Entsolidarisierung von Pflegenden und Ärzten
Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege & Funktionsdienste
Der Deutsche Pflegerat e.V. die Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen,
wies in Berlin die Forderungen der deutschen Ärzteschaft nach 30 Prozent
mehr Gehalt als überzogen zurück, da diese Forderungen finanziell gegenwärtig
nur auf dem Rücken der Patienten, d.h. der Beitragszahler, und der anderen
Arbeitsnehmer im Gesundheitswesen, d.h. insbesondere den in der Pflege Beschäftigen
realisiert werden können. Daher seien langfristig Arbeitplatzabbau und damit
ein Qualitätsverlust im deutschen Gesundheitswesen zu befürchten.
„
Die Ärztefunktionäre sorgen für eine dramatische Entsolidarisierung
der Berufsgruppen, insbesondere der Pflegekräfte, anstatt sich für
eine Sicherstellung einer besseren Organisation und einer qualitativ hochwertigen
Patientenversorgung zu entscheiden“, sagte dazu die Präsidentin des
DPR, Marie-Luise Müller. „Wenn die Arbeitgeber jetzt nachgeben, werden
die Pflegekräfte als Verlierer aus diesem ungleichen Tarifkampf (Marburger
Bund und verdi) hervorgehen“.

Nach Auffassung des DPR bilden Ärzte und Pflegekräfte in den Krankenhäusern
bislang eine wichtige Arbeitsgemeinschaft für eine sichere und gute Patientenversorgung.
Sie sind in den Arbeitsabläufen und Aufgabenverteilung sehr eng aufeinander
angewiesen. Deshalb sind ihre Probleme eng miteinander verknüpft. Einseitige
Forderungen, die nicht an den tatsächlichen Wurzeln der Problemfelder ansetzen,
gehen zu Lasten der Pflege. Mehr Finanzmittel alleine lösen die zwingend
anstehenden Veränderungsprozesse nicht, sondern überdecken die gravierenden
Organisations- und Strukturmängel im klinischen Alltag, „zumal steigende,
einseitige Personalkosten ohne Berücksichtigung der Finanzierung den Stellenabbau
beschleunigen“, so Marie-Luise Müller weiter, „wir sind für
angemessene, leistungsgerechte Vergütungen, aber nicht ohne den Blick
auf die dauerhaft wirksamen Verbesserungen in der Organisation zu richten.“
Daher fordert der Deutsche Pflegerat eine umfassende Neuverteilung der Aufgaben
insbesondere von medizinischen Leistungen aus der Diagnostik, Therapie und
Organisation. Pflege hat und wird diese Aufgaben übernehmen können und dabei auf
mehr Verantwortung und leistungsgerechte Vergütung setzen. Damit sind Ärzte
freigesetzt für ihre ureigensten und nicht delegierbaren Aufgaben. Der DPR
fordert seit der Einführung des neuen Entgeltsystems eine Verbesserung der
Bedarfs-Abbildung der pflegerischen Leistungen im DRG-System.
Eine Aufnahme von
Pflegeklassifikation so beispielsweise Pflegediagnosen zur medizinischen
ICD-Klassifikation, würde eine gerechtere und homogenere Erlössituation
abbilden. Damit käme es auch automatisch zu einer Entschärfung um
den Personalkostenfaktor und dem schleichenden Stellenabbau in der Pflege.
Die unvermeidbare Zunahme der Pflegeintensität, (Altersstruktur, Multimorbitität,
demenzieller und chronischkranker Patienten), verkürzte Verweildauern und
Fallzahlsteigerung erfordern mehr denn je qualifiziertes ärztliches und
pflegerisches Potenzial. Professionelle Pflegekräfte könnten künftig
zunehmend medizinische Therapieleistungen, Steuerungsaufgaben und Beratungsleistungen übernehmen, Ärzte
sich stärker auf die wissenschaftliche und organisatorische Ausrichtung
ihrer Profession konzentrieren.
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