Buchbesprechung: Arzneimittel pocket plus 2007
Dr. med. Markus Unnewehr
Ruß, A.; Endres, S.
Bruckmeier Verlag
3. Auflage 2006
624 Seiten
ISBN 389862269x
EUR 18,80
Die „pocket“- Kitteltaschenbücher aus dem Börm Bruckmeier-Verlag
haben sich mittlerweile ihren festen Platz in den Kliniken erobert. Aus dem
wachsenden Verlagssortiment sind die Titel über Arzneimittel sicherlich
am häufigsten in den Kitteltaschen zu finden.
„Arzneimittel pocket
plus 2007“ von Andreas Ruß und Stefan Endres ist eine Kombination
der Inhalte der Börm Bruckmeier-Handbücher „Arzneimittel pocket“ und „Arzneimittel
Therapie pocket“ in der dritten Auflage.

Das Handbuch ist zunächst unterteilt in Anwendungsbereiche der Pharmaka – z.
B. Herz-Keislauf, Schmerz, HNO. Jedes Kapitel ist wiederum in die beiden Teile
A – Arzneimittel und T – Therapie untergliedert. Dieses logische
und praktische System erleichtert das Zurechtfinden in der Menge der Informationen, die das Buch bietet.
Für die Vorstellung der einzelnen Medikamente mit ihren vielen Details
verwenden die Autoren ein ausgetüfteltes System. Markennamen, Dosierungen,
Warnhinweise, Querverweise und vieles mehr finden sich in grafisch übersichtlich angeordneten Tabellen.
In den Therapieteilen wird die medikamentöse Therapie vorgestellt, und
oft werden andere Therapiemethoden gleich mit beschrieben. Die Therapien sind
aktuell, präzise und generell evidence based, ohne jedoch einengend und überheblich zu wirken. Quellenangaben z. B. über Leitlinien oder wichtige Studien liefern hilfreiche Zusatzinformationen.
Inhaltlich gleicht das Handbuch einem Mini-Lexikon mit Anspruch auf (Über-)vollständigkeit.
Es umfasst wahrscheinlich alle relevanten Krankheiten oder Symptome, die pharmakologisch zu beeinflussen sind, einschließlich der Protoporphyrie, der Ösophagusachalasie und der Pest. Zusätzlich finden sich sinnvolle Zusatzinformationen wie beispielsweise Medikamente in der Schwangerschaft, ein Impfkalender und Vergiftungen. Ob allerdings Details über pharmakologische Prinzipien, das Doping im Sport und die differenzierte onkologische Therapie in ein Alltags-Handbuch gehören, ist zu beweifeln.
„Arzneimittel pocket plus 2007“ hat
gegenüber der 2005er-Ausgabe um ein Drittel an Dicke zugelegt und Kitteltaschen sind eben keine Wanderrucksäcke.
Trotz Nachbesserung im Vergleich zur Ausgabe 2005 bleibt der Index stellenweise
unpraktisch. Sucht man beispielsweise nach „Diazepam“, bietet das
Buch über zehn Fundstellen und zwei weitere Handelsnamen. Eine Markierung
der Hauptfundstelle fehlt. Eine prima Neuerung ist die direkte Angabe des Wirkstoffs
hinter dem Markennamen.
Die Angabe der extrarenales Eliminationsfraktion Q0 zur Anpassung der Medikamentendosis
bei Niereninsuffizienz ist fraglich praxistauglich, vor allem wenn die dafür
nötigen komplizierten Formeln und Tabellen im Buch unvollständig
angegeben sind (S. 531).
Nach wie vor fehlen jegliche Informationen über Medikamentenpreise. Sicher
darf der Kostenaspekt nicht führendes Kriterium der Medikamentenanwendung
sein, jedoch ist er im Rahmen eines kosteneffizienten Arbeitens zu berücksichtigen.
Auch wenn die Angabe von Tagestherapiekosten ist nicht immer möglich ist,
sollten zumindest grobe oder relative Einteilungen auftauchen.
Fazit:
„Arzneimittel pocket plus 2007“ ist nach wie vor eine sinnvolle
Bereicherung jeder Kitteltasche. Durch die unübertroffene Informationsfülle
und die praktische Anwendbarkeit ist es im Klinikalltag kaum wegzudenken. An
Details wie Index, Preisangaben und Niereninsuffizienz-Dosis muss noch gefeilt
werden.
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