S3 Leitlinie „Nichtinvasive Beatmung zur Therapie der akut respiratorischen Insuffizienz (ARI)
Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste
Im Rahmen der wissenschaftlichen Leitlinienentwicklungen ist die DGF, vertreten durch Rolf Dubb (DGF Landesbeauftragter Baden-Württemberg) und Arnold Kaltwasser (Leiter der Weiterbildung Anästhesie und Intensivpflege an der Akademie der Kreiskliniken Reutlingen,) aktives Mitglied des Gremiums unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), das sich mit der Verfassung von Leitlinien beschäftigt. Die Leitlinien der AWMF werden in einem 3-stufigen Prozess entwickelt.

Der hohe Stellenwert der nichtinvasiven Beatmung (NIV) in der Therapie der
akuten respiratorischen Insuffizienz (ARI) basiert auf Ergebnissen der breiten
klinischen Forschung der letzten 20 Jahre. NIV ist heute nicht mehr aus dem
Instrumentarium der Akutmedizin wegzudenken, wobei der Nutzen abhängig
von der Indikationsstellung auch heute noch heterogen bewertet wird.
Vor diesem Hintergrund formulierten die delegierten Experten der Deutschen
Gesellschaften für
Pneumologie und Beatmungsmedizin, Anästhesie und Intensivmedizin, Internistische
Intensivmedizin, Kardiologie, Chirurgie, Neurologie, Pädiatrie, Geriatrie
und Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e. V.
die Leitlinie zum Einsatz der NIV bei ARI. Wesentliches Ziel der Leitlinie
ist die breitere Etablierung dieser Therapieform auf dem Boden der heute verfügbaren
wissenschaftlichen Evidenz in der Akutmedizin.
Entstehung der Leitlinie
Mit der Entwicklungsstufe S3 beinhaltet die vorliegende Leitlinie alle Elemente
einer qualitativen und quantitativen Evidenz-Analyse sowie einer formalen
Konsensfindung. Die Auswahl der Experten erfolgte durch die Vorstände
der beteiligten Fachgesellschaften.
Die Projektarbeit zur Leitlinie begann im ersten Quartal 2005. Es formierten
sich Arbeitsgruppen zu sechs Themenschwerpunkten:
1. Hyperkapnische Verlaufsform der ARI
2. Hypoxämische Verlaufsformen der ARI
3. Perioperative Anwendung
4. NIV im Weaning
5. Technik und Logistik sowie
6. Palliativer Einsatz der NIV.
Die Literaturrecherche wurde im Rahmen der genannten Arbeitsgruppen durchgeführt.
Im ersten Schritt wurde ein Grundkatalog von Veröffentlichungen anhand
von Suchwortlisten in Cochrane und PubMed erstellt. In diesem Grundkatalog,
der je Arbeitsgruppe zwischen 300 und 1100 Titeln umfasste, wurde jeder Titel
durch je zwei Experten auf inhaltliche Relevanz geprüft. Die resultierende
Liste relevanter Titel wurde durch eine nicht formalisierte Literaturrecherche
aus sonstigen Quellen ergänzt.
In einem zweiten Schritt erfolgte, wiederum nach dem Vier-Augen-Prinzip, die
Evidenz-Evaluierung.

Alle Studien wurden nach einheitlichen Kriterien mit Hilfe
standardisierter Checklisten bewertet. Die Zuweisung der Evidenzlevel richtete
sich dabei nach den Empfehlungen des „Oxford Center of Evidence Based
Medicine (CEBM)”. Das in Tab. 1 und Tab. 2 verkürzt dargestellte
CEBM-Schema ist ein zentrales Instrument bei der Formulierung der in dieser
Leitlinie gegebenen Empfehlungsgrade.
Evidenzlevel |
Studien |
Ia |
Metaanalyse über randomisierte
kontrollierte Studien (RCT) |
Ib |
eine RCT (mit engem Konfidenzintervall) |
Ic |
Alle-oder-Keiner-Prinzip |
IIa |
Metaanalyse gut geplanter Kohortenstudien |
IIb |
eine gut geplante Kohortenstudie
oder ein RCT minderer Qualität |
IIc |
Outcome-Studien |
IIIa |
Metaanalyse über Fall-Kontroll-Studien |
IIIb |
eine Fall-Kontroll-Studie |
IV |
Fallserien oder Kohorten-/Fall-Kontroll-Studien
minderer Qualität |
V |
Expertenmeinung ohne explizite Bewertung der Evidenz oder basierend auf
physiologischen Modellen/Laborforschung |
Tab. 1 CEBM-Schema für Evidenzstärken
Empfehlungsgrad
|
Studienlage
|
A
|
Evidenzlevel I (randomisierte Studien) |
B
|
Evidenzlevel II/III (kontrollierte Studien) |
C
|
Evidenzlevel IV (Fallserien) |
D
|
Evidenzgrad V (Expertenmeinung) |
Tab. 2 CEBM-Schema für Empfehlungsgrade
Auf der Grundlage der evidenzbewerteten Literatur erstellte jede Arbeitsgruppe
eine thematische Übersicht ihres Schwerpunktes und formulierte daraus
abgeleitete Empfehlungen. Die logische Abfolge der klinischen Entscheidungen
wurde, soweit möglich, durch Algorithmen dargestellt.
In zwei Konsenskonferenzen im Juli 2006 und April 2007 unter der Moderation
der AWMF wurde die Leitlinie zwischen den beteiligten Gesellschaften abgestimmt.
Die Empfehlungsgrade basieren wesentlich auf der Evidenzevaluation, jedoch
fließt hier auch die klinische Erfahrung der beteiligten Experten mit
ein.
Geplant ist die Veröffentlichung der Leitlinie im Herbst 2007.
Rolf Dubb
Fachkrankenpfleger A+I, Klinikum Stuttgart, Katharinenhospital
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