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erschienen in der intensiv, Fachzeitschrift für Intensivpflege und Anästhesie, Georg Thieme Verlag

Editorial

Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege & Funktionsdienste

Editorial

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Streiks an klinischen Einrichtungen bestimmen zurzeit das Bild in den Medien und sind Ausdruck von Unzufriedenheit, die die Arbeitsbedingungen, Bezahlung und auch Bildungsarbeit betreffen. Immer mehr werden Bildungsmaßnahmen nicht genehmigt, finanzielle Förderungen eingestellt und Bildungseinrichtungen rationalisiert.

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Betrachtet man den Begriff Bildung, so wird deutlich, dass der moderne Bildungsbegriff für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen steht, in dem er seine kulturellen, geistigen und lebenspraktischen Fähigkeiten mit samt seiner sozialen und personalen Kompetenzen erweitern kann. Unter pädagogischer Betrachtung ist Klafkis Perspektive relevant, wonach Bildung darauf abzielt, drei spezifische Fähigkeiten zu vermitteln:

- Selbstbestimmungsfähigkeit,
- Mitbestimmungsfähigkeit und
- Solidaritätsfähigkeit.

Diese Grunddimensionen menschlicher Fähigkeiten werden nicht nur für die Schulbildung als notwendige Voraussetzung betrachtet, sich in der Lebenswelt zu Recht zu finden, sondern sie sind auch das Gerüst für die Fortsetzung von Bildung nach einer erworbenen Erstausbildung. Demnach soll Bildung u. a. zu einer handwerklich-technischen Bildung führen, die Interaktion zwischenmenschlicher Beziehungen ermöglichen, eine politische und ethische Handlungsfähigkeit entwickeln sowie weitere spezifische Fähigkeiten vermitteln.

Dazu gehören Schlüsselqualifikationen wie Kritik- und Teamfähigkeit, Empathie, Kooperations-, Kommunikations-, Argumentations-, Entscheidungsfähigkeit und Selbständigkeit sowie logisches, systematisches und vernetztes Denken, um nur einige zu nennen. Die drei Grundelemente von Bildung können nach Klafkis Vorstellung im Rahmen einer betrieblichen Bildung nicht ausgeblendet werden, sondern sind die Basis für weiter zu entwickelnde Fähig- und Fertigkeiten.



Führungskräfte von Kliniken müssten demnach ein großes Interesse daran haben, ihren Mitarbeiten ein breitflächiges Bildungsangebot zu unterbreiten.
Ä hnlich sieht es Decker , indem er die Wichtigkeit von Bildung vor allem für Betriebe apostrophiert, die um ihre Wettbewerbsfähigkeit ringen, und in denen Mitarbeiter im Kontext einer schnelllebigen Zeit versuchen müssen mit entsprechenden Lern- bzw. Bildungsprogrammen quantitativen wie qualitativen Veränderungsprozessen Stand zu halten. Er fordert dahingehend eine Systematisierung von Bildungsarbeit, um die individuellen Belange sowie die Ziele der Unternehmungen von Erfolg gekrönt zu sehen.

Durch Rationalisierung von Mitarbeitern sowie Beschneidung von gezielten Bildungsmaßnahmen erhöhen sich in allen klinischen Einrichtungen allerdings die Risiken, die eigentlich vor dem Hintergrund von qualitätssichernden Maßnahmen reduziert werden sollen. Hier scheint sich ein Widerspruch zu entwickeln, was mit einem Beitrag über Nadelstichverletzungen unterlegt wird.

Zeitgleich werden allerdings in verschiedenen Bundesländern in Bezug auf Fachweiterbildung neue Modelle überlegt. Hierzu gehört die Frage, ob Weiterbildungslehrgänge nicht mehr als Kurs- sondern als Modulsystem angeboten werden können. Die Überlegungen gehen zurzeit einher mit der Idee einer erhöhten Vergleichbarkeit auf nationaler und internationaler Ebene sowie einer Kooperation mit Hochschulen. Diese Anbindung beinhaltet die Gedanken, absolvierte Module an Weiterbildungseinrichtungen und Hochschulen mit dem Grad des Bachelors zu versehen, womit die Professionalisierung auch durch Akademisierung vorangebracht werden könnte. Entscheidungen dazu werden allerdings erst in den nächsten Jahren erwartet. Manche sehen in den Entwicklungen eine Krise. Unter den vorangegangenen Betrachtungen hoffe ich dass Richard von Weizäcker recht behält mit seiner Aussage: „Von den Chinesen können wir derzeit viel lernen. Sie benutzen für Krise und Chance dasselbe Wort.“
Dietmar Stolecki


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    Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste







Letzte Aktualisierung: 04.07.2008 Der Webcode dieser Seite lautet ZW0238

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