilfen finde.
Ich habe bei meinem ersten Kontakt mit diesem Buch angesichts des Titels „Intensivmedizinische
Methoden“ ersteinmal versucht, ein praktisches Anfängerthema zu
finden, und zwar das Legen arterieller Zugänge: leider ohne Erfolg. Auch
die zentralvenösen Zugangswege fand ich nicht.
Auf der unerbittlichen Suche nach einer praktischen Arbeitsanleitung traf ich dann auf die Dilatationstracheotomie, die tatsächlich über 2 Seiten mit 6 Abbildungen bebildert ist, leider ohne textliche Beschreibung der einzelnen Schritte. Ich darf somit zu Anfang
meiner Rezension leider schon feststellen, dass ein Anfänger sein Basiswissen
bezüglich praktischer Fertigkeiten mit diesem Buch sicherlich nicht erwirbt.
Zweiter Versuch – Wie steht es um die verschiedenen Beatmungsformen,
deren Indikationen und praktikable Respiratoreinstellungen? Das ist nun wirklich
ein Thema, dass den Anfänger interessieren dürfte. Siehe da, hier
findet man ein 7-seitiges Kapitel „Beatmungstherapie“, in dem zunächst
Beatmungsformen beschrieben werden. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch
auf, dass die Beschreibung der Beatmungsformen keineswegs systematisch und
anfängergerecht erfolgt.
Was ist denn nun IPPV? Was passiert bei SIMV?
Druck- und Flowkurven, die die Unterschiede der Verfahren veranschaulichen,
vermisse ich. Dennoch gibt dieses Kapitel einige praktische Tipps, z.B. das „Stufenschema
der kontrollierten Beatmung der respiratorischen Insuffizienz“. Man muss
ja nicht alles verstehen, was man tut, geht mir dabei durch den Kopf.
Ein paar Worte zur Systematik des Büchleins: es erfolgt eine Gliederung
in die Abschnitte „Organisation“, „Allgemeine
Therapiemaßnahmen“, „Spezielle Therapiemaßnahmen“ und „Anhang“.
Im ersten Abschnitt sind Themen wie Ausbildungsinhalte zu finden, man stößt
auf eine Checkliste mit den Tätigkeiten, die man in der Weiterbildungszeit
absolvieren sollte, kann dabei z.B. Typbezeichnungen von Respiratoren eintragen,
mit denen man gearbeitet hat. Was hat das bitte mit „knapp gehaltenem
informationsreichen Nachschlagewerk“ zu tun?
Es geht weiter mit „Administration
von Patientendaten“, EDV-Programme werden vorgestellt, ein Screenshot
einer Intensivstationssoftware ist eingefügt. Es folgen Hinweise zum Betreuungsverfahren
(das Kapitel „Einwilligung des Patienten“ findet sich allerdings
im Anhang), zu Hygienerichtlinien und Patientenscoring. Nun gut.
Die Abschnitte „Allgemeine ..“ bzw. „Spezielle Therapiemaßnahmen“ sind
alphabetisch nach Verfahren und Krankheiten geordnet, was ich für sehr
gewöhnungsbedürftig halte. „Parenterale Ernährung“ steckt
zwischen „Nierenersatzverfahren“ und „Periduralanästhesie“,
die Enterale Ernährung folgt einige Kapitel später versteckt unter
dem Decknamen „Sondenkosternährung“.
Einzeln und inhaltlich
betrachtet sind diese Beschreibungen sinnvoll ausgewählt, bedacht formuliert
und voller praxisrelevanter Informationen. Die Ratschläge und Anweisungen
sind geprägt von großer klinischer Erfahrung und besonderem Sachverstand.
Fazit
Dem Leser dieser Zeilen wird schnell klar, dass ich nicht der Auffassung bin,
dass die Welt auf dieses Buch gewartet hat. Und wenn auch, das Warten hat sich
nur für diejenigen gelohnt, die bereits mit beiden Beinen auf der Intensivstation
stehen und neue Blickwinkel auf das Management häufiger intensivmedizinischer
Problemstellungen suchen. Inhaltlich habe ich viele sehr wertvolle Informationen
finden können, die ich in meinen Klinikalltag einfließen lassen
werde. Das Konzept habe ich jedoch nicht verstanden. Wer als Anfänger
Basiswissen erwerben möchte, ist mit einem einschlägigen Klinikleitfaden
besser beraten. Wer sich gar auf der Zielgeraden der Facharztweiterbildung
befindet, kommt an umfangreicheren Lehrbüchern nicht vorbei. Interessierte
Kliniker zwischen diesen Stadien werden gern in diesem Büchlein lesen
und die eine oder andere wertvolle Anregung finden.
(10.01.2007)

Über den Autor
Dr. Michael Kros, Jahrgang 1971, ist Facharzt für Neurologie mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin. Er ist Oberarzt der Klinik für Neurologie mit Klinischer Neurophysiologie des Herz-Jesu-Krankenhauses Münster-Hiltrup, zuständig für die Intensivstation und die Stroke Unit.
Als Honorarkraft ist er als Notarzt auf dem Intensivtransporthubschrauber "Christoph Westfalen" tätig und engagiert sich dort in der ärztlichen Weiterbildung, insbesondere im Rahmen des Kurses "Intensivtransport" nach den Richtlinien der DIVI, welcher regelmäßig durch die ADAC Luftrettung am Standort Flughafen Münster/Osnabrück abgehalten wird.
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