Editorial
Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege & Funktionsdienste
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Symposien und Kongresse sind nicht nur eine wunderbare Gelegenheit, sich über fachliche Neuigkeiten zu informieren, sondern auch ein Forum für berufspolitische Diskussionen. In diesem Kontext fällt auf, dass zahlreiche Kollegen ihren Finger erheben, Missstände anmahnen und ihrem Unmut Platz machen.
Doch inzwischen haben zahlreiche andere Kollegen gelernt zu fragen, inwieweit diejenigen berufspolitisch engagiert sind und einem Berufsverband angehören, um ihre Forderungen zu unterstreichen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Von ca. 1,5 Mio. Pflegekräften in Deutschland lassen nur ca. 100.000 Kollegen auch tatsächlich ihre Unterstützung den Berufsverbänden durch eine Mitgliedschaft zukommen, verleihen also ihrer Meinung auch ein politisches Mandat. Mit gerade mal 15% aller Beschäftigten in der Pflege ist es damit nicht leicht, sich gegenüber anderen Interessen und Interessensvertretern behaupten zu können, wie das Beispiel der elektronischen Gesundheitskarte zeigt.
Es ist nicht vorgesehen, dass die Pflegeberufe und insgesamt 2,7 Mio. andere Beschäftigte in den Heilberufen eine Zugangsberechtigung erhalten und damit Zugriff auf die gespeicherten Daten der Gesundheitskarte haben sollen, obwohl sie in der Gesundheitsversorgung tätig sind und diese Daten unabdingbar sind. Die Begründung liegt in der Tatsache, dass kein Heilberufsausweis vorliegt.

Einen anderen, beachtenswerten Missstand, offeriert ein Bericht des Spiegels (Spiegel Online 24.10.2006).
Sinkende Planstellen für Pflegende in Krankenhäusern bedeuten nicht nur Einsparungen, sondern möglicherweise auch Gefährdungen von Patienten. Wie in dem Bericht zu lesen ist, zeigen vor 8 Jahren in England erhobene Daten, dass Morbidität und Letalität durch Personalmangel zugenommen haben (Vergleich von 120.000 Patientenakten im Zeitraum von 1998-1999 in 30 verschiedenen Kliniken – Internationale Krankenhaus-Leistungs-Studie). In dem Bericht wird aufgezeigt, dass in Kliniken mit einer geringeren Personalausstattung Komplikationen und gar Letalität höher ausgefallen sind als in Kliniken mit höherer Planstellenbesetzung. Das britische Ministerium hat die Daten als alt zurück gewiesen, allerdings auch verdeutlicht, dass inzwischen 89.000 neue Stellen für Pflege eingerichtet worden sind.
In der BRD ist nach der Krankenhausstatistik der DKG in der Zeit von 1994-2004 die Zahl der in der Pflege beschäftigten Mitarbeiter im Krankenhaus um 20.581 gefallen. Wenn auch ein direkter Vergleich mit den englischen Daten nicht möglich ist, zeigt sich doch durchaus ein Trend, der nicht Anlass zur Freude sein kann.
Wenn also Pflege einen spezifischen Anteil an der Gesundheitsversorgung der Gesellschaft hat, muss sie sich auch für die Belange der Gesellschaft einsetzen. Das erfordert ein fundamentiertes Mandat seiner Berufsangehörigen, um in Augenhöhe und Diskursen mit Gremien und anderen Berufsverbänden einen angemessenen Beitrag zur Gesundheitsversorgung leisten zu können. Überzeugen auch Sie Ihre Kollegen von Zielen und Notwendigkeiten frei nach dem Motto: Wer sich nicht organisiert und mit gestaltet wird organisiert!
Wir wünschen Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit, schöne Feiertage und einen gesunden und glücklichen Rutsch ins neue Jahr!
Für die DGF
Dietmar Stolecki
Wahl bei der KTQ
Im Oktober 2006 standen Neuwahlen für die Vorsitzenden bei der KTQ an. Gewählt wurden Frau Müller, Präsidentin des DPR als Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der KTQ GmbH, sowie Klaus Notz, Vorsitzender der DGF, als stellvertretender Vorsitzender.
Damit nehmen erstmalig zwei Pflegekräfte eine Spitzenposition in der Selbstverwaltung ein, was ein Ausdruck für neue Stärke der Pflege sein kann.
Bericht: K. Notz
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