Editorial
Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege & Funktionsdienste
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Stichworte „qualitative Versorgung der Patienten, Delegation ärztlicher Aufgaben und Übernahme von Tätigkeiten durch Pflegende” bestimmen derzeit die Diskussionen in Deutschland auf politischer und berufspolitischer Ebene. Parallel dazu drehen sich weitere Diskussionen um die Frage des weiteren Stellenabbaus in der Pflege und die Frage inwieweit ein Zusammenhang besteht
zwischen Quantität und Qualität.

Das Konfliktpotential ist so groß,
dass sehr unterschiedliche Stellungnahmen der ärztlichen und pflegerischen
Berufsverbände leider keine Ausrichtung im Sinne einer gemeinsamen Lösung
erwarten lassen. Infolgedessen versuchen die Pflegeverbände unter dem
Dach des DPR zusammen, aber auch gemäß ihrer spezifischen Vertretung
Lösungen anzubahnen. Die zuletzt erschienene Erklärung der DGF zur
Pflegequalität und -sicherheit in der Intensivpflege war ein Auftakt dazu.
Weitere Stellungnahmen und Erklärungen werden folgen und sind nicht losgelöst
zu sehen von einer gemeinsamen Strategie der Pflegeverbände, was einige
Leser mit ihren Stellungnahmen auf der Internetseite von zwai.net befürchten.
Im Gegenteil. Je mehr durch nicht professionell Pflegende an der Professionalität
gezweifelt wird und durch unsachgemäße Äußerungen bekundet
wird, desto größer wird das Begehren werden, Planstellen zu sichern
und Tätigkeitsfelder zu beanspruchen, die der Kompetenz der hervorragend
aus- und weitergebildeten Pflegenden entspricht.
Diese Initiativen ergeben
sicht nicht aus unterstelltem Eigennutz und passieren schon gar nicht - wie
zu lesen war - in virulenter Form, sondern sind bedingt durch die notwendige,
best mögliche Versorgung der Patienten, auf die sie ein Anrecht haben.
Der Spannungsbogen zwischen politisch-ökonomischen sowie unterschiedlichen
berufspolitischen Forderungen ist bedingt durch zahlreiche gesetzliche Regelungen.
Beginnend mit dem Gesundheitsreformgesetz von 1989 und 10 folgenden gesetzlichen
Ergänzungen sowie Änderungen, hat sich der finanzielle Druck in den
Kliniken zum Teil erheblich erhöht, sodass unverändert über
allerlei Sparpotentiale nachgedacht werden muss.
Nun scheint sich ein Konflikt anzubahnen, der im Zuge der Qualitätssicherung
bisherige Vorstellungen konterkariert. Planstellen auf den Intensivstationen
werden genauso abgebaut wie auf Normalpflegestationen, obwohl die Intensivstationen
das „Nadelöhr der Kliniken” und damit ein Garant sind, dass
operative Leistungen unverändert oder gar mit steigender Tendenz erfolgen
und honoriert werden können.
Parallel dazu werden Planstellen der Pflege in der Anästhesie abgebaut
und immer mehr durch Hilfskräfte ersetzt. Eine ehemals geforderte Relation
von Pflegenden und Ärzten gegenüber zu versorgenden Patienten von
2:1 wird plötzlich aufgegeben, wobei die Begründungen undurchsichtig
erscheinen. Zeitgleich wird „geprüft” ob anästhesie-technische
Assistenten eine Alternative zur Fachpflege sein können. Schaut man sich
die Relation von Fachpflegenden zu nicht Fachpflegenden in der Anästhesie
an, muss festgestellt werden, dass es weder an der Kompetenz und damit Qualität
der Pflegenden liegen kann noch an der Quantität, da es keine andere Abteilung
gibt, die in der Regel eine höherwertige Besetzung haben dürfte.
Folglich werden Lehrgänge für ATA’s wohl nur unter rein ökonomischen
Kriterien ausgerichtet, was vor dem Hintergrund der Qualitätssicherung
fragwürdig erscheinen muss.
Hierzu wird die DGF in der nachfolgenden Ausgabe eine umfassende Stellungnahme
abgeben und den Stellenwert der Anästhesiepflege beleuchten.

Betrachtet man die vorliegende Studie des Instituts für Qualität
und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, in der der Zusammenhang zwischen
Pflegekapazität und Ergebnisqualität in der stationären Versorgung
analysiert wurde, so heißt es hier, dass seit zehn Jahren in Deutschland
ein kontinuierlicher Abbau von Planstellen in der Pflege erfolgt und zu befürchten
ist, dass sich [...] diese Entwicklung verstärken wird bei gleichzeitiger
Zunahme des Pflegaufwands pro Belegungstag. [...] Auf Grund eines mangelnden
Systems zur Beurteilung der Behandlungsergebnisse bleibt unklar, inwieweit
der Personalabbau in der stationären Pflege in Deutschland eine Verschlechterung
der Ergebnisqualität nach sich zieht. Allerdings wird in der Studie eingeräumt,
dass „internationale Studien Hinweise für einen positiven Zusammenhang
zwischen der Pflegekapazität und der Ergebnisqualität geben, was
sich anhand der Zielgrößen Mortalität bei verspäteter
Hilfe im Notfall, Verweildauer und Auftreten von Pneumonien zeige.”
Frau Strunk zeigt allerdings auf, dass es nicht nur Hinweise sondern wissenschaftliche
Belege in internationalen Studien gibt, die beweisen, dass eine Verknappung
von Personal sehr wohl zu negativen Ergebnissen in der Patientenversorgung
kommt - siehe EfCCNa Komitees „Studie zum Personalbedarf Intensivpflege
2006 - 2008” am Ende der Mitteilungen.
Der Deutsche Pflegerat (DPR) nahm dieses zum Anlass und diskutierte am 12.5.2007
auf einem Symposium in Berlin mit zahlreichen Experten unter dem Motto „Wie
viel Pflege benötigt Deutschland?” Einfluss nehmende Faktoren und
potentielle Auswirkungen. Umfassende Informationen folgen.
Unter diesen sich immer weiter zuspitzenden heftigen Diskussionen bleibt die
Hoffnung, dass sich Vertreter der pflegerischen und ärztlichen Berufsverbände
endlich an einen Tisch setzen und sinnvolle gemeinsame Lösungen entwickeln,
auf provokante Thesen verzichten, nicht über den anderen (Partner) hinwegdiskutieren
und dabei daran denken: Es kann nur einen geben - den Patienten und seine bestmögliche
Versorgung!
Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit und Raum für sorgenfreie
Gedanken.
Herzlich,
Dietmar Stolecki
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