Der Streik um die Erhöhung ärztlicher Gehälter wird von der
Deutschen Krankenhausgesellschaft mit folgendem Text kommentiert.
1. Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist dramatisch. Die Budgets
der Kliniken sind seit mehr als 10 Jahren gedeckelt und sinken faktisch, weil
die Personalausgaben die Einnahmen überragen. Mehr als ein Drittel der Kliniken
schreibt rote Zahlen.
2. In den vergangenen drei Jahren stiegen die Tarifgehälter um gut 5 Prozent,
während die Budgets der Kliniken nur um ein Prozent angehoben wurden. In
einem mittelgroßen Krankenhaus hat dies ein Finanzierungsdefizit von mehr
als 1 Million Euro zur Folge.
3. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer führt für die Kliniken zu einer
Mehrbelastung von rund 500 Millionen € pro Jahr. Anders als in der Industrie
können Krankenhäuser Steigerungen der Sachkosten oder Personalkosten
nicht durch höhere Preise an die Kunden weitergeben. Kliniken rechnen mit
den Krankenkassen nach festen vorgeschriebenen Kostensätzen ab.
4. Die Kliniken haben im Jahr 2005 zusätzlich 300 Millionen € (0,2
Prozent der Gesamtausgaben) für innovative Arbeitszeitmodelle investiert.
Dieses Jahr werden sie weitere 100 Millionen €, also insgesamt 400 Millionen €,
für derartige Maßnahmen aufwenden.
5. Noch nie wurden so viele Ärzte (147.000) in Kliniken beschäftigt
wie heute. Die Krankenhäuser investieren heute rund 20 Prozent mehr in die
Beschäftigung des ärztlichen Personals als in den letzten 5 Jahren.
6. Mit dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) sind Klinikärzte
die am besten verdienende Berufsgruppe im öffentlichen Dienst. Anders als
in Universitätskliniken wurde in kommunalen Kliniken das Weihnachts- und
Urlaubsgeld durchweg bezahlt.
7. Die Einstiegsgehälter junger Ärzte sind zum 01.10.2004 durch die
Abschaffung der Arzt-im-Praktikum-Phase (AiP) um 170 Prozent angehoben worden.
Dadurch werden Mediziner gegenüber Absolventen anderer Studiengänge
mit Staatsexamen (Juristen, Lehrer) deutlich bevorzugt.
8. Junge Klinikärzte erzielen an kommunalen Krankenhäusern bereits
heute das Einkommen, das die Ärztegewerkschaft für die Uniklinikärzte
unlängst erstreikt hat. Ein Berufsanfänger verdient im ersten Jahr
ca. 3.300 € brutto im Monat inkl. anteilig Weihnachtsgeld ohne Bereitschaftsdienst
(BD) bei 38,5 Stunden/Woche. Bei einer tariflichen Arbeitszeit wie der eines
Uniklinik-Arztes (42 Stunden/Woche) wären dies ca. 3.600 € /Monat.
Ein erfahrener Assistenzarzt kommt analog auf 4.000 € Bruttomonatsgehalt.
Ein Facharzt erzielt sieben Jahre nach Berufseinstieg 4.600 € (jeweils ohne
BD).
9. Bereitschaftsdienste werden in kommunalen Krankenhäusern je nach Art
nach festen Sätzen bezahlt. Ein Assistenzarzt erhält durchschnittlich
im Monat ca. 600 € Bereitschaftsdienstvergütung, ein Facharzt 700 €/Monat
und ein Oberarzt für Rufbereitschaft ca. 780 €/Monat brutto zusätzlich
zu seinem Grundgehalt.
Fast nirgendwo in Europa verdienen ärztliche Berufsanfänger wesentlich
mehr als in Deutschland, auch nicht in Großbritannien oder Frankreich.
Oberärzte verdienen durchschnittlich 99.000 € Jahresgehalt. Chefärzte
kommen im Schnitt auf 278.000 € brutto im Jahr. Damit sind die Ärzte
mit großem Abstand die Spitzenverdiener im Krankenhaus.
(Quelle: Deutschen Krankenhausgesellschaft – Informationen für Ärzte
und Patienten, Juni 2006)
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