Buchbesprechung: Organtransplantation
Hanno H. Endres
Herausgeber: Kristina Schröder
Verlag: Thieme, Stuttgart
Seiten / Umfang: 280 Seiten, 140 Abbildungen
Erschienen: 1. Auflage 2000
Einband : gebunden
Preisinfo : 44,95 €
ISBN: 3-131-19221-6

Praxis und mehr
'Praxis & mehr' verspricht die neue Reihe für Pflegeberufe aus dem Thieme-Verlag. Praktische Aspekte gepaart mit den nötigen Hintergrundinformationen sollen dabei die tägliche Arbeit erleichtern.
Das dritte Buch der Reihe arbeitet den Themenkomplex 'Organtransplantation' für Pflegende in der Anästhesie-, OP- und Intensivpflege auf und stellt damit ein Unikum auf dem deutschsprachigen Buchmarkt dar.
Die 24 Autoren um Kristina Schröder (Lüneburg) sind allesamt in der perioperativen Betreuung von Transplantationspatienten erfahrene Pflegende, sodass im Grunde gute Voraussetzungen für ein praxisnahes Nachschlagewerk geschaffen wurden.
Die Struktur des Buches wirkt sauber: der erste große Abschnitt 'Allgemeine Informationen zum Thema Organspende' beschreibt neben der Geschichte den aktuellen Stand in der Transplantationsmedizin sowie dessen medizinische und rechtliche Grundlagen. In den ersten beiden Kapiteln werden dabei recht knapp, aber verständlich transplantationsimmunologische Grundlagen und das Vorgehen bei der Hirntoddiagnostik besprochen.
In den Abschnitten II ('Explantation') und III ('Pflegerelevante Grundlagen bei Transplantationen') gelingt es durch die Einzeldarstellungen der prä-, peri- und postoperativen Phasen in den Bereichen Anästhesiepflege, OP-Pflege und Intensivpflege gut, die Organisation und den Ablauf einer Transplantation detailliert darzustellen.
Der vierte Abschnitt beschreibt schliesslich in der gleichen subtilen Strukturierung die Besonderheiten der einzelnen Operationen: von der Nieren- über die Herz-, Lungen- und Lebertransplantation ist bis hin zur Korneaspende- und -transplantation kein Bereich ausgespart.
Besonders spannend und interessant sind dabei die Erfahrungsberichte von Patienten, die jedes Kapitel abrunden.
Wie eingangs beschrieben wird in dieser Reihe des Thieme-Verlages großer Wert auf den Praxisbezug der Bücher gelegt. Durch die Einbindung von Formularen zur Pflegedokumentation in der Anästhesie, den Standardpflegeplänen beispielsweise der Nierentransplantation oder den Patientenberichten ist man dem sich selbst gesteckten Ziel sicherlich recht nah gekommen. Auch die Kapitel für die Pflegenden im Operationsdienst erscheinen umfassend abgehandelt.
Ein weiteres Element, das den Praxisbezug betonen soll sind die Abbildungen: zwar finden sich Fotos von OP-Situs, Transplantaten, Instrumentarien und Intensivplätzen, jedoch sind diese häufig in mäßiger Qualität und nur wenig aussagekräftig. Verwirrung kann dadurch entstehen, dass ein Großteil der Bilder doppelt verwendet wurde: so ist der Text mit Schwarz-Weiss-Abbildungen illustriert, die sich nochmals in der Mitte des Buches auf 16 nicht paginierten Tafeln in Farbe finden.
Die Inhalte sind durchweg sehr verständlich formuliert, sodass man dem Werk anmerken kann, dass es 'für Pflegende von Pflegenden' geschrieben worden ist.
Deutlich zu kurz kommt hierbei jedoch die pflegerische Betreuung des hirntoten Patienten. Zwar werden die 'seelischen Belastungen bei postmortaler Spende' an zwei Stellen im Buch angerissen, jedoch für den pflegerischen Neueinsteiger in der dieser Thematik sicherlich nicht in ausreichendem Maß.
Nicht minder wichtig, aber noch knapper besprochen sind die im Rahmen der postoperativen Betreuung notwendigen Hygienemaßnahmen. Besonders zu Durchführung und Organisation der Schutzisolation fehlt jeder Hinweis. Natürlich gibt es hierzu keine einheitliche Empfehlung, aber eine Offenlegung der jeweiligen internen Standards der beteiligten Kliniken hätte dem Ratsuchenden immerhin eine Orientierungshilfe bedeutet.
Auch sind einzelne Kapitel schlicht unsauber recherchiert: so empfehlen die Autoren im Abschnitt 'Herz-/Lungentransplantation' zur Therapie mittels intraaortaler Ballonpumpe (IABP), das Gerät zur kardio-pulmonalen Reanimation inkl. Defibrillation und Kardioversion in jedem Fall abzuschalten.
Der marktführende Hersteller auf diesem Gebiet empfiehlt jedoch genau Gegenteiliges.
Ebenso kann und wird die IABP durchaus auch bei Kindern eingesetzt. Warum Frau Schröder et al. der Meinung sind, dass hierfür geeignete Katheter nicht zu Verfügung stehen, ist ein Rätsel.
Fazit: Insgesamt kann diese Neuerscheinung dem in der perioperativen Transplantationspflege unerfahrenen Kollegen und dem interessierten Laien durchaus eine brauchbare Übersicht der grundlegenden Aspekte vermitteln. Geht man ins Detail, so fallen schnell die inhaltliche Schwachstellen und Oberflächlichkeiten auf, die dem in den anderen Büchern der Reihe (Ullrich, L: 'Zu- und ableitende Systeme - fürsorglich pflegen im Hightech-Umfeld' / Bienstein, Chr.: "atmen - die Kunst der pflegerischen Unterstützung der Atmung') glänzend umgesetzten Konzept einen bitteren Nachgeschmack verleihen.
Von den Herausgebern möchte ich mir für die zweite Auflage neben der gründlichen Bearbeitung der Inhalte eines wünschen: bitte behalten Sie meinen Lieblingsabsatz 'Beatmungsmasken' im Kapitel 6.1.1 (Anästhesiepflege, Geräte) bei, in dem es heisst: 'eine Auswahl passender Beatmungsmasken liegt, je nach hausinternen Standards, für den Anästhesisten bereit.' ...
mit freundlicher Genehmigung des Georg Thieme Verlages, Stuttgart
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