Buchbebesprechung: NETTER's Innere Medizin
Dr. med. Markus Unnewehr
Frank H. Netter
Verlag: Thieme, Stuttgart
Seiten / Umfang: 1216 Seiten, 573 Farbtafeln
Erschienen: 2000
Preisinfo: 59,59 €
ISBN: 3-131-239611
Reichlich Farbe, klare Strukturen und etwas Charme der 50er Jahre: Es
geht hier nicht etwa um den späten Walt Disney, sondern um die medizinischen
Illustrationen von Frank H. Netter. Der amerikanische Arzt und Künstler hinterließ
bei seinem Tod 1991 mehr als bunte Bildchen: Sein umfangreiches Werk von Zeichnungen
zu fast allen medizinischen Themen gehört heute weltweit zum Standard der medizinischen
Lehre.
Der Thieme Verlag gibt jetzt die für den Bereich 'Innere Medizin' relevanten
Darstellungen Netters kombiniert mit Texten in Form eines Taschenatlas heraus.
In 'Netters Innere Medizin' findet sich auf einer Doppelseite links stets eine
Beschreibung des Themas, das die Zeichnungen des Künstlers auf der gegenüberliegenden
Seite visuell verdeutlichen.
Der Atlas erscheint in gebundener Form im 'Taschenbuch-Format', was
sich weniger auf die stattliche Dicke von etwa 1150 Seiten bezieht. Die einzelnen
Kapitel sind dezent farblich markiert, die Seiten erscheinen in einem angenehm
schlichten und übersichtlichen Layout.
Das Buch umfasst die großen Teilbereiche der Inneren Medizin: Herz,
Kreislauf/Gefäße, Atemwege/Lunge, Niere/Harnwege/Geschlechtsorgane, Endokrinologie,
Stoffwechsel, Verdauungstrakt, Leber/Galle/Pankreas, Bewegungsapparat und neurologische
Erkrankungen.
Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann der Atlas jedoch nicht erheben.
Er muss an den Stellen passen, worüber Dr. Netter vermutlich keine Zeichnungen
angefertigt hat: Der Themenbereich Psychosomatik/Psychische Erkrankungen, der
heute in den meisten Standardlehrbüchern der Inneren Medizin erhalten ist, kommt
ebenso zu kurz wie z. B. Krankheiten aus der Hämatologie.
Einen ähnliches Problem des Konzepts - nicht immer sind zu im Atlas
behandelten Themen aussagekräftigen Illustrationen vorhanden - lösen die Autoren
durch den geschickten Einbau von beispielsweise Röntgenbildern und Endoskopiefotos
in die Bildtafeln.
Die Kapitel werden eingeleitet von umfassenden anatomischen und physiologischen
Grundlagen. Im Anschluss werden die Krankheitsbilder in ihrer Ätiologie, Pathogenese,
Pathophysiologie, Klinik und Therapie erläutert, wobei letztere meist nur grob
skizziert wird. Die Texte enthalten die Informationen zu den Themen in knapper
Form, sind klar strukturiert und lassen sich flüssig lesen.
Der eigentliche Schatz dieses Taschenatlas sind Frank H. Netters medizinische
Illustrationen. Sie mögen teilweise in die Jahre gekommene Untersuchungen und
Therapien darstellen, in der Farbgestaltung ins Kitschige abgeleiten und nicht
jedermanns Geschmack treffen - ihr didaktischer Wert ist jedoch unerreicht.
So erleichtern die Schemata beispielsweise von Stoffwechselvorgängen den Zugang
zu komplexen Themen. Netters mikroskopische und makroskopische Schnittzeichnungen
visualisieren auch diskrete pathologische Veränderungen.
Die sicher eindrucksvollsten Illustrationen sind die Darstellungen kranker
Menschen. Ob der Blue Bloater, die Strumen-Patienten oder der Mann mit M. Parkinson
- Dr. Netter versteht es meisterhaft, das charakteristische klinische Erscheinungsbild
der Krankheiten mit Sensibilität und Detailtreue dem Betrachter einprägsam nahezubringen.

Fazit
Der Atlas präsentiert dem Leser die nötigen
Sachinformationen in komprimierter Form in Kombination mit Frank H. Netters
Zeichnungen und nutzt damit deren genialen didaktischen Ausdruck in gelungener
Weise.
Dieses clevere Konzept verbunden mit angenehmer Schreibweise und optischem
Erscheinungsbild sowie einem fairen Preis machen 'Netters Innere Medizin' zu
einem empfehlenswerten Taschenatlas.
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